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als die uneigentliche empfunden wird, wie z. B. Cicero (de or. III, 38) und Quintilian (VIII, 6, 6) sich wundern, dass auch die Bauern gemma, gemmare von Weinstöcken sagen, obwohl gemma [leite man es mit Curtius (Gr. Etym. p. 107) von yếua), voll sein, oder mit Pott (Etym. Forsch. 1. Ausgabe II, 29) von 1 ges tragen (wie germen), oder von geno = gigno, wie Georges (lex.)] jedenfalls in diesem Zusammenhang die ältere Bedeutung zeigt.

Eine Neuheit dauernder Art kommt dagegen denjenigen Tropen zu, welche wir im folgenden unter dem Namen der ästhetischen (oder Bild-) Figuren behandeln, denn immer bleibt diesen die Eigenschaft des Schmückens in dem bestimmten Zusammenhange eines Sprachganzen, immer halten sie als individuelle Kunstbildungen sich im Gegensatz zu der sonst befestigten, eigentlichen Redeweise. M. Müller (Vorles. über d. Wissensch. der Sprache T. II, Kp. VIII) nennt die Tropen der Sprache: „radikale Metapher“, die der Sprachkunst: „poetische“ (vide oben p. 3 f.: nepi rointixõ v Tpółtwv bei Tryphon u. a.); Curtius (Gr. Et. p. 106) unterscheidet „zwischen dem unbewusst sich aufdrängenden Bilde, das für das naive Sprachgefühl die natürlichste Bezeichnung der Sache ist, und dem mit Absicht gewählten, das der Dichter herbeiruft, damit sich das zu Bezeichnende in ihm spiegle". Es gehören also die naiven Tropen der Sprache an, sofern diese sich fortbildet, und dieses Wachstum der Sprache tritt in ihrem Jugendalter am deutlichsten hervor; wogegen die Tropen des reflektierenden Bewusstseins die im usus gealterten und matt gewordenen Lautbilder aufs neue beleben. Da aber einerseits jene Fortbildung der Sprache niemals aufhört, andererseits auch manche glücklichere Bildfigur der litterarischen Sprache allmählich dem usus zugeführt wird, so ist im einzelnen Falle eine Entscheidung, welcher Art ein Tropus sei, nicht immer zu geben. Im allgemeinen sind die ästhetischen Figuren daran kenntlich, dass sie „suavitatis causa“ stehen, dass sie, eben weil sie aus einer Absicht hervorgehen, „paulo audaciores" erscheinen. Als Grund für ihre Anwendung giebt Cicero an, dass die Menschen das Fernere dem Näheren vorziehen, weil dies von Scharfsinn zu zeugen scheint; weil in dem scheinbaren Abführen der Vorstellung, die dann doch zum Richtigen sich lenke, grosser Reiz liege; weil schon in einem einzigen Tropus ein Gleichnis liege; weil eine verständige Übertragung die Sache den Sinnen, besonders dem des Gesichts, nahe bringe. (Cic. de or. III, 38, 40.) Aristoteles (Rhet. III, 2) sagt ähnlich: ragès xaì ndù xai το ξενικόν έχει μάλιστα η μεταφορά.

