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dass das Antimon mehr Salz hat, als das Quecksilber. Sal ist nämlich das, was die Körper fest macht. Weil das Salz so schwach im Quecksilber vertreten ist, deshalb ist es flüssig. Es kann nur von dem fix gemacht werden, welcher den Lapis philos. hat, das heisst von dem, der aus Quecksilber: Hydrarg. oxyd. rubr. machen kann.

P. 105. Der Mercur ist nichts anderes als ein wahres Feuer. Auf Grund dessen nämlich liefert er uns das Hydrarg. oxyd. rubr. als Lapis ignis, welchem Basil das Antimon als Lapis ignis, das ist als Sulphur aurat., zur Seite stellt.

P. 107. Es kommt jetzt die Stelle: Observa ergo diligentissime, welche wir bereits kennen, und welche auf die Entstehung der Metalle in der Erde abzielt.

P. 109. Ausser den genannten Metallen (Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Blei) entstehen auch andere Metalle aus den 3 Principien, dem Metallkein, nämlich Vitriol, Antimon, mehrere Marchasitae, Electrum, und andere Minerale, welche Basil nicht weiter durchgehen will. (Thölden bringt eine grössere Reihe.)

Das Gold hat einen viel mehr perfecten Schwefel und Mercur als die übrigen Metalle und Minerale. (Natürlich, es ist in seinem (Salz), Schwefel und Mercur bereits Gold, und braucht nicht weiter durch die xovoonoita zu Gold gemacht zu werden.) Nur ein Mineral giebt es, in dem das Sulphur Solis eben so stark und mächtig, ja noch mächtiger und stärker gefunden wird, als im Gold selbst (nämlich den Lapis philosophicus). Und 2 Arten Metalle werden gefunden, in welchen das Praedominium sehr triumphirt (nämlich den Lapis ignis Mercurii et Antimonii).

P. 111. Das Antimon entsteht also in der Erde, wie die übrigen Metalle und Minerale (wie das im Allgemeinen P. 107. und im Besonderen P. 103. angegeben). Es hat in sich zumeist den Schwefel vertreten, dann den Mercur, und dann das Salz. Dass die Reihenfolge in den Principien die so eben aufgeführte ist, hängt damit zusammen, dass Basil seinen Lapis ignis zumeist in den Vordergrund ge. schoben haben will. Dann erst, wenn er diesen als Schwefel hat, trägt er dem Rechnung, dass er in ihm ein Seitenstück zum Quecksilber-Lapis hat. Diese beiden Standpuncte sind aber die hervorragendsten, und folgt daraus per exclusionem, dass das Salz zum letzten in der Reihe steht.

Hieran knüpfen sich denn auch die Elementar-Qualitäten des Antimons. Die hitzige Elementar-Qualität (Schwefel, Lapis ignis) steht im Vordergrund.

P. 112. Auf die Weise ist denn Basil vom Metall auf den Lapis philos. als solchen gekommen. Er biegt jetzt zum Heil-Lapis ein. Dabei drängt sich dann wieder die Gift-Affäre in den Vordergrund, indem ja der Standpunct Basils der ist, das Antimon sei an und für sich ein Gift, diese Giftigkeit würde ihm aber benommen, indem es auf die entsprechende Weise in ein Heilmittel umgewandelt wird, indem das Böse vom Guten getrennt wird.

P. 113. Antimonium, so sagt er, merum venenum est, nec de genere minorum venenorum, sed quo homines et bestias possis perimere. „Antimon ist ein ächtes Gift und gehört nicht einmal zur Classe der unbedeutenden Gifte, sondern es ist ein so starkes Gift, dass man Menschen und Thiere damit tödten kann." (!) Darum das Geschrei gegen dieses Mittel, welchem Keiner mehr so recht trauen will. Ich, Basil, sage euch aber, es ist ein Heilmittel, grösser als welches es kein zweites auf der Welt giebt, freilich, ihr müsst es nur richtig darzustellen verstehen. Steht es denn, meint er, anders, als mit dem Theriak? Der wird aus Viperngift gemacht, und ist doch ein grosses Heilmittel. (Die Acrzte zu Basils Zeit müssen den Theriak vielfach angewandt haben. Basil hält die Parallelisirung des giftigen Antimon mit dem Viperngift resp. dem Theriak für sehr schlagend, für eine wahre Argumentatio ad hominem.)

P. 118. Wer ein Schüler des Antimons werden will, der muss zum Vulcan in die Schule gehen, der nämlich ist ein magister et revelator" aller Arcana.

Das ist,

ohne Feuer resp. ohne den Feuer-Liquor: Acid. sulphuricum kann man sich das Sulphur auratum und das Stibium sulphuratum nigrum nicht darstellen.

P. 119. Basil weist auf die Heilkraft des Antimons beim Morbus Gallicus, der Syphilis, hin; ebenso bei der Lepra. P. 120. Basil wirft die Fragen auf: Wie kommt es, dass Minerale und andere Dinge ihre Giftigkeit erhalten? Was ist Gift? Woher entspringt die Giftigkeit der Dinge?

Wie kann man einem Dinge seine Giftigkeit benehmen? Wie kann man nach der Entfernung des Giftes ein Mineral sicher und ohne Gefahr zum Heilen anwenden? Darauf will er kurz und bündig antworten, dass die Infusion des Giftes unter einen doppelten Gesichtspunct fällt, unter einen natürlichen und übernatürlichen. Und indem er sich nun an die Lösung der Fragen begiebt, thut er vorab nichts anders, als dass er uns in Expositionen, welche als Gründe aussehen, den Lapis philosophicus als Ens universale vorführt. Wir erhalten hier den Lapis philos. als Gott, Mineral und Metall, das Princip des Guten und Bösen, den Baum des Lebens im Paradies, Sterne, Kometen, Gegensätze, Dinge die sich widerstreiten, Waffen, Medicin, Speise, Magen (Aludel), u. s. w. Dann sagt er:

