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ständnis erreicht werden soll, desto mehr ist es ratsam, möglichst nur diejenigen Sprachmittel zu verwenden, deren bildliche Natur vergessen ist, die also zu blossen Zeichen geworden sind. Zu vermeiden ist dagegen deren individuelle Neubelebung und Umgestaltung durch die Sprachkunst, denn die Entwickelung der Sprache selbst zu einem usus führt vom Bilde weg zur Befriedigung des Verstandes, die Sprachkunst aber legt diesen Weg wieder zurück und erneuert so im Material wie in der Technik das ursprüngliche Kunstleben der Sprache. Aber auch für Werke der Poesie, welche eine bilderreiche Sprache zieren mag, oder für die der Rhetorik, welche die Affekte durch besondere Formierung des Ausdrucks darstellen und damit zu ähnlichen Stimmungen anregen wollen, bleibt die Frage nach der Angemessenheit bei Verwendung vou Tropen und Figuren der Sprachkunst. Die Beantwortung wird davon auszugehen haben, dass die Werke der Sprachkunst Darstellungen sind eines bestimmten Seelenmoments, dass also, sobald sie als Sprachmittel der Rede dienen, sie dem Ganzen der Komposition derart unterzuordnen sind, wie der einzelne Seelenmoment aufgeht in jener Bewegung und Entfaltung, zu welcher die Seele sich bestimmt hat, um sie zu irgend einem beabsichtigten Abschluss zu bringen. Sie dürfen also für sich selbst Geltung nicht erzwingen wollen, kein selbständiges Interesse kommt ihnen zu, wie der Verf. der Abh. nepi ö youş (Gr. Rhet. Sp. Vol. I, p. 269) sagt: tóre dolorov doxet oxõua, otav avtò toūro diahavlávn, örı oxğuć łotiv, und deshalb dürfen sie weder durch ihre Menge die Darstellung unruhig machen, noch in irgend welcher Absichtlichkeit sich hervordrängen. Bei Aquila Romanus (Rhet. Lat. min. ed. Halm p. 37) heisst es: Illud ad postremum praecipiendum videtur, ne proposita tibi figura, quaerens elocutionem ei subjungere, cito verba colligas, ut in eam figuram, quam destinaveris, incidant; infirmum enim hoc et puerile erit, und: Ne tamen, dum copiam imitamur (M. Tulli), in nimietatem incidamus, cavendum est. (Man sehe auch Quint. IX, 3, 100 sq.) – Wenn nun schon überhaupt der Gebrauch einer litterarisch befestigten Sprache Bildung und damit Reflexion voraussetzt, so fordert namentlich diese Rücksicht auf Angemessenheit der Darstellung eine gewisse Klarheit des Bewusstseins, ein Wissen, durch welches die Sprachkunstwerke im Dienste der Rede zwar nicht hervorgebracht werden, welches sie aber begleitet. Der Stellung der Sprachkunst in dem System der Künste gemäss wird dies Bewusstsein bestimmter und heller hervortreten als bei den Schöpfungen der Musik, es wird aber die höher und weiter entwickelte Besonnenheit und Reflexion, ohne welche ein Werk der Poesie nicht entsteht, nicht erreichen.

Virgil (Aen. VIII, 596) bildet den Vers: Quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum. Heyne in der Anm. hierzu will in Bezug auf die phonetische Wirkung, welche der Vers hervorbringt, von einem bestimmten Bewusstsein, einer beabsichtigten Formierung des Dichters nichts wissen: Versum felicem, ipso verborum sono rem referentem, mirati sunt multi: comparato quoque vss. 465. 466 Iliad. B. Odimus subtilitatem molestam in talibus: Ipsum inflammati impetum ingenii in haec natura ducente incidere necesse est; quomodo enim aliquis celeriter facta languida oratione reddere malit? Und so heisst es in der Disquis. de carm. epico Virg. p. XLV: „Mihi utique ad poetices indolem propius esse videtur statuere, ipsam orationis naturam ita esse comparatam, ut multarum rerum sonos exprimat; inflammatum autem phantasmatum specie objecta animum, cum, rerum species sibi observantes ut oratione vivide exprimat, laborat, necessario in ista vocabula incidere, vel orationis proprietate ducente. Ita graves et celeres, lenes ac duros sonos vel non id agens et curans ad rerum naturam accommodabit et orator quisque bonus et multo magis poeta.“ Aber wenn nun Heyne nach den Angaben des Macrobius (Sat. VI, 1), der zeigen will, „quantum Vergilius noster ex antiquiorum lectione profecerit“, drei Verse des Ennius anführt (z. B. „consequitur, summo sonitu quatit ungula terram“), nach denen sich Virgil bei Bildung seines Verses gerichtet hat, so ist schon damit ein Wissen um die Wirkung und eine Absicht, sie hervorzubringen, erwiesen. Allerdings kommt es durch vielfachen Gebrauch auch bei der litterarischen Sprache zu einer Gewöhnung, welche dann die Wahl der Ausdrucksformen ohne Reflexion durch blosses Sprachgefühl bestimmt, aber nicht von dieser zu einer zweiten Natur gewordenen Routine, welche vom Nachahmen lebt, ist Aufklärung über die Entstehung der Sprachkunstwerke zu erwarten, wenn ihr auch selbst in extemporierten Darstellungen Schmuck und Bilderreichtum zur Verwendung steht. Auch tritt solche mechanische Fertigkeit, welche die litterarische Sprache zur gewöhnlichen macht, erst in verhältnismässig später Zeit der Sprachentwickelung hervor und bleibt auf kleinere Kreise beschränkt.