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Zeigte sich nun (vid. Bd. I, 1. c.), wie auf der bildlichen Natur der Wörter, auf ihrer Eigenschaft als Tropen die Fähigkeit der Sprache beruht, mit verhältnismässig wenigen Lauten die unzählbaren Erscheinungen und Vorgänge unserer inneren und äusseren Welt mit einiger Bestimmtheit anzudeuten, so ergiebt sich von selbst, dass ebenso die Bild-Figuren für die litterarische Sprache eine unerschöpfliche Quelle der Bereicherung sind. Von den verschiedensten Seiten her richtet sich des Künstlers Auge auf die Dinge, leicht findet er so irgend welche Analoga seiner Vorstellungen, Beziehungen zu seinen Gedanken, und so vermannigfaltigt er die Anschauung durch Umwandlung der Bedeutungen, durch Einführung einer Fülle von Synonymen. In welchem Umfang diese Umschaffungen und Wendungen in der Sprache sich vollziehen, das erscheint ganz grenzenlos, zumal wenn man bedenkt, dass die Bilder für dieselben Begriffe in den verschiedenen Sprachen einander keineswegs entsprechen, dass auch innerhalb derselben Sprache vielfach die Bilder nur für einzelne, bestimmte Beziehungen verwandt, in anderen durch andere vertreten werden. Solvuntur membra frigore (Virg. Aen. XII, 951); aetas non subito frangitur, sed diuturnitate exstinguitur (Cic. Cat. m. 11, 38); pecunia lacerata est (Cic. Verr. III, 70); valde me momorderunt epistolae tuae de Attica nostra (Cic. Att. 13, 12); für diese Bilder haben wir z. B. keine entsprechenden im Deutschen; man sagt: „Du teures Haupt“, aber nicht: „Du geliebtes Haupt“, aber etwa: „Du geliebtes Wesen“; man sagt: „die Welt lacht über dich“, aber nicht: „die Welt weint um ihn“, dagegen: „die Menschheit weint um ihn“; „auf den Flügeln der Liebe eilen“ wird gesagt, nicht etwa: „auf den Flügeln des Zorns“, aber: „gestachelt vom Zorne“; es heisst wohl: „sein Geld ist ihm ans Herz gewachsen“, nicht: „seine Ehre ist ihm ans Herz gewachsen“, dafür: „seine Ehre liegt ihm am Herzen“.

Wir geben ein nicht weit gesuchtes Beispiel von dem Reichtum an Synonymen, welcher der Sprache durch die Tropen zufliesst, wobei wir die naiven von den bewusst verwandten nicht sondern. Bei Ovid (Met. 1, 5) heisst es: „ante mare et tellus“, und mare (vielleicht tropus aus ähnlicher Bedeutung wie skt. mar-u Wüste, vid. Curtius gr. Et. p. 298) gilt hier als das Wort der „eigentlichen“ Bedeutung; vs. 14 steht dafür: nec brachia longo margine terrarum porrexerat Amphitrite, was nach derselben Art der Wendung sich z. B. auch vertauschen liesse mit Neptunus (wie Virg. Ge. 4, 29), oder Oceanus (Virg. Aen. II, 250), Thetis (Virg. Ecl. 4, 32), Nereus (Ov. Met. 1, 187); v. 15 heisst es: quaque fuit tellus, illic et pontus et aër, wofür wieder in gleichartiger Wendung pelagus stehen könnte (wie z. B. Virg. Aen. V, 8), wenn nóvtoç als „Pfad“ (zu nátos Curt. 1. c. p. 243) néhayos als „Geschlage, Gewoge“ (Curt. p. 250) zu fassen ist. Vs. 16 und vs. 22 wird derselbe Begriff bezeichnet: „innabilis unda“ und „et terris abscidit undas“; vs. 30 ist er: „circumfluus humor“; vs. 36 heisst es: „freta diffundi jussit“; vs. 41 „flumina in mare perveniunt campo recepta liberioris aquae“, wie „campi caerulei“ (bei Plaut. Trin. 4, 1, 15). So bei Ovid kurz nacheinander; man denke etwa noch an aequor (Ov. Met. 2, 263), altum (Virg. Aen. 1, 3), profundum (Ov. Met. 2, 267), caerula (Ennius), gurges (Ov. Met. 2, 528), salum (Virg. Aen. 2, 209), marmor (Virg. Ge. 1, 254), sal (Virg. Aen. 6, 697), vadum (Virg. Aen. 7, 198).

Die verschiedenen Arten der ästhetischen Figuren haben wir als Arten der naiven Tropen bereits aufgezählt und behandelt. Die Begründung der Einteilung sind wir indes noch schuldig (vid. Bd. I, p. 355); sie hat immer als schwer gegolten, wie denn Quintilian (VIII, 6, 1) berichtet: „tropus – circa quem inexplicabilis et grammaticis inter ipsos et philosophis pugna est, quae sint genera, quae species, qui numerus, quis cuique subjiciatur.“