P. 124. Hauptsächlich ziehen die Körper (Minerale) das Gift in der Erde an sich, indem eine gewisse mercurialische Wesenheit, die noch unreif, crude und nicht durchkocht ist, den Körper durchdringt, und ihn crude, unreif und unverdaulich macht. Es ist hier, wie beim Getreide. Crude genossen kann es nicht verdaut werden. Dasselbe empfängt die Reife vom Feuer des Makrokosmos. Nun muss es vom kleinen Feuer durchkocht werden, damit es vom Mikrokosmos verdaut werden kann. Darauf wird zum Antimon übergegangen, und dieses mit dem Getreide verglichen. So lange das Antimon crude ist, in der Erde noch nicht zur Fixität durchkocht ist, kann es der Magen nicht verdauen. Die Wurzel der Krankheit wird durch dasselbe nicht angegriffen, das geschieht erst, wenn das Antimon in die Fixität übergeführt wird. Es muss also dem Antimon absolut seine giftige Unreinigkeit genommen werden, bevor es zu medicinischen Zwecken angewandt wird. Es ist das Gute vom Bösen, das Fixe vom NichtFixen, die Medicin vom Gifte zu trennen. Das kann nun blos geschehen durch Vermittelung des Feuers. Was der Vulcan im orbis major nicht vollbringen konnte, dem muss im mundus minor durch einen anderen Vulcan nachgeholfen werden. Durch das Feuer werden denn auch dem Antimon die verschiedenen Farben mitgetheilt. (Sulphur aurat, roth, Stibium sulphur. nigrum: schwarz.)

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P. 129. Wir sind noch immer beim Heil-Lapis, das ist, auf das Antimon bezogen, bei dem Antimon, in dem nicht nur Antimon, sondern die Arcana überhaupt vertreten sind. Darauf wurden schon im Vorangehenden Blicke geworfen, hier aber wird es ganz besonders hervorgehoben, wenn es heisst: In me enim (ipsum Antimonium te alloquor) invenis Mercurium, Sulphur et Salem, quibus nihil ad sanitatem hominum est conducibilius. In mir ich Antimon selbst rede dich an findest du Quecksilber, Schwefel, Salz, angemessener als die es nichts für die Gesundheit des Menschen giebt.". Diese 3 respräsentiren hier die Arcana: Acid. sulphur-Natron, Liquor hepatis, P. solaris. Dass das Antimon als selbstredend eingeführt wird, geschieht der Mensch-Interpretation der Tab. smar. zu Liebe, an die sich der Heil-Lapis anreiht. Ein Mensch spricht. Wenn daher das Antimon spricht, so lehnt das an den Menschen, und damit an die Mensch-Interpretation der Tab. smar.

Mit dem Sal, Sulphur, Mercur als res conducibiles ad sanitatem befürchtet Basil zu offen gesprochen zu haben. Darum springt er vom Heil-Lapis zum eigentlichen Lapisphilos. Antimonii ab und sagt: Mercurius est in regulo, Sulphur in colore rubro, et Sal in derelicta terra nigra. Der Mercur ist im Regulus (Antimonii), der Schwefel in der rothen Farbe (Sulphur aurat.), das Salz in der zurückbleibenden schwarzen Erde." (Diese zurückbleibende schwarze Erde kann zwiefach gefasst werden. Entweder ist es der Lapis, welcher übrig bleibt, nachdem die beiden anderen Lapides absolvirt sind, also: Stibium sulphuratum nigrum. Oder das Zurückbleiben wird auf das bezogen, was übrig bleibt, wenn man aus dem Antimon den Regulus gezogen hat.) Qui haec separare potest, fährt Basil fort, et iterum unire debito modo secundum artem, ita ut fixatio sine veneno dominetur, ei cum honore et veritate gaudere licet, se Lapidem, qui ignis dicitur, assecutum, qui ex Antimonio confici potest ad sanitatem mortalium et ad sustentationem temporalem cum utilitate particulariter. Wer diese trennen und wieder nach Fug und Schick vereinigen kann (ein Hinblick auf das σπάειν und αγείρειν), so dass die Fixation ohne Gift herrscht, der kann sich in Ehren und in Wahrheit freuen, dass er den Lapis ignis

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erlangt habe, der aus dem Antimon dargestellt werden kann zur Gesundheit der Menschen und zur zeitlichen Erhaltung mit Nutzen particulär."-Also ganz ein Ueberspringen zum Lapis ignis, den Basil an die Spitze der Antimon-Lapides stellt. In ihm hat er dann die Arcana "particulär."

P. 130. Vom Lapis ignis springt Basil nun wieder zu den Arcanis überhaupt, indem er sagt: Im Antimon findest du alle Farben: Schwarz, Weiss, Roth, Grün, Blau, Grau, Gelb und andere. Hier werden uns die sieben Arcana vorgeführt, die ihnen zukommenden Farben aber mit Absicht verdeckt gehalten.

P. 131. Die Arcana sind jetzt sattsam eingeleitet, und Basil bringt uns im Folgenden das, was er an sie anzuknüpfen die Absicht hat, hierbei natürlich, dem Titel des Buches entsprechend, das Antimon vorschiebend.

Zuerst führt er uns die Arcana als Lapides und in specie als Edelsteine vor. Es handelt sich um die Stelle: Advertat interim artis amator etc., welche wir aus dem Abschnitt „Die Arcana als Edelsteine" kennen.

Dann lehnt er die Arcana an die Metalle, dabei dem Farbenstandpunct Rechnung tragend. Er sagt:

Quantum autem ad metalla, nigrum Saturno, rubrum Ferro, flavum Auro, viride Cupro, coeruleum Argento, album Mercurio, mixtum ex variis coloribus Jovi attribuitur.

Basi will also Metalle und Farben ff. gegenübergestellt wissen:

Blei Eisen

Gold Kupfer Silber Quecksilber Zinn

Schwarz (P. solar. niger).

Roth (Rost, Rotheisenstein u. s. w). Gelb.

Grün (Kupfervitriol, Liqu. hepatis).

Blau.

Weiss.