Die Eutstehung der Sprachkunstwerke ist aus unbewusst wirkendem Mechanismus nicht zu erklären. Genügen dem Darstellenden, dem Dichter, dem Redner die vom usus gebotenen Ausdrucksmittel nicht zur Ausprägung eines bestimmten Moments seiner Seelenbewegung, so schafft er sie um, gestaltet sie neu. Dass er

seiner Gestaltungskraft, dass er aber überhaupt sie sucht unter dem Eindruck der vorangegangenen Momente, setzt ein Vergleichen mit den sonst vorhandenen Sprachmitteln voraus d. h. ein Wissen, welches freilich nicht auch schon ein Wissen um das Wissen zu sein braucht; und da die Art, wie er den Ausdruck nunmehr gestaltet hat, auch auf die Rede in ihrem Fortgang Einfluss übt, so begleitet die Reflexion das Sprachkunstwerk teils in seiner Vorbereitung, teils in seiner Nachwirkung. Das Bewusstsein wird bald mehr bald weniger hell sein, bald mehr bald weniger unterstützen, und so wird also z. B. zwischen Homer und Virgil in dieser Beziehung kein geringer Unterschied anzunehmen sein, aber der „impetus inflammati ingenii“ für sich allein bringt auch im Gebiete der Sprachkunst keine Kunstwerke hervor, sondern wird überwacht und geregelt von der künstlerischen Besonnenheit. Überhaupt charakterisiert es den Gebildeten, dass er die Art seines Ausdrucks überlegt; er ist darauf gefasst, dass man ihn „beim Worte nehme“, und seine Vorsicht wächst mit dem Werte des Darzustellenden. Für die Praxis des Redners bespricht Aquila Roman. (1. c. p. 27) diesen Punkt: his figuris sententiarum si, ut adulescens acerrimo ingenio, utebaris actus proprio motu animi aut etiam ex imitatione lectionis Tullianae, prius etiam quam numeros earum nominaque perceperis, nihil mirum est. Omnia enim fere, quae praeceptis continentur, ab ingeniosis hominibus et in dicendo se exercentibus fiunt, sed casu quodam magis quam scientia. Ideoque doctrina et animadversio adhibenda est, ut ea, quae interdum sine ratione nobis occurrunt, semper in nostra potestate sint, et quotiens res postulaverit, a nobis ex praeparato adhibeantur.

Allerdings ist unter allen Künsten bei der Sprachkunst der Schritt vom Geiste zum Stoff, von der Vorstellung zur Ausprägung des Lautbildes, am kürzesten, so kurz, dass die Absicht des Künstlers ihm selbst erst mit dem Aussprechen zur völligen Klarheit kommt. Das Bewusstsein vergisst jenes Durcheinander von auftauchenden, verschwindenden, von ergriffenen, verworfenen, wieder eingeschobenen, von hin und her schwankenden Gedanken, welche nicht vollständig zur Reife kommen, und nimmt gern die gewählte Form als die wahre und einzig mögliche. Die Spuren der arbeitenden Reflexion sind an dem fertigen Kunstwerk getilgt, und die Gebildeten empfinden es als naturwüchsig, aber es ist lediglich die Illusion der Kunst, welche dieser veredelten Natur den Schein einer unmittelbar gegebenen verleiht. Sehr deutlich zeigt sich die Thätigkeit der Reflexion, wenn die Sprachkunstwerke im Dienste der gebundenen Rede verwandt werden sollen, denn hier werden z. B. durch den Reim bestimmte Aufgaben gestellt, welche ihre Lösung nach Massgabe von gegebenen Bedingungen erwarten. Die Tropen der Sprachkunst unterscheidet man unschwer von denen des usus. Wenn Goethe (Faust) ruft: „Hör', es splittern die Säulen ewig grüner Paläste“; oder Klopstock (Der Rheinwein): „O du, der Traube Sohn, der im Golde blinkt“; so fühlt man, dass sie um ihr Neuschaffen wussten; Homers Gleichnisse – man betrachte z. B. die beiden Ilias 2, 144 sq. oder die sechs aufeinander folgenden vs. 455 sq. – mag man seine Sprache für noch so naiv ansehen, vereinigen mit aller sinnlichen Lebendigkeit durchweg eine reife Besonnenheit. Ebenso ist es bei den Figuren, seien diese musikalischer Art oder überhaupt durch die Behandlung des Lautmaterials charakterisierend, seien es solche, durch welche vermöge geschickter Technik der Sinn gehoben oder eigentümlich gefärbt wird. So wirkt der mit greifbarem Vorbedacht von Virgil (Georg. I, 281) angewandte doppelte Hiatus: ter sunt conati imponere Pelio Ossam (indem das Gegenteil von Wohllaut als Lautmittel benutzt wird), um die schwerfällige Arbeit der Riesenbrüder zu schildern. Wie fein berechnet erscheint die Wiederkehr bei Goethe (Tasso): Ant. In Einem Augenblick forderst du, Was wohlbedächtig nur die Zeit gewährt. Tass. In Einem Augenblick gewährt die Liebe, Was Mühe kaum in langer Zeit erreicht; wie die Umkehrung bei Shakespeare (Cor. II, 1): Brut. He 's lamb indeed, that baes like a bear. Men. He's a bear indeed, that lives like a lamb. Wort für Wort erwogen, folgen sich die Antithesen bei Aeschylos (Sept. 963 sq.): Ant. zaiolaç šraidaç. Ism. Où s' & Javaş xataxtavov. Ant. dopi KTOVEÇ Ism. dopi dělaves. Ant. uɛdeónovos Ism. Medeontains. Ant. ito yoos Ism. iru dáxqva; und wenn etwa Homer die Ironie verwendet, wie z. B. Od. 21, 402: đồ rào cn Todooũrov dvmcios dvitas 18 us oúrós note toūro dvvnostai &vtavuoaofal, wie kann es ihm an Wissen über die Bedeutung solcher Redeweisen fehlen und an der Absicht, sie hier zu gebrauchen?

