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Das Prinzip für die Einteilung kann nur aus Betrachtung der Änderungen gewonnen werden, welche die Sprachform erfahren kann, um Figur zu werden. Sehen wir ab von den ästhetischen Figuren, welche die Sprache selbst weiterschaffen, so gehören die Redefiguren lediglich der Technik an und sind nach technischen Rücksichten einzuteilen. Die Änderungen der Form, die Figurationen, werden natürlich als solche, als Neuheiten, bemerkt und empfunden; in welcher Richtung sie aber wirken und die Seele erregen, das hängt nicht ab von diesen Änderungen als solchen, d. h. von dem, was die Figur zur Figur macht, sondern von dem Inhalt des Seelenmoments, den sie verkörpern. Derselbe Inhalt aber kann ebenso ganz ohne Figur ausgedrückt werden, wie auch in sehr verschiedenen Arten der Figurierung; welche Art von Figur zur Anwendung kommt, das bestimmt der Zusammenhang und der Charakter des Redeganzen. Deswegen also sind die Figuren nicht zu rubrizieren nach den Arten der Seelenerregungen, sondern nach der verschiedenen Weise, wie eine Änderung der Ausdrucksformen zustande kommt. Es wird dadurch ersichtlich, wodurch die Figuren wirken, wiefern sie eben als Figuren zu fassen sind.

Will man sagen, dass nach dem Begriff der von uns aufgestellten drei Arten von Figuren das allen Gemeinsame, die besondere Seelenerregung sei, welche sie bewirkten; dass dann bei den ästhetischen Figuren diese Seelenerregung von der Phantasie ausgehe (ai pavtagiai oŮto yoũy kidwionosías aŭraç évioi héyovor. Longin, de subl. XV), bei den Lautfiguren von der Empfindung, bei den Sinnfiguren vom Verstande; dass die Figuren der ersten Art also den Ausdruck anschaulich machen, beleben müssen, die der zweiten Art ihn musikalisch versinnlichen, die der dritten verdeutlichen, so wird dagegen nicht viel einzuwenden sein, aber die Totalwirkungen der wirklichen Figuren, bei welchen jene in unserm Schema getrennten Begriffe von Bild, Laut, Sinn je nach der Stelle, welche sie im Kontext der Rede einnehmen, bald vor-, bald zurücktreten, immer aber sich in lebendiger Einheit darstellen, lassen sich keineswegs nach den Abstraktionen dieser Trennung bemessen. Nur unsere Begriffe vermögen wir zu klassifizieren, jeder Inhalt ist für uns grenzenlos.

Die Einteilung, welche die Alten aufstellten, ging von dem richtigen Grundsatz aus; sie war eine formelle. Man unterschied: oxņu ata diavolas, figurae sententiarum; rxhuara légewç, figurae verborum; von ihnen gesondert: Tpónot, verborum im mutationes.

Cicero giebt (wohl nach dem von Quintilian (III, 1, 16) erwähnten Hermagoras) an (Brut. 17, 69): Ornari orationem Graeci putant, si verborum immutationibus utantur, quas appellant teónovs, et sententiarum orationis que formis, quae vocant oxņu atc*). Genauer heisst es (de or. III, 37 [cf. or. 39, 135 sq.]): Die stilistische Schönheit zeige sich 1. in den einzelnen Worten an sich, 2. in deren Verbindung: est quidam ornatus orationis, qui ex singulis verbis est, alius, qui ex continuatis conjunctisque constat. Was die einzelnen Worte betreffe, so seien von den eigentlichen Ausdrücken (quae propria sunt et certa quasi vocabula rerum, paene una nata cum rebus ipsis) zu unterscheiden die übertragenen (quae transferuntur), neben welche Cicero noch stellt Archaismen und Neubildungen: translatum verbum aut inusitatum aut novatum (cp. 38). In Bezug auf die Verbindung der Worte (continuatio verborum), habe der Redner, anlangend die äusserliche Gestaltung und das Kolorit der Rede (habitus orationis et quasi color [cp. 52]), sich zu bilden et verbis et sententiis: „formantur autem et verba et sententiae paene innumerabiliter, sed inter conformationem verborum et sententiarum hoc interest, quod verborum tollitur, si verba mutaris, sententiarum permanet, quibuscumque verbis uti velis. Auch Dionys. Hal. (de compos. verb. cp. VIII) kennt schon diese Einteilung, und Quintilian (IX, 1, 17) nennt so ausser den Tropen als die von den meisten angenommenen Arten der Figuren: diavolas, id est mentis vel sensus vel sententiarum (nam his omnibus modis dictum est) et détews, id est verborum vel dictionis vel elocutionis vel sermonis vel orationis: nam et variatur et nihil refert. Er fügt hinzu, dass Cornelius Celsus ausserdem noch figuras colorum aufgestellt habe; doch gehöre ja solche Färbung der Rede dem Gedanken an. Ob unter diesem color, dem xgā u ce der griechischen Rhetoren, Beschönigung des Ausdrucks bei einem unliebsamen Inhalt zu verstehen sei (Quint. IV, 2, 89), oder das Kolorit, der Charakter der Rede (Quint. VI, 3, 107), oder etwa, was Cicero „pingere“ nannte (Ep. ad Att. II, 21: pictum et politum a me [Pompejum] omnibus artis coloribus), ist zweifelhaft. Fortunatianus' Einteilung (art. rhet. III, 10 bei Halm p. 126) in figurae à éçews, hóyov, diavolas mischt grammatische Figuren unter die rhetorischen.