- Pomeranzenfarben (P. sol. rub., Roth + Gelb). Und dann führt er uns die Arcana vom Standpunct des Geschmackes vor. Es heisst: Fit enim una aliqua ratione, ut per praeparationem educatur ex Antimonio acidus humor per destillationes instar aceti veri et synceri. Alia via color ruber pellucidus paratur, dulcis et sapidus instar mellis despumati vel sacchari. Alias amaritudo prodit instar absynthii. Alias acrimonia quaedam quasi oleum quoddam salsum: ita semper natura alia aliam sequitur. „Auf eine Art geschieht es, dass präparations weis aus dem Antimon durch Destillation eine saure Flüssigkeit gezogen wird, wie ein ächter Essig. Auf einem anderen Wege wird eine durchsichtige rothe Farbe bereitet, süss und schmackhaft, wie abgeschäumter Honig oder Zucker. Auf andere Weise geht eine Bitterkeit hervor wie Absynth. Auf eine andere Weise eine gewisse Schärfe, gewissermassen ein salziges Oel. So folgt eine Natur auf die andere."

Vorhin hielt sich Basil an die sieben Arcana. Hier hält er sich an die vier Arcana. Von ihnen kommt: Das Saure auf das Acidum sulphuricum. Das Süsse auf den Pulvis solaris. Das Bittere auf den Liquor hepatis. Das Salzige auf das Natron.

(Vergl. bei Plato.)

P. 133. Es werden die nomenclatorischen Hauptstandpuncte gebracht, von denen aus die Antimon-Präparate im 2. Theile des Buches vorgeführt werden, nämlich der Standpunct des Ascendere (Sublimatio, Flores), Descendere (Calcinatio, Reverberatio, Pulvis), als Vitrum, Oleum, Extractio, vom Gesichtspunct der Farbe, als Mercurius, Sal, Sulphur, Magisterium, Arcanum, Elixir, Tinctura particularis. Hierzu kommen dann im Anlehnen an den Geschmack der Arcana von vorhin die Standpuncte als Acetum, Mel, Saccharum etc.

P. 136. Bei Jam igitur aggredior praeparationem omnium, quae ad Antimonium pertinent fängt der zweite Theil des Buches an. Dieser 2. Theil lehnt nun an den 2. Theil, resp. 2. und 3. Theil des Timaeus von Plato. (Vergl. die Platonische Interpretation der Tab. smar.) Er entspricht dem Theile des Timaeus, welcher die quais avoónov bringt, insofern, als Basil, indem er die Antimonpräparate bringt, zugleich auch sagt, das ist in diesen, jenes in jenen Krankheiten heilbringend. Damit hat er denn die Relation zum kranken Menschen, und hiermit zum Menschen überhaupt, zur quos aroganov. Er entspricht dem Theile des Timaeus,

welcher das δι' ἀνάγκης γιγνόμενον bringt, insofern, als es sich in dem 2. Theile des Triumphwagens speciell um die Antimon-Präparate handelt, wie es sich im Timaeus speciell um die arcanologischen Präparate handelt.

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Die Antimon-Präparate nun, welche uns dieser zweite Theil des Triumphwagens bringt, sind nicht, wie Leute, welche keine Einsicht in die Alchemie hatten, wohl irrthümlich glaubten, die mannigfaltigsten Antimonpräparate, sondern es wird immer auf die beiden Antimontheile des Pulvis solaris, das ist also: Sulphur auratum und Stibium sulphuratum nigrum, losgesteuert. So mannigfach auch die Gesichtspuncte der Darstellung sind, von denen aus Basil uns dieselben präsentirt einmal fasst er die Farbe der Präparate in's Auge, das andere Mal die entweichenden Dämpfe bei der Darstellung des Sulphur aurat., ein anderes Mal das entstehende Präcipitat, ein anderes Mal die Anwendung der Schwefelsäure u. s. w. u. s. w. mannigfach auch die Benennungen der Präparate sind, die uns, an der Hand der P. 133. sequ. gebrachten Uebersicht, vorgeführt werden, immer und immer wieder haben wir Stibium sulphur. nigrum und Sulphur aurat. und Sulphur aurat. und Stibium sulphuratum nigrum. Selbst das, dass uns der Regulus Antimonii vorgeführt wird, und am Ende auch vorgeführt werden muss, weil wir sonst keinen Anhaltspunct hätten für das Antimonium als Mercur, selbst das bringt keine Aenderung in den Zwei-Präparat-Standpunct. Denn das Stibium sulphur. nigrum wird nicht nur einfach durch Schmelzen des Grauspiesglaserzes gewonnen, sondern auch auf die Weise, dass man den Regulus Antimonii mit Schwefel zusammenschmilzt (wobei auch wohl die Masse mit einer Lage verknisterten Kochsalzes bedeckt wird). Auf die Weise liegt es denn sehr nahe, dass wir den Regulus in Bezug auf das Stibium sulphur. nigrum vorgeführt erhalten.

Wir werden den 2. Theil des Triumphwagens nicht speciell durchgehen. Bezugs des Therapeutica, welche er bringt, haben wir dazu dasselbe Motiv, welches uns bewog, beim Timaeus die qúois dvdownwr fallen zu lassen, und was das Uebrige betrifft, so bringt er nichts neues, was der erste Theil etwa nicht hätte. Stibium sulphur. nigrum und Sulphur aurat. sind uns ja bereits im 1. Theile des Buches vorgeführt worden, und was Basil bei der einen oder anderen Darstellungsweise der beiden Präparate, bei dieser einseitigen Vielfachheit oder vielfachen Einseitigkeit von Stibium sulphur. nigrum und Sulphur aurat. hier und da anknüpft, so findet sich hierin auch nichts erhebliches, was wir nicht bereits aus dem 1. Theile kennen. Freilich wird uns in letzterer Beziehung stellenweis der Lapis philos. als Ens universale in Beziehungen vorgeführt, welche der 1. Theil des Buches nicht bringt. Indessen wird es dem Leser nicht schwer fallen, sich hier an der Hand dessen, was wir in der zweiten Abendländischen Periode beim Quecksilber als Ens universale haben kennen lernen, zu orientiren.

