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Das habens tres partes schliesst endlich die Griechische Interpretation ganz so an, wie die Jüdische Interpretation. In dieser wurde der Hermes trismegistus durch die drei Arcana legalisirt, in jener durch die drei Gesichtspuncte des Alexandrinischen Schemas. Ob nun aber der Hermes trismegistus so oder so legalisirt wurde, er ist als solcher gegeben, und nachdem er gegeben ist, macht sich das habens tres partes in der Griechischen, wie in der Jüdischen Interpretation.

Aegyptische spirituelle Interpretation der zweiten Redaction der Tabula smaragdina.

Wir wissen, dass der Autor der zweiten Redaction der Tab. smar., indem er die erste Redaction vor sich liegen hat und zu ihr einen Schlusspassus sucht, diesen in dem Itaque vocatus sum Thoth (Hermes) findet, der sich der spirituellen Interpretation anschliesst. So kommt der Thoth unter die Tab. smar. Die erste Redaction liegt also in ihrer spirituellen Interpretation vor dem Autor der zweiten Redaction. Der Autor findet es passend, findet es im Sinne dieser ersten spirituellen Interpretation, zum Schlusse den Thoth auf's Tapet zu bringen, und so rückt dieser in einem neuen Passus ein. Nachdem er aber einmal eingerückt ist, muss die überhaupt erweiterte Tab. smar., die zweite Redaction der Tabula, auch in den nicht spirituellen Interpretationen sich den Thoth gefallen lassen. Weil er zur spirituellen Interpretation passt, deswegen muss er auch zu den übrigen Interpretionen passen. Hieraus ist es denn zu erklären, dass die nicht spirituellen Interpretationen ihren Gang gehen, wie er eben ist, und dass dann auf einmal in der siebenten Rubrik der Thoth herankommt, der wohl mit seinem Epitheton trismegistus einen indirecten Anschluss an das vorhin Gelehrte erhält, in Bezug auf dessen Persönlichkeit an und für sich aber, SO nackt für sich betrachtet, man gar nicht weiss, wo er herkommt. Dem gegenüber passt es sich denn wohl, dass die spirituelle Interpretation der Tab. smar., welche den Thoth so verlassen in die anderen Interpretationen hineinschleudert, dass sie sich des Verlassenen doppelt annimmt. Bezüglich der ersten Redaction der Tab. smar. ist die Sachlage die, dass wenn man dieser ersten Redaction (spirituelle Interpretation) der Tab. smar. hat, und an sie nun als fünfte Rubrik das Itaque vocatus sum Thoth anschmiegt, dass dann die vier vorangehenden Rubriken zur fünften im enger en Sinne keine Relation haben, sie haben es nur im weiteren Sinne in so fern, als, nachdem der Inhalt sich an die Seele lehnt, vom Aufwärtsgehen der Seele zum Himmel, vom Abwärtsgehen der Seele zur Erde die Rede ist, als es da ganz passend ist, dass der Thoth auf's Tapet gebracht wird, der zur Seele der Verstorbenen eine Relation hat. Das liegt nun bei der zweiten Redaction (spirituelle Interpretation) anders. Hier tritt Thoth auch im engeren Sinne in Relation zu dem Vorangehenden, es wird auch im Tenor der Tab. smar. Rücksicht genommen auf den Thoth, den Hermes, ja er tritt in der zweiten Redaction in ihrer spirituellen Interpretation so sehr in den Vordergrund, dass diese im Thoth aufgeht.

An der Hand der vorliegenden Interpretation der Tab. smar. wird der Thoth aufgefasst als unicus, als Ein-Gott, und als trinus, als Drei-Gott. Der Hermes trinus ist der Hermes trismegistus. Dem Hermes unicus steht die EinSeele gegenüber, wie sie das Collectiv ist für Menschenund Thier-Seele. Dem Hermes trinus steht die Seele gegenüber in Bezug auf ihren dreifachen, uni so zu sagen Wesenheits-Standpunct. Dieser dreifache Standpunct ist Seele als Feuer, Seele als Luft, Seele als Erde. Zur Feuer-Eigenschaft kommt die Seele derartig, dass man im Leben einen Verbrennungsprocess sah, welche Auffassung des Lebens als Verbrennungsprocess schon sehr alt ist. Mit dem Tode hört der Verbrennungsprocess auf, das den Verbrennungsprocess bewirkende Feuer schwindet also. Da nun der belebte Körper aus Seele und Leib besteht, der letztere aber nach dem Tode verfault, so gab man der Seele das Feuer. Gerade weil das Seelen-Feuer, die Seele als Feuer, beim Tode sich vom Körper trennt, deswegen tritt der Leib aus dem Verbrennungsprocess in den Fäulnissprocess. So ist der Sachverhalt mit der als Feuer aufgefassten Seele. Zur Luft Eigenschaft kommt

die Seele derartig, dass man den Athem des belebten Körpers als die Seele ansah. Man setzte den Unterschied des lebenden und todten Körpers darin, dass der erstere athme, der letztere nicht. Da nun der lebende Körper eine Seele hat, der todte nicht, so identificirte man Seele und Athem. So kommt die Seele zur Athem-Eigenschaft, und damit, da Athem Luft gesetzt wurde, zur LuftEigenschaft. Zur Erd-Eigenschaft, oder wie es im Deutschen besser bezeichnet wird, zur irdischen Eigenschaft kommt die Seele dadurch, dass sie im lebenden Körper an den irdischen Leib gebunden ist, an den Leib, der Erde ist und zu Erde wird.

Bei der vorliegenden Interpretation der Tab. smar. fallen die 7 Rubriken und wir erhalten blos 4 Rubriken. Die erste Rubrik geht von Verum est bis versa fuerit in terram. Sie geht von der Seele aus. Die zweite Rubrik geht von Separabis bis penetrabit. Sie geht vom belebten Menschen- und Thier-Körper aus. Die dritte Rubrik bringt den Index.

Die vierte Rubrik ist die Schluss - Rubrik: Itaque vo

catus sum.

