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UHKH), bisweilen Apostel, gewöhnlich auch Steuermänner des Schiffes. Die Vorsteherinnen nennen sich Prophetinnen, Wallfahrerinnen (6oroMo IBUHUH), selten Mütter Gottes (6oropoTHUH).

An jedem Orte, wo eine hinlänglich grosse Menge Irrgläubiger sich findet, errichtet man ein Schiff. So heisst nämlich eine Gesellschaft, zu welcher die Irrgläubigen zur Verrichtung ihrer gottesdienstlichen Gebräuche zusammentreten. In derselben erscheint ein Steuermann des Schiffes, ein Prophet. Solche Schiffe gab es und gibt es noch an vielen Orten, und besonders verbreitete sich die Irrlehre in den von der Oka und Wolga bewässerten Statthalterschaften.

Weitere Nachrichten von den Gottesmenschen und Skopzen werden in den jetzt angeführten Liedern in Form von Erklärungen gebracht. Die von Herrn Dobrotwórski verzeichneten fünf und achtzig Lieder werden von ihm nach ihrem Inhalte in vier Abtheilungen getheilt, so dass in der ersten Abtheilung (Nr. 1–12) das Geschichtliche, in der zweiten (Nr. 13–28) die Lehre von dem schrecklichen Gerichte, in der dritten (Nr. 29–65) die Lehre von der Gesellschaft und den Gebräuchen, in der vierten (Nr. 66 bis 85) die Gebote und Gefühle vorherrschen.

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Die erste Herabkunft Gottes war in Rom und Jerusalem,
Und glänzte der Glaube viele Jahre,
Und begann der Glaube zu verfallen,
Und verfiel dreihundert Jahre.
Und unter diesen Menschen waren Menschen verständige,
Und verbanden sich unter sich eng,
Schickten Menschen an den heiligen Ort.
Und kamen diese Menschen,
Begannen zu erheben die Hände zum Himmel,
Zu rufen Gott vom Himmel auf die Erde:
„Herr, Herr, erschein uns, Herr,
Am Kreuz oder im Bilde,
Es würde sein, dass zu etwas wir beten, und glauben.“
Und ward ihnen eine Stimme, die aus den Wolken klang:
„Höret an, Getreue meine!
Ich gehe zu euch als Gott vom Himmel auf die Erde;
Ich wähle den Leib, den sehr reinen und kleide mich in ihn:
Ich werde von Leib Mensch, doch von Geist Gott;
Ich nehme der Kreuzigung Kreuz
In die Händchen und die Füsschen – die Nägel, die eisernen;
Vergiesse Thränen entzündbare,
Vergiesse das Blut, das sehr reine.
Werdet ihr zu mir in den Kerker kommen

Und die Fesseln von mir nehmen,
Den Gekreuzigten vom Kreuze nehmen,
Den zehnten Pfennig geben?“

Eines der ältesten Lieder der Gottesmenschen. Die ersten Verse rechtfertigen in den Augen der Irrgläubigen die zweite Herabkunft Gottes auf die Erde. Als Danila Filipow den Gedanken fasste, als Gott zu erscheinen, brachte er seinen Schülern bei, dass der von dem Sohne Gottes gelehrte Glaube verderbt, verfallen und einer Erneuerung bedürftig sei, wesswegen er, Filipow auf die Erde gekommen. Früher stellte er sich einfach als Gott hin, und so wie der Sohn Gottes auf dem Kreuze litt, sagte er auch sein eigenes Leiden auf dem Kreuze vorher. Als er jedoch einen Helfer brauchte und dieser in der Person Timoféjew Suslow's erwählt wurde, nannte Filipow sich selbst Gott Vater, Zebaoth und gab Suslow für seinen geliebten Sohn Christus aus. Deswegen beziehen die Gottesmenschen die zweite Hälfte des Liedes, übereinstimmend mit der Ueberlieferung von der zweimaligen Kreuzigung Suslow's in Moskau an der Mauer bei dem Spasskischen Thore, auf Filipow selbst. Bei ihnen besteht nicht einmal eine Ueberlieferung, dass Filipow gerichtet und gestraft worden wäre, und sehr Wenige, wahrscheinlich auf blosse Muthmassungen hin, sprechen davon. Die Ueberlieferung von der Bestrafung Danila Filipows ging endlich verloren, weil die Leiden die Person Zebaoths nichts angehen.