Die Tropen und Bildfiguren setzen für ein Wort, welches im Zusammenhang der Rede einen bestimmten Sinn vertritt, ein anderes von anderer Bedeutung. Nun ist klar, dass diese anderen Wörter nicht nach Belieben gewählt werden können, denn das Verständnis muss ja gewahrt bleiben, und so wird man eine Einteilung haben, wenn man sich beantwortet, in welcher Art auch bei Vertauschung von Wörtern uns das Verständnis einer Rede gesichert werden kann. Man trifft zweifelsohne so auf den eigentlichen Trieb des Sprachschaffens, denn der Sprachkünstler, wenn er den Tropus zur Bezeichnung des Sinnes wählt, will nicht ein Wort mit dem andern vertauschen, sondern er will uns durch seine Vertauschung zu einem sogar gehobenen Verständnis verhelfen. Erinnern wir uns dabei, dass die Sprache keinen Zwang zum Verständnis auszuüben vermag, überall vielmehr nur ein ungefähres Verständnis erreicht, so werden wir vom Tropus nichts mehr erwarten, als dass er eine Anregung gebe zum Entstehen einer adäquaten Vorstellung. Er erreicht dies dadurch, dass seine gewöhnliche Bedeutung mit derjenigen in Zusammenhang steht, welche das sogenannte eigentliche Wort haben würde, leicht also auf diese hinlenkt und, wiefern er dadurch die Seele zu besonderer Thätigkeit anregt, welche sie bei Nennung des eigentlichen Wortes sich erpart hätte, in erhöhter Lebendigkeit die Bildung des geforderten Begriffs herbeiführt. Solchen Zusammenhang zeigt uns entweder a. die unmittelbare Wahrnehmung oder Anschauung; oder er erschliesst sich b. unserer Reflexion, unserm Nachdenken; oder er wird erschaut c. von unserer Phantasie. Danach unterscheiden wir als Tropen: a. die Synekdoche, b. die Metonymie, c. die Metapher. *)

*) Nicht selten findet sich für das Verständnis des Tropus noch besonders durch eine auf den „eigentlichen“ Sinn deutende Bestimmung gesorgt. So bei der Synekdoche z. B. ein wirtlich Dach; eine gastliche Schwelle; pian xegaan, Būv ů C ahény (Il. 7, 238), Tuxtñou Bóscow (Il. 12, 105) Bous uş (Il. 12, 137); ex solido elephanto (Virg. G. III, 26), sectus elephantus (Virg. Aen. III, 464), porta candenti nitens elephanto (Virg. Aen. VI, 896). Bei der Metonymie erklären sich hierdurch z. B. Ausdrücke, wie wir sie oben (Bd. I, p. 537) in Bezug auf die Sprachtechnik als Hypallage bezeichneten. Wenn bei Goethe es im Text von „W. M. Lehrjahren“ („Der Sänger“) heisst:

„Lass einen Trunk des besten Weins

In reinem Glase bringen“, in der „Gedichtsammlung“ aber sich firidet:

„Lass mir den besten Becher Weins

In purem Golde reichen“, so entsteht nun durch die Hypallage des Adjektivs eine Metonymie (denn das Gefäss wird genannt statt des in ihm Enthaltenen), deren Sinn ergänzt wird durch den Genetiv: Weins. Bedenkt man, dass dieser Genetiv im Nhdtsch. die Flexion nicht mehr zeigt, so erklären sich Ausdrücke, wie: „ein frisches Glas Wasser“, „eine gute Flasche Wein“; ebenso Z. B. Eurip. (Phoen. 1351): 2evxon" ZEIŞ XTÚTOUS repoTv. Die Metapher erhält durch erklärenden Beisatz Bestandteile des Gleichnisses, z. B. bei Tieck: flüssiges Gold (= Wein), Balsam und Trost (= tröstend, wie Balsam); Cic. (ad fam. IV, 5): oppidûm cadavera projecta jacent; Hor. (od. II, 13, 32): aure bibere pugnas; Mart. (9, 59, 3): oculis comedere aliquem; Cic. (off. II, 12): ficta omnia tanquam flosculi decidunt. Demetrius (de eloc. $ 85, Sp. Vol. III, P. 282) führt an, wie Theognis eine gewagte Metapher durch ein Epitheton geschützt habe, indem er φόρμιγξ für τόξον als ,φόρμιγγα άχορδον“ hinstellte. Cic. (de or. 3, 41) sagt: ne paulo durior translatio esse videatur, mollienda est praeposito verbo, z. B. ut ita dicam cet. und Longin (de subl. c. 32 Sp. Vol. 1, p. 280) führt an: 'AQIoTotéans xai Okogpuotos METλίγματά φασί τινα των θρασειών είναι ταύτα μεταφορών, τα, και,ώσπερεί qavat, xat, voiott, xạ, ,,Eỉ xọn coũnow they còw To Toy“, xai, M, L δεί παρακινδυνευτικώτερον λέξει.ή γαρ υποτίμησις, φασίν, ιάται τα tohunge.

