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Der Verfasser derselben hat für eine Ausgabe des Romanos auserlesenes handschriftliches Material aus den verschiedensten Bibliotheken Europa's zusammengebracht und ist in diesem Theil der Arbeit sogar über das gesteckte Ziel hinausgegangen, als er die Bibliotheken nach Handschriften für die ältere Liturgie der griechischen Kirche überhaupt durchsuchte. Verarbeitet und für den kritischen Apparat der geplanten Ausgabe zurecht gelegt ist das Material noch nicht, aber derart durcharbeitet, dass nach dieser Seite hin die Lösung der gestellten Aufgabe keinen grossen Schwierigkeiten mehr begegnen wird. Auch zu den verlangten Prolegomena hat der Verfasser nur Vorarbeiten geliefert, die noch der Vertiefung und der abschliessenden Redaction bedürfen. Vollständig gelöst ist demnach die Aufgabe noch nicht; aber da die richtigen Grundlagen gewonnen sind und der gewünschte Abschluss wesentlich nur durch die Kürze der Zeit verhindert wurde, so erkennt die Akademie nach dem Antrag der philosophisch-philologischen Classe dem Verfasser dieser Arbeit den vollen ausgesetzten Preis von 2000 M. zu unter der Voraussetzung, dass die vorbereitete Ausgabe des Textes nebst den Prolegomena nicht lange auf ihr Erscheinen warten lassen. Der Name des Verfassers ist Dr. Karl Krumbacher.

Die Akademie stellt als neue Preisaufgabe, und zwar mit dem Einlieferungstermin bis spätestens am 31. December 1894:

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Polyglotte Ausgabe der Chronik von Morea auf Grund der in verschiedenen Sprachen und Recensionen erhaltenen Texte, nebst einer Untersuchung über das Verhältniss jener Texte zu einander und über das Original der Chronik."

Die Bearbeitungen dürfen nur in deutscher, lateinischer oder griechischer Sprache geschrieben sein und müssen an Stelle des Namens des Verfassers ein Motto tragen, welches

an der Aussenseite eines mitfolgenden, den Namen des Verfassers enthaltenden versiegelten Couverts wiederkehrt. Der Preis für die gelöste Aufgabe beträgt 2000 M., wovon die eine Hälfte sofort nach der Zuerkennung, die andere Hälfte aber erst dann zahlbar ist, wenn der Verfasser für die Druckveröffentlichung seiner Arbeit genügende Sicherheit geboten hat.

Der Classensecretär Herr v. Brunn gedachte der seit dem vorigen Stiftungstage gestorbenen Mitglieder der philosophisch-philologischen Classe.

Am 15. October 1891 starb in Leipzig Dr. Friedrich Zarncke, Professor der deutschen Sprache und Literatur an der dortigen Universität, seit 1879 auswärtiges Mitglied unserer Akademie. Geboren am 7. Juli 1825 im Mecklenburgischen wandte er sich bald nach Vollendung seiner Universitätsstudien im Jahre 1850 nach Leipzig und blieb dort, seit 1852 als Privatdocent, seit 1854 als ausserordentlicher und 1858 als ordentlicher Professor an der Universität bis an sein Lebensende thätig. In den weitesten Kreisen bekannt als Begründer und Herausgeber des literarischen Centralblattes, in dem engeren Kreise seiner Collegen anerkannt als Autorität in Universitätssachen, hat er sich seine wissenschaftliche Stellung errungen auf dem Gebiete der Germanistik, die er nach den verschiedensten Richtungen beherrschte. Seine Arbeiten verbreiten sich über das Gebiet des Alt- und Mittelhochdeutschen, des Reformationszeitalters, des XVII. Jahrhunderts und die Zeit Göthes; sie erstrecken sich auf Sprachliches, Lexikalisches, auf Grammatik, Metrik, Textkritik, aber nicht weniger auf Literatur- und Culturgeschichte; wie ein Nebenschössling schliessen sich ihnen die Untersuchungen über die Göthebildnisse an. Von verwandter Art sind die Arbeiten über die Geschichte der

Universitäten, insbesondere der Universität Leipzig. Einem jüngeren Geschlechte angehörig, als die eigentlichen Begründer der Germanistik gebührt ihm seine bleibende Stelle unter denjenigen Gelehrten, die zum Ausbau dieser wissenschaftlichen Disciplin unter den vielseitigsten Gesichtspunkten und in eingreifendster Weise mitgewirkt haben.

Am 17. Januar 1892 starb in Augsburg Dr. Christian Wilhelm Joseph Cron, weiland Rector am St. AnnaGymnasium zu Ausgburg und k. Oberstudienrath. Geboren am 19. September 1813 in München hat er sein Leben dem Dienste des Gymnasiums in seiner bayerischen Heimath gewidmet, und sich in diesem Berufe eine ehrenvolle Stellung errungen, nicht am wenigsten dadurch, dass er selbständige wissenschaftliche Arbeit als eine nothwendige Ergänzung für seine praktische Thätigkeit erachtete. Neben Arbeiten, wie die als Doctordissertation verwerthete Preisaufgabe über Orpheus, waren es namentlich Studien über Plato, welche ihn vom Anfange bis ans Ende seiner Thätigkeit begleiteten: sein letzter Aufsatz über Platons Euthydemos in unseren Sitzungsberichten wurde erst nach seinem Tode im Drucke vollendet. Mit unserer Akademie schon früh als fleissiger Mitarbeiter an den Gelehrten Anzeigen" verbunden, wurde er 1853 von ihr zum correspondirenden Mitgliede gewählt.

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Am 29. Januar d. J. starb in Athen Alexandros Rizos Rangabis. 1810 geboren gehörte er nicht mehr zur Generation der eigentlichen Freiheitskämpfer; wohl aber stand er in den vordersten Reihen derjenigen, welche für die geistige Emancipation ihres Volkes kämpften. Ursprünglich zum Militär bestimmt (er erhielt seine Ausbildung zum Artillerieofficier auf der Kriegsschule in München) entwickelte er bald eine seltene Vielseitigkeit auf anderen Gebieten. Als Publicist und Schriftsteller, als Gelehrter auf philologischem und besonders auf archäologischem Gebiete, als Universitäts

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lehrer, Organisator und Leiter des gesammten Unterrichtswesens bildete er sich immer mehr zum Staatsmanne aus. Einige Jahre Minister der auswärtigen Angelegenheiten wirkte er lange als diplomatischer Vertreter in Washington, Paris, Konstantinopel und namentlich in Berlin, wo er sich immer als treuer Anhänger Deutschlands und deutschen Geisteslebens bewährte. Und zu Alledem feiert ihn sein Volk als einen seiner hervorragendsten Dichter, als Epiker, Dramatiker und Lyriker. Die philos.-philol. Classe unserer Akademie verliert in ihm ihr ältestes Mitglied: er gehörte ihr seit 1845 an.

Sodann gedachte der Classensecretär Herr v. Cornelius der im verflossenen Jahre gestorbenen Mitglieder der historischen Classe.

Am 1. Mai 1891 starb Dr. Ferdinand Gregorovius, Correspondent der Akademie seit 1865, auswärt. Mitglied seit 1871, ordentl. Mitglied seit 1875.

Er wurde geboren am 19. Januar 1821 zu Neidenburg in Ostpreussen, an der polnischen Grenze unter den Masuren. In reizloser Gegend ein Schloss des deutschen Ordens, worin der Vater eine Amtswohnung hatte, war die Stätte seiner Kindheit. Dann besuchte er das Gymnasium zu Gumbinnen, die Universität zu Königsberg. Zur Theologie bestimmt, gelangte er bis auf den Predigtstuhl; dann emanzipirte er sich und warf sich auf humaniora, Philosophie, Philologie, Geschichte, Poesie und Politik. Diese Bahn führte nicht zum Amt. Auch war das nicht sein Ziel, sein Sinn stand nach dem Süden, als Hauslehrer gewann er das tägliche Brot und allmählich die ersten geringfügigen Mittel zur Reise.

31 Jahre alt begann er einen Eroberungszug, der 40 Jahre dauerte und nur durch den Tod abgebrochen wurde. Er besuchte Corsica und gab Reiseberichte nach der Heimat.

Damit beginnt sein Ruhm. Es folgt die Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. 1852 fasst er die Idee, 1855 beginnt, 1871 beendet er die Arbeit, in 8 Bänden. Während der Wanderungen in Italien, an die Orte historischer Erinnerung, von Ravenna bis Syracus, von Florenz bis zum Monte Gargano und dem Hohenstaufenschloss Castel del Monte, überall entstanden Schilderungen der Landschaft und der Oertlichkeit, deren Reiz durch das Hineinragen einer grossen Vergangenheit erhöht und geadelt wurde. Er gieng dann nach Deutschland zurück, und schien eine Zeit lang an deutsche Geschichte zu denken; aber die alte Gewohnheit hielt ihn fest und er setzte den Eroberungszug fort. Es erschien eine Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter. Dann lag ihm Jerusalem im Sinn; vielleicht wollte er sich durch die Geschichte eines Kreuzzugs den Weg dorthin bahnen, als er starb.

Eine stattliche Reihe von Bänden! Es sind noch die griechische Athenais, die römische Lucretia Borgia zu erwähnen, Kaiser Hadrian und manches andere, auch Gedichte, das kleine Epos Euphorion. Alles wurde mit freudiger Anerkennung aufgenommen; seit Corsica hatte er das Herz seiner Nation gewonnen, er blieb einer ihrer Lieblinge unter den Schriftstellern. Auch das Ausland, voran Italien, zollte ihm Dank und Ehre.

Der Beifall ist nicht ohne Widerspruch geblieben. Man fand, dass der Historiker die Kritik nicht immer mit der nötigen Schärfe übte und allzu geneigt war, die Lücken der Ueberlieferung durch Mutmassungen zu ergänzen. Wer an dem Muster der Alten festhielt und den Schmuck eines Geschichtswerks in der Abwesenheit des Schmucks, in der Klarheit der Darstellung und in der Harmonie der Composition sah, der empfand nicht ohne inneres Widerstreben die Ueberschwemmung mit philosophischen Betrachtungen und poetischen Zutaten. Die Geschichte verlangt zum Gegenstand

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