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mit den ausgesuchtesten Ehrenbezeugungen empfangen. Es entfaltete sich die ganze Pracht des castilianischen Hofes und Machado kann als Augenzeuge kaum die richtigen Worte finden, die kostbaren Anzüge des Königs und der Königin, den reichen Schmuck von Juwelen und Kleinodien zu schildern. Die Gesandten König Heinrichs VII., der erst drei Jahre vorher in der Schlacht bei Bosworth seinen Gegner König Richard III. besiegt und über die Leiche dieses York den Thron der Tudor aufgerichtet hatte, 1485, wünschten nicht blos der Infantin Donna Isabel und ihrem Bruder, dem am 28. Juni 1478 zu Sevilla geborenen Prinzen von Asturien vorgestellt zu werden, sondern auch den drei jüngeren Infantinen. Es ward ihnen gewährt und sie erfreuten sich nun an dem schönen Bilde, das sich ihnen darbot, als die Königin, geboren 1451, somit damals 37 Jahre alt, ihr jüngstes Töchterchen, die vierjährige Infantin Donna Catalina“ auf dem Schoosse, ihre blühenden Töchter zu sich entbot. Damals (22. März 1489) kam die Infantin Donna Isabel begleitet von 35 Frauen und Mädchen aus den vornehmsten Familien, die in ihrer Schönheit und Pracht anzusehen ein wundervolles Ding war“. Sie tanzte mit einer jüngeren Dame aus ihrem Gefolge, die man die Portugiesin nannte, vielleicht die Schwester des Don Juan Manuel, Grafen von Cintra. Als am 24. März die königliche Familie wieder erschien, kamen auch die jüngeren Infantinen, die Machado offenbar mit Verwechslung des Namens als Donna Maria und Donna Catalina, statt Donna Juana und Donna Maria (geboren 1482 in Cordova) bezeichnet. Jede von beiden war von 14 Edelfräulein, alle in Goldbrokat gekleidet und keine älter als 14 Jahre, begleitet. Jetzt tanzte auf Geheiss ihres Vaters Donna Maria, wenn es eben nicht die ältere, Donna Juana war, mit einer ihrer Gespielinen. Bei der Beschreibung der Festlichkeiten am 25. März sagt Machado, dass die Infantin Donna Maria ein reiches graues Kleid von Goldbrocat trug, und fügt dann noch bei: die dritte Tochter Donna Maria ist vermählt oder verlobt mit dem IIerzoge Philipp von Oesterreich. Dadurch wird aber auch die Namensverwechslung klar. Donna Maria war die dritte Tochter, insoferne sie die zweitjüngste Tochter war. Donna Juana aber war von den Kindern der Königin das dritte und hatte Donna Isabel und l)on Juan vor, Donna Maria und Donna Catalina hinter sich. Was Machado von Donna Maria berichtet, gilt somit von Donna Juana. Als die Gesandten Master Richard Nanfan und Dr. Savage am 27. März 1489 Medina verliessen, wurden sie mit grosser Feierlichkeit vom Könige, der Königin, dem Prinzen und allen Prinzessinnen aus der Stadt geleitet und küssten bei der Verabschiedung auch letzteren die Hände. Es ist kein Grund vorhanden, anzunehmen, dass die Feierlichkeiten, mit welchen die Abgesandten König Maximilians am Hofe zu Valladolid aufgenommen und entlassen wurden, denen nachstanden, die Machado beschrieb. Leider besitzen wir weder von dem Bastard von Burgund noch von Salazar Aufzeichnungen, wie sie Machado niederschrieb. Der Bastard verfolgte auch eine persönliche Angelegenheit, da er sich in die Schwester des nachher so einflussreichen Don Juan Manuel verliebte und sie – Donna Marina – auch wirklich als seine Gattin nach den Niederlanden führte. In Betreff der Bewerbung seines Herrn war er weniger glücklich. Der Königin lag vor Allem daran, ihre Lieblingstochter in ihrer Nähe zu vermählen; sie war dem Thronfolger von Portugal Don Alfonso, Sohn König Johanns II., bestimmt. Die Königin hoffte dadurch Portugal in ihre Familienpolitik hineinzuziehen, die ihr so verhasste Donna Juana, Tochter ihres Bruders König Heinrich, die ein näheres Anrecht auf den Thron hatte, aber sich nach Portugal