Uebrigens liegt es in der Intention des Basil, es in unser Belieben zu stellen, über den 2. Theil des Triumphwagens wegzuspringen. Dieser Theil bringt uns das, was er in therapeutischer Beziehung bringt, in so allgemeinen Umrissen, dass es dem Basil auch nicht im Traume einfallen kann, demjenigen, der die Arcana kennt, etwas effectiv Instructives zu bieten. In dieser Beziehung ist blos das instructiv, dass der P. solaris ein Heilmittel bei der Franzosenkrankheit ist, denn das mag immerhin der eine und andere alchemistische Arzt bei der Neuheit der Krankheit noch nicht gewusst haben. Indessen hierauf wird bereits im 1. Theile des Buches hingewiesen, und was das übrige Therapeutische betrifft, so bringt es auch der dritte Theil, so dass also auch in dieser Beziehung der Alchemist, wenn er den 2. Theil des Buches überspringt, schadlos ausgeht. Also therapeutisch bringt der 2. Theil nichts von hervorragender Wichtigkeit, alchemistisch bringt derselbe Theil, wie wir bereits gesehen, auch nichts neues von Erheblichkeit, und so ist denn der Stoff dieses Theiles derartig zugeschnitten, dass wenn es uns in der Freiheit, die uns Basil giebt, gefällt, den 2. Theil des Triumphwagens zu überspringen, dass wir dess keinen Schaden haben. Diese Freiheit nun, aber giebt uns der Autor im Anlehnen an die Platonische Interpretation der Tab. smar. Anlehnend an diese Interpretation sagen die Neuplatoniker, der Timaeus hört auf,

wenn die Specialisirung der Arcana anfängt, und so will uns Basil denn auch nichts in den Weg legen, wenn wir sagen, der Triumphwagen hört auf, wenn die Specialisirung der Antimonpräparate anfängt.

Indem nun aber Basil es in unser Belieben stellt, den 2. Theil des Triumphwagens zu überspringen, geht er hierin sehr umsichtig zu Werke. Gesetzt, er brächte erst den 1. Theil, dann den 2. Theil, und nun wäre das Buch beendet, dann könnte man sagen, aber, Basil, was ist das denn für ein Thun? Du schreibst erst den 2. Theil und negirst ihn dann, stellst es wenigstens in das Belieben des Lesers, ihn zu negiren, nun, warum ersparst du dir denn nicht von vornherein die Arbeit, den 2. Theil zu schreiben? Um dem nun aus dem Wege zu gehen, schliesst Basil nicht mit dem 2. Theile ab, sondern er bringt uns, wenn der 2. Theil fertig ist, noch einen 3. Theil, das ist, den Appendix. Nun macht sich die Sache anders. Es wird nun angenommen, dass der 3. Theil, der Appendix, da anfängt, wo der 1. Theil aufhört, und dass der 2. Theil einen Zwischen -Theil bildet. Jetzt ist's eine analoge Sachlage, als wenn man einen Satz hat, ihn anfängt, einen Zwischensatz anfügt, und nach diesem Zwischensatze den Satz beendet. Hier kann der Zwischensatz derartig sein, dass er nicht in den Hauptsinn des Satzes einschneidet, dass wir also in Bezug auf die Hauptsache nichts verlieren, wenn wir ihn, den Zwischensatz, fallen lassen, dass er aber doch gerade als Zwischensatz als Satztheil seine Berechtigung hat. Z. B. es handelte sich um den Satz: Marcus Tullius der Redner du weisst, dass ich den Cicero meine ein Römischer Bürger. Hier haben wir den Anfang: Marcus Tullius der Redner, das Ende: war ein Römischer Bürger, den Zwischensatz: du weisst, dass ich den Cicero meine. Das du weisst, dass ich den Cicero meine" kann man nach Belieben auch fallen lassen. Der Sinn des Satzes, der dahin geht, dass der Redner Marcus Tullius ein Römischer Bürger gewesen, wird durch dies Fallenlassen nicht alterirt, aber trotzdem hat auf der anderen Seite doch das du weisst, dass ich den Cicero meine" eine Berechtigung, und man kann dem Satz - Aufsteller nicht den Einwurf machen, aber wenn der betreffende Zwischensatz fallen gelassen werden kann, warum bringst du ihn denn? Nun, er wird auf Grund dessen gebracht, dass ein Zwischensatz in einem Hauptsatze gerade als Zwischensatz eine Berechtigung hat. Ganz analog ist die Sachlage beim dreitheiligen Triumphwagen. Der 1. und 3. Theil entsprechen dem Hauptsatz, der 2. Theil dem Zwischensatz, und wenn es auch der Autor in unser Belieben stellt, den 2. Theil fallen zu lassen, so haben wir damit doch noch nicht die Berechtigung, ihm vorzuhalten, wenn du es uns anheimstellst, den 2. Theil zu überspringen, was einer Negirung dieses Theiles gleichkommt, warum bringst du in denn?

- war

In dem Appendix des Triumphwagens haben wir übrigens wieder ein Parallellaufen des Triumphwagens mit dem Timaeus. Der Timaeus bringt uns am Ende die Reconstruirung des Weltenthieres. Diese Reconstruirung schliesst sich dem ersten Theile des Timaeus an, bringt also einen Appendix an diesen ersten Theil. Das ist ein analoges Verhältniss wie beim Triumphwagen, in welchem sich ein Appendix an den ersten Theil des Buches anschliesst.

Wir kommen nun zum Appendix.

Derselbe beginnt mit einer Einleitung, in welcher

P. 305. Basil sagt, das Antimon würde zu BuchdruckerTypen benutzt. Ferner mache man bei einer gewissen Constellation, bei einem gewissen Stande der Planeten, aus Antimon mit anderen Metallen eine Mixtur, woraus Signaturen und Charaktere von besonderer Tugend gegossen (funduntur) würden. (Das zielt auf die Metall- und Planeten-Zeichen.)