Im Allgemeinen wollen wir noch voranschicken, dass an der Hand der vorliegenden Interpretation die Alchemie zur Seelen-Lehre wird. Substrat dieser Seelen- Lehre ist der belebte Menschen- und Thier-Körper, und dieser belebte Menschen- und Thier-Körper ist die Welt, der mun dus, der Alchemie, die sich zur Seelen-Lehre gestaltet. Ob diese Welt nun mundus oder totus mundus genannt wird, darin liegt in der vorliegenden Interpretation kein principieller Unterschied.

Erste Rubrik.

Verum est bis versa fuerit in terram.

Wie wir bereits angedeutet, geht die erste Rubrik von der Seele aus, entgegen der zweiten Rubrik, die vom Körper ausgeht. Dabei steht nun bei einer spirituellen Interpretation der Tab. smar. die Seele selbstredend im Vordergrund, und dieses im Vordergrund Stehen der Seele wird durch die einleitenden Worte Verum est etc. markirt, welche in dem Sinne zu fassen sind: Es ist wahr, dass das und das die Seele betrifft; es unterliegt keinem Zweifel, dass das inferius wie das superius u. s. w. Quod est inferius bis adoptione.

vor

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Superius und inferius sind Menschen- und Thier-Seele, oder Thier- und Menschen -Seele. Hinter superius und Et" wird ein Komma gesetzt. Der Autor lässt es ganz dahin gestellt sein, ob superius Thier- oder Menschen-Seele, inferius Menschen- oder Thier - Seele. Nur das steht fest, dass, wenn inferius Menschen-Seele, dass dann superius Thier-Seele, dass, wenn inferius: ThierSeele, dass dann superius = Menschen-Seele. Weil er sich nun nicht dafür entscheiden will, welche Sachlage statt hat, deswegen nennt er vor dem et das ein inferius, was er nach dem et ein superius nennt; er nennt vor dem et das ein superius, was er nach dem et ein inferius nennt. Die beiden superius, die beiden inferius kommen also im Grunde auf ein superius, ein inferius hinaus.

Dies superius und inferius dient nun dazu, die Wunder (das Wunder) der res una zu Stande zu bringen. Die res una ist die Seele collectiv genommen, die eine Seele, welche sich in die Menschen- und Thier-Seele zersplittert. Also kurz: Thier- und Menschen-Seele dienen dazu, das Wunder der Seele zu Stande zu bringen.

Die Seele als res una lehnt an den Hermes unicus.
Et sicut res omnes etc.

Die res omnes sind alle Dinge, die wir um uns sehen, deren Inbegriff überhaupt die Welt bildet. Sie waren vom unus, von Gott. Gott hat die Welt erschaffen. Nun aber huldigten die Aegypter der Vielgötterei, sie haben also mit dem unus, dem Eingott, nichts zu schaffen. Deswegen wird hier der unus durch die meditatio redressirt, welche durch „Idealität“ zu übersetzen ist. Der unus der Eingott, hat die Welt erschaffen, welcher unus indess eine Idealität ist. Gegen den Eingott, welcher auf diese Weise redressirt wird, können die Aegyptischen Priester, und um diese handelt es sich ja, da sich die Alchemie in ihren Händen befand, nichts haben. Wenn die auch dem Volke gegenüber der Vielgötterei Vorschub leisteten, so hatten sie doch nichts gegen die Idealitat eines Eingottes. Das liegt gerade so, wie bei den Indern, deren Priester

zwar dem Volke gegenüber mancherlei Götter aufstellten, die aber für ihre Person dem ideellen Brahma huldigten. Die res natae werden, trotzdem sie etwas sachliches sind, persönlich gefasst. Die Befugniss hierzu giebt die adoptio. Die adoptio macht auf das uneigentliche Verhältniss aufmerksam, welches uneigentliche Verhältniss eben das ist, dass das Sachliche gesagt, das Persön liche aber gemeint ist.

Omnes res natae sind: Mensch und Thier. Sie waren von der res una, der Seele.

Das esse a wird auf ein väterliches Verhältniss zurückgeführt.

Vorhin wurde die res una entwickelt. Was ist es denn mit dieser Seele des Näheren? Antwort: Wie Gott der Vater der Welt ist, so ist die Seele der Vater des Menschen und des Thieres. Bei der Welt ist der Vater der Welt, Gott, die Hauptsache, bei Mensch und Thier ist die Seele des Körpers die Hauptsache. Die Deckung von Vorderzatz und Nachsatz (sicut- sic) liegt darin, dass Gott der Welt gegenübergestellt wird, wie die Seele dem Körper. Bis jetzt befanden wir uns im Bereich der res una, und damit im Bereich des Hermes unicus. Dem entgegen kommen wir jetzt bei

Pater ejus est Sol etc. in den Bereich des Hermes trismegistus. Dem Hermes unicus gegenüber wurde die Seele zum Vater gemacht (res natae fuerunt ab una re). Dem Hermes trismegistus gegenüber wird die Rolle umgekehrt, und es ist vom Vater der Seele die Rede, wodurch die Seele in ein Kindes - Verhältniss tritt. Dem VaterVerhältniss tritt hier ein Mutter - Verhältniss zur Seite. Pater ejus est Sol, mater ejus est Luna.

Sonne und Mond sind die Hauptrepräsentanten des Feuers. Also Vater und Mutter der Seele sind das Feuer. Portavit illud ventus in ventre suo.

Der Wind, die Luft, ging mit der Seele schwanger. Die Luft ist die Mutter der Seele.

Nutrix ejus terra est.

Die Erde ist die Amme der Seele.

Wir haben also den dreifachen Standpunct der Seele, auf den wir oben in den einleitenden Worten hingewiesen baben. Seele als Feuer, als Luft, als Erde.