*) Cicero nennt die oxňuatu hier formae, or. 25: lu mina und gestus orationis; de opt. gen. 14: figurae mit einem tamquam.

Was Cicero (1. c.) als den Unterschied zwischen den Figuren der Worte und denen der Gedanken angiebt, dass nämlich jene verschwinden, wenn man die Worte verändert, diese aber bleiben, welcher Worte man auch sich bediene, scheint die Beobachtung gewesen zu sein, welche die Alten zu ihrer Einteilung bestimmt hat. Auch Alexander (περί σχημ. Sp. Vol. II, p. 10) sagt: το μεν κινηθείσης της λέξεως της συσχούσης το σχήμα απόλλυται, οίον αλλ' ή τούτους μεταπεμπτέον, ή άλλην μή ελάττω στρατιαν επιπεμπτέον: ει γαρ αντί του επιπεμπτέον αποσταλτέον είπoι τις, απόλλυται το σχήμα της παρονομασίας του δε της διανοίας σχήματος, κάν τα ονόματα κινη τις, κάν ετέροις ονόμασιν εξενέγκη, το αυτό πράγμα μένει, ομοίως δε κάν η σύνταξις κινηθή ή προστεθη και αφαιρεθή τι, λύεται το σχήμα της λέξεως. το γούν επί σαυτόν καλείς, αν ούτως εξενέγκη τις, καλείς επί σαυτόν και τους νόμους, λέλυται και το καί μοι μη θορυβήση τις, έστι μεν προδιόρθωσις, ει δε αυτό ούτως εξενέγκη, αλλά μη θορυβήση τις, ούτω γενέσθαι, δέομαι μεθ' ησυχίας ανασχέσθαι μου, μένει το αυτό σχήμα. η γαρ διάνοια ουδέν πάσχει των ονομάτων τρεπομένων. – Nach ihm setzt dasselbe auseinander Aquila Romanus (de fig. sent. et eloc. Halm p. 28 sq.).

Es ist dies indessen nicht richtig. Eine Figurierung, also eine bestimmte Gestaltung des Gedankens erfolgt überhaupt nur mittelst der Sprache; Figurierung des Gedankens an sich ist Unsinn. Wenn nun allerdings der Gedanke sich in verschiedene Formen zu kleiden vermag, so erhält diese Mannigfaltigkeit doch eben dann eine Grenze, wenn die Form dem Begriffe einer Figur, einer als Kunstprodukt hervortretenden Ausdrucksweise, entsprechen soll. Die Figur hört also auf, wenn der Sinn durch die gewöhnliche Ausdrucksweise bezeichnet wird. Aquila Rom. sagt, dass z. B. in Form der ironia, einer sententiae figura, gesagt werde: Hic enim egregius auctor communium commodorum, custos et defensor rei publicae, salus et columen civitatis; verändere er nun diesen Ausdruck auch vollständig, z. B. in: namque iste, cujus ope et auxilio videlicet civitas nititur, so bleibe die Figur dennoch bestehen. Aber welches ist denn der Gedanke, der Sinn? Aquila sagt: contraria scilicet intellegi velim. Nun, so spreche man dieses „contraria“ aus: namque iste, cujus negligentia et nequitia res publica funditus evertitur — und wo ist dann die Figur?

Nicht minder unrichtig ist das andere, dass die figurae elocutionis, die Wortfiguren, als Figuren aufhören, wenn die Worte sich ändern, durch welche sie zu stande kommen. Nicht durch die

Gerber, die Sprache als Kunst. II. Band. 2. Aufl.

Worte als solche entsteht ja die Figur, sondern dadurch, dass der Laut der Worte zu gewissen Wirkungen benutzt wird. Es ist also eine Änderung der Worte ganz wohl möglich, wenn nur durch die gewählten dieselbe Art der Lautwirkung erreicht wird. Aquila nimmt als Beispiel einer figura elocutionis die repetitio oder Én a vapogá: ille auctor discordiarum, ille dux seditionum omnium, ille in pace tumultuosus, ille proditor in bello; und zeigt, dass die Figur aufhört, wenn er dafür setzt: ille, qui seditionum auctor, discordiarum concitator, in pace tumultuosus, in bello proditor fuit. Aber wenn er nun statt der Wiederholung von ille überall in die von iste oder hic oder vir ille geändert hätte, oder ille, qui sed. auct., qui — qui — fuit, so wäre die Figur geblieben.