hatte zurückziehen müssen, unschädlich zu machen und jeden ihre eigenen Pläne durchkreuzenden Einfluss ferne zu halten. Die königlichen Gesandten erhielten daher in Betreff der Bewerbung Maximilians um die Hand der Infantin Isabella eine ablehnende Antwort. In Bezug auf die Infantin Donna Juana gebot ihr und wohl auch des Prinzen zartes Alter eine definitive Zustimmung hinauszuschieben; dass man sie aber seitdem als Braut des Herzogs von Burgund ansah, erhellt aus Machado's Aufzeichnungen. Von welcher Seite aus im Jahre 1488 die Initiative einer Familienverbindung des castilianischen und des habsburgisch - burgundischen Hauses erfolgt war – und die directe Bewerbung Maximilians spricht unzweifelhaft für ihn – jedenfalls wissen wir, dass der Sohn Leonorens von Portugal, † 1467, und Enkel Königs Don Duarte, † 1438, auch als römischer König die Angelegenheiten des Westen nicht ausser Acht liess und selbst bei Gelegenheit Lust zeigte, persönliche Anrechte an Portugal zur Geltung zu bringen. Die 1488 stattgehabten Unterhandlungen enthüllten aber, wenn auch vorderhand resultatlos, eine politische Combination, die ebenso neu war, als sie eine nicht zu berechnende Tragweite in sich schloss. In der nächsten Zeit fanden jene grossartigen Veränderungen statt, die eine neue Zeit ankündigten. Ludwig XI. hatte das Herzogthum Burgund im engeren Sinne des Wortes und die Provence Frankreich einverleibt. Das ehemalige arelatische Königreich, der dritte Bestandtheil des alten deutschen Kaiserreiches, war verschwunden und die Pforten zu Deutschland und zu Italien standen den Franzosen beinahe schon offen. Am 6. December 1491 fand in Langeais die Vermählung König Karls VIII. mit der Herzogin Anna von der Bretagne statt, mit der sich König Maximilian nach dem Scheitern seiner castilianischen Bewerbung verlobt hatte; König Karl entzog dadurch die Bretagne den Spaniern, den Engländern und dem Könige der Römer. Es dauerte aber noch Jahre, bis „die Königin Margaretha von König Karl seinem Vater Maximilian zurückgegeben wurde. Und als König Karl sich 1494 entschloss, die freilich sehr zweifelhaften Rechte der französischen Linie Anjou gegen die aragonesische Dynastie Neapels mit Gewalt zur Geltung zu bringen und nun, um seinen Rücken gegen Spanien zu sichern, die vom König Don Juan II. einst verpfändeten Grafschaften Roussillon und Cerdagne dessen Sohne König Ferdinand zurückgab, geschah dieses unter einer Clausel, die den Abschluss von Familienbeziehungen zwischen Habsburg–Burgund und Castilien-Aragon, wie man sich dieselben 1488/9 gedacht, unmöglich machte. König Ferdinand verpflichtete sich in dem Vertrage von Barcelona 19. Januar 1493, ohne Zustimmung des französischen Königs seine Kinder nicht mit Gliedern des habsburgischen Hauses zu vermählen. Allein der kluge König von Aragon hatte in den Vertrag eine anscheinend sehr unschuldige Clausel hineingebracht, welche ihm alle Vortheile desselben beliess, aber in Betreff der Hauptsache freie Hand gewährte. Der Zug König Karls VIII. nach Italien, welcher zunächst den Umsturz des aragonesischen Königreiches von Neapel – Sicilien blieb vorderhand unangefochten bei König Ferdinand – zur Folge hatte und allmälig den ganzen Zustand der Dinge in Mitteleuropa veränderte, war ein militärischer Spaziergang der Franzosen, der sie nicht blos in den Besitz Neapels, sondern auch, Mailand und Venedig ausgenommen, beinahe ganz Italiens setzte und König Karl zum Herrn des Kaiserthums wie des Papstthums erhob. Das war zu viel für König Ferdinand, der, wenn sich die Franzosen des einen Theiles von Sicilien, Neapels, bemächtigt hatten, mit voller Zuversicht sich sagen konnte, der Faro di Messina werde für sie keine politische Grenze bilden. Die Absagung auf Grund der