Diese Einteilung nach mehr logischem Schema findet man im wesentlichen schon von Aristoteles aufgestellt, wenn man beachtet, dass Aristoteles mit dem später zum Namen einer Art gewordenen uɛtapopćé unsern Begriff des Tropus bezeichnet. (Über diese Term. cf. Bd. I, p. 335.) Es heisst (Poet. 21): „Metapher ist die Einführung eines frenadartigen Wortes (μεταφορά δε έστιν ονόματος αλλοτρίου επιφορά), welches entweder übertragen 1st 1. von der Gattung auf die Art, oder 2. von der Art auf die Gattung, oder 3. von der Art auf die Art, oder 4. nach der Analogie (ή από του γένονς επί είδος, ή από του είδους επί το γένος, ή από του είδους επί είδος, ή κατά το ανάλογον). - Analogie nenne ich es, wenn sich ein zweites zu einem ersten verhält, wie ein viertes zu einem dritten; dann nämlich kann man statt des zweiten das vierte setzen und statt des vierten das zweite, fügt auch wohl zuweilen dasjenige hinzu, zu welchem dies in Beziehung steht, an dessen Stelle der übertragene Ausdruck tritt (το δε ανάλογον λέγω, όταν ομοίως έχη το δεύτερον προς το πρώτος και το τέταρτον προς το τρίτον: έρεί γαρ αντί του δευτέρου το τέταρτον ή αντί του τετάρτου το δεύτερον. και ενίοτε προστιθέασιν ανθ' ου λέγει προς ό έστιν). – Aristoteles giebt hierzu folgende Beispiele: 1. von der Gattung auf die Art: νηύς δέ μοι ήδ' έστηκε, hier steht mein Schiff“ (Hom. Od. 7, 185; 24, 308), wo der Gattungsbegriff „stehen“ statt des Artbegriffs „vor Anker stehen (liegen)“ eingeführt ist (το γαρ όρμεϊν έστιν εστάναι τι). 2. ή δη μυρίΟδυσσεύς εσθλα εοργες και Tausend Gutes firwahr verrichtet Odysseus“, (Il. II, 272), wo der Artbegriff , tausend“ das bestimmter Anschauliche giebt statt des Gattungsbegriffs „vieles“ (yag uvolov πολύ έστιν, ώ νυν αντί του πολλού κέχρηται). 3. Von der Art auf die Art. Uber dies Beispiel: Χαλκώ από ψυχήν έρύσας: Τάμ' άτειρέϊ xalxo.“ (die Stelle ist verderbt und bei Homer nicht zu finden) cf. Gräfenhan in seiner Ausgabe der Poetik des Ar. (Comment. p. 156): „Scriptor Cod. Med. D. dissecuit hunc versum, interjecta post équoas vocula xaì, quod recepit Reizius, Tyrwh. Buhlius in ed. Bip. et Herm., cujus ipsius verbis pro mea sententia utor: „Exempla, quae nunc quidem in Homero, unde sumpta videntur, nusquam occurrunt, non aliter apta erunt, nisi si universam utriusque vim, non verba έρύσαι et ταμεϊν spectas; nam quis dicat από ψυχήν ταμεϊν aut έρύσαι χαλκώ? Sed, et utrumque si από ψυχήν έρύσαι et ταμεϊν χαλκό significat occidere; jure poterunt inter se permutari, et translatio dici απείδους επ' είδος facta. « Ex sequentibus: ενταύθα γαρ το μεν έρύσαι, ταμεϊν· το δε ταμεϊν έρύσαι είρηται,

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