Ferner mache man aus derselben Mixtur Spiegel (specula, ein anderer Ausdruck für die Metall- und Planetenzeichen,) von vielen und wunderbaren Aspecten und Eigenthümlichkeiten. Ferner mache man aus Antimon Schellen und Glocken von wunderbarem Tone (wahrscheinlich Narren-Schellen, mit denen er den Unkundigen etwas aufbindet, und Glocken, mit denen er die Weisheit der Schulärzte zu Grabe läutet). Ferner: Menschen-Bilder (Antimon im Anlehnen an die MenschInterpretation der Tab. smar.), und vieles andere.

I'. 308. Der eigentliche Appendix beginnt mit der Ueberschrift: De curru triumphali Antimonii et quid sit Lapis ignis.

Im Hinblick auf die zweite Rubrik der Tab. smar. legt sich Basil, wie einst Daedalus und Icarus, Flügel an und erstrebt damit das superius, er fliegt der Sonne entgegen. Dem inferius zu Liebe verbrennt er sich aber die Flügel, wie Icarus, und fällt in's Meer. Dies Meer ist die Materia prima als Wasser gefasst. Er ruft zu Gott und ein rettender Engel eilt herbei. Dieser gebietet dem Wasser, und im tiefen aßuooos erscheint ein hoher Berg (Lapis philos.). Basil ersteigt den Berg und untersucht auf ihm, ob denn zwischen den superiora und inferiora die Freundschaft sei, wie sie die Menschen rühmen, und ob die Astra superiora vom Schöpfer die Macht erhalten haben, dass sie etwas sich ähnliches in der Erde hervorbringen. Indem er das untersucht, findet er Wahreres als die Wahrheit (inveni veritate, ut sic loquar, ipsa verius). Er findet nämlich, wie sein neues Problem vom Antimon-Lapis dem alten Problem vom Quecksilber-Lapis gegenübersteht.

P. 311. Zuerst bringt Basil die Stelle Observa ergo diligentissime, P. 107, in etwas anderer Form, und fährt dann fort:

P. 312. Jetzt wolle er den Lapis ignis, der aus dem Antimon dargestellt wird, mit dem Processe seiner Darstellung beschreiben, diesen Lapis, welcher nicht nur die Menschen, sondern auch die Metalle particulär heile (indem er sie entweder als Particulär-Lapis, dem UniversalLapis Quecksilber gegenüber, zu Gold macht, oder indem er sie, die bereits Metalle sind, zu einem höheren Metalle, Gold, potenzirt). Dabei hält er es für nöthig, folgende Puncte zu berühren. Welche Eigenschaft der Lapis ignis hat? Welches sein Mineral sei? Ob ein Lapis ohne Materie entstehen könne, oder nicht? Welches die äusserste Differenz der Lapides sei, und wie viele Species derselben gefunden werden? Endlich will er über ihren Gebrauch reden.

P. 313. Die wahre Tinctura Antimonii, welche die Medicin der Menschen und der Metalle ist, wird nicht dargestellt aus dem cruden und flüssig gemachten Antimon, wie es bei den Kaufleuten und Apothekern zu haben ist, sondern sie wird aus dem Mineral dargestellt, wie es aus den Bergen hervorgeschafft und zuerst in ein Vitrum umgeformt wird. Wie nun jene "Extraction" geschieht, das ist ein Hauptwerk (opus palmarium), in dem die ganze Kunst besteht. Die präparirte, fixe und solide Tinctura Antimonii, das ist der Lapis ignis, ist eine reine, durchdringende, spirituelle, feurige Essenz, welche zu einer coagulirten Materie reducirt ist, und ist dem Salamander zu vergleichen, welcher im Feuer nicht verzehrt, sondern gereinigt und erhalten wird.

P. 315. Der Lapis ignis tingirt nicht universell, wie der Lapis philosophorum, er tingirt blos particulär. Den Ausdruck: particular" gebraucht Basil an verschiedenen Stellen in verschiedenem Sinn. Hier will er sagen, das Quecksilber ist der Lapis philosophicus vom allgemeinen Standpunct, das Antimonium yom besonderen Standpunct.-Sofort aber springt er ab, und nimmt das particulär" in einem anderen Sinne. Er sagt: Nimirum (tingit particulariter) Lunam in Solem, Stannum item et Plumbum, Martem autem et Venerem non attingit. „Nämlich er tingirt particulär die Luna in den Sol, ebenso Zinn und Blei, den Mars und die Venus lässt er unberührt." Damit will er sagen, stellt man das Antimon den Arcanis gegenüber, so hat es blos eine Relation zum Pulvis solaris ruber und niger (Stannum et Plumbum). Damit wäre eigentlich die Sache fertig. Basil aber fasst das in's Auge, dass Silber als Luna: Quecksilber ist. Als solches eignet sich die Luna, zum Antimon in Relation zu treten, denn arcanologisch genommen ist ja Quecksilber das, was, um zum Arcanum zu werden, sich mit dem Antimon zu vereinigen hat. Und so tingirt denn das Antimon nicht nur das Zinn und Blei, sondern auch die Luna. Dass nun die Luna zum Sol tingirt wird, hängt damit zusammen, dass sich Basil denkt, zur Luna trete gerade das Sulphur aurat. hinzu. Dann wird die weisse Luna gelb-roth und damit zum Sol. Dass der Lapis ignis, oder das Antimon überhaupt „Martem et Venerem non attingit", hängt damit zusammen, dass Eisen und Liquor hepatis nichts mit dem Antimon zu thun haben. Uebrigens denkt

man bei dieser Stelle unwillkürlich an die Stelle bei Geber, Cap. 1, Cap. 15. (Vergl. den Abschnitt: Einleitung in die Zeichen-Interpretation der Tab. smar.)

