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leicht gefundenen Reime sind dann eben unbedeutend, d. h. sie wiegen nur als Gleichklänge. In folgerechter Entwickelung ihrer Stärke bildete die griechische Verskunst eine reiche Mannigfaltigkeit von Massen aus, eine wogende Musik der Sprache, wie sie z. B. in den Gesängen des Pindar sich fast unabhängig von der Gliederung des Satzbaues entfaltet, welche von keiner der neueren Sprachen erstrebt und auch von der deutschen nicht wiedergegeben werden kann, wenn sie nicht undeutsch werden will. Dagegen schliessen unsere iambischen oder trochäischen Reihen gemeinhin auch mit einem Satzabschnitt; schon von selbst zieht sich dadurch nach unserer Art der Wortstellung der Hauptbegriff in das Reimwort, und so gewinnt der moderne Vers durch den Reim nicht nur einen sinnlich kräftigen Abschluss, sondern auch der Ausdruck des Gedankens gelangt notwendig zu grösserer Schärfe und Bestimmtheit, als ihn die Alten ihrer gebundenen Rede abverlangten.*) Um zu fühlen, was unser Endreim wirkt, achte man z. B. auf Stellen bei Shakespeare und Schiller, wenn sie aus reimlosen Versen zu ihm übergehen und dann die Rede auch abschliessen. Caes. I, 2 giebt Brutus' und Cassius' Unterredung. Cassius schliesst seinen Monolog:.

*) Poggel (Grundzüge einer Theorie des Reims. Münster 1836) sagt: ,,Man kann gegen die gewöhnliche Ansicht vom Reime, dass durch die Wiederkehr desselben blosse Gliederung bezweckt werde, sagen: dass alle Reime, welche blosse Gliederung der Rede suchen, ohne auch die angemessene Verstärkung der bedeutenden Wörter dadurch zu bezwecken, notwendig schlecht seien.“ – „Durch die Wiederkehr derselben Klänge soll der Eindruck der Hauptvorstellungen verstärkt, der Klang der bedeutendsten Wörter vorherrschend über das Ganze ausgegossen, und auf diese Weise zwischen den Eindrücken des inneren und äusseren Sinnes Ubereinstimmung, zugleich aber auch äussere und innere Symmetrie und Gliederung der Rede gewonnen werden.“ – Wie dagegen bei den Alten im Verse die Rücksicht auf den Sinn zurücktrat gegen die Melodie, so dass die Recitation fast zum Gesange wurde, sehe man u. a. aus Boethius (de Music. I, 12): Omnis vox aut συνεχής est, quae continua, aut διαστηματική, quae dicitur cum intervallo suspensa. Et continua quidem est, quia loquentes vel ipsam orationem legentes verba percurrimus. Festinat enim tunc vox non inhaerere in acutis et gravibus sonis, sed quam velocissime verba percurrere, expediendisque sensibus, exprimendisque sermonibus continuae vocis impetus operantur. Diastematice autem est ea quam canendo suspendimus, in qua non potius sermonibus, sed modulis inservimus. Estque vox ipsa tardior, et per modulandas varietates, quoddam faciens intervallum, non taciturnitatis, sed suspensae ac tardae potius cantilenae. His (ut Albinus autumat) additur tertia differentia, quae medias voces possit includere, sed (si?) heroum poemata legimus, neque continuo cursu, ut prosam, neque suspenso segniorique modo vocis, ut canticum.

I will this night
In several hands, in at his windows throw,
As if they came from several citizens,
Writings, all tending to the great opinion
That Rome holds of his name; wherein obscurely
Caesar's ambition shall be glanced at:
And, after this, let Caesar seat him sure;

For we will shake him, or worse days endure.
Act. II, 3 überlegt Artemidorus:

Here will I stand, till Caesar pass along,
And as a suitor will I give him this.
My heart laments, that virtue cannot live
Out of the teeth of emulation.
If thou read this, o Caesar, thou may't live:

If not, the Fates with traitors do contrive.

Jungfrau von Orleans III, 10 zeigt sich die Erscheinung des schwarzen Ritters. Johanna schliesst:

Ein trüglich Bild
Der Hölle war's, ein widerspenst'ger Geist,
Heraufgestiegen aus dem Feuerpfuhl,
Mein edles Herz im Busen zu erschüttern.
Wen fürcht' ich mit dem Schwerte meines Gottes?
Siegreich vollenden will ich meine Bahn,
Und käm' die Hölle selber in die Schranken,

Wilh. Tell II, 2 am Schluss der Rütliscene sagt Stauffacher:

Was noch bis dahin muss erduldet werden,
Erduldet's! Lasst die Rechnung des Tyrannen
Anwachsen, bis ein Tag die allgemeine
Und die besondre Schuld auf einmal zahlt.
Bezähme jeder die gerechte Wut,
Und spare für das Ganze seine Rache;
Denn Raub begeht am allgemeinen Gut,

Wer selbst sich hilft in seiner eignen Sache. Da für unsern Reim die Gleichheit betonter Silben vom Vokal der Silbe ab Bedingung ist, so ist er für die Neueren in Wörtern wie: Unsterblicher, Überwinder; er erblich, verderblich; blessing, writing; useful, painful; finissent, parlassent; salve, brave; rime, rarissime; rammarico, nemico nicht vorhanden. Wenn also z. B. Aristophanes (Ir. 336 sq.) ähnlich wie in den soeben angeführten Stellen die gebundene Rede absichtlich in Homoioteleuta ausgehen lässt, so ist diese gefällige Klangwirkung nur zufällig in einzelnen Wörtern der unseres Reimes entsprechend:

