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Allerdurchlauchtigster,

Großmächtigster,

Gnådiger König und Herr!

Der gegenwärtige Zustand der evangelischen Kirche

würde in dem Zeitpuncte, da sie das Andenken an das Werk jener erleuchteten Männer, wodurch der Grundstein zu ihrer inneren und äußeren Selbstständigkeit gelegt wurde, zu feiern im Begriffe ist, für den treuen Anhänger und Verehrer des biblischen Evangeliums betrübend und gefahrvoll erscheinen, wenn nicht die Geschichte der Fortbildung der christlichen

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Kirche die beruhigende Ueberzeugung gewährte, daß bedenkliche Perioden immer da vorausgingen, wo eine wichtige Veränderung, unter der Leitung dessen, dem Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, zum Heile seiner Gemeinde erfolgen sollte. Aberglaube, Unglaube, geistlicher Despotismus hatten vor drey hundert Jahren die Ausbildung des menschlichen Geistes, die Freyheit des Gewissens, die Rechte der Fürsten und Staaten zu beeinträchtigen, ja völlig zu zerstören gedrohet: aber eben diese betrübenden Verhältnisse waren es, durch welche und unter welchen der Geist jenes Mannes geweckt und gekräftiget wurde, der berufen war, dem Unwesen zu steuern, das An= sehen der heiligen Schrift wieder festzustellen, und die Lehre des Evangeliums von den Menschensaßungen zu reinigen, durch welche dasselbe im Verlaufe vieler Jahrhunderte war entstellet worden. Was das glau= bensvolle Herz jenes Mannes anfangs kaum ahnete, das kam, unter höherer Leitung und erst im Kampfe

mit seinen Gegnern, in ihm mehr und mehr zum klaren Bewußtseyn, und der Schuß und Beystand hochherziger, für die heilige Sache des biblischen Evangeliums begeisterter, deutscher Fürsten half ihm das Werk vollenden, an dessen Ausführbarkeit er nim mermehr würde haben denken können ohne jenes lebendige Vertrauen auf den Beystand seines Herren und Heilandes, in dessen Berufe er wirkte.

Auch die jeßige Zeit bietet jenen ähnliche Erscheinungen dar. An die Stelle des Aberglaubens und Unglaubens ist unter einem großen Theile des Volkes eine Gleichgültigkeit gegen Religion und Kirche, und dadurch verdnlaßt eine Hinneigung zu einem mißverstandenen Mysticismus; an die Stelle des geistlichen Despotismus eine Geschiedenheit theologischer Ansichten und Meinungen getreten, welche dem wahren Gedeihen, ja dem Bestehen der kirchlichen Einheit der Evangelischen gleiche Gefahr zu drohen scheinen. Möge

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aber auch dieser Zustand noch so bedenkliche Folgen fürchten lassen: das Wort dessen, welcher von Gott gesandt wurde, der Menschheit mitzutheilen die Lehren des ewigen Lebens, und sie zu erlösen von Unwissenheit, Sünde und Verderben, es ist unvergånglich und für uns aufbewahret in heiliger Schrift; in ihr hat die Vorsehung für kommende Jahrhunderte und Jahrtausende der Christenheit das sicherste Mittel darge= boten, um alle Menschen, alle Völker dereinst zur Einheit des religiösen Glaubens und Lebens zu leiten, damit das Reich Gottes komme, damit eine Heerde und ein Hirte werde.

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Ew. königl. Majeståt haben schon durch die Stiftung der Einigung getrennter Confeffionen, durch die Belebung des kirchlichen Cultus, die glorreichsten Beweise gegeben, daß Allerhöchstdenselben die Förderung der Sache des in der Schrift aufbewahrten Evangeliums heiliger sey, als die Beybehaltung von

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