Clausel des Vertrages von Barcelona fand schon in Velletri statt, ehe König Karl das regno betrat. Die Eroberung von Neapel durch König Karl wurde am 31. März 1495 durch den Abschluss der heiligen Liga beantwortet, eine Coalition der verschiedensten Mächte, Italiens, Deutschlands, Spaniens – am 18. Juli 1496 auch Englands, um die Freiheit Europas gegen die Alles erdrückende französische Suprematie zu schützen. Unter diesen ganz veränderten Verhältnissen kam man auf den Abschluss eines habsburgisch-spanischen Familienbündnisses als Gegengewicht gegen die Alles umspannende französische Aggressivpolitik zurück. Es ist für die eingetretene Wendung der Dinge bezeichnend, dass Don Antonio de Fonseca und Juan de Alboin, welche im Auftrage König Ferdinands in Velletri König Karl den Vormarsch auf Neapel verboten, in Worms mit König Maximilian wegen einer spanischhabsburgischen Doppelheirat unterhandelten, 1495. Die Welt war durch ausserordentliche Ereignisse in sechs Jahren eine andere geworden. Die Heirath der Infantin Donna Isabel mit dem portugiesischen Thronfolger war am 25. November 1490 vollzogen worden; aber anstatt dass der Prinzessin hiedurch der Weg zum portugiesischen Throne gebahnt worden wäre, trat der erste jener grossen Schläge, welche nun die Königin im Schoosse ihrer Familie trafen, schon am 13. Juli 1491 ein, da der Prinz in Evora vom Pferde stürzte und todt blieb. Seine jugendliche Witwe verzehrte sich in Trauer und Gram; sie magerte bis zum Gerippe ab und war taub gegen alle Vorstellungen und Pläne ihrer Aeltern und namentlich ihrer Mutter, die fortwährend den Westen mit einem Netze von Familienverbindungen zu umziehen trachtete. Als am 20. October 1495 der Vater Don Alfonsos, der König Dom Joao (Johann) starb, machte dieser es seinem Nachfolger zur Pflicht, für die señora excelente, Donna Juana, die Gegnerin der Königin Isabella, zu sorgen. So sehr war man aber in den höheren Kreisen Castiliens von der Rechtmässigkeit ihrer Ansprüche an die Krone überzeugt, dass Don Pedro Gonzalez de Mendoza, nach der Königin die bedeutendste Persönlichkeit in Castilien, auf seinem Todtenbette 1495 die Königin beschwor, ihre Nichte mit dem Prinzen von Asturien trotz der Ungleichheit des Alters zu vermählen und dadurch dem Thronstreite ein Ende zu machen. Mit Entrüstung wies die Königin das Ansinnen des sterbenden Cardinals zurück; ihre Nichte Donna Juana ward nicht Prinzessin von Asturien, nicht Königin von Castilien, lebte aber lange genug, um die Katastrophe des Hauses der Königin Donna Isabella zu erblicken. Vorderhand schien mit dem einen Schlage die Ungunst des Geschickes sich erschöpft zu haben. Das Jahr 1492 sah den glänzendsten Triumph der spanischen Waffen, die Eroberung von Granada und der maurischen Königsburg, den Untergang des letzten moslemischen Reiches in Spanien, die herrliche Frucht der Ausdauer der Königin, der Tapferkeit des Königs und seines siegreichen Heeres, den Gegenschlag auf das osteuropäische Ereigniss vom Jahre 1453, die Eroberung von Constantinopel durch die Osmanen. Griechen (Romäer) im Osten und Mauren im Westen waren in einen ähnlichen Zustand versetzt worden, der Osten und der Westen hatten sich durch zwei analoge Thatsachen gedeckt. Es folgte das grösste Ereigniss der neueren Zeit, die Entdeckung Westindiens, der Aufschluss eines wie von den Fluthen des Oceans begrabenen Erdtheiles, und da jetzt auch die unausgesetzten Entdeckungen an der Westküste von Afrika die Portugiesen zum Cap der guten Hoffnung, dann nach Ostindien führten, war bald einer der merkwürdigsten Schiedsprüche nothwendig, um die Gränzen der Besitznahme des Oceans und der Oceanländer zwischen Spaniern und Portugiesen festzustellen." Der Westen Europas hatte das Primat erlangt.

