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Molinet von ihrem Aeusseren berichtet. Darf man den Abbildungen im Theuerdank Glauben schenken, so war sie schlank gewachsen, selbst grösser als der Erzherzog, der weniger durch die Schönheit seiner Physiognomie, als durch die Zierlichkeit seiner ganzen äusseren Erscheinung den Beinamen des Schönen erhielt. Aber auch die Erzherzogin prangte damals in jener Blüthe der Jugend und der Lieblichkeit, die einen ganz eigenthümlichen Reiz gewährt und bestechend auf die Umgebung wirkt. Sechzehn spanische Fräuleins, geführt von der Obersthofmeisterin, wurden in den Zellen der Prämonstratenser untergebracht. Von Pagen und Musikanten umgeben, bildeten sie das unmittelbare Gefolge der Erzherzogin. Die spanischen Grossen entfalteten den ganzen Reichthum kostbarer Kleidung und die Pracht silber- und goldgeschirrter Pferde. Sie wurden in der nächsten Nähe des Klosters untergebracht. Auf die Nachricht von der Ankunft ihrer Schwägerin eilte die Prinzessin von Asturien, selbst eine ungemein liebliche Erscheinung, von Namur nach Brüssel, nach Malines zur alten Frau, wie man die Witwe Herzog Karls nannte, die eifrige Verfechterin der Rechte des Hauses York, die Pflegemutter Maria's von Burgund und ihrer früh verwaisten Kinder. Am 1. October kamen beide Frauen in Antwerpen an; die IIerzogin eilte voraus, ihre neue Enkelin zu begrüssen. Die Prinzessin kam etwas später, musste warten, bis sie empfangen wurde, und fand dann ihre Schwägerin krank auf einem niederen Bette ohne Decktuch nach spanischer Sitte liegen. Nur fünf oder sechs Damen durften die Prinzessin bei der ersten Begegnung begleiten. Das Zimmer der Erzherzogin war bereits mit ausgesuchter Pracht eingerichtet. Vier ähnliche, hiess es, sollten auf Befehl der Königin noch eingerichtet werden. Ebenso reiche Gemächer warteten der Infantin in Spanien. Die Verschiedenheit der Sitten, der Gebräuche, wohl auch der Sprache trat vom ersten Augenblicke an massgebend, wo nicht störend hervor. Von Antwerpen begab sich Donna Juana nach Lille, wo wieder der Aufenthalt in einem Prämonstratenserkloster genommen wurde. Dort kam endlich nach 10 bis 12 Tagen der Erzherzog, welcher Post genommen hatte, an. Es fehlen die interessanten Detailnachrichten, die wir über die Begegnung seines Vaters mit Maria von Burgund besitzen. Er beschenkte seine Braut mit dem Ringe seiner Mutter, liess, spanischer Sitte folgend, den Admiral und die übrigen Herren des Gefolges zum Handkusse, Joan Gaytan übergab das Geschenk seines Schwagers Don Juan. Der Prinz aber bestand darauf, dass noch spät Abends durch den capellan mayor Don Diego de Villascusa die Vermälung stattfinde, worauf sogleich die Hochzeit vollzogen wurde. Am andern Tage, 20. October 1496,“ fand die officielle Vermälung durch Henri de Berghes, Bischof von Cambray, statt. König Maximilian weilte noch in Italien. Er hoffte die Kaiserkrone zu erwerben. Spanischerseits wurde damals Papst Alexander VI., selbst ein Spanier, bestürmt, dem Gemal der Donna Juana den Titel eines römischen Königs zu verleihen. Diese Krone sollte die Tochter Ferdinand's und Isabella's schmücken. Der Plan scheiterte an dem Widerspruche des Papstes. Erst wenn Maximilian Kaiser geworden war, könnte davon die Rede sein. Nachdem die Neuvermälten sich einige Tage in Lille aufgehalten, begaben sie sich nach Antwerpen zurück, um die Infantin Margaretha dem Admirale von Castilien zur Heimfahrt nach Spanien zu überantworten, die von Seeland aus stattfinden sollte. Allein die stürmische Jahres