Da also den Werken der Sprachkunst eine bestimmte Stellung innerhalb bestimmter Kompositionen angewiesen ist, so wahren sie auch dauernd ihren Charakter als individuelle Kunstschöpfungen und erscheinen so inmitten ihrer Umgebung immer als ein von dem gewöhnlichen, litterarisch befestigten Ausdruck Abweichendes (Quint. (IX, 1, 13): a simplici atque in promptu posito dicendi modo poetice vel oratorie mutatum). Sie erhalten sich daher kenntlich als ein Neues, sind als ein integrierender Teil eines eigenen Redeganzen anderweitig nur etwa in Citaten, Anspielungen zu verwenden; dem Werden und Welken im usus der Sprache entnommen, sind sie ein Schmuck, an welchem keine Zeit dies verwischen kann, dass er Schmuck ist. Wenn Quintilian (IX, 1, 14), hiermit übereinstimmend, die hierher gehörige Figuration definiert als: arte aliqua novata forma dicendi, so ist die Neuheit, welche er als charakteristisch fordert, nicht als eine zeitliche, im usus sich verlierende, zu fassen; Homers Sprachkunstwerke waren den Griechen neu auch zur Zeit des Eustathius, Virgils den Römern, auch als Theodosius lebte.

Die Alten haben die Gegensätze zwischen Natur und Kunst, zwischen naivem und bewusstem Schaffen, zwischen der Sprache des Bedürfnisses und der litterarischen Darstellung in genügender Schärfe nicht erkannt, und so sind sie über den Unterschied der grammatischen Figuren und der lexikalischen Tropen von den rhetorischen Figuren und den Tropen des Schmuckes nicht zur völligen Klarheit gekommen. Was die Tropen betrifft, so haben wir Bd. I, p. 332 das Nötige angeführt. Wenn die Alten von Ubertragungen sprechen, welche „inopiae causa“ geschähen, weil das „proprium“ fehle (Cic. de or. III, 38 und or. 27), meinen sie die Tropen der ersteren Art. So sagt z. B. Tryphon (Trepi tport. Rhet. Gr. ed. Sp. Vol. III, p. 191): Tónos ļoti lóxoş xatà παρατροπής του κυρίου λεγόμενος κατά τινα δήλωσιν κοσμιω Tégav ñ xarà å vayxaiov und Gregor. Cor. (rtępi tpón. 1. c. p. 215): napelantitat d'È (Tpóntos) xgeiaş Švexa û xóquov nepi trv ypáo. Quintilian erkennt den Unterschied an, wenn er diese „motus“ zwar von den Grammatikern behandelt wissen will, selbst aber sie als Schmuck des Vortrags an späterer Stelle durchnimmt. Er sagt (mit Bezug auf 1, 8, 16, VIII, 5, 35): Reddam nunc, quam proximam partem dixeram esse de tropis, quos modos clarissimi nostrorum auctores vocant, horum tradere praecepta et grammatici solent. sed a me, cum de illorum officio loquerer, dilata pars haec est, quia de ornatu orationis gravior videbatur locus et majori operi reservandus. — Bestimmter unterscheidet er (VIII, 6, 2 sq.) Tropen, welche um der Bedeutung willen gewählt werden, von solchen, welche zum Schmucke dienen; in den ersteren liege meist auch einige Kraft des Schmückens, wogegen die Tropen des Schmuckes nicht auch im Interesse der Be

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