Praeterea non potest una pars hujus tincturae plus quam quinque partes transmutarc. Ausserdem kann ein Theil dieser Tinctur nicht mehr als 5 Theile transinutiren." Hierbei wird an die Stelle von vorhin angelehnt. Man hat im Quecksilber der beiden Pp. solares 2 partes, welche transmutirt werden. Die Luna wird doppelt gefasst: sind wieder 2 partes, also im Ganzen 4 partes. Die Luna endlich zieht den Sol zu sich hinüber, und damit wären 5 partes da. Diesem Sachverhältniss entgegen kann der magnus Lapis philosophorum unendliches bewirken.

P. 316. Das Mineral, aus dem der Lapis ignis gemacht wird, ist die terra Antimonii.

Basil fasst jetzt in's Auge, dass die Arcana überhaupt, Lapides sind, was er einleitend ausdrückt, es würden viele Arten Lapides gefunden, welche particulär tingiren. Hierbei fasst er denn auch die Arcana als Metalle in's Auge.

P. 318 Indem nun die Metalle aus Sal, Sulphur und Mercur bestehen, spielen hierbei das Sulphur und der Mercur die Hauptrolle. Der Sal bewirkt blos das Festsein der Metalle.

"

P. 319. Mit der Materie" des Lapis fasst Basil das in's Auge, dass trotzdem, dass man die Metalle an und für sich hat als Sal, Sulphur, Mercur, dass trotzdem der Lapis philos. zu ihnen hinzutritt.

P 322. Alle Tincturae metallorum müssen derartig zubereitet werden, dass sie einer besonderen Liebe gegen die Metalle theilhaftig werden, und eine Neigung, ein Verlangen erhalten, sich mit ihnen zu vereinigen, und sie in einen besseren Zustand zu bringen. (Alle" Tincturae metallorum sind alle Lapides philosophici, wobei es namentlich abgesehen ist auf die beiden Lapides philosophici des Quecksilbers und des Antimons.) Nachdem Basil das Obige gesagt, fährt er fort: Willst du einen Vergleich, ein Beispiel? Hier hast du den Vergleich, das Beispiel in Bezug auf den Menschen. Und nun schildert er uns die Liebe, und zwar in so brennenden, glühenden Farben, dass ein erotischer Schriftsteller nicht kräftiger auftragen kann. Die Schilderung (P. 322-326) ist übrigens durchaus rein. Und wie er damit fertig ist, versäumt er es nicht, hinterdrein die Mönchskutte überzuziehen, und sagt:

P. 326. Doch genug hiervon! Es ziemt sich nicht für einen Geistlichen, derartigen Gedanken länger nachzubängen, oder jener Flamme einen Platz in seinem Herzen einzuräumen. Bis jetzt habe ich mich, ohne damit übrigens prunken zu wollen, von ihr mein ganzes Leben hindurch frei gehalten, und ich bitte Gott um die Gnade, dass ich ihm, zufrieden mit meiner geistlichen Braut, welches da ist die heilige rechtgläubige Kirche, den geschworenen Eid unverbrüchlich halte.

Hiergegen ist zu sagen, dass ein Mensch, der nicht selbst einmal verliebt war, die Liebe schwerlich so schil. dern kann, wie Basil es thut, ganz abgesehen davon, dass ein solcher sich nicht bewogen fühlen dürfte, die Liebe in einer alchemistischen Abhandlung zu bringen, und obendrein bei einer solchen nüchternen Gelegenheit, wie die Relation der Tincturae metallorum zu den Metallen ist, vorzuführen.

P. 327. Basil will nun zur Darstellung des Lapis übergehen, den Gebrauch desselben für das Ende verschiebend. Dieser Lapis von penetrativer und feuriger Natur wird durch das Feuer selbst gekocht und zur Reife geführt, nicht weniger als Alles übrige, was auf der Welt ist. Da nun dieses ,,Alles übrige" verschieden geartet ist, so muss man auch verschiedene Feuer in's Auge fassen: 1) Das himmlische Feuer, von Gott in unserem Herzen angezündet. Es führt uns zur Liebe zu Gott, zu der Trinität, zu Christus.

2) Das Elementar-Feuer. Es geht von der Sonne aus und bringt im Makrokosmos alles zur Reife.

3) Das corporale Feuer. Durch dasselbe werden alle Speisen und Medicamente gekocht und präparirt. Ohne dasselbe können die Menschen die Gesundheit und die Erhaltung des Lebens nicht erzielen.

4) Jenes Feuer, welches vor dem letzten Urtheil Gottes diese sichtbare Welt zerstört.

5) Das Hollenfeuer.

Diese 5 Feuer bezwecken nun wieder nichts anders, als uns die 5 Interpretationen der Tab. smar. an der Hand der Principien vorzuführen. Wir haben in diesen 5 Interpretationen fünfmal die drei Principien, das ist fünfmal den Verbrennungs-Process, fünfmal das Feuer.

P. 330. Der Lapis ignis muss gekocht und gereift werden durch das corporale Feuer im Mikrokosmos, wie die übrigen Medicinen und die Speisen präparirt werden. Wo nämlich das grosse Feuer des Makrokosmos anfhört, da muss der Mikrokosmos zu schaffen anfangen. Es ist wie beim Getreide, welches reif wird durch das Elementar-Feuer des Makrokosmos, welches aber durch das corporale Feuer des Mikrokosmos eine neue Coction erleidet. und dadurch geniessbar wird.

P. 331. Das wahre Oel des Antimons, aus dem der La pis ignis dargestellt wird, ist über die Massen süss. Es wird von seiner Erde so gereinigt und separirt, dass, wenn man es in ein Glas giebt, und in die Sonne setzt, dass es dann verschiedene und wunderbare Strahlen wirft. Die

Es folgt jetzt die Darstellung des Sulphur aurat. Beschreibung dieser Darstellung ist im Genre der Darstellung der Antimon-Präparate im 2. Theile des Buches gehalten. Wir wollen sie hierher setzen. Basilschen Kunstausdrücken gehen wir dabei so wenig als möglich aus dem Wege.