1 Sans couverchure. ? Don Lorenzo de Padilla, pag. 41 n.

zeit war bereits angebrochen, die Abfahrt verzögerte sich von Monat zu Monat; der nordische Herbst mit seinen Nebeln und der unheimlichen Nasskälte verlangte seine Rechte. Für die Verpflegung und das Unterkommen einer so zahlreichen fremden, des rauhen Klimas ungewohnten Mannschaft war nicht gesorgt. Es fehlte an warmen Kleidern, an Allem, was Noth that. So mässig die Spanier im Gegensatze zu den Belgiern lebten, die gut zu essen und viel zu trinken gewohnt waren, sie wurden doch das Opfer einer schon im Sommer grassirenden Seuche, die den Bischof von Irun Don Luis Bosio so wenig verschonte als die Mannschaft. 3000–4000 folgten ihm in das Grab nach, wie Molinet berichtet, 6000–7000 sagen Andere, 9000 meldet der meistens wohl unterrichtete Don Pedro de Anghiera. Selbst noch stärkere Angaben finden sich vor. Ehe die Infantin ihre Heimat verliess, war die Calamität in einem entsetzlichen Umfange eingetreten und schien selbst noch grössere Opfer fordern zu wollen. Die Neuvermälten hatten sich von Antwerpen nach Brüssel begeben, wo die Aufwartung des Brabanter Adels stattfand und Fest an Fest sich reihte. Maximilian, unerschöpflich in Erfindung von neuen Tournierarten, hatte an seinem Sohne einen gelehrigen Schüler, dem übrigens damals noch die leichte maurische Art mit Rohrstäben unbekannt war. Drei Ritter in schweren Harnischen und gepanzerten Pferden kämpften für die Erzherzogin, drei für die Infantin mit solchem Eifer, dass nur der Herr von Ravestein, der für Donna Juana stritt, sich aufrecht im Sattel erhielt, die anderen alle in den Sand gestreckt wurden. Ein Pferd wurde getödtet, der Herr von Ravestein als Sieger gekrönt. Bälle folgten den Ritterspielen nach, und da der Erzherzog die einen wie die andern liebte, hörten die Feste am Brüsseler Hofe nicht auf. Auf die trüben Jahre der Minorität, des inneren und auswärtigen Kampfes folgte die langentbehrte Fröhlichkeit eines lebenslustigen Hofes. Die Königin Isabella hatte gleichzeitig mit der Absendung ihrer zweiten Tochter den Abschluss der Verlobung ihrer jüngsten betrieben und Donna Juana in Laredo mit der Ueberzeugung verlassen, dass diese mit den besten Absichten, die Interessen König Heinrichs VII. am yorkisch gesinnten Brüsseler Hofe zu fördern, nach Flandern gehe. Sie hatte zu diesem Ende Donna Juana eine eigene Instruction mitgegeben, die wir leider so wenig als die Correspondenz der Königin mit ihrer erzherzoglichen Tochter besitzen. Sie gab dem ersten Könige Englands aus dem Hause Tudor die Versicherung, er werde an der Infantin-Erzherzogin eine Tochter in Flandern haben, Donna Juana aber ihre Schwester in England finden. Das nächste Ereigniss, welches die Königin nicht minder als ihre Kinder am Brüsseler Hofe beschäftigte, war die Abreise der Infantin Margaretha, welche endlich im Februar 1497 stattfand. Der Erzherzog begleitete seine Schwester nach Middelburg und blieb bei ihr, bis ein günstiger Wind die Abfahrt der spanischen Flotte mit den Resten der von Laredo ausgezogenen Mannschaft ermöglichte. Bald aber schlug der Wind um, so dass die äusserste Gefahr entstand und die Infantin, heiteren Gemüthes wie ihr Vater und ihr Bruder, sich selbst die Grabschrift setzte und sie an ihr Armband befestigte, damit ihre Leiche erkannt werde.“ Die Flotte gewann jedoch einen englischen Hafen (Southampton), musste aber drei Wochen daselbst auf günstigen Wind warten,

* Lorenzo de Padilla sagt: mas de nueve mill personas de l'armada.
* Cy git Margarethe la gentile demoiselle Deux fois mariée est morte pucelle.

