Obrazy na stronie
PDF
ePub

Die

Heiligenbilder

oder

die bildende Kunst und die theologische Wissenschaft

in ihrem gegenseitigen Verhältniß

historisch dargestellt.

Mit drei Beilagen:

1) Die Schußpatrone für die verschiedenen Stände und Lebensverhältnisse.
2) Synoptische Zusammenstellung der Kalenderheiligen für alle Tage d. 3.
3) Alphabetisches Verzeichniß der Heiligen.

[blocks in formation]

Zimmer selbst ausführlicher sprechen, um so besser; darf er nicht, so hat er wenigstens die Hauptsache mitgetheilt.

Diese aber besteht im vorliegenden Fall in dem Versuch, die Ansicht, daß die zu gottesdienstlichen Zwecken dienenden Bilder, ja die bildende Kunst überhaupt mit der theologischen Wissenschaft von den frühesten Zeiten her ftets Hand in Hand gegangen, historisch zu rechtfertigen.

Von diesem Standpunkt aus angesehen, repräsentirt das Heidenthum die sinnliche Natur des Menschen, die der inneren Sehnsucht nach einer Wiedervereinigung mit der Gottheit nur dadurch zu genügen wußte, daß sie das Göttliche in die Sphäre der Sinnlichkeit herabzog und die Gottheit in effigie Mensch werden ließ; das Judenthum dagegen die geistige Natur, welche, festhaltend an der ersten Grundwahrheit aller religiösen Erkenntniß, daß die Gottheit ein rein geistiges Wesen, jene Versinnlichungsversuche entschieden verwarf, aber zwischen Gott und dem Menschen kein verbindendes Mittelglied wußte. Im Christenthum erst finden beide Naturen, die sinnliche, die im Heidenthnm auf Kosten der religiösen Wahrheit, und die geistige, die im Judenthum auf Kosten der ästhetischen Schönheit ihre Befriedigung suchte, dieselbe vollständig, und die in dem Dogma von Christus, dem Gott-Menschen, sich aussprechende Idee liegt nicht nur der Entwickelung der theologischen Wissenschaft, sondern auch der christlichen Kunst zum Grunde.

Zu derselben Zeit, da man in der Theologie mit dem Dogma fertig ist, sind auch die Christus- und

Marienbilder fertig, und der Kampf für diese wird zum Kampf für jenes und für die Orthodorie überhaupt. Dem Traditionswesen der mittelalterlichen Theologie entspricht der durch den kirchlich recipirten, byzantinischen Typus bedingte Traditionszwang in der Kunst, und wie auf dem Gebiet der Wissenschaft, so ringt der Geist im Reformationszeitalter auch auf dem der Kunst, frei zu werden von solchen Fesseln. Die Bilderlosigkeit der Reformirten entspricht der, auch im Uebrigen bei ihnen sich geltend machenden, spiritualistischen Einseitigkeit; die didaktischen Bilder der Lutheraner haben den auch in ihren Kirchenliedern vorherrschenden Charakter der Lehrhaftigkeit; der Roccocogeschmack des XVII. Jahrh. erinnert unverkennbar an die naturalistische Theologie der damaligen Zeit, und die Kalk übertünchten, leeren Wände der Kirchen in der lezten Hälfte des vorigen Jahrh. find ein treues Abbild der Aufklärungsperiode in der Theologie.

Dies sind die Hauptpunkte des hier versuchten historischen Nachweises für die oben ausgesprochene Ansicht. Ob sie richtig und der Nachweis genügend ist, darüber steht natürlich mir kein Urtheil zu. Auf Vollständigkeit dürfen allerdings weder die Mittheilungen aus der Kunstgeschichte, noch die aus der Geschichte der Theologie Anspruch machen; aber werden die Theologen oder die Kunstfreunde eine solche im Ernst fordern? Selbst bei den Legenden und Bildern der Heiligen habe ich nicht Alles, was sich aus den alten Martyrologien und von alten Bildern berichten ließ, sondern nur, was zum Verständniß der öfter vor

« PoprzedniaDalej »