Im Et sicut bis adoptione hatten wir die Relation der Seele zu Mensch und Thier. Diese Relation wurde aus dem Gesichtspunct eines väterlichen Verhältnisses gebracht. Hier, von Pater ejus est Sol an, haben wir die Relation der Seele zu Feuer, Luft, Erde. Auch das wird aus dem Gesichtspuncte eines väterlichen Verhältnisses gebracht. Das ist eine ganz analoge Sachlage. In Bezug hierauf liegt es nun aber etwas eigenthümlich, dass ein mütterliches Verhältniss in die Sache gebracht wird, und es ist wohl sachentsprechend, dass die Mutter etwas näher legalisirt wird. Deswegen steht hier:

Pater omnis telesmi etc.

Der telesmus, die perfectio totius mundi ist das DreiVerhältniss der Seele, entgegen dem Ein-Verhältniss. Das erstere wird über das letztere gesetzt, indem der Hermes trismegistus über den Hermes unicus gesetzt wird. Daher wird das Drei-Verhältniss der Seele als Feuer, Luft, Erde, mit dem wir es hier zu thun haben, zum omnis telesmus totius mundi. Also:

Hier nun ist, hier hast du den pater für das Drei-Verhältnise. Wohlverstanden den pater. Wo kommt denn nun aber die mater her, welche wir in der mater selbst (mater ejus est Luna), in dem portare in ventre, in der nutrix haben? Nun, die virtus ejus, das ist dieses pater, ist eine integra, wenn der pater in eine mater verwandelt worden. Hier steht terra und nicht mater. Das ist so zu nehmen, dass die Satzarrangirung statt des mütterlichen Verhältnisses in's Auge gefasst wird. Die virtus integra tritt ein, wenn man, von Mater ejus est Luna anfangend, zu Nutrix ejus est terra gekommen. Dann, wenn wir so weit gekommen sind, ist der pater ein integer, oder seine vis ist eine integra. Dies integrirende Verhältniss kommt aber nur dadurch heraus, dass man der Mutter Rechnung trägt; und so ist die mater legalisirt. Dieser etwas versteckt liegende Sinn tritt sofort klar in den Vordergrund, wenn man bedenkt, dass das: virtus ejus est integra est hinauskommt auf: mater omnis telesmi est haec. (S. die Jüdische Interpretation).

Zweite Rubrik.

Separabis bis penetrabit.

Hier wird vom belebten Menschen- und Thier-Körper ausgegangen. Die Seele wird vom Dreistandpunet aufgefasst, knüpft sich von diesem Dreistandpunct aus an den Leib, so dass wir haben: Feuer-Seele - Leib Luft - Seele - Leib Erd- Seele

=

- Leib

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=

Die Feuer-Seele ignis, ihr Leib =terra. Die Luft-Seele subtile, ihr Leib spissum. Die Erd-Seele und ihr Leib vacant, denn wenn man im Allgemeinen die Seele von ihren drei Standpuncten, um so zu sagen Wesenheits-Standpuncten auffasst, so spricht man von Feuer-Seele, Luft-Seele, Erde - Seele. Wenn man dagegen, wie hier, vom belebten Körper ausgeht, so ist der Standpunct der Erd-Seele von selbst gegeben. Denn darin gerade ist ja der belebte Körper gegeben, dass die Erd-Seele in ihm repräsentirt ist, und nachdem sie einmal vorab in ihm repräsentirt ist, schwingt sie sich zu den höheren Standpuncten der Feuer-Seele und Luft-Seele auf. Man soll nun, indem man den belebten Körper hat, se parare, trennen: Feuer-Seele (ignis) vom Leibe (terra), man soll trennen: Luft-Seele (subtile) vom Leibe (spissum). Es wird aber nicht gesagt, dass man die Erd-Seele vom Leibe trennen soll. Das ist überflüssig, das versteht sich von selbst. Trotzdem also nur der ignis und das subtile vom Leibe getrennt werden, ist die Trennung der Seele in ihren drei Standpuncten doch vollständig gegeben in dem Separabis terram ab igne, subtile a spisso, und wer darüber noch Zweifel hegt, den wird das angefügte: suaviter magno cum ingenio darüber in's Klare setzen. Zugleich tritt der letztere Passus dafür ein, dass eigentlich, wie terra ab igne separirt wird, dass so auch spissum a subtili separirt werden sollte. (Vergl. bei der Aegyptischspirituellen Interpretation der ersten Redaction der Tab. smar.)

Durch das separare erhält man also den Drei-SeelenStandpunct als Feuer, Luft, Erde in ihrer vom Leibe emancipirten Stellung. Diese drei Standpuncte werden nun vom Eingesichtspuncte der Seele aufgefasst, sie werden zu Einem verschmolzen, und dieses Eine, diese eine Seele

ascendit a terra in coelum, steigt von der Erde zum Himmel, nach dem Tode nämlich, iterumque descendit in terram, und steigt wieder zur Erde zurück, bei der Seelenverwandlung nämlich. Sie steigt zum Himmel auf_vom Einstandpunct aus gefasst, sie steigt aber ab vom Zweistandpunct aus, und vermöge dieses letzteren Zweistandpunctes

recipit vim superiorum et inferiorum, wird sie theilhaftig der Kraft der oberen und unteren Dinge. Wie es aber die erste Rubrik lehrt, kommen die superiora et inferiora auf das eine superius und inferius hinaus, auf die Menschen und Thier-Seele.

Also man hat in der vorliegenden Rubrik zunächst die Drei-Seele, diese restringirt sich zur Ein-Seele, diese dilatirt sich wieder zur Zwei-Seele. Und nachdem man so weit gekommen, hat man, da man mit der Zwei-Seele auf das superius und inferius gekommen, anlehnend hieran wieder die Ein-Seele, denn das superius et inferius dient ja dazu, die miracula rei unius zu Stande zu bringen.

Man hat also durch die vorangegangene Exposition den Einstandpunct und den Dreistandpunct der Seele. Ler erstere ist die gloria, der letztere die fortitudo. Sic habebis gloriam etc.

So hast du den Einstandpunct, der sich an den Hermes unicus anlehnt.

Totus mundus kommt auf den belebten Menschen- und Thier-Körper hinaus.

Haec est totius fortitudins etc.