Nimm im Namen Gottes von der Minera Antimonii, welche hinter dem Sonnen-Aufgang gewachsen ist (wahrscheinlich in einem hohen Berg, um die Waldecke, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen. L.) und von Sal Nitri gleiche Theile, reibe sie fein, mische sie, setze sie auf mässiges Feuer, brenne sie zugleich mit bequemer Encheirese, in der das Hauptsächliche des Werkes besteht. Es wird eine Materie zurückbleiben, die einen Stich in's Schwarze hat. Aus ihr mache ein Vitrum. Dies Vitrum reibe fein, und ziehe aus ihm jene hohe rothe Tinctur mit einem scharfen destillirten Essig, welcher aus einem eige nen Mineral gemacht ist. Ziehe den Essig aus durch Destillation im Bade. Es wird ein Pulver zurückbleiben. Dieses ziehe abermals aus mit höchst rectificirtem Weingeist, dann bleiben Faeces zurück, und du hast eine schöne, rothe, süsse Extraction, die in der Medicin von hohem Gebrauch ist. Das ist der reine Schwefel des Antimon, so gut separirt als möglich. Wenn du von dieser Extraction 2 Pfund hast, so nimm 4 Unzen Sal Antimonii, wie ich es dich darzustellen gelehrt habe. Ueber sie giesse die Extraction, circulire wenigstens einen ganzen Monat in einem gut verschlossenen Gefässe, und der Sal wird sich vereinigen mit dem extrahirten Schwefel. Wenn er die Faeces niedergelegt hat, so separire sie, und ziehe abermals einen Spiritus vini durch das Balneum Mariae aus. Das Pulver, welches dem Künstler zurückbleibt, treibe mit heftigem Feuer. Es wird, nicht ohne Bewunderung, übergehen ein vielfarbiges, süsses Oel, angenehm, durchsichtig, röthlich. Rectificire dieses Oel abermals im Balneum Mariae, so dass der vierte Theil daraus hervorgeht, und dann ist es präparirt.

Nachdem diese Operation absolvirt ist, nimm lebendiges Quecksilber des Antimons, dessen Darstellung ich dich gelehrt, und giesse hinzu röthliches Oleum Vitrioli, über Eisen gemacht und höchst rectificirt, schaffe durch Destillation im Sande das Phlegma vom Quecksilber fort. Dann erhältst du ein köstliches Präcipitat von einer Farbe, schöner als die man sich nichts denken kann. Es wird in chronischen Krankheiten und bei offenen Wunden zur Erlangung der Gesundheit mit Nutzen angewandt. Denn es trocknet stark die symptomatischen Humores aus, von denen die Morbi Martiales kommen. Hierbei hilft kräftig der Spiritus Olei, welcher beim Mercur bleibt, und sich mit ihm verbindet und einiget.

Nimm von diesem Präcipitat und vom obigen süssen Oel des Antimons gleiche Theile. Infundire zugleich in einem wohlverschlossenen Gefäss (phiala). Das Präcipitat wird sich mit der Zeit in dem Oele bei geeigneter Wärme auflösen, und sich fixiren. Auch das Phlegma wird durch das Feuer fortgenommen, und es entstheht daraus ein rothes, trocknes, fixes und flüssiges Pulver, welches auch nicht den mindesten Rauch von sich giebt.

P. 335. Basil fährt fort: Jetzt, mein Apostel und Schüler der Arcana, will ich nach Art der Propheten reden.

Wenn du deine philosophischen Studien auf die Weise, wie ich es vorgeschrieben, zu diesem Ende geführt hast, so hast du eine Medicin der Menschen und der Metalle. Sie ist angenehm und süss im Gebrauch, hat nichts gefährliches. Sie ist durchdringend, treibt keine Sedes, verbessert und treibt das Uebel aus. Benutze sie, wie es sich ziemt, und sie wird dir viele Vortheile bringen u. s. w. Hier wird es mir, der ich ein Geistlicher bin, etwas ängstlich zu Muthe. Ich weiss nämlich nicht, ob ich gut oder schlecht handele, ob ich zu viel oder zu wenig sage.

Nun, zu viel hat Basil nicht gesagt, darum braucht ihm nicht ängstlich zu Muthe zu werden. Dann sagt er: P. 337. Jam satis dixi, satisque scripsi, et docui tam clare, tam aperte, tam luculenter, ut scriptis id fiere possit nec manifestius, nec dilucidius, nisi perditus quis et temerarius sciens volens se ad inferos velit praecipitare, ut ibi submergatur et pereat; quia a rerum creatore severissime est interdictum, haec ulterius recludere, et comedere de arbore, quae plantata erat in medio paradiso.

„Jetzt habe ich genug gesagt und geschrieben. Ich habe so klar, so offen, so deutlich gelehrt, dass ein Autor es nicht deutlicher kann, es müsste denn sein, dass ein heilloser und verwegener Wissender sich mit Vorsatz in die Hölle stürzen wollte, um in ihr zu versinken und unterzugehen. Denn es ist vom Schöpfer auf's strengste verboten, das Geheimniss klarer darzulegen, und zu essen vom Baume, der mitten im Paradies gepflanzt worden."

Das ist so der Glaube, den alle Alchemisten hatten; sic meinten sündhaft zu handeln, wenn sie die Geheimnisse der Alchemie offen darlegten. Daher auch ihre mysteriöse Schreibeweise, ihr verdecktes Auftreten. Arnaldus de Villanova sagt in dieser Beziehung im Rosarium philosophorum, Liber 11., Cap. 32:

Et qui habes istum librum, in sinu tuo reconde, nullique ipsum reveles, nec manibus impiorum offeras: quia secretum secretorum omnium philosophorum plenarie comprehendit. Talis siquidem et tantus margarita non est porcis et indignis largiendus, quoniam est donum Dei magnum, et Deus, cui vult, largitur ipsum et aufert. Quapropter, charissime, qui habes istum librum, digito compesce labellum, filius existens philosophorum, ut merito mercaris dici et esse de numero sapientum antiquoruu. Und du, der du jenes Buch hast, verbirg es in deinem Busen, verrathe Keinem seinen Inhalt, biete es nicht den Händen der Gottlosen dar, denn es enthält das Geheimniss der Gebeimnisse aller Alchemisten vollkommen. Eine solche edele Perle ist nicht vor die Säue zu werfen und Unwürdigen zu reichen, denn sie ist ein erhabenes Geschenk Gottes, und Gott giebt es und nimmt es nach seinem Willen. Deshalb, Lieber, der du jenes Buch hast, halte reinen Mund als wahrer Sohn der Philosophen, auf dass du verdienst genannt zu werden und zu sein ein Mitglied der alten Weisen." (NB. Es ist ein Lapsus, wenn margarita hier männlich gebraucht wird.)