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Es stieg herab der Herr vom Himmel auf die Erde,
Und die Geburt ihm war auf der Starodub'schen Seite,
Doch sein Leben war in dem steinernen Moskau.
Es erkannten über ihn die Juden auf Erden,
Uebergaben ihn der Marter und dem Leiden.
Und als diese Zeit verging, da an die Gerechten es ging;
Begann man die Gerechten zu fangen,
In die Stadt zu führen und zu schlagen man begann,
Zu binden, in das Erdgefängniss zu setzen,
Wachen hinzustellen.

Die Juden sind die russische Regierung. Die Gerechten sind die Anhänger Suslow's. Iwän Timoféjew Suslow war, wie früher angegeben worden, in dem zu der Statthalterschaft Wladimir gehörenden Kreise Murom, in dem Amtsbezirke Starodub geboren und predigte, als Sohn des falschen Zebaoth anerkannt, seine Lehre in den Statthalterschaften Wladimir, Nižni Nowgorod und Kostroma. Die Regierung entdeckte ihn, und er wurde sammt seinen Anhängern in seinem Geburtsorte mit der Knute gezüchtigt. Damit man seine Lehre ganz genau kennen lerne, wurde er nach Moskau überführt und daselbst von dem Patriarchen Nikon und dem Fürsten Odojewski verhört. Doch man konnte nichts aus ihm herausbringen und züchtigte ihn von Neuem. Den Bemühungen seiner Genossen gelang es zuletzt, dass er von der über ihn verhängten Aufsicht befreit wurde und sogar an seinem Wohnorte in Moskau verbleiben und in dieser Stadt seine Lehre predigen konnte.

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Schon wie auf dem Meere, dem Meere,
Auf dem blauen Meere,
Dem gelobten und irdischen
Schifften, ausschifften Gastschiffer
Aus fernen Städten, israelitischen Geschlechtern;
Hinschifften Gäste
Zu Jerusalem's Stadt, zu dem steinernen Moskau,
Kamen sie zum Gefängniss der Erde,
Begannen sie, die Wächter zu fragen:
„Ei ihr, heda, Wächter! h
Was bei euch hier für Gefängnisse stehen?
Was in den Gefängnissen für Gefangene sitzen?
Wofür sie schlaget ihr, wofür quälet ihr?
Was über sie forschet ihr? was fraget ihr?
Dort Antwort haben die Wächter:
„Ach, ihr Bruderschiffer!
Sie für den Glauben man schlägt, den göttlichen, wahren,
Ueber sie man befragt den Gott-Christus selbst.“
Begannen die Gäste, unter sich zusammenzuzählen,
Zu goldener Kasse begannen zusammenzulegen,
Loszukaufen sie begannen, auszulösen
Und in Freiheit zu lassen.

Das Meer ist bildlich die Welt, die irdische Welt, insbesondere die rechtgläubigen Einwohner Russlands. Das Schiff ist die Gemeinschaft der Gottesmenschen, die Schiffer sind die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft. Der Ausdruck wird von den Gottesmenschen und Skopzen häufig gebraucht. Das Lied bezieht sich auf die Zeit, in welcher man den falschen Christus verhörte und der Fürst Odojewski, um zu erfahren, worin dessen Lehre bestehe, ihn nach der damaligen Sitte foltern liess. Die in den verschiedenen Statthalterschaften in Freiheit verbliebenen Anhänger Suslow's nahmen, wie Herr Dobrotwórski sagt, zu dem wirksamsten Mittel, die Befreiung der Gefangenen zu erreichen, zu einer goldenen Kasse ihre Zuflucht und hatten damit Erfolg. Suslow lebte hierauf in Moskau, woselbst er seine Lehre verbreitete.

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Wie bei uns war es auf dieser Welt, in dem heiligen Russland,
In dem berühmten Mütterchen, dem steinernen Moskau,
In der bürgerlichen dritten Strasse
Nicht zwei Sönnchen sich rollten,
Dort zwei Gäste frohlockten:

Gast Danila Filipówič,

Gast Iwàn Herr Timofejéwič;
An Einem Ort sie vereinigten sich,
Vor einander sie verbeugten sich.
Verbeugte sich Iwan Timofejéwič
Vor dem theueren Gast, dem reichen
Danila Filipówič: -
„Du gut thust, Herr, zu besuchen
Mein zarisches Palästchen !

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