So hast du den Dreistandpunct (fortitudo nach der Drei gezählt), der sich an den Hermes trinus anlehnt.

Fasst man nur die Stelle Separabis terram ab igne etc. in's Auge, so sollte man auf den ersten Blick sagen, es handele sich nicht um eine dreifache, sondern blos um eine zweifache fortitudo, da ja nur die Feuer-Seele und die Luft-Seele, nicht aber die Erd-Seele getrennt wurde. Indessen, trotzdem dass nur darauf speciell hingewiesen wurde, dass die Feuer-Seele und die Luft-Seele zu separiren sind, wird dessenungeachtet stilschweigend auch die Erd-Seele

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separirt. Es handelt sich, trotz des, beim Separabis anscheinend zwiefach Gebrachten, doch um eine dreifache fortitudo

quia vincet omnem rem subtilem etc.

weil die fortitudo besiegt: omnem rem subtilem, nicht ein einfaches subtile, wie es beim separabis hiess, sondern eine omnis res subtilis, ein doppeltes subtile. Das subtile oben ist zu einem doppelten subtile zu extendiren. Das eine von diesen beiden subtile ist die Luft-Seele, das andere die Erd-Seele. Und weil nun die Luft-Seele zu LuftSeele und Erd-Seele extendirt wird, so ist auch der Leib der Luft-Seele zu einem doppelten Leibe zu extendiren. Und darum steht, die fortitudo durchdringt: omnem rem solidam, wobei denn solidum synonim genommen wird mit dem obigen spissum.

Es wird also an der Hand des quia vincet etc. unternommen, das, was wir bei der Stelle Separabis etc. als sich von selbst verstehend hingestellt haben - nämlich das, dass auch die Erd-Seele separirt wird dies mit den dort gebrachten Worten, denen eine extendirte Bedeutung untergelegt wird, in Einklang zu bringen.

Dritte Rubrik.

Sic mundus creatus bis hic.

Der Index ist hier zweitheilig. Der erste Theil ist: Sic mundus creatus est; der zweite: Hinc erunt adaptationes mirabiles, quarum modus est hic.

Sic mundus creatus est weist auf die erste Rubrik, insofern in dieser davon die Rede ist, dass Gott die Welt erschaffen. Also mundus für die Welt, welche den res omnes entspricht.

Hinc erunt etc. weist auf die zweite Rubrik. Die adaptationes sind die Anpassungen der Seele an den Körper bei Mensch und Thier. Diese Rubrik ging ja vom belebten Menschen- und Thier - Körper aus, das ist von der adaptatio der Seele an den Körper. Hinc erunt von da, von dem, was die erste Rubrik bringt. Sie bringt aber hauptsächlich die Seele. Denn es ist ein Characteristicum der ersten Rubrik, von der Seele auszugehen, wie es ein Characteristicum der zweiten Rubrik ist, vom belebten Menschen- und Thier - Körper auszugehen. Der modus, pérgov, weist auf die fortitudo, das ist auf den Dreistandpunct der Seele, auf den Hermes trinus. Wie die Sachen in der vorliegenden Interpretation der Tab. smar. liegen, schmiegt sich die gloria durchaus an die fortitudo, denn der Dreistandpunct der Seele schmiegt sich an den Einstandpunct derselben, die Eins ist zuerst da und extendirt sich dann zur Drei, ebenso wie der Hermes unicus zuvörderst da ist, und sich dann zum Hermes trinus extendirt. Vierte Rubrik.

Itaque vocatus sum bis mundi.

Philosophia totius mundi ist natürlich wieder: Tabula smaragdina. Die Philosophie, die Alchemie, wird hier zur Seelen-Lehre; der totus mundus ist der belebte Menschenund Thier-Körper. Im Sinne der spirituellen Interpretation wird die Tab. smar. zum Kanon einer Seelenlehre des be lebten Menschen- und Thierkörpers.

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Man muss bei der vorliegenden Interpretation hinter Hermes ein Komma machen, so dass herauskommt: Und so werde ich denn Hermes genannt. Dieser Hermes ist der Hermes unicus et trinus. Der Anschluss Und so" liegt hier sehr natürlich. Denn alles Vorangegangene kommt ja auf den Hermes unicus et trinus hinaus, worauf mittelst des Itaque" hingewiesen wird. Wir haben also: Und so werde ich denn Hermes genannt. Und nun kommt: trismegistus habens tres partes philosophiae totius mundi, als trismegistus, als trinus, habend: drei Theile der Tab. smar. In Bezug darauf, dass es sich um eine Tab. smar. handelt, haben wir einen indirecten Hinweis auf den Hermes nnicus. Damit aber, dass die Tab. smar., wie der Index lehrt, zwei Theile hat, ist kein indirecter Hinweis auf den Hermes trinus gegeben. Dieses indirecte Verhältniss kommt erst dadurch heraus, dass man den Index als Theil, als Rubrik der Tab, smar. mitrechnet. Dadurch erhält die Tab. smar. denn tres partes, und damit ist ein indirecter Hinweis auch auf den Hermes trinus gegeben. Als unicus habet Hermes unam Tabulam smaragdinam, als trincus habet Hermes tres partes Tabulae smaragdinae, und nicht duas partes, die zwei Theile, auf die der Index hinweist.

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Es liegt nun ff. Calculation nahe. Indem in der letz ten Rubrik darauf hingewiesen wird, dass die Tab. smar. drei Theile hat, indem die lezte Rubrik erst entwickelt, dass die Tab. smar. drei Theile hat, würde es eigenthümlich liegen, dass dieser dritte Theil nun die letzte Rubrik selbst sein sollte. Das würde eigenthümlich, widernatürlich liegen. Somit bleibt nichts anderes übrig, als den Index zu der pars tertia zu stempeln, die zu den beiden Theilen binzutritt, die der Index aufführt. Auf die Weise erhalten wir aber wieder ein eigenthümliches Sachverhältniss, nämlich das, dass der untergeordnete Index eine Stelle als Hauptrubrik der Tab. smar. erhält, wohingegen die Schlussrubrik leer ausgeht. Sie, die Schlussrubrik die am Ende die Hauptrubrik der spirituellen Interpretation ist, da sie ganz direct und nominal den Hermes bringt, sie wird zu einer Rubrik gestempelt, welche nicht zu den Hauptrubri ken der Tab. smar. zählt - das ist gewiss ein eigenthümliches Sachverhältniss !

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Das ist nun der Grund, weshalb man, an das Ende der vierten Rubrik angekommen, einen Rückblik auf die Rubriken der Tab. smar. wirft. Man sagt, die erste Rubrik stellt in gewisser Beziehung eine Doppelrubrik dar, indem die Einleitung: Verum est etc. auch für sich genommen werden kann, was um so näher liegt, da da, wo eine Schlussrubrik anerkannt wird, eine Einleitungsrubrik sehr passend ist. Ferner sagt man, auch die zweite Rubrik stellt in gewisser Beziehung eine Doppelrubrik dar, indem die gloria und fortitudo eine solche hervorragende Bedeutung haben, dass selbst der Index, nachdem er die zweite Rubrik charakterisirt, noch besonders auf die fortitudo (inclusive gloria) hinweist. Demgemäss unterliegt es durchaus nicht dem Zwange, wenn man die zweite Rubrik indirect in zwei Theil-Rubriken spaltet, von denen die eine von Separabis bis inferiorum geht, die andere von Sic habebis gloriam bis penetrabit. Ferner sagt man, der Index qualificirt sich zur Zwei-Spaltung und damit zur indirecten Doppelrubrik auf Grund seiner zwei Theile: Sic mundus creatus est und Hinc erunt etc. Und endlich sagt man, die Schlussrubrik nimmt eine so hervorragende Stelle ein, dass auf Grund dieser hervorragenden Stellung und auf Grund dessen, dass sie wohl verdient, hinterdrein doppelt berücksichtigt zu werden, wo sie zuerst so stiefmütterlich behandelt worden ist, dass auf Grund dessen auch sie den Rang einer Doppelrubrik wohl verdient.

Und so kommen denn hintendrein statt der 4 Rubriken indirect 8 Rubriken heraus. Diese Acht der 8 ideellen Rubriken der Tab. smar. wird an den Thoth gelehnt. Dem Thoth nämlich war die Stadt Hermopolis in Mittelaegypten heilig, er wurde dort besonders verehrt. Diese Stadt nannten aber die Aegypter: Schmun, das ist: Acht, woraus denn die Relation des Thoth zur 8 hervorgeht. Es wird also die anfängliche Nicht-Berücksichtigung der Schlussrubrik zur Basis einer Ventilation gemacht, die den Thoth in besonderer Beziehung, in Beziehung auf die ihm zukommende Acht, in den Vordergrund drängt.

Die indirecten 8 Rubriken, die sich an die spirituelle Interpretation der Tab. smar. reihen, sind für die spätere Entwickelung der Tab. smar. von Bedeutung. Es kommt nämlich später zu der Tab. smar. der Zusatz: Completum est quod dixi de operatione Solis. Dadurch erhalten denn die 7 Rubriken, wie sie im Geiste der Jüdischen und Griechischen Interpretation der zweiten Redaction der Tab. smar. liegen, noch eine achte Rubrik als Zusatz. Wir wollen es nun dahin gestellt sein lassen, bis zu welchem Grade die Anfügung einer achten Rubrik auf die ideellen 8 Rubriken der spirituellen Interpretation basirt. Das aber ist unabweislich, dass der Autor des Completum est eine theilweise Deckung durch jene ideellen 8 Rubriken bekommt. Dadurch, dass in der spirituellen Interpretation die RubrikenAcht, wenn auch nur indirect, gegeben ist, bekommt der Autor des Completum est einen Rückhalt, indem er, wenn man ihm vorhält, wo kann denn nun ein Mensch nur darauf verfallen, der Tab. smar. eine achte Rubrik anzufügen, indem er dann sagt, eine achte Rubrik ist gar nicht zu sehr etwas überschwängliches, denn bereits die Aegyptische spirituelle Interpretation nahm 8 Rubriken an.

Schliesslich bemerken wir, dass bei der zweiten Redaction der Tab. smar. die kosmologische Aegyptische Interpretation fällt. Die Nil-Verhältnisse, welche eine solche Interpretation behandeln müsste, wären wohl mit einem Nil-Gotte in Relation zu bringen, nicht aber mit dem Thoth. Nil-Gott und

Thoth können aber nicht identificirt, untereinandergeworfen werden, womit denn gegeben ist, dass eine Tab. smar., die im Schlusssatze den Thoth bringt, nicht kosmologisch-Aegyptisch interpretirt werden kann. Die Aegypter, die also bei der ersten Redaction der Tab. smar. zwei Interpretationen für ihren Theil erhalten, erhalten bei der zweiten Redaction nur eine Interpretation, womit sie sich aber füglich begnügen können, da auch die Juden und Griechen nur eine Interpretation erhalten.

Der Titel der Tabula smaragdina.

Da die Tab. smar. sich selbst Philosophia totius mundi nennt, so wird sie auch wohl so heissen. Trotzdem dass sie aber so heisst, wird sie schwerlich so im gewöhnlichen Leben genannt worden sein. Ganz abgesehen davon, dass dieser Titel für das gewöhnliche Leben zu weitläufig ist, steht ihm auch noch das im Wege, dass er der Mysteriösität Eintrag thut, mit dem die Tab. smar. sich umgiebt, und die Alchemisten sie umgeben. Denn sobald man im gewöhnlichen Leben die Tab. smar. Philosophia totius mundi nennt, liegt der Inhalt der Schlussrubrik ziemlich klar zu Tage, und man ist in Bezug auf die Schlussrubrik aus der Mysteriösität, wenn auch nicht ganz, so doch zum guten Theile herausgetreten.

Für das gewöhnliche Leben hat daher höchst wahrscheinlich schon von vorn herein die Tab. smar. einen Besonder-Titel geführt. Der Titel Tabula smaragdina ist es nicht, denn der kommt erst viel später auf, wie wir das an betreffender Stelle kennen lernen werden. Weil von der Zeit an, wo die Tab. amar. eben Tabula smaragdina genannt wird, dieser Titel alle anderen nebenbei gehenden, wenigstens successiv, verdrängt, so bedienen wir für unseren Theil uns dieses Titels durchgängig, und nennen daher die Tab. smar. bereits da Tab. smar., wo dieser Titel den zu der betreffenden Zeit lebenden Alchemisten noch unbekannt war. Wir halten es für gut, für das wichtige Schriftstück durchgehends einen Titel zu wählen und beizubehalten, um keinen unnöthigen Titel-Verwirrungen in die Arme zu fallen. Deswegen sprechen wir von vorn herein von einer Tab. smar., und halten diese Bezeichung durchgehends bei, einerlei, ob in der Phase, in der wir uns gerade befinden, der Titel Tab. sm. bereits da war, oder nicht.

Für die erste Redaction der Tab. smar. fehlt jeder Anhaltspunct für einen Titel. Was die zweite Redaction betrifft, so wurde sie vielleicht Tabula Hermetica genannt. Unabweisbar für sie ist der Titel Tabula Aegyptiaca oder Aegyptia, doch liegt es nicht nahe, dass wir annehmen, die Alexandriner selbst hätten diesen Titel aufgebracht. Viel näher liegt es, anzunehmen, dieser Titel stamme von Ausser-Alexandrinischen Alchemisten, z. B. Griechen in Griechenland, Römern u. s. w. her. Der Titel Tabula Aegyptiaca wird deshalb wichtig, weil er zu dem Titel Tabula Khemica umgeschmolzen wurde, und dieser Titel es ist, dem das Wort „Chemie" entstammt. Aegypten heisst nämlich Khemi, und das fremdländische Khemicus macht sich mysteriöser als Aegyptiacus, daher tritt Tabula Khemica für Tabula Aegyptiaca ein.

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Von diesem Ausdruck Tabula Khemica stammen die Ausdrücke Chemie und Alchemie. Beim letzteren Ausdrucke ist Al der vor Chemie gesetzte Arabische Artikel; das Al zeigt uns, dass „Alchemie" aus der Araberzeit stammt.

Die richtige Schreibeweise für Khemi ist eben Khemi, und nicht Kemi oder Chemie. Trotzdem drängen sich die unrichtigen Schreibeweisen in den Vordergrund. Das kommt daher, weil weder Griechen noch Römer den Consonanten Kh kennen. Indem nun Griechisch und Lateinisch geschrieben wurde, liess man einerseits das h hinter K fallen, andererseits hielt man das h bei und verwandelte das K in ein C, womit Lateinisch Ch und Griechisch X herauskommt. Auf diese Weise wurde Khemi zu Chemi und Kemi gräcisirt und latinisirt. An der Hand dieser Schreibeweisen kommt dann für Tabula Khemica heraus: Tabula Kemica oder Chemica. Statt nun Tabula Kemica oder Chemica zu übersetzen: Aegyptische Tafel, übersetzte man: philosophische Tafel. Dies weist darauf hin, dass die Tab. smar. auch Tabula philosophica genannt wurde, eine Bezeichung, welche sehr nahe liegt. Unkundige nun, die sich mit dem fremdnamigen Ausdrucke Kemicus oder Chemicus

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nicht zurecht zu finden wussten, calculirten: Tabula philosophica Tabula Chemica oder Kemica, also ist philosophicus Kemicus oder Chemicus. So wird kemisch oder chemisch philosophisch, das ist in unserem Sinne „alchemistisch". Aus dem Adjectiv Kemicus oder Chemicus wird dann in weiterer Folge das Substantiv Kemia oder Chemia = philosophia, das ist in unserem Sinne Alchemie, gebildet. Die Schreibeweise Kemia hält sich sehr lange neben der Schreibeweise Chemia, und erst in der neueren Zeit ist die Schreibeweise Kemia durch die Schreibeweise Chemia verdrängt worden, zugleich aber auch dem Ausdruck Chemia der Sinn untergeschoben worden, den wir heut zu Tage mit ,Chemie" verbinden. Im Sinne der Alten ist Kemia oder Chemia das, was wir „Alchemie" nennen.

"

So, nur so liegt der Sachverhalt mit dem Ausdruck Chemie und Alchemie. Alle anderen Ableitungen von Chemie und Alchemie sind von der Hand zu weisen. Es kommt Chemie resp Alchemie nicht her von xéw, ich giesse, schmelze; nicht von zuuds, welchem zu Liebo Einige Alchymia, Chymia, Alkymia schreiben; nicht von dixiuos stark; nicht vom Arabischen chama, er hat erhitzt, geschmolzen; nicht vom Arabischen Kimiao oder Kimia der Ofen; nicht von einem Aegyptischen Weisen Chimin, und was dergleichen Aufstellungen mehr sind.

Wirkliche Einigung Alexandrinischer Alchemisten an der Hand der Tabula smaragdina.

Statt

Es liegt auf der Hand, dass, indem Griechen und Juden derartig neben einander gingen, dass die einen der, die anderen jener Interpretation der Tab. sm. huldigten, dass das Hader setzte. Nachdem dieser Hader nun eine Zeit lang gedauert hatte, trat ein Mann auf, der also sprach: Wenn vor Zeiten der Autor der ersten Redaction der Tab. smar. uns das betreffende Schriftstück bot, so hatte er es damit auf Einigung und nicht auf Zwist abgesehen. Was ist aber eingetreten? Die Einigung wahrlich nicht. Von dem Umstand, dass zwei Parteien ein und dasselbe Schriftstück anerkennen, zu dem ihrigen machen, hat sich der erste Autor der Tab. smar. viel versprochen, indem er dachte, dass wenn dieser Umstand da wäre, dass dann der absolute Riss zwischen den Parteien aufhören würde, aufgehört hätte. Wie der offenbare Thatbestand aber, mit dem wir es jetzt zu thun haben, zeigt, war diese Idee keine richtige, ja am Ende hat gerade die Tab. smar, dazu bei. getragen, den Riss wo möglich noch grösser zu machen. Der Riss, der zwischen uns besteht, ist eine traurige Erscheinung. Da ist ein Häuflein Menschen, welches sich zum Endziel gesteckt hat, kranke Menschen gesund za machen, und sich über das wahre Mittel dazu, das ist die Anwendung der Arcana am Krankenbette, einig ist. dass sich nun dieses Häuflein Menschen einig die Hand reicht, knüpft der eine Theil von ihnen an die Arcana diese, der andere Theil jene Vorstellungen, welche mit dem eigentlichen Endzweck, kranke Menschen gesund zu machen, gar nichts zu thun haben, und weil nun diese Vorstellungen beim Einen so und beim Anderen so sind, deswegen bekämpfen sie sich und feinden sich an. Ist das nicht eine traurige Erscheinung? Ja, die Erscheinung ist um so trauriger, als wir das Mittel in der Hand haben, jeglichen Hader fortzuwischen. Wir haben die Tab. smar. als ein beiderseitiges Schriftstück. Wenn wir nun diesem gemeinsamen Schriftstück eine, beiden Parteien gemeinsame Interpretation geben, dann haben wir Einigung statt Zwist, wir haben uns durch Vermittelung der Tab. smar. die Bruderhand gereicht. Stosst das Gute nicht von euch, wo es doch so kindlich einfach zu eueren Füssen liegt. Wir haben die Tab. smar. Jede Partei lässt ihre Interpretation fallen, beide Parteien scharen sich um eine neue Interpretation, und die Sache ist fertig. Wie aber, werdet ihr sagen, eine neue Interpretation, wober sie nehmen? Ich werde euch eine solche geben. - Aber diese Interpretation muss doch etwas absolut Neues bringen, muss mit dem Alten absolut brechen, denn sonst ist der Zweck nur scheinbar erreicht, sonst werden sich Hinterthüren finden, durch welche der alte Partei hader unversehens wieder hinein schleicht. Ist ein solcher Neu-Standpunct aber nicht ein absolut perverser? Der Autor der Tab. smar. bietet uns diese mit den betreffenden Interpretationen. Nun sollen

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wir herankommen und sagen, dies, dein Schriftstück unterliegt nicht deinen Interpretationen, es unterliegt einer neuen Interpretation, an die du nie gedacht hast. Ist das keine Perversität, so hervorstechend, wie man sich kaum eine grössere denken kann? Ist eine grössere Perversität denkbar, als die, sich auf die richtige Interpretation eines Schriftstückes steifen zu wollen, von der feststeht, dass der Autor, der es doch am besten wissen muss, nie an sie gedacht hat? Schon recht, antwortet unser Mann, ihr redet im Sinne des Autors der Tab. smar., und ich pflichte euch darin bei. Aber ist nicht die Hauptidee bei einer Tab. smar. die, dass an die Stelle des Zwistes die Einigung treten soll? Handeln wir nicht im wahren Sinne des Autors der Tab. smar., wenn wir uns einigen; muss diesem Haupt-Sinne nicht jeder Nebensinn mit Recht weichen? Und seht, wir haben ein Mittel in der Hand, in dieser Beziehung auch dem Scrupulosen gerecht zu werden. In Bezug auf die Tab. smar. dürfen wir uns auf keinen Allgemein-Standpunct stellen, wir haber es mit Besonder-Standpuncten zu thun. Der erste Autor entwirft die erste Redaction der Tab. smar., der zweite die zweite Redaction. Entwerfen wir nun eine dritte Redaction, so hört auch für den Scrupulosen jedes Bedenken auf. Sagt man dann, wie könnt ihr der Tab. smar, einen Sinn unterlegen, von dem es feststeht, dass der Autor nie an denselben gedacht hat, so antworten wir, wir haben es gar nicht mit dem Autor zu thun, auf den ihr lossteuert. Zuerst handelte es sich um die erste Redaction, welche ihre Interpretation hatte, dann um die zweite Redaction, welche ihre Interpretation hatte, und nun handelt es sich um die dritte Redaction, welche wieder ihre Interpretation hat. Aber willst du denn nun wirklich die Tab. sm., die Autorität erlangt hat, die sich unter den Alchemisten eingebürgert hat, umstossen, und mit einer neuen Redaction auftreten? Wer wird eine solche anerkennen? O, sagt unser Mann, das geht schon, wenn es nur cum grano salis geschieht. Wir lassen die zweite Redaction, wie sie ist, und fügen nur einen kleinen Schlusssatz an. Das ist eine fast unbedeutende Neuerung dem alten Schriftstück gegenüber, welche aber den hohen Werth hat, uns denen gegenüber eine Waffe in die Hand zu geben, welche uns das Recht bestreiten wollen, der Tab. sm. einen Sinn unterzuschieben, an den der Autor der zweiten Redaction nie gedacht hat. Diesen Leuten gegenüber sagen wir dann einfach, was ihr an der Hand der zweiten Redaction der Tab. smar. einwerft, ist nicht stichhaltig, denn es handelt sich nicht um eine zweite, sondern um eine dritte Redaction. Die zweite Redaction nahm sich das Recht der ersten Redaction gegenüber selbstständig aufzutreten, nun, die dritte Redaction nimmt sich das Recht der zweiten Redaction gegenüber selbstständig aufzutreten, Sagen die dann, eine hübsche dritte Redaction das! Es handelt sich wörtlich um die zweite Redaction, an die ein kleines Schlusssätzchen angeflickt ist. Sagen die so→ so sagen wir, gerade das, was ihr der dritten Redaction vorwerft, das ist ihr Lob, das ist ihre starke Seite. trägt dem Texte der ihr vorangehenden Redaction mit der grössesten Pietät Rechenschaft. Drehen diese Leute aber den Spiess um, und sagen, ihr habt gar kein Recht, der Tab. smar. etwas anzuflicken. Die Tab. smar. ist ein Kanon, und deswegen muss sie bleiben, wie sie ist. Das bleibt sie aber nicht, wenn man etwas anflickt. Wenn Jeder sich das Recht nehmen wollte, etwas anzuflicken, wo sollte es dann am endlichen Ende mit der Tab. smar. hinaus? Sagen die so, nun, so ist das ein Einwurf, der nicht ohne Grund ist. Aber darnach hat man sich von vorn herein zu richten. Das neue Anflicksel an die Tab. smar., das wäre also eine achte Rubrik, ist so zu gestalten, dass es nicht zu sehr in den Inhalt der Tab. smar. einschneidet. Es muss aufgefasst werden können als ein harmloser Schlusssatz, als ein Allgemein-Urtheil, welches sich dem aufdrängt, der die Tab. smar. zu Ende gelesen hat. Es muss in dem Sinne interpretirt werden können, wie: Die Tab. smar. ist vollständig, fertig und dergl. Ein solches Urtheil steht ja Jedem frei, nun dann kann es auch hingeschrieben werden. Eine theilweise Deckung für seine achte Rubrik erhält der Autor der neuen Interpretation übrigens auch in den acht Rubriken der Aegyptischen Interpretation der zweiten Redaction der Tab. smar. Wir haben hierauf bereits bei jener Interpretation hingewiesen.

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Der Zweck, den wir im Auge haben, sagt unser Mann, ist unabweisbar ein guter, ein der Alchemie würdiger. Wie nun aber einmal die Sachen liegen, lässt sich nicht mit Kolben dreinschlagen. Da es sich um eingewurzelte Anschauungen handelt, so muss das Neue in subtiler Weise geboten werden. Geschieht das aber, wird dem Rücksicht getragen, dass mit dem Texte der zweiten Redaction so schonend umgegangen wird, dass dieser Text bleibt, wie er ist, dass nur ein unbedeutender Schlusssatz angehängt wird, dass dieser Schlusssatz wieder unter einer harmlosen Form auftritt: - nun, dann geschieht, was eben geschehen kann. Wer dann nicht folgen, wer dann nicht auf unsere Seite treten will, nun, der mag bleiben, wo er ist. Dem

ist es nicht um Einigung, dem ist es um Partei-Hader zu thun. Dem könnten die Göter selbst die Einigung bieten, und er würde sie nicht annehmen. Ueber solche Leute aber hinweg sich nicht die Hand zu reichen, wäre Schwäche von unserer Seite, die wir als würdiges Ziel die Einigung, und nicht den Zwist, vor Augen haben.

Und der Mann findet Anklang. Es findet sich ein Häuflein gleichgesinnter Männer, denen es um Einigkeit zu thun ist. Sie scharen sich um eine neue Interpretation der Tab. smar. Diese ist die metaphysische Interpretation.

Allgemeines über die metaphysische Interpretation der Tabula smaragdina. Ob der Autor dieser Interpretation ein Jude oder ein Grieche ist, wissen wir nicht. In gewisser Beziehung ge hörte er weder der Jüdischen, noch der Griechischen, noch irgend einer Besonder Nationalität der Welt an: war ein Kosmopolit, ein Weltbürger.

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Hinsichtlich eines neu einzuschlagenden Weges in Bezug auf die Interpretation der Tab. smar. sagt er, was ht uns Kosmologie, Kosmogenese u. s, w. an? Wir halen es am Krankenbette mit den Arcanis zu thun und mit nichts anderem. Die Arcanologie ist also das Terrain, a:? dem wir uns zu bewegen haben, Alchemie nehmen wir als Arcanologie. Alle die Disciplinen, welche die Alchemie sonst ausser der Arcanologie barg, schieben wir bei Seite. Wir sind gezwungen, es zu thun. Denn dadurch eben war dem Zwiste Thür und Thor geöffnet, dass man SO differente Dinge in den Bereich der Alchemie hineinschob. Wo das Hundertste und Tausendste in die Alchemie hineingeschoben wird, da ist es gar nicht anders möglich, als dass Differenzen entstehen. Wie ist es denn anders möglich, als dass über das Hundertste und Tausendste die verschiedenen Menschen auch verschiedene Ansichten haben? Ist es uns um wahre, dauernde Einigkeit zu thun, so sind wir damit nicht fertig, dass wir sagen, wir haben die gute Absicht uns zu einigen, wir wollen uns einigen, sondern es muss auch eine gesunde Basis vorliegen, auf der man sich dauernd einigen kann. Und diese gesunde Basis ist eben die, sich in der Alchemie mit nichts anderem zu befassen, als mit der Arcanologie. Halten wir das fest, halten wir uns als Alchemisten an nichts anderes, als an die Arcanologie, so können am Ende wohl auf dem Terrain, auf dem wir uns bewegen, verschiedene Anschauungen, verschiedene Auffassungen auftauchen, aber zum eigentlichen Riss in alter Weise kann es nicht mehr kommen. Wir haben um so mehr Grund, als Alchemisten, die sich an die Tab. smar. halten, exclusiv die Arcanologie in's Auge zu fassen, als im Grunde gerade dieser Standpunct es ist, auf den sich auch der Autor der ersten Redaction der Tab. smar. stellte. Halten wir uns also an der Hand der Tab. smar. exclusiv an die Arcanologie, so sind wir, was auch Opponenten dagegen sagen mögen, um so mehr auf dem rechten Wege, als wir die wahre Intention dessen, der der Vater der Tab. smar. ist, verfolgen, in seine Fussstapfen treten.

Nimmt man nun die zweite Redaction der Tab. smar. vor und fragt sich, wie soll man dieses Schriftstück rein weg arcanologisch ausbeuten, so ergiebt sich von vorn herein folgender Anhaltspunct.

Wenn es heisst: Quod est inferius est sicut id quod est superius. Et quod est superius, est, sicut id quod est inferius, so stehen im Griechischen Urtexte für inferius und superius die Worte zár und avw. Und wenn es heisst: et recipit vim superiorum et inferiorum, so steht im Griechischen Urtext für superiorum Tv άvo und für

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