1 Geboren zu Alcala de Henares 16. Januar 1485. Galindez.

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Auch die deutschen Verhältnisse hatten sich gründlich geändert. Am 19. August 1493 hatte nach langem Leiden hochbetagt Kaiser Friedrich III. geendet. Glücklicher als der sicilianische Staufer Friedrich II., wenn auch weniger ruhmvoll, hatte er in drangsalreicher Zeit nicht blos das Kaiserthum bewahrt, sondern auch den Frieden mit der Kirche erhalten und den Einklang zwischen den beiden grössten Mächten des Mittelalters, Papstthum und Kaiserthum, seinem Hause zum Erbe hinterlassen. Dem bedächtigen ruhigen Vater, der seinen Gegnern den schlimmsten Schaden zufügte, indem er sie sämmtlich überlebte und so Recht behielt, folgte ein genialer Sohn mit einem übersprudelnden Thätigkeitstriebe, seinem Vater an kühler Berechnung ungleich, aber, obwohl romanisches Blut in seinen Adern rauschte, ein echter Habsburger von jenem Schlage, die bei Dürnkrut, bei Göllheim, bei Ampfing, bei Sempach sich in Kampf und Tod gestürzt, einer der bedeutendsten Fürsten, die je einen abendländischen Thron geziert.

Da der kinderlose IIerzog Sigmund von Tirol, der 1496 starb, nicht mehr zu zählen war, beruhte das habsburgische Haus damals auf vier Augen, Vater und Sohn, und vermälte sich daher Maximilian, nachdem er Oesterreich von den Ungarn befreit, diese zur Anerkennung seiner Erbrechte genöthigt und durch den Vertrag mit Herzog Sigmund die österreichischen Länder vereinigt. Alleinherr derselben geworden war, mit Blanca Maria Sforza, Nichte des Herzogs von Mailand, 16. März 1494. Er belehnte ihren Oheim Ludovico Moro, genannt il rustico (Sforza), 1495 mit dem Herzogthume Mailand als Reichslehen und verband sich zugleich mit dessen Hause. Da König Karl „seinem Vater Maximilian venetianische Besitzungen auf dem festen Lande, Ersatz für alle von ihm in den letzten Jahren angerichtete Kriegsschäden, Rückgabe aller dem Erzherzoge Philipp vorenthaltenen Länder und Städte, selbst ein ewiges Bündniss mit Spanien angeboten hatte Alles, wenn er selbst Neapel erobert hätte – so befand sich der römische König, als König Ferdinand und die Königin Isabella ihm 1495 ein Familienbündniss anboten, in der glücklichen Lage, zwischen der Freundschaft mit Spanien und der mit Frankreich zu wählen. Hatte König Karl eine Theilung von Europa im Sinne, wobei natürlich Frankreich der Löwenantheil und zuletzt wohl noch das Schiedsrichteramt zwischen Beraubenden und Beraubten vorbehalten war, so hatte die Königin Isabella eine Vereinigung der verschiedensten Reiche durch eine Familienpolitik im Auge, die ihr die Leitung des Ganzen sicherte und dabei Frankreich isolirte. Fortwährend drangen die Aeltern in Donna Isabel, dem Witwenstande zu entsagen und ihre Hand dem Könige Don Manuel von Portugal zu reichen. Die jüngste Infantin sollte die Braut des Prinzen Arthur von Wales, ältesten Sohnes König Heinrichs VII., werden,

Wie man gedankenlos so Vieles auf den Kopf zu stellen pflegt, so geschah es auch mit dem Schiedspruche Papst Alexanders VI., der einem Kampfe zwischen den beiden Colonialmächten vorbeugte.