der sie endlich nach dem Hafen von Santander brachte. Von Burgos aus, wo die königlichen Hoheiten ihrer warteten, zog ihr eine prachtvolle Ritterschaar entgegen, die sie Ende März nach der Hauptstadt von Altcastilien brachte. Am 3. April 1497 fand die Vermälung durch den Erzbischof von Toledo in Gegenwart des ganzen Hofes statt. Die Schönheit der jugendlichen Braut entzückte den Prinzen, der bestimmt schien, zum ersten Mal e Castilien und Aragon zu einem Gesammtreiche zu vereinen. Nichts schien dem Glücke der Königin gleich zu kommen, da auch der Widerstand der Infantin-Witwe gegen eine zweite Heirat – mit König Manuel – nicht mehr unbesiegbar war und die Jugend der Neuvermälten, die Liebesgluth des Prinzen von Asturien eine baldige Nachkommenschaft, die Fortführung des königlichen Hauses in sichere Aussicht stellte. Es war ein eigener Zufall, dass die Vermälung zu Burgos in demselben Palaste des Condestable stattfand, in welchem neun Jahre später der Bruder der neuen Infantin, von seiner wahnsinnigen Gattin erfolglos gepflegt, als erster habsburgischer König von Leon–Castilien mit dem Tode rang. Welche Ereignisse drängen sich nicht in diesen kurzen Zeitraum, welches unermessliche Unglück hub erst mit dieser Thatsache an!

Es war eine andere Thatsache unter dem Lärmen und Treiben, den Hoffnungen und Besorgnissen der Einschiffung in Laredo beinahe unbemerkt geblieben. Die Königin Donna Isabel, Prinzessin von Portugal, Gemalin König Johanns II. von Castilien († 1454) und Mutter der Königin Donna Isabel, war am 15. August 1496 auf dem Schlosse zu Arevalo nach langem Irresein gestorben. Sie hatte zuerst eine Reihe von Jahren in dem nachher so oft genannten Schlosse zu Tordesillas am Duero zwischen Tudela und Toro zugebracht, ehe man sie nach Arevalo brachte. Ihr Vater war der Gegner seines Bruders Don Pedro, Regenten für König Alfonso V. gewesen; Don Pedro selbst, ein Bruder Heinrichs, mit dem Beinamen des Seefahrers, besser des Entdeckers, war im Bruderkampfe am 20. Mai 1449 geblieben. Isabellens Vater hatte seine Nichte geheiratet, war aber schon 1442, ihre Mutter 1445 gestorben. Der Tochter war ein langes Leben in düsterem Wahnsinne beschieden. Von ihr, der portugiesischen Grossmutter der Erzherzog in Donna Juana, stammt jener Hang zur Melancholie, der sich früh bei dieser und dann oft mal bei ihren Nachkommen bemerklich machte.