Ferner Lullius, Practica, Cap. 30:

Et quando scies (secretum), sub anathemathis poena prohibemus, ne alicui discooperias, nam a Deo maledictus est, qui discooperuit. Et ideo philosophi sic celaverunt, et, Deo dante, celabunt futuris temporibus. „Und wenn du das Geheimniss kennst, so verbieten wir dir, bei Strafe des Bannes, dass du es enthüllest. Denn wer es enthüllt, ist von Gott verflucht. Daher kommt's, dass die Alchemisten es so geheim gehalten haben, und mit Gottes Hülfe auch in Zukunft geheim halten werden."

Ferner Isis an den Horus:

Ορκίζω σε εἰς οὐρανὸν, γῆν, φῶς καὶ σκότος· ὁρκίζω σε εἰς πῦρ, αέρα, ὕδωρ καὶ γῆν· ὁρκίζω σε εἰς ὕψος οὐρανοῦ καὶ γῆς καὶ ταρτάρου βάθος σκίζω σε εἰς Ἑρμῆν καὶ ̓Αννουβιν καὶ εἰς ὕλαγμα τοῦ κερκουροβόρου δράκοντος καὶ κυνὸς τρικεφάλου του Κερβέρου, τοῦ φύλακος τοῦ Αΐδου· ὁρκίζω σε εἰς τὸν πορθμέα ἐκεῖνον καὶ ̓Αχαίροντα ναύτιλον· ὁρκίζω σε εἰς τὰς τρεῖς ἀνάγκας καὶ μάστιγας καὶ ξίφος· τούτοις πᾶσί με ἐφορκίσας παραγγέλλειν ἐπεχείρησε μηδενὶ μεταδιδόναι, εἰ μὴ μόνον τέκνῳ καὶ φίλῳ γνησίῳ. „Ich verpflichte dich eidlich beim Himmel, bei der Erde, beim Licht, bei der Finsterniss; ich verpflichte dich eidlich bei Feuer, Wasser, Luft und Erde; ich verpflichte dich eidlich bei der Höhe des Himmels und der Tiefe der Erde und

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Die Geisseln sind wohl die Gorgonen, deren einer, der Medusa, Perseus den Kopf abhieb. Daher kommt auch das Schwert in die Sache. Zunächst ist dies Schwert dann das Schwert des Perseus, in weiterer Verfolgung der Sache aber das Quecksilber als Schwert. Da den Geisseln gegenüber, dem Schwerte zu Liebe, die Medusa in den Vordergrund tritt, so haben wir damit ein Anlehnen an den Lapis in so fern, als das Schangenhaupt der Medusa jeden, der es ansah, in Stein verwandelte.

Aehnliche Stellen, wie die angeführten, giebt es bei den verschiedenen alchemistischen Schriftstellern, namentlich der Abendländischen Periode, in Menge.

P. 338. Anwendung des Lapis ignis am Krankenbette. P. 341. Schluss.

Alchemisten zwischen Basilius Valentinus und Paracelsus, resp. deren Zeitgenossen.

Von ihnen erwähnen wir :

Lambsprinck. Schrift: De Lapide philosophico. Joannes Aurelius Augurellus. Schrift: Chrysopoeia. Diese alchemistische Abhandlung ist in Lateinischen Hexametern abgefasst, und mit diesen Hand in Hand gehend, durchzieht ein poëtischer Schwung das Ganze. Sie ist dem Papst Leo X. gewidmet. Der hohe Herr fasste die Sache aber ziemlich prosaisch auf, wie aus folgenden Worten des Olaus Borrichius in seinem Conspectus scriptorum chemicorum celebriorum, Sectio 42., hervorgeht: Certum quoque est, Leonem X., Pontificem Romanum, librum hunc sibi dedicatum irrisisse, et laborem ejus inanem crumena vacua ad Augurellum remissa instituisse compensare, addito mordaci dicterio, nihil illi, qui hanc artem calleret, deesse, praeter crumenam, caetera de suo posse subministrare. „Es steht auch folgendes fest. Der Römische Papst Leo X. lachte über diese ihm gewidmete Schrift. Er beschloss, die eitele Arbeit derartig zu honoriren, dass er dem Augurellus einen leeren Beutel zuschickte mit dem beissenden Scherze: Demjenigen, der eine solche Kunst (nämlich die Goldmacherkunst) verstände, fehle nichts als ein Beutel, das Uebrige könne er sich ja auf eigene Hand verschaffen.

Joan. Fr Mirandula (Picus Mirandolanus). Schrift: Opus aureum de auro tum aestimando, tum conficiendo, tum utendo, ad conjugem.

Joan. Lacinius. Er gab den Petrus Bonus heraus. Ausserdem ist noch einiges von ihm.

Joan. Braceschus. Er schrieb einen Commentar über Geber.

Agrippa von Nettesheim. Als sein Geburtsjahr wird 1486 angegeben, als sein Sterbejahr: 1535. Hauptschrift: De occulta philosophia.

Paracelsus.

In der Neuzeit ist es namentlich J. G. Rademacher, der die Aufmerksamkeit des ärztlichen Publicums auf diesen, von seinen Feinden so sehr verketzerten und in Folge dessen von Unkundigen so sehr verkannten Mann gelenkt hat.

Paracelsus, geboren 1493, gestorben 1541, ist ein treuer Schildknappe des Basilius, und stellt sich, wie er, auf den

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