Μηκέτ' ουν νυνί γε χαίρετ'· ου γαρ ίστε πω σαφώς.
'Αλλ' όταν λάβωμεν ωυτήν, τηνικαύτα χαίρετε,
Και βοάτε, και γελάτε:
Ήδη δ' εξέσται τόθ' υμίν
Πλεϊν, μένειν, κινείν, κετεύδειν,
'Ες πανηγύρεις θεωρείν,
Εστιάσθαι, κοτταβίζειν,
Συβαρίζειν

'Ιου ιού κεκραγέναι. Im höchsten Pathos gesprochen stehen unserer Empfindung diese Gleichklänge geradezu entgegen. Man lese z. B. bei Aeschylus (Prom. 691) έα έα, άπεχε, φεύ·

ουπώποτ' ουπώπωτηύχουν ξένους
μολεϊσθαι λόγους εις ακοαν εμάν,
ουδ' ώδε δυσθέατα και δύσοιστα
πήματα λύματα δείματα κέν-

τρω ψύχειν ψυχαν αμφάκει, oder bei Euripides (Or. 1302): φονεύετε, καίνετε, όλλυτε, δίπτυχα, δίστομα φάσγανα εκ χερός τέμενοι. - Es ist uns, als nähme die Seele des Redenden keinen Anteil und liesse sich durch Fremdes, Aufserliches Vertreten.

Ähnlich (nicht ebenso wirkt der Reim, wo ihn die Römer einführen, wie z. B. in den Versen des Ennius bei Cicero Tusc. I, 28): Caelum nitescere, arbores frondescere,

Vites laetificae pampinis pubescere

Rami baccarum ubertate incurvescere – und (Tusc. I, 35): Haec omnia vidi inflammari .

Priamo vi vitam evitari

Jovis aram sanguine turpari wozu Cicero (ib. III, 19): Praeclarum carmen! est enim et rebus et verbis et modis lugubre. – Wenn uns Verse, wie Plautus (Amph. V, 1, 10):

Ita erae meae hodie contigit: nam ubi partuis deos sibi invocat, Strepitus, crepitus, sonitus, tonitrus: subito ut propere,

ut valide tonuit. oder Hor. (ad Pis. 99):

Non satis est pulchra esse poëmata; dulcis sunto

Et quocunque volent animum auditoris agunto; mehr zusagen, so haben wir doch eben nur ein Gefallen an passend angebrachten Gleichklängen. Fremd bleiben dem Gefühl ähnliche, nicht seltene Klänge, wie Ovid XIII, 377; Virgilius Aen. I, 626; IV, 256, cet., für welche wir eine Motivierung durch den Sinn nicht bemerken, und so, wenn, dem Zuge unserer Sprachentwickelung entgegen, Gleichklänge, die wir hören, d. h. die von der Betonung unterstützt werden, sich in unserer Rede einfinden, ohne erwartet zu sein, haben wir die Empfindung, dass ein Unbedeutendes aufdringlich unsere Vorstellung behindere oder doch aufhalte. Mit Recht verlangt Schopenhauer (Welt als Wille u. Vorstellg. Bd. II, p. 488), dass ein Vers, um glücklich gereimt zu sein, , die Empfindung erregen müsse, als ob der darin ausgedrückte Gedanke schon in der Sprache prädestiniert, ja präformiert gelegen und der Dichter ihn nur herauszufinden gehabt hätte.“ Das Seelengeheimnis des Reims spricht die persische Sage aus bei Goethe (Divan, B. Suleika):

Behramgur, sagt man, hat den Reim erfunden,
Er sprach entzückt aus reiner Seele Drang;
Dilaram schnell, die Freundin seiner Stunden,

Erwiderte mit gleichem Wort und Klang. Und so führt unser Dichter (Faust, II.) den germanischen Reim der griechischen Helena zu:

Hel.: Vielfache Wunder seh' ich, hör' ich an;

Erstaunen trifft mich, fragen möcht' ich viel.
Doch wünscht' ich Unterricht, warum die Rede
Des Manns (Lynceus) mir seltsam klang, seltsam

und freundlich
Ein Ton scheint sich dem andern zu bequemen,
Und hat ein Wort zum Ohre sich gesellt,

Ein andres kommt, dem ersten liebzukosen.
Faust: Gefällt Dir schon die Sprechart unsrer Völker,

O, so gewiss entzückt auch der Gesang,
Befriedigt Ohr und Sinn im tiefsten Grunde.

Doch ist am sichersten, wir üben's gleich,

Die Wechselrede lockt es, ruft's hervor.
Hel.: So sage denn, wie sprech' ich auch so schön?
Faust: Das ist gar leicht, es muss von Herzen gehn.

Und wenn die Brust von Sehnsucht überfliesst,

Man sieht sich um und fragt – Hel.:

– wer mit geniesst. Faust: Nun schaut der Geist nicht vorwärts, nicht zurück,

Die Gegenwart allein Hel.:

– ist unser Glück. Faust: Schatz ist sie, Hochgewinn, Besitz und Pfand;

Bestätigung, wer giebt sie? Hel.:

Meine Hand. Was die Reime betrifft, welche (namentlich häufig im Pentameter) bei den römischen Dichtern in Menge vorkommen, so finden wir in ihnen Parisa (Isokola), welche ihrem Gleichklang durch Homoeoteleuta einen Abschluss geben. Sie kommen so unsern Reimen nahe, ohne doch sie zu erreichen. (vide oben p. 155 Anmