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der Liquor hepatis an die Reihe. Derselbe wird vom Standpunct seiner Darstellung aufgefasst, das heisst von dem Standpunete, dass man Schwefel, Salmiak, Kalk destillirt, und so Liquor hepatis erhält. Der Autor nimmt an, dass der Destillationsprocess darin besteht, dass man das Destillatum vom Destillandum trennt. Er nimmt an, wie der Autor der ersten Redaction, dass der Liquor hepatis aus Hydrothiongas und Ammoniak besteht, dass also Hydrothiongas und Ammoniak das Destillatum bilden, welches vom Destillandum Schwefel, Salmiak, Kalk zu trennen ist. Weil er nun ferner Hydrothiongas als luftförmigen Schwefel fasst, und Ammoniak aus Salmiak mit Kalk dargestellt wird, so nimmt er an, dass in specie gerade das Hydrothiongas vom Schwefel, und das Ammoniak vom Salmiak und Kalk getrennt werde. Und indem nun angenommen wird, dass

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spissum Verbindung von Salmiak und Kalk, besagt unsere Stelle Separabis etc. das obige letztere, indem sie lehrt, man solle den ignis von der terra, das subtile vom spissum trennen.

Es sollte nun statt haben, dass man, so wie man das subtile vom spissum trennt, dass man so auch den ignis von der terra trennt, dass also da stände: Separabis ignem a terra und nicht umgekehrt: Separabis terram ab igne. Nun, das ist das Hysteron - Proteron von der ersten Redaction her, was sich nicht umgehen lässt, da ja, wie wir wissen, der Autor der zweiten Tab. smar. zur ersten Redaction blos Zusätze macht, nicht aber etwas ändert.

Das suaviter magno cum ingenio wird auf die Vorsicht bezogen, die man bei der Destillation des Liquor hepatis soll obwalten lassen. Das kann nun in besonderer und allgemeiner Fassung genommen werden. In besonderer Fassung würde das in's Auge gefasst werden, dass man die Vorlage fest ankittet, und mit einem Gasleitungsrohre versieht, und dass man die Vorlage gut abkühlt. In allgemeiner Fassung wird zur Vorsicht ermahnt, damit es einem nicht geht, wie den Amrita-Schüttlern.

Ascendit a terra in coelum, iterumque descendit in terram, et recipit vim superiorum et inferiorum.

Wie bei der ersten Redaction heisst wieder ascendit a terra in coelum einfach: es steigt auf, und descendit in terram: es steigt ab.

Es handelt sich um den P. solaris (ruber).

Auch dieses Arcanum wird vom Gesichtspunct der Darstellung in's Auge gefasst, und da sind es denn der rothe Dampf des Hydrarg. oxyd. rubr. und das Hydrothiongas, welches sich auf Zugiessen von Acid. sulphur. zu der Lösung des Schlippeschen; Salzes entwickelt, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wie der Autor der ersten Redaction nimmt auch der Autor der zweiten Redaction an, dass nicht aller rother Dampf, nicht alles Hydrothiongas in die weite Welt geht, sondern dass ein Theil umkehrt, sich verdichtet, und dass diese verdichteten Luftarten nun das Hydrarg. oxyd. rubr. und das Sulphur aurat., d. h. den P. solaris, constituiren. Also der P. solaris entsteht auf Grund eines Auf- und Absteigens.

Ascendit a terra in coelum, er steigt auf nämlich der P. solaris vom Eingesichtspunct, nicht vom Doppelstandpunct des Hydrarg, oxyd. rubr. und des Sulphur aurat. gefasst. Er steigt auf, indem Dampf in die Höhe geht. Iterumque descendit in terram, er der P. solaris von jenem Eingesichtspunct steigt auch wieder ab, indem der Dampf herunter geht..

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Et recipit vim superiorum et inferiorum, und wird theilhaftig der oberen und unteren Dinge, das ist der aufsteigenden und absteigenden Dämpfe. Da nämlich der P. solaris vom Eingesichtspunct aufgefasst wird, so sollte man meinen, es handele sich blos um ein Aufsteigendes, um ein Absteigendes. Nein, lehrt dem entgegen diese Stelle, es handelt sich um zwei aufsteigende Dinge, nämlich den rothen Dampf und das Hydrothiongas, und ebenso um zwei absteigende Dinge, nämlich wieder um den rothen Dampf und das Hydrothiongas.

Vierte Rubrik. Gloria-Rubrik.

Sic habebis gloriam bis obscuritas.

Sic, so, indem du nämlich das, hast, was die vorige

Rubrik bringt, hast du die gloria totius mundi, die Verherrlichung der Welt, der arcanologischen Welt. Beim telesmus totius mundi war es auf zwei Arcana abgesehen, auf Liquor hepatis und P. solaris. Hier, bei der gloria totius mundi, ist es auf drei Arcana abgesehen, auf Acid. sulphur.Natron, Liquor hepatis, P. solaris. Wie wir in dem Abschnitt „Die zweite Redaction der Tab. sm." haben kennen lernen, stellt der Autor seine Arcanen-Drei: Acid. sulphur.Natron, Liquor hepatis, P. solaris auf eine Rangstufe mit der eigentlichen Arcanenzahl, der Arcanen-Sieben. Und weil sie diese Rangstufe einnimmt, deswegen erhält sie hier den Titel: gloria totius mundi.

Dass die Arcanen-Drei zu der Besonder-Ehre gelangt, mit der Arcanen-Sieben auf eine Rangstufe zu treten, dass damit in der Jüdischen Zahlenphilosophie die 3 mit der 7 ebenbürtig wird, ist ein so wichtiges Factum, dass es wohl verdient, in einer Besondern Rubrik der Tab. sm. abgehandelt zu werden.

Ideo fugiet a te omnis obscuritas. Auf die Weise, dadurch dass du einsiehst, welche Stellung die 3 erhält, wird dich die Obscurität fliehen in Bezug auf die neue Epoche, in welche die neue Jüdische Zahlenphilosophie tritt, die nicht mehr, wie sonst, auf der einen Seite hatte: 1, 2, 3, 4, 5, 6 und auf der anderen Seite: 7, sondern die jetzt auf der einen Seite hat: 1, 2, 4, 5, 6 und auf der anderen Seite: 3, 7.

Fünfte Rubrik. Pathologische Rubrik.
Fortitudo-Rubrik.

Haec est totius fortitudinis bis penetrabit.

Es handelt sich hier, wie bei der ersten Redaction, um die pathologische Rubrik.

Die cumulirte fortitudo zählt nach der 3, und diese 3 zielt auf die Arcanen-Drei. Vermöge des Gloria - Standpunctes tritt die Arcanen Drei auf die Stufe der ArcanenSieben. Damit ist es denn gegeben, dass man (imaginär) 3 Arcana am Krankenbett anwendet und nicht 7 Arcana, und das ist der Fortitudo-Standpunct.

Der Autor der ersten Redaction der Tab. sm. fällt in die Zeit des Herrschens der Alexandrinischen Schule, sonst würde er die pathologische Rubrik, um die es sich hier handelt, nicht gerade so bringen, wie er sie eben bringt. Der Autor der zweiten Redaction muss, gemäss seines Princips, an der Tab. sm. nichts zu ändern, die fünfte Rubrik hier so bringen, wie sie sein Antecessor gebracht hat, und damit muss er in die Fussstapfen der pathologischen Auffassung desselben treten. Entweder nun fasst er diese pathologische Rubrik ganz im Geiste des Autors der ersten Redaction, und dann würde der Autor der zweiten Redaction ebenfalls in die Zeit des Herrschens der Alexandrinischen Schule fallen. Oder aber er fasst diese Rubrik nicht im Geiste seines Antecessors, und dann fällt er in eine spätere Zeit. Dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als die dogmatische Fassung des Pneuma-Humor-Solidum fallen zu lassen. Da er aber um die Stelle, wie sie einmal von seinem Antecessor in die Welt gesetzt, nicht herum kann, so ist er dann gezwungen, ganz allgemein, vom Alexandrinischpathologisch-dogmatischen Standpuncte absehend, zu sagen: Mag man sich wenden wie man will, darüber kommt man nicht hinweg, dass der Körper aus festen, flüssigen und gasartigen Theilen besteht, und auf diese muss eben das Heilmittel wirken. Die Interpretation der Stelle bleibt in einem Falle dieselbe, wie im anderen.

Wir glauben übrigens nicht, dass der Autor der zweiten Redaction der Tab. smar, bereits in die Zcit des Herrschens der Alexandrinischen Schule fällt. Schwerlich ist die zweite. Redaction der ersten Redaction so schnell gefolgt, wie es unter solchen Umständen statt haben müsste. Schwerlich ist die zweite Redaction bereits vor 280 270 a. C. zu setzen, zu welcher Zeit bereits die Alexandrinische Schule mit dem Auftreten der empirischen Schule fällt.

Sechste Rubrik. Index.

Sic mundus creatus bis est hic.

Sic mundus creatus est. Das bezieht sich auf die zweite Rubrik. Es ist gerade so, als wenn da stände: Sic habes creationem mundi oder Haec est creatio mundi. In der zweiten Rubrik nämlich hast du die creatio mundi, die zweite Rubrik bringt die creatio mundi, denn da steht ja omnes res fuerunt ab uno, Gott hat die Welt erschaffen.

Mundus, darauf haben wir schon in der zweiten Rubrik hingewiesen, steht, entgegen der sonstigen Fassung der Tab. smar., da, statt: totus mundus. Diese kurze Fassung mundus statt totus mundus entspricht der Natur eines Index.

Das creatus weist noch besonders darauf hin, dass das esse a in der zweiten Rubrik zu fassen ist als creari, geschaffen werden. Denn es heisst ja zu Anfang der Schöpfungsgeschichte: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde."

Es bringt also der Index in dem Sic mundus creatus est das, was die zweite Rubrik enthält.

Hinc erunt adaptationes mirabiles.

Das bezieht sich auf die dritte Rubrik.

Adaptatio ist kein classisch Lateinisches Wort. Der Uebersetzer lehnt dasselbe an das Particip adaptatus (Sueton), welches passend gemacht, angefügt" heisst. Er macht sich dabei nach Griechischem Muster, anlehnend an das Griechische Wort, welches im Griechischen Text der Tab. smar. steht, ein Substantiv. Wir wollen „Anpassungen“ übersetzen. Es sind unter den Anpassungen die Arcana zu verstehen, welche sich auf Grund des arcanologischen Experimentes ergeben. Da nun das arcanologische Experiment dem Wasserverwandlungs Experiment im Grossen parallel läuft, sich an dasselbe „anpasst", so werden in übertragener Weise die Arcana selbst Anpassungen genannt.

Hinc, von hier, von hier aus, nämlich von dem, was die so eben besprochene zweite Rubrik bringt, werden sein (über die Futural-Sprache vergl. bei der ersten Redaction der Tab. smar.), sind, hieran lehnen sich, an das, was die zweite Rubrik bringt, lehnen sich: die wunderbaren Anpassungen, welche die dritte Rubrik bringt. Die dritte Rubrik der Tab. smar. lehnt sich nämlich in so fern an die zweite Rubrik, als die dritte Rubrik mit dem Acid. sulphur.Natron beginnt, in welchem, der ersten Schöpfungs-Periode parallel laufend, die erste Periode des arcanologischen Experimentes repräsentirt ist; und analog, wie sich in dem omnes res natae fuerunt ab una re die res natae an die erste Schöpfungs - Periode schmiegen, so schmiegen sich auch Liquor hepatis und P. solaris an das Acid. sulphur.Natron.

Dass die Arcana mit einem mysteriösen Worte bezeichnet werden, kann weiter nichts auffallendes haben. Darum darf man sich an das Wort adaptationes weiter nicht stossen. Eben so wenig kann es etwas auffallendes haben, dass, da die Arcana wunderbare Dinge sind, die adaptationes das Epitheton mirabiles bekommen.

Es bringt also der Index in dem Hinc erunt adaptationes mirabiles das, was die dritte Rubrik enthält. Quarum modus est hic.

Das bezieht sich auf die fünfte Rubrik.

Modus ist entweder τρόπος oder μέτρον. Hier ist es jedenfalls uέrgov. Also im Griechischen Text der Tab. smar. steht uérgor, und nicht roónos. Der Autor will sagen, hier hast du die Fortitudo-Rubrik. Statt fortitudo sagt er aber uέτoor, Mass, weil in cumulirter Weise von der fortitudo die Rede ist, die fortitudo uns zugemessen“ wird, wir, um so zu sagen, die fortitudo scheffelweise zugemessen bekommen. Also mit dem uέrgov, welches auch, statt mit modus, mit mensura wieder gegeben werden könnte, steuert der Autor auf die fünfte Rubrik, und sagt des Näheren, anknüpfend an die adaptationes mirabiles: deren fortitudo, deren Anwendung am Krankenbette diese ist. Es bringt also der Index in dem quarum modus est hic das, was die fünfte Rubrik enthält.

Und blicken wir nun auf die ganze sechste Rubrik, so würde sie, wenn sie nackt, wenn sie schlechtweg geboten würde, heissen:

Index: Creatio mundi, Adaptationes, Modus. Sie wird nun aber nicht nackt, schlechtweg geboten, sondern wie die übrigen Rubriken der Tab. smar. wird sic uns in verdeckter Weise geboten. Und um diese verdeckte Weise heraus zu bekommen, verschmilzt der Autor die Index-Theile zu einem Ganzen, wodurch die Rubrik sich dann so gestaltet, wie wir sie eben vor uns haben, nämlich: So ist die Welt erschaffen, daher stammen, daran lehnen sich die wunderbaren Anpassungen, deren Kraft die ist, welche in der fünften Rubrik, die so eben abgehandelt worden, die dem Index unmittelbar vorangeht, auseinander gesetzt worden. Das demonstrative Pronomen hic beim mo. dus est hic wird nämlich in Bezug darauf gebracht, weil

unmittelbar vor dem Index die Anwendung der Arcana am Krankenbette zur Sprache kommt.

Wie man sieht, bringt der Index nicht alle Theile der Tab. smar., sondern blos die hauptsächlichsten, und diese sind die Creatio mundi, Adaptationes, Modus. Einleitung, Schluss, Gloria-Rubrik werden als Neben-Rubriken angesehen, was sie auch in der That sind, denn der Hauptinhalt der Tab. smar. bezieht sich auf die kosmologische Schöpfungsgeschichte (Creatio mundi), auf die Arcanologie (Adaptationes mirabiles) und auf die Anwendung der Arcana am Krankenbette (Modus).

Siebente Rubrik.

Itaque vocatus sum etc.

smar.

Schluss-Rubrik.

In dem Abschnitte „Das Aegyptische Gepräge der zweiten Redaction der Tab. smar." haben wir gesehen, wie der Thoth, resp. Hermes, dazu kommt, unter der Tab. zu figuriren. Thoth hat zur Seele eine besondere Relation, er steht dem Todtenrichter Osiris zur Seite, indem dieser die Seelen wägung vornimmt. In dieser seiner Eigenschaft passt Thoth zur Aegyptisch-spirituellen Interpretation der Tab. smar., und so rückt er denn überhaupt in die Schlussrubrik der Tab. smar. ein. Im Anlehnen an den Ἑρμῆς ψοχοπομπός wird alsdann aus dem Aegyptischen Thoth der Griechische Hermes oder der Lateinische Mercur. Es hat vielfach statt gefunden, dass man Thoth und Hermes in eine nähere Relation brachte, als dies mythologisch gerechtfertigt ist. Thoth deckt den ̔Ερμής ψοχοπομπός, eine weitere Relation haben beide nicht. Man hat dem Thoth allerlei Eigenschaften gegeben, die er nicht hat. Diese Eigenschaften kommen einfach daher, dass man den Thoth gräcisirte, hermetisirte, mit anderen Worten, dass man die Eigenschaften des Griechischen Hermes auf den Aegyptischen Thoth übertrug.

In Bezug auf den Griechischen Hermes haben wir folgendes:

Die Griechen liebten es, die Eigenschaften ihrer Gottheiten mannigfach nach den Eigenschaften der Gottheiten anderer Völker zu modeln. Auf die Weise kommt es, dass verschiedene Griechische Gottheiten aus ganz verschiedenen Gesichtspuncten zu fassen sind, den einen ihrer Eigenschaften liegt dies mythologische Princip zu Grunde, den anderen jenes. Gerade beim Hermes aber finden wir, wenn auch nicht absolut consequent, so doch durchschnittlich consequent einen Gesichtspunct festgehalten, und an der Hand dieses einen Gesichtspunctes wickeln sich dann alle hervorragenden Eigenschaften dieses Gottes ab. Dieser eine Gesichtspunct ist der, dass Hermes oder Mercur der Gott des kommenden Tages ist, entgegen dem Apollo, welcher der Gott der Nacht ist.

Fassen wir zuförderst den Apollo als den Gott der Nacht in's Auge.

1) Apollo ist der Gott des Todes, der Rache u. s. w. Als solcher erschiesst er mit seinen Pfeilen. So tödtet er im ersten Buche der Ilias die an der Pest sterbenden Griechen. So tödtet er die Kinder der Niobe. Herzuleiten ist diese seine Eigenschaft von dem Schauerlichen, Unheimlichen der Nacht, von dem, unter ihrem Schutze, im Dunkeln Schleichenden.

2) Apollo ist der Orakelgott. Man hat hier an das Dunkle, Mysteriöse des Orakel-Dienstes zu denken, an das ,nächtliche Grauen“ mit welchem dieser Dienst unter Umständen verknüpft war.

3) Apollo ist der Gott der Heerden, und wenn gerade dies nicht direct, so ist er doch der Hirt, welcher dem König Admet die Heerden hütet. Seine Heerden sind die Sterne.

4) Apollo ist der Gott der Musik. Das hängt mit der Nachtigall zusammen, die während der Nacht ihr Lied ertönen lässt.

Diesem Apollo als Gott der Nacht steht nun der Mercur als Gott des kommenden Tages, als der Gott gegenüber, welcher die Nacht verscheucht. An diese Vorstellung knüpfen sich die Haupteigenschaften Mercurs.

1) Er ist der Gott der Beredtsamkeit. Dem liegt die Auffassung zu Grunde, dass er die Nacht beredet, überredet, fortzugehen und dem Tage Platz zu machen.

2) Er ist der Gott der Palaestra. Dem liegt die Auffassung zu Grunde, dass er mit der Nacht kämpft, ringt, um sie zu verscheuchen.

3) Er ist ein Dieb. Dem liegt die Auffassung zu Grunde,

dass er der Nacht einen Stern nach dem anderen fortnimmt: er stiehlt dem Apollo die Rinder.

4) Er ist der Erfinder des Brett- und Würfels-Spiels (Plato, vergl. unten). Dem liegt die Auffassung zu Grunde, dass er mit der Nacht Brett spielend, ihr einen Stein nach dem anderen, einen Stern nach dem anderen schlägt, dass er, mit der Nacht Würfel spielend, ihr die Partie abgewinnt.

5) Er ist der Erfinder der Zahl (Plato, vergl. unten). Dem liegt die Auffassung zu Grunde, dass er die Sterne, die er zu beschwatzen, zu bekämpfen, zu stehlen, im Brettspiel zu schlagen, im Würfelspiel zu gewinnen hat, schlau überzählt. 6) Er ist der Erfinder der Geometrie und der Astronomie (Plato, vergl. unten). Im Allgemeinen knüpfen diese sich an die Zahl von vorhin, im Besonderen liegt die Astronomie, da Mercur es mit den Sternen zu thun hat, sehr nahe. 7) Er ist der Erfinder der Buchstaben. Als Gott der Beredtsamkeit liegen ihm diese sehr nahe.

8) Er ist Gott der Musik (curvae lyrae parens). Dies hängt mit den Vögeln zusammen, welche, wie namentlich die Lerche, dem Tage entgegen singen und schmettern.

7) Er ist der, der die Seelen der Verstorbenen zur Unterwelt führt. Diese Auffassung lehnt sich an die Vorstellung, die sich mannigfach bei den Alten findet, die Sterne seien Geister, Seelen. Diese Geister, Seelen, führt Mercur dahin, wohin die untergehende Sonne geht, hinab unter den Horizont, in die Unterwelt.

Auf Grund des Hermes als solchen nun, der die Seelen, die Geister der Verstorbenen zur Unterwelt führt, lehnten die Griechen den Hermes an den Thoth, der dem Osiris bei der Seelenwägung zur Seite steht. Und da sie auf die Weise die Parallele von Hermes und Thoth hatten, übertrugen sie die ferneren Eigenschaften des Hermes auf den Thoth. So erhält denn Thoth Eigenschaften, an welche die Aegyptische Mythologie nie gedacht hat, sie dem Thoth beizulegen. Thoth wird wohl mit einem Schreibzeuge abgebildet, nun darin hat man am Ende eine entfernte Relation zum Hermes, dem Erfinder der Buchstaben. Im Uebrigen haben Hermes und Thoth weiter keine Berührungspuncte, ja selbst der Ausgangspunct, hier 'Equйs wvxoлоμлоs, dort der dem Osiris bei der Todtenwägung zur Seite stehende Thoth, liegt sehr willkürlich. Man muss sich daher nicht düpiren lassen, wenn uns der Thoth mit Eigenschaften des Hermes präsentirt wird. Ein Anderes ist es, auf Grund eines car tel est notre plaisir, den Thoth mit Hermes-Eigenschaften vorgeführt zu bekommen, ein Anderes ist es, den eigentlichen Standpunct des Thoth in der Aegyptishen Mythologie in's Auge fassen.

Wie vielfach, so findet man auch bei Plato einen Sprung vom Griechischen Hermes zum Aegyptischen Thoth. Es heisst Phaedrus, P. 274:

Ἤκουσα τοίνυν, περὶ Ναύκρατιν τῆς Αἰγύπτου γενέσθαι τῶν ἐκεῖ παλαιῶν τινὰ θεῶν, οὗ καὶ τὸ ὄρο νεον τὸ ἱερὸν, ὃ δὴ καλοῦσιν ἴβιν. αὐτῷ δὲ ὄνομα το δαίμονι εἶναι Θεῦθ. τοῦτον δὲ πρῶτον ἀριθμόν τε καὶ λογισμὸν εὑρεῖν καὶ γεωμετρίαν καὶ αστρονομίαν, ἔτι δὲ πειτείας τε καὶ κυβείας, καὶ δὴ καὶ γράμματα.

Ich habe nun gehört, dass zu Naukratis in Aegypten eine von den alten Landesgottheiten gewesen, der auch der Vogel heilig war, den sie Ibis nennen. Der Gott hiesse Theuth". Dieser habe zuerst die Zahl, die Proportion, die Geometrie, die Astronomie, das Brett-, das Würfel-Spiel, endlich auch die Buchstaben erfunden."

Man vergleiche hiermit Plato, Philebus P. 18, wo auf den Thoth als Erfinder der Buchstaben losgesteuert wird. Der vorhin citirten Stelle aus dem Phaedrus zu Liebe haben wir oben den Mercur als Erfinder der Zahl, der Geo metrie, der Astronomie, des Brett- und Würfel-Spieles, der Buchtaben hingestellt. Diese Eigenschaften lehnen gar zu sehr an Hermes als Gott des kommenden Tages, als dass es einem Zwang unterläge, sie den übrigen aufgeführten Eigenschaften anzureihen. Was beim Bringen dieser Eigenschaften Plato sich selbst herauscalculirt, und was von ihnen notorisch Griechische Auffassung ist, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Der loyiouos, die Proportion, ist jedenfalls eigens Platonisch; der Zahl reiht er die, für ihn in Bezug auf seine Zahlenphilosophie so wichtige Proportion an. Mag die Sache aber in der eben genannten Beziehung liegen, wie sie will, das steht fest, dass Plato uns unter dem Namen Oɛu dem Sachverhalt nach den Griechischen Hermes bringt; die Eigenschaften, welche sich

Griechisch oder Griechisch-Platonisch an Hermes lehnen, überträgt Plato auf seinen Theuth.

Horaz bringt uns die Eigenschaften des Hermes oder Mercur in seiner Ode ad Mercurium (Horatii carmina Lib. 1, Ode 10):

Mercuri, facunde nepos Atlantis,

Qui feros cultus hominum recentum
Voce formasti catus, et decorae
More palaestrae:

Te canam, magni Jovis et deorum
Nuntium, curvaeque lyrae parentem,
Callidum, quidquid placuit, jocoso
Condere furto.

Te, boves olim nisi reddidisses
Per dolum amotas, puerum minaci
Voce dum terret, viduus pharetra
Risit Apollo.

Quin et Atridas, duce te, superbos,
Ilio dives Priamus relicto,
Thessalosque ignes et iniqua Trojae
Castra fefellit.

Tu pias laetis animas reponis
Sedibus, virgâque levem coërces
Aureâ turbam, superis deorum,
Gratus et imis.

„Hermes, du wohlredender Spross des Atlas,
Der der Urwelt Menschen aus rohem Unfug
Durch des Worts Weisheit und der Leibesübung
Zierde gebildet.

Dir, dem Herold Jupiters und der Götter,
Sing' ich, dir Anordner der krummen Lyra,
Der du schlau, was auch dir gefiel, in leisem
Scherze verheimlichst.

Dich, wofern du trüglich entwandte Rinder
Nicht herausgäbst, schreckte vordem, den Knaben,
Durch der Stimm' Androhn, und beraubt des Köchers,
Lächelt Apollo.

Als von Troja Priamos kam der König,
Deiner Obhut froh, hat er selbst des Atreus
Stolze Söhn', auch Thessalerglut, und Feindes-
Lager getäuschet.

Du verleihst, dass Seelen, die fromm gewandelt,
Still in Wonn' ausruhn, mit dem Schwung des Goldstabs
Leichte Schwärm' abführend, der Höhe Göttern
Werth und des Abgrunds."

Joh. Heinr. Voss. Hier haben wir den Mercur im facundus nepos Atlantis als Gott der Beredtsamkeit. Indem er die feros cultus voce format, ist mit der vox wohl unzweifelhaft, wenn auch nicht gerade direct, so doch indirect, auf die Buchstaben, die yoάuuara Platos, losgesteuert. Wie es in der neueren Zeit, im Anlehnen an die Darvinsche Theorie, angenommen wird, dass die Urmenschen nur, ähnlich den Thieren, ohne eigentlich zu sprechen, Laute der Begierde, der Leidenschaft u. s. w. von sich gestossen, so dass die vox, die vox humana, die menschliche Stimme, die menschliche Rede, erst ein Product der fortschreitenden Cultur war: an so etwas hat Horaz schwerlich gedacht. Sprechen also konnten die rohen Unmenschen, die modulirte Sprache fehlte ihnen nicht, nur fehlte es ihnen an der Einsicht, wie die Worte, welche sie sprachen, organisch grammatisch gebaut waren, zu bauen wären, fortzuentwickeln wären. Und das lehrt sie Mercur, indem er sie einmal vorläufig mit der Natur, dem Wesen der vox, der Buchstaben, bekannt macht, oder wenigstens, indem er sie mit etwas bekannt macht, was am endlichen Ende auf die Buchstaben hinauskommt. Catus, schlau, listig, ist Mercur, indem er als solcher, der die Nacht zum Weichen bringt, hervorstechend Schlauheit anwendet, und nicht Gewalt. Im formare

more decorae palastrae ist er der Ringer, er ringt mit der Nacht. Figürlich ist palaestra auch ein Uebungsplatz zum Reden, eine Redner-Ringschule. In dieser Bedeutung kommt es selbst bei Cicero vor. Somit ist es gerade nicht unmöglich, dass Horaz nicht das körperliche Ringen, sondern

Die

im Anschluss an den facundus, die vox, den catus das rednerische Ringen Mercurs vor Augen hat. Doch liegt das wohl ferner. Im nuntius haben wir Mercur als den Götterboten, eine hervorstechend bekannte Eigenschaft dieses Gottes. Vielleicht hängt auch diese Eigenschaft blos mit dem Standpunct Mercurs als Gott des kommenden Tages zusammen. Der vedische Agni weckt die Götter zum Opfer, und ist deshalb der Bote und Rufer. Das kann auf Hermes übertragen sein. Als der, der den kommenden Tag bringt, ist er früh bei der Hand, kann daher die Götter wecken, und wird damit im Anlehnen an Agni der Götterbote. Indem Mercur callidus est, jocoso condere furto, haben wir in ihm den Dieb. Das jocosum furtum zielt darauf, den Gott nicht mit Impietät zu behandeln. Einen Gott einen Dieb zu nennen, liegt etwas stark impietätisch injuriös, darum stiehlt Mercur nur aus Scherz. Rinder, die er dem Apollo stiehlt, sind, wie schon oben erwähnt, die Sterne, die dem Apollo als Gott der Nachtzukommen. Mercur stiehlt dem Apollo die Rinder. Apollo wird böse, und droht dem Diebe. Mercur aber nicht faul, stiehlt dem Apollo noch obendrein seinen Köcher. Nun muss Apollo über den geschickten Escamoteur lachen. Wo das Lachen aber an die Reihe kommt, da ist der Ernst vorbei, und mit dem Ernst, der vorbei ist, kommt die Sache auf einen Escamoteur-Scherz hinaus, und nicht auf einen elenden Gaunerstreich. Quin et Atridas etc. Als Achilles den Hektor im Kampfe erschlagen, machte sich Priamus, der unglückliche Vater des Erschlagenen, bei Nacht und Nebel auf, schlich sich durch das Lager der Griechen, und gelangte zum Achilles, von dem er die Leiche des Hektor zurückforderte und erhielt. Auf dieser traurigen Fahrt begleitete Hermes den Priamus. (Vergl. die Ilias). Dass gerade Hermes dem Priamus bei dieser Gelegenheit zur Seite steht, wird wohl damit zusammen hängen, dass Hermes kundig ist, die Sterne fortzubringen. Eigentlich kann er dies nur derartig, dass er den Tag an ihre Stelle heraufbringt. Dem unglücklichen Priamus zu Liebe thut er es aber ausnahmsweise ohne den Tag herbeizuführen. Auf die Weise bringt er denn eine dunkle Nacht zu Wege, unter deren Schutz Priamus ungesehen dahin fährt. Horaz nimmt an, Mercur als fallens, als Täuschender, Hintergehender, stehe dem Priamus zur Seite. Wie er vorhin den Apollo hintergangen, oder um einen banalen Ausdruck zu gebrauchen, gefoppt, denn die Dieberei mit dem Apollo wird ja als Fopperei gedreht so hintergeht er, foppt er jetzt die Atridas superbos, die Thessalos ignes, die castra Trojae iniqua. · Indem Mercur pias animas laetis sedibus reponit, haben wir ihn als den, der die Seelen der Verstorbenen zur Unterwelt führt. Als solcher, wir machen darauf besonders aufmerksam, erhält er eine virga aurea, eine Goldruthe, mit der er den leichten Haufen der Seelen in Schranken hält. Von den Eigenschaften Mercurs, die wir oben sub 4, 5, 6 aufgeführt, hat Horaz nichts.

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Der unter der Tab. smar. stehende Hermes resp. Thoth macht seine eigene Carriere durch. Er wird zum Schutzpatron der Alchemie, was sehr nahe liegt, da ja die Tab. smar. der Kanon der Alchemie ist.

Wir werden später sehen, dass die Alchemie zur xovdono in Relation tritt. Auf Grund dessen wird Hermes denn auch zum Schutzpatron der Goldmacherkunst. Für diesen Hermes passt ganz besonders die virga aurea, von der Horaz in der letzen Strophe seiner Ode spricht. Der Goldmacher-Patron hat damit ein goldenes Emblem. Da die Alchemie überhaupt und die Fassung der Tab. sinar. im Besonderen geheimnissvoll ist, so wird Hermes anf Grund dessen, dass er unter der Tab. smar. figurirt, auch zum Gott des Geheimnissvollen. Daher stammen unter anderen auch die Ausdrücke hermetische Freimaurerei, hermetischer Verschluss. Hermetisch ist die Freimaurerei, weil sie geheimnissvoll ist. Hermetisch ist ein solcher Verschluss, in dem man, resp. die Luft, ebenso schwierig eindringen kann, als in ein Geheimniss. Was die Freimaurerei anbetrifft, so kann man übrigens den Hermes auch zu ihr in eine mehr directe Relation bringen, indem sie mancherlei Auffassungen und Symbole hat, welche den Interpretationen der Tab. smar., die wir später kennen lernen werden, entnommen sind. Indem sie aber auf die Weise in den Bereich der Tab. smar. tritt, tritt sie auch in den Bereich des Hermes.

Im Verlaufe der Geschichte der Alchemie lässt man den

Hermes als den Gott der Alchemie fallen, und fasst Hermes als den Namen eines Alchemisten, der die Tab. smar. verfasst hat. Damit wird denn Hermes zum Schriftsteller. Und da es zur Mysteriosität der Tab, smar. passt, dass ihr Verfasser in der Schriftstellerei mysteriös-überschwängliches geleistet haben muss, so werden dem Schriftsteller Hermes Bücher zugeschrieben, deren Zahl in's Enorme geht, spricht man doch sogar von mehr als zwanzig bis dreissig Tausend. Von den Schriften, die noch unter dem Namen des Hermes existiren, kennen wir für unsere Person den Poemander (s. später), der in die zweite Alexandrinische Periode fällt, zum Theil auch den Asclepius; nicht kennen wir die Iatromathematica und Horoscopica. Dagegen kennen wir wieder den Tractatus aureus de Lapidis philolosophici secreto, der in die Abendländische Zeit fällt.

Zum trismegistus, rois μéy1010s, ter maximus, wird Hermes auf Grund der Arcanen-Drei. Der Lateinische Uebersetzer hätte den Griechischen Ausdruck zgis Méyiavos gerade nicht intact zu lassen brauchen, er hätte ganz gut ter maximus nehmen können. Der denkt aber, wenn du das tois péyiatos latinisirst, so musst du auch den Equйs latinisiren. Damit käme dann statt. Hermes: Mercurius. Aber, denkt er weiter, Thoth ist gemeint, Hermes steht an seiner Stelle, nun willst du die Sache auch beim Hermes belassen. Es liegt eigenthümlich genug, dass der Griechische Hermes an die Stelle des Thoth tritt, du willst dieser Eigenthümlichkeit nicht noch einen grösseren Ausdruck geben dadurch, dass du an die Stelle des Hermes den Mercurius setzest. Nein, der Hermes steht da, und mag ruhig stehen bleiben. Und weil der 'Eguns bleibt, so hat auch das Griechische Tois μéyιoros zu verbleiben.

Dadurch, dass Hermes zum trismegistus wird, was, wie gesagt, der Arcanen-Drei zu Liebe geschieht, dadurch wird die Arcanen-Drei mächtig in den Vordergrund geschoben. Das hat nun weiter nichts auffallendes. Die Arcanen-Drei spielt eine sehr wichtige Rolle. Früher war nur die Arcanen-Sieben die eigentliche Arcanenzahl, jetzt tritt ihr die Arcanen-Drei ebenbürtig zur Seite, sie wird zur gloria totius mundi. Das verdient wohl, mit Präponderanz in den Vordergrund geschoben zu werden, und es geschieht eben dadurch, dass Hermes zum trismegistus wird. Nicht aber blos in dieser Weise geschieht es, sondern es geschieht zugleich auch noch auf die Weise, dass es gerade drei Rubriken der Tab. smar. sind, in welchen die ArcanenDrei hervorstechend in's Auge gefasst wird. Die erste Rubrik, in der dies geschieht, ist nämlich die arcanologische Rubrik, welche uns gerade die drei, Arcana bringt; die zweite Rubrik, in der dies geschieht, ist die GloriaRubrik, in welcher das Drei - Arcanum mit dem SiebenArcanum parallelisirt wird; die dritte Rubrik, in der dies geschieht, ist die vorliegende mit ihrem Hermes tuismegistus. In Bezug auf die Griechen, welche wohl der ArcanenVier, -Zwei, -Eins huldigen, nicht aber der Arcanen-Drei, ist es wünschenswerth, dass die Arcanen-Drei nicht mit solcher Präponderanz in den Vordergrund geschoben wird, dass der Hermes, der Schutzpatron der Alchemie, ihr zu Liebe zum trismegistus wird, was ja eine sehr hervorragende Concession zu Gunsten der Arcanen-Drei ist. rum hat der Autor den Griechen gegenüber für, das Itaque vocatus sum etc. eine Besonder-Interpretation in petto, sie ist:

Da:

Du findest im vorangegangenen Index nur auf drei Rubriken der Tab. smar. hingewiesen, statt auf alle. Das muss nun so sein, weil jene drei Rubriken die eigentliche Basis der Tab. smar. bilden, und weil es so sein muss, itaque, (so,) deswegen werde ich der Hermes trismegistus genannt, habens, habend, weil ich habe, tres partes etc. So wird. der Hermes trismegistus auf den Index bezogen, statt auf die Arcanen-Drei.

Im eigentlichen Sinne des Autors liegt so etwas aber nicht. Der will in seinem Sinne interpretirt wissen: Itaque, und so womit nicht der Anschluss an den Index, sondern an die ganze Tab. smar. gegeben ist. Das Itaque steht nicht auf dem Standpunct, als wenn vorhin von der Jüdischen Interpretation der Tab. smar, die Rede gewesen wäre, sondern als wenn die Aegyptische spirituelle Interpretation voranginge. Dadurch macht sich denn der Anschluss der siebenten Rubrik etwas mysteriös, aber gerade darauf ist es dem Autor abgesehen. Nachdem er nun

einmal den mysteriösen Anschluss mit Thoth hat, stempelt | Tab. smar. bewegt, das ist auf dem Terrain des Alexaner diesen auf Grund der Arcanen- Drei zum trismegistus, und sagt dann weiter, dieser Hermes trismegistus habe tres partes etc.

Philosophia totius mundi heisst: Tabula smaragdina. Philosophia totius mundi ist der Titel, der Name, den der Autor der Tab. smar. beilegt. Die Titel-Ueberschrift der Tab. smar. ist: Philosophia totius mundi. Der Autor zieht hier den Ausdruck philosophia totius mundi heran, nm zu constatiren, dass er die Tab. smar. also genannt, titulirt wissen will.

Die Tab. smar. stellt den Kanon der Alchemie dar, und indem sie der Kanon der Alchemie ist, wird sie in übertragener Weise zur Alchemie selbst. Es käme also blos darauf an, darzulegen, in wiefern die Alchemie philosophia totius mundi. Das liegt aber ff.

Bei den Griechen hiess die Alchemie ursprünglich σ0qla, Weisheit, und in Anknüpfung daran waren die Alchemisten oog oì, Weise. Dieser Titel schien den Alchemisten selbst ein wenig zu herausfordernd, und so nannten sie sich statt, Weise ": Freunde der Weisheit“, das ist qilo oogías. Im Anschluss an diesen Ausdruck bildete sich dann einerseits statt des früheren σοφός: φιλόroyos, und andererseits statt des früheren oopía: poσοφία.

Álso statt Alchemie: philosophia liegt sehr nahe, es ist eben der Griechische Ausdruck für Alchemie. Nicht aber ist der Griechische Ausdruck: philosophia totius mundi. Den macht sich der Autor der Tab. smar. auf eigene Hand. Der totus mundus ist hier an und für sich nichts anderes, als der einfache mundus. Zum totus mundus wird er dadurch, dass die Tab. smar. überhaupt, wo sie den mundus bringt (mit Ausnahme des Index), immer totus mundus hat. Davon haben wir bereits gesprochen. Dass der Autor nun den mundus der philosophia anhängt, hängt damit zusammen, dass er auf die Schöpfungsgeschichte im ersten Buche Mosis blickend, diese als die Angel nimmt, um welche sich die ganze Alchemie dreht. Er hätte also eigentlich: Philosophie der Schöpfungsgeschichte für Alchemie, das ist, Philosophie im AllgemeinSinne gefasst, Philosophie, Philosophiren über die Schöpfungsgeschichte. Da er nun aber den Griechen gegenüber nicht sagen kann, die Alchemie kommt auf nichts anderes hinaus, als auf eine Philosophie der Schöpfungsgeschichte, so nimmt er für Schöpfungsgeschichte: mundus, was nahe liegt, da es sich in der Schöpfungsgeschichte um die Erschaffung der Welt handelt. Indem er sich nun aber an die Welt hält, ist er mit seiner philosophia totius mundi, statt philosophia, den Griechen gegenüber durchaus gedeckt, indem er sagt, auch in euerer Alchemie spielt die Welt eine so wichtige Rolle, dass es wohl gerechtfertigt ist, den Ausdruck philosophia zum Ausdruck philosophia totius mundi zu dilatiren.

Habens tres partes philosophiae totius mundi: habend, ich, der Hermes, habe drei Theile der Tab. smar. Das sind die drei Theile. von denen der Index spricht. In Bezug auf die drei Theile, welche allein der Index, mit Uebergehen der anderen Theile, bringt, fragt man, aber warum nur diese drei Theile allein, die anderen Rubriken sind doch auch da, und wenn sie noch nicht einmal verdienen, im Index erwähnt zu werden, warum stehen sie denn in der Tab. smar.? Die Antwort ist, dem Hermes trismegistus zu Liebe figuriren jene drei Rubriken im Index, es ist ein Tribut, der dem Hermes trismegistus gezollt wird. Den fehlenden Rubriken wird dadurch nicht zu nahe getreten, denn da sind sie ja einmal, der Tribut, den die anderen herangezogenen dem Hermes bringen, kann jenen ihren Werth nicht rauben. So deckt das habens tres partes den Index, der übrigens darum blos drei Theile bringt, um der Sache einen mysteriösen Anstrich zu geben, um den eigentlichen Inhalt der Tab. smar. zu verdecken. Wenn der Index alle Theile der Tab. smar. speciell angäbe, so wäre damit das geboten, dass man sich gar zu leicht orientiren könnte.

Griechische Interpretation der zweiten Redaction der Tabula smaragdina.

Sie bewegt sich auf demselben Terrain, auf dem sich die Griechische Interpretation der ersten Redaction der

drinischen Schemas. Sie bringt ganz dasselbe mehr ansführlich, was die erste Redaction minder ausführlich bringt. Damit haben denn die Griechen nichts, was sie gegen diese zweite Redaction der Tab. smar. im Allgemeinen einwenden können. Wo sie einmal die erste Redaction anerkennen, da können sie ein Schriftstück nicht zurückweisen, welches dasselbe, was jene bringt, ausführlicher bespricht, derartig ausführlicher bespricht, dass dem Alchemisten von Fach das Ganze klarer dargelegt wird, dem Nicht - Alchemisten aber noch dunkeler erscheinen muss, als die erste Redaction. Denn bei der ersten Redaction hatte der Nicht - Alchemist, indem er sich an die Tab. smar. machte, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was der Inhalt von vier Rubriken bedeuten soll, hier hat er sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was der Inhalt von sieben Rubriken bedeuten soll.

Und auch im Besonderen kann der Umstand, dass statt der vier Rubriken, wie sie die erste Redaction bringt, bei der zweiten Redaction sieben Rubriken präsentirt werden, für die Griechen nichts anstössiges haben. Es werden ihnen mit den sieben Rubriken die philosophischen Zahlen von 1 bis 7 geboten, das sind nicht die Jüdischen philosophischen Zahlen, sondern die Pythagoräischen philosophischen Zahlen. Dass diese aber geboten werden, dagegen können die Griechen nichts haben. Wenn auch die Griechen im grossen Ganzen auf die Pythagoräische Alchemie nicht eingingen, wie das ja die Entwickelung der Griechischen Alchemie nach Pythagoras zeigt, so waren sie doch dem Pythagoraeismus nicht geradezu abgeneigt. Die einzelnen Alchemisten nach ihm kommen mannigfach auf ihn zurück. Also, wie gesagt, die Alexandrinischen Griechen konnten durchaus nichts anstössiges darin finden, wenn ihnen die philosophischen Zahlen ihres, wenn auch nicht in seiner Alchemie absolut anerkannten, so doch mannigfach berücksichtigten Landsmannes geboten wurden, namentlich wenn sie ihnen in der Art geboten wurden, wie sie in der Tab. smar. geboten werden. Die Arcanenzahlen 4, 2, 1, wie sie sich an das Griechische Schema überhaupt und an das Alexandrinische Schema im Besonderen knüpfen, bleiben unangegriffen in ihrem alten Rechte bestehen. Was kann es da denn nun verschlagen, wenn nebenbei in den sieben Rubriken der Tab. smar. den Pythagoräischen philosophischen Zahlen 1 bis 7 Rechnung getragen wird? Und wird damit auch gar nichts anderes bezweckt, als einem Pietätsgefühle gegen Pythagoras Rechnung zu tragen, so ist auch das schon ein Gewinn. Schon aus Pietätsrücksichten gegen Pythagoras können die Griechen nichts dagegen haben, wenn ihmen in den sieben Rubriken der Tab. smar., welche im Uebrigen in dem, was sie besprechen, den Griechisch-Alexandrinisch- alchemistischen Standpunct nicht im mindesten verrücken, die Pythagoräischen Zahlen geboten werden.

Indem nun die Tab. smar. sieben Rubriken hat, ist in jeder Rubrik eine der philosophischen Zahlen von 1 bis 7 vertreten. Das ist im Allgemeinen bei der Griechischen Interpretation, wie bei der Jüdischen Interpretation. Nur im Besonderen gestaltet sich die Sachlage anders bei der Griechischen Interpretation, als bei der Jüdischen. Bei der Griechischen Interpretation macht sich die Sache einfach so, dass die erste Rubrik, weil sie die erste Rubrik ist, die philosophische Zahl 1 repräsentirt, dass die zweite Rubrik, weil sie die zweite Rubrik ist, die philosophische Zahl 2 repräsentirt, dass die dritte Rubrik, weil sie die dritte Rubrik ist, die philosophische Zahl 3 repräsentirt, und so weiter durch die vierte, fünfte, sechste Rubrik, bis endlich die siebente Rubrik, weil sie die siebente Rubrik ist, die philosophische Zahl 7 repräsentirt.

Wir haben noch darauf hinzuweisen, dass, indem die Tab. smar. sieben Rubriken hat, und diese zu den philosophischen Zahlen 1 bis 7 verwerthet werden, dass damit der Pythagoräischen 10 keine Rechnung getragen wird. Diese stiefmütterliche Behandlung der 10 wird dadurch redressirt, doppelt redressirt, dass die Pythagoräische 10 in der Tab. smar. selbst, im Texte der Tab. smar., auf's Tapet gebracht wird, wie wir das in der zweiten Rubrik sehen werden.

Kommen wir nun zu der Interpretation selbst.

Die zweite Rubrik wird die Elementen - Rubrik. Die dritte Rubrik bringt die Cosmologica und Arcana. Die

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