dieser selbst sollte in die heilige Liga eintreten und dadurch in ein feindliches Verhältniss zu König Karl VIII. versetzt werden. Hatte die Königin im Jahre 1488 die Bewerbungen Maximilians abgelehnt, so wurden sie jetzt nicht blos spanischerseits wieder aufgenommen, und zwar in der Art, dass die künftige Generation der Herrschenden beiderseits dadurch auf das Engste verbunden würde, sondern es sollte auch diese Verbindung den eigentlichen Mittelpunkt der spanischen Politik bilden.

Wurde Don Juan durch die Prinzessin Margaretha Begründer einer spanisch-habsburgischen Dynastie, welche die Kronen von Aragon und Castilien einigte, so war Maximilian an das Interesse und den Bestand derselben gekettet. Vermählte sich der Erzherzog mit der Infantin Donna Juana, so erhielt er eine in lateinischer Sprache, in allen weiblichen Handarbeiten wohl bewanderte, in strenger Zucht und Sitte erzogene Spanierin zur Gemalin und freilich durch sie, so wie die Dinge 1495 standen, nicht die geringste Aussicht auf die Erbfolge in Spanien, wohl aber königliche Schwiegereltern, welche ein Einlenken in ihre politischen Pfade bei ihrem Schwiegersohne als selbstverständlich voraussetzten. Der Vortheil lag in beiden Fällen auf Seite der königlichen Hoheiten von Spanien. Die Infantin erlangte ihrerseits einen Königssohn zum Gatten, und da Maximilian bei Lebzeiten seines kaiserlichen Vaters römischer König geworden war, er selbst dem Ziele, römischer Kaiser zu werden, unverrückt zusteuerte, war es mehr als wahrscheinlich, dass der Erzherzog über kurz oder lang seinem Vater in Ehren und Würden nachfolgen werde. Alle Zeugnisse, die wir von Zeitgenossen über den Erzherzog besitzen, bestätigen die Milde, Nachgiebigkeit und Freundlichkeit seines Charakters, eine eher zu weit getriebene Leutseligkeit. Er hatte von Vater und Mutter die Vorliebe für die Jagd geerbt, die er auch, besonders mit Falken, leidenschaftlich liebte; nicht minder die Waffenübungen, Reiten, Turniren, Ballschlagen. Der Gedanke, sich gegen den gemeinsamen Feind, die Osmanen, zu kehren, tritt bei ihm früh hervor. Er war weder gross, noch untersetzt, und die aus seiner Jugend stammenden Abbildungen der Ambraser Sammlung machen dem von seinen Zeitgenossen ihm gegebenen Beinamen des Schönen bedeutenden Eintrag. Ist aber das Oelbild in der Strahover Sammlung zu Prag wirklich das Porträt des nachherigen Königs Philipp, so ist der Beiname des Schönen völlig gerechtfertigt. Auch das Bild im Theuerdank macht diesen Eindruck, und dass die ganze Erscheinung etwas sehr Angenehmes hatte, beweist der Ausruf König Ludwigs XII., als er im Schlosse von Blois zum ersten Male des Erzherzogs ansichtig wurde: „Welch ein schöner Prinz!“ Es war aber eine nicht leichte Aufgabe, den Sohn Maximilians zu fesseln. Dieser selbst hatte sich aus den Armen der Herzogin Maria nach seiner schönen Rosina gesehnt. Herzog Karl des Kühnen Vater hatte eine erhebliche Anzahl von Bastarden hinterlassen. In den königlichen Gemächern in Spanien gab es manchmal sehr starke und nur zu wohl begründete Eifersuchtscenen, bis Donna Isabel so viel über sich gewann, sich in das Unvermeidliche zu fügen, und dass der lebenslustige Erzherzog nicht blos bei den Frauen sehr beliebt war, sondern auch sie liebte, hat der Belgier Antoine de Lalaing Herr von Montigny aufgezeichnet und der Spanier Lorenzo de Padilla in seiner Chronik Philipps des Schönen dessen Sohne König Karl V. unumwunden mitgetheilt, wenn er ihn auch bat, das Buch in seinem Schranke zu verschliessen. Die Zeit urtheilte über sogenannte fleischliche Sünden viel milder als wir, und die Sitte jener Tage setzte sich bei Geistlichen und Laien über Bedenken hinweg, die wir für unabweisbar erachten.

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