Dass die Alten hinsichtlich dieser Aufstellungen zu schärferer Bestimmung nicht gelangten, erklärt sich daraus, dass ihnen überhaupt das Verhältnis der Bedeutung zur Lautform im unklaren blieb, und dass sie andererseits auch in das Wesen der Satzform zu wenig eingedrungen waren. (cf. Steinthal, Gesch. d. Sprachwissensch. bei Gr. u. Röm. p. 620, 687, 693, 698.) Sie richteten ihre Aufmerksamkeit zuerst auf die dem Gehör auffälligen Figuren, welche zu verschwinden schienen, wenn man die Worte ändert, namentlich bei Gorgias aus Leontini (vid. Cic. or. 49; 52), (Aquila Rom. I. c. p. 29), also „tas napiOMOELS déyw xai napovouagias xai åvTIJÉGEIS, &v ais értheóvage logrias ó Aeovtīvos (Dion. Hal. de Thue. 24, 4) và Toorías To[s Travigos xai duonoTelexcos xxì ομοιοκαταρκτους καλλωπίζων διόλου προσκόρως τον λόγον (Maximus Planudes, Schol. bei Walz, rhetor. gr. V, p. 551), und als sie später ähnlich hervortretende Ausdrucksweisen bemerkten, deren kunstmässige Form sie ebenfalls den Figuren zuzuweisen schienen, die dabei aber von den bestimmten einzelnen Worten unabhängiger waren, da nannten sie diese Gedankenfiguren. Sie versteckten so hinter einer positiven Bezeichnung, dass die zweite Art der Figuren nur eben durch die Betrachtung gewonnen war, wie an ihnen ein formell Festes nicht bemerkt würde. Solche durch die Negation gewonnene Dichotomie lässt allerdings keine Lücke der Arten, aber der zweite negative Artbegriff leidet notwendig an Unbestimmtheit seiner Teile. Was weiss man von den Gedankenfiguren, wenn gesagt wird, dass sie an bestimmte Wortformen nicht gebunden sind?

Leicht kamen darum auch manche Rhetoren zu der Ansicht, es gäbe überhaupt keine Gedankenfiguren; was man dafür halte, seien eben Gedanken: ooa oxhuata tõv &vvorov wvouaotai, οίον προδιόρθωσις, επιδιόρθωσις, αποσιώπησις, παράλειψις, ειρωνεία, ηθοποιία, άπαντα ταύτα ού μοι δοκεί δικαίως σχήματα καλείσθαι, αλλ' έννοιαι και ενθυμήματα και λογισμοί του πιθανού χάριν και niotawy zidn. So Longin (texv. ent. Sp. Vol. I, p. 310), während freilich der Vf. nepi ởyous die gewöhnliche Einteilung billigt (bei Speng. Vol. I, p. 252). (Man sehe auch die schiefe Erörterung bei Quint. IX, I, 15 sq.)

Die Wortfiguren der Alten sind also genauer zu bestimmen als Figuren des Wortlautes, die Gedankenfiguren als die des Wortsinnes; jene wirken durch den lautlichen Ausdruck der einzelnen Worte oder Wortkomplexe auf die Darstellung ihres Satzganzen, diese durch die Beziehungen, in welche sie einen Satzsinn zu dem Sinn der Rede setzen, wie er sich aus dem Zusammenhang ergiebt. Vossius (Comment. Rhet. P. II, lib. V, p. 265), der im übrigen viel durcheinander wirrt, drückt sich nicht übel aus: Schematum alia ad materiam ac corpus orationis pertinent; alia ad formam, ac quasi animam, hoc est, ad sententiam: illa dicuntur oxņuata λέξεως, haec διανοίας. Prioribus illis magis proprie schematis nomen convenit, quatenus habitum notat, qui proprie corporis est: at figuris diavoias magis competit, qua gestum interdum significat.

II. Von den ästhetischen Figuren; ihrem Begriff; ihrer Bedeutung

für die litterarische Sprache; ihrer Einteilung.

Wir erörterten im ersten Bande dieser Schrift (p. 309 sq.), wie die Wörter in Bezug auf ihre Bedeutung an sich selbst Tropen sind. Im Leben der Sprache giebt der usus den Bedeutungen einen gewissen Halt, und diese erhalten dadurch ein Anrecht, als die eigentlichen (xúgia xaì xoivò óvóuata) zu gelten, wogegen, wenn die dem Lautbilde eigene Natur des tportos in einer Umwandlung der Bedeutung wieder hervortritt, dieses Neue als das Uneigentliche (äxvpov) erscheint. Verstanden wird die neue Bedeutung von den mit der Sprache Vertrauten an den Beziehungen, in welche sie zu anderen Wörtern gesetzt wird, wie die ersten Wurzeln den Menschen verständlich wurden an den Beziehungen, in welche sie unter derselben Umgebung, bei gleichen Umständen zu den sinnlichen Wahrnehmungen traten. Leicht kann es dabei kommen, dass die früher „eigentliche Bedeutung von einem späteren usus

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