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Sitzungsberichte

der

königl. bayer. Akademie der Wissenschaften.

Philosophisch-philologische Classe.

Sitzung vom 9. Januar 1892.

Herr Carrière hielt einen Vortrag:

,Das Wachsthum der Energie in der geistigen und in der organischen Welt."

Derselbe wird in den „Abhandlungen“ veröffentlicht werden.

Historische Classe.

Sitzung vom 9. Januar 1892.

Herr Stieve hielt einen Vortrag:

"

Wittelsbacher Briefe. VI.“

Derselbe wird in den „Abhandlungen" veröffentlicht werden.

1892. Philos.-philol. u. hist Cl. 1.

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Philosophisch-philologische Classe.

Sitzung vom 6. Februar 1892

Herr Wecklein hielt einen Vortrag:

Ueber Themistokles und die Seeschlacht bei
Salamis."

Die Schlacht bei Salamis gehört zu den grossen Völkerschlachten, welche die Machtverhältnisse der historischen Staaten und die Geschicke der Menschheit bestimmt haben. Durch den Sieg der Griechen wurde das politische Uebergewicht von Asien auf Europa übertragen, dem es seitdem verblieben ist.1)

Je einflussreicher dieser Sieg für die Kultur Europas geworden ist, desto mehr wünschten wir über die einzelnen Umstände der Seeschlacht, namentlich über die Gründe, die zu der Niederlage der Perser geführt haben, genauen Aufschluss zu erhalten. Ueber wichtige Punkte besteht Unsicherheit und Unklarheit, besonders über die Oertlichkeit

1) Mit Unrecht stellen die Darsteller der weltgeschichtlichen Entscheidungsschlachten (Creasy, Maurer) die Schlacht von Marathon oder die Schlacht von Platää an die Spitze.

der Seeschlacht, der doch die Griechen vorzugsweise ihren Sieg zu verdanken hatten (Thuk. [ 74 Θεμιστοκλέα . . . ὃς αἰτιώτατος ἐν τῷ στενῷ ναυμαχῆσαι, ὅπερ σαφέστατα ἔσωσε τὰ πράγματα).1)

Zwar haben wir über die Schlacht den Bericht eines Augenzeugen; aber dieser Bericht ist die Schilderung eines Dichters, welcher über Einzelheiten hinweggeht und von genaueren Bestimmungen und Ausführungen absieht. Zudem ist der Bericht einem Perser in den Mund gelegt, der zwar mehr erzählt, als er eigentlich wissen kann, aber doch, um gegen die Wahrscheinlichkeit nicht zu sehr zu verstossen, manches übergeht. Im Uebrigen beruhen die Mitteilungen des Aeschylos teils auf persönlichen Beobachtungen, teils auf sorgfältigen Erkundigungen und verdienen vollen Glauben. Urkundliche Aufzeichnungen über die Seeschlacht gab es nicht. Zu der Zeit, wo Herodot seine Forschungen anstellte, scheint nicht einmal der Tag der Schlacht genau bekannt gewesen zu sein. Herodot gibt ihn nicht an; deshalb war er in der späteren Zeit nicht bekannt und wurde erst aust den Mitteilungen, welche Herodot VIII 65 über die Vision des Dikaios macht, berechnet (Plut. Cam. c. 19 oi AInvator καὶ τὴν περὶ Νάξον ἐνίκων ναυμαχίαν ... τοῦ Βοηδρομιῶνος περὶ τὴν πανσέληνον, ἐν τῇ Σαλαμῖνι περὶ τὰς εἰκάδας, ὡς ἡμῖν ἐν τῷ περὶ ἡμερῶν ἀποδέδεικται). Wenn der 20. Boëdromion im J. 480 wirklich auf den 20. September fiel, wie es Böckh (Mondcyclen S. 73) berechnet hat, so irrte die Erzählung von der wunderbaren Erscheinung, welche Dikaios hatte, um 8 Tage von dem wirklichen Datum der Seeschlacht ab. Denn nach der durchaus wahrscheinlichen Berechnung von Busolt, Jahrb. f. class. Philol. 1887 S. 33 ff.,

1) Vgl. Ad. Holm Griech. Gesch. Berlin 1889 Bd. II S. 72: Ich gestehe, dass ich nicht glaube, dass die Frage, wo die persischen Schiffe lagen, als sie die Schlacht begannen, genügend gelöst ist.“

fand die Schlacht am 28. September statt. Was die mündliche Ueberlieferung erhalten hatte, das hat Herodot sorgfältig erkundet und treu mitgeteilt. Von ihm haben wir bei der Feststellung der Thatsachen auszugehen, und wenn wir späteren Schriftstellern, deren Darstellung der Hauptsache nach auf Herodot beruht, in der Weise folgen, dass wir Aenderungen, welche sie an der Ueberlieferung des Herodot vorgenommen haben, deshalb annehmen, weil sie uns glaubhafter erscheinen, so handeln wir ebenso, wie wenn wir die Lesarten abgeleiteter Handschriften, blosse byzantinische Korrekturen, aufnehmen und die Lesarten des archetypus, welche trotz ihrer Verderbnis auf den ursprünglichen Text führen könnten, ausser Acht lassen. Bei Herodot VIII 59 ruft in der zweiten von Themistokles veranlassten Versammlung der Feldherr der Korinthier Adeimantos dem Themistokles zu: ὦ Θεμιστόκλεες, ἐν τοῖσι ἀγῶσι οἱ προεξανιστάμενοι ραπίζονται, worauf Themistokles erwidert: οἱ δέ γε ἐγκαταλει πόμενοι οὐ στεφανοῦνται. Herodot fährt fort: τότε μὲν ἠπίως πρὸς τὸν Κορίνθιον ἀμείψατο, πρὸς δὲ τὸν Εὐρυβιάδην ἔλεγε κτέ. Dieser Vorgang wird bei Plutarch Them. c. 11, wo die erste Versammlung der Feldherrn und die Umstimmung des Eurybiades ganz übergangen wird, in folgender Weise erzählt: τοῦ γὰρ Εὐρυβιάδου πρὸς αὐτὸν εἰπόντος·,ὦ Θεμιστόκλεις, ἐν τοῖς ἀγῶσι τοὺς προεξανισταμένους ραπίζουσι ηναί, εἶπεν ὁ Θεμιστοκλῆς, ἀλλὰ τοὺς ἀπολειφθέντας οὐ στεφανοῦσιν. ἐπαραμένου δὲ τὴν βακτηρίαν ὡς πατάξοντος, ὁ Θεμιστοκλῆς ἔφη·,πάταξον μέν, ἄκουσον δέ. Θαυμάσαντος δὲ τὴν πραότητα τοῦ Εὐρυβιάδου κτέ. Ganz augenscheinlich geht diese ganze Erzählung nur auf Herodot zurück und doch ist die historische Thatsache vollständig entstellt.) In verkehrter Weise sind die böswilligen Reden des

1) Schon Blomfield zu Aesch. Pers. 728 hat die Erzählung von dem Drohen mit dem Stocke aus der Erzählung des Herodot abge

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