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Nur sparsam kamen in den nächsten Monaten Nachrichten nach Medina del Campo, wo die spanischen Hoheiten seit dem Mai 1497 Hof hielten, während die Neuvermälten in Salamanca in glücklicher Zurückgezogenheit weilten. Die Nachrichten, welche aus Flandern nach Medina kamen, lauteten aber so, dass alle Gaben des Körpers wie des Gemüthes, des Glückes wie der angeborenen Hoheit in dem neunzehnjährigen Prinzen vereinigt schienen, um der Erzherzogin-Infantin ein reiches eheliches Glück zu bereiten. Der Prinz und wohl auch seine Gemalin befanden sich seit dem Monate März 1497 nicht mehr in Brüssel, sondern grossentheils in Nordholland, in Delft, Rotterdam, Haag, Harlem, Amsterdam, Leyden, Bergen op Zoom und kehrten erst im August nach Brüssel und Grünendal zurück, welch letzterer Ort ihnen besonders behagt zu haben scheint, da wir sie im August, September, October und selbst am 15. December noch daselbst finden. Den Winter brachten sie in Brüssel zu. Von einer politischen Thätigkeit der Erzherzogin, wie die königliche Mutter, ihre hervorragenden Eigenschaften der nur mässig begabten Tochter andichtend, gehofft hatte, war keine Rede. Donna Juana war das liebende Weib, das alle Selbstständigkeit zu entbehren schien, eine offenbar indolente Natur. Der spanische Botschafter in England, über welchen sich später Donna Catalina, Prinzessin von Wales, so sehr beklagte, Dr. Rodrigo Rodriguez de la Puebla, hatte den Auftrag, Alles mitzutheilen, was er über den Erzherzog und dessen Gemalin in Erfahrung brächte. Die Königin blieb aber merkwürdiger Weise sechs bis sieben Monate ohne Nachrichten von Dr. Puebla, wenn auch die letzte, die sie überhaupt erhielt, aus seinen Depeschen stammte. Die Königin hatte das spanische Gefolge ihrer Schwiegertochter, wie ihrer Töchter nach ihrem Belieben zusammengesetzt. Es war die Frage, wer dasselbe zu erhalten hatte. Aus einem späteren Schreiben König Ferdinands wissen wir, dass weder König Maximilian noch der Erzherzog, sein Sohn, der Infantin Margaretha irgend einen Betrag zusandten; es hätte dieses in Spanien als eine Insulte gegolten. Der König bemerkt, dass die Flandrer anfänglich die spanische Dienerschaft Donna Juana's zurücksandten und sich überhaupt weigerten, ihren (spanischen) Haushalt zu bestreiten, der König aber seinerseits es auch nicht that, und die Flandrer, endlich ihr Unrecht einsehend, in liberaler Weise für die Bedürfnisse der Erzherzogin und ihrer Dienerschaft Sorge trugen. Der Propst von Lüttich, später Erzbischof von Besançon, Franz von Buxleiden, welcher die erzherzoglichen Finanzen leitete und des Prinzen volles Vertrauen besass, scheint das Interesse seines Herrn sehr nachdrücklich vertreten zu haben. Die Misshelligkeiten hatten dadurch zugenommen, dass auch der Abgesandte des römischen Königs am Hofe von Medina, Gaspar von Lupian, nicht wissend, dass Maximilian seine frühere Abneigung gegen Buxleiden aufgegeben hatte, Partei gegen den Propst nahm und geradezu an seinen Herrn schrieb, es sei ein schreckliches Ding, diese Uebel, von welchen alle berichteten, die aus den Niederlanden kämen“. Die Uebereinkunft scheint endlich dadurch stattgefunden zu haben, dass für die Erzherzogin 20.000 Goldthaler auf spanische Städte angewiesen wurden, mit der Bitte, Sorge zu tragen, dass die Erzherzogin und ihre Diener gut behandelt würden. König Ferdinand und die Königin Isabella versprachen dem Abgesandten Maximilians in Angelegenheiten des Propstes an den Erzherzog zu schreiben, da dieser in Rücksicht eilfjähriger ausgezeichneter Dienstleistungen den Propst, einen äusserst fähigen und thätigen Mann, wieder zu sich genommen, ungeachtet Maximilian in Imst Anfangs August 1496 bei seinem Sohne auf dessen Entlassung bestanden hatte. Der Erzherzog und sein Rathgeber erhielten aber eine glänzende Genugthuung, als Maximilian im Hochsommer 1497 einen Brief an König Ferdinand zu Gunsten Franz von Buxleidens schrieb und damit die erneute Wirksamkeit des in vieler Beziehung ausgezeichneten Mannes bekräftigte. Es fehlte nicht an anderen Seltsamkeiten. Die jugendliche Erzherzogin schien in den Armen ihres Gemales, auf den alle Frauen ihre Blicke richteten und die die Infantin glücklich priesen, ihn zum Manne zu haben, auf Vater, Mutter, ihre Geschwister, auf ganz Spanien vergessen zu haben. König Heinrich VII. rechnete bei der fast feindlichen Stellung des Brüsseler Hofes gegen ihn auf ihre ihm in Aussicht gestellte Vermittlung. Er schrieb deshalb an sie und erhielt keine Antwort. Er schrieb ihr zum zweiten Male durch den französischen Secretär, erhielt aber wieder keine Antwort, da

dieser weder Latein noch Spanisch verstand und sich somit der Erzherzogin, die nur Denkschriften der phil.-hist. Cl. XXXV. Bd. 39

diese Sprachen kannte, nicht verständlich machen konnte. Als Gesandte des Erzherzogs am 3. April 1497 nach England kamen, brachten sie wieder keinen Brief mit, so dass König Heinrich, welcher von der Königin Isabella so sehr auf die Willfährigkeit der Infantin-Erzherzogin angewiesen war, auf das Heftigste über die Unterstützung erregt, die Perkin Warbek, der angebliche York, in den Niederlanden gefunden, auf dem Punkte stand, Krieg anzufangen und nur von Dr. Puebla davon abgehalten wurde. Die Königin-Mutter, gewöhnt, durch geheime Sendboten Alles zu überwachen, sandte nun im Frühlinge 1498 den Comendator Londorio und den Bruder Thomas de Matienzo, Subprior von Sa. Cruz, nach England, um mit dem Könige sich zu benehmen, in dessen Nähe sich so viele von Frankreich bestochene Persönlichkeiten befanden, dass es fast unmöglich schien, eine Verhandlung zu führen. Von England begaben sich beide nach Brüssel, wo Don Sanchez Londorio als Botschafter der reyes catolicos, der Subprior als Träger einer besonderen Mission am 2. August Audienz erhielten. Schon Dr. Puebla hatte ihnen mitgetheilt, dass die Erzherzogin sich in anderen Umständen befinde; andererseits waren aber auch Briefe in Brüssel angelangt, in welchen der Subprior als designirter Beichtvater der Erzherzogin bezeichnet wurde, eine Nachricht, die ihm keinen fröhlichen Empfang zu bereiten geeignet war. Der erste Bericht des Subpriors erwähnt, dass er zwei Male Audienz gehabt, die Erzherzogin so gut aussehend und in ihrem Zustande so weit vorangeschritten fand, dass die Mutter, wenn sie sie sähe, grosses Vergnügen empfände. Die Erzherzogin selbst aber war sehr unangenehm über Reden berührt, die über sie in Spanien verbreitet wurden, so dass der Mönch vorzog, mit seiner eigentlichen Mission, um sie nicht noch mehr zu betrüben, noch nicht herauszurücken. Schliesslich beklagte er sich über Mangel an Subsistenzmitteln, im Gegensatze zu England, wo König Heinrich für ihn reichlich gesorgt hatte. Am 14. August hatte der Subprior die dritte Audienz, über welche er am 16. den königlichen Eltern berichtete. Die Erzherzogin wich seinen Fragen über ihre Lebensverhältnisse mit der Bemerkung aus, dass sie ihren Eltern weitläufig darüber geschrieben habe. Sie erkundigte sich um Nie m an den in Spanien und gab ihm zu verstehen, dass sie an seiner Anwesenheit kein besonderes Vergnügen empfinde. Erst als er erklärte, er sei nicht als Inquisitor gekommen, um sich über ihr Leben zu erkundigen, wurde sie freundlicher und bemerkte, sie würde, was ihr weniger gut gefalle, aus seinem Munde doch gerne anhören. Auffällig war noch dem Mönche, dass die Prinzessin-Erzherzogin, obwohl am Tage der Assumtion (15. August) ihre beiden Beichtväter da waren, ihnen nicht beichtete und somit auch nicht communicirte, was ihn zu der Bemerkung veranlasste, er wisse nicht, ob seine Ankunft oder ihre geringe Andacht daran Ursache sei. Es kommt in der Geschichte von Fürstinnen nicht häufig vor, dass die genauen Berichte über ihr inneres Leben auf die Nachwelt dringen. Bei Donna Juana sind wir im Stande, einen tiefen Einblick in ihr Inneres zu gewinnen. Erst vom 15. Januar 1499 ist uns ein neuer Bericht des Subpriors an die Königin erhalten, vom 1. September 1498 aber ein Schreiben ihres früheren Lehrers, eines Franciscanermönches von der strengen Observanz, der, wie er sagt, die Prinzessin verliess, weil er schon mit dem einen Fusse im Grabe stehe und sich für den Tag der Rechenschaft vorbereiten wolle. Bruder Andreas, so nennt er sich, hatte keine Anlage zu einem Schmeichler, geschweige zu einem Ilofmanne, und sagte der Prinzessin mit dürren Worten, ihm sei sein strenges Leben mit Wasser und Brod lieber als Alles, was sie besitze, und wenn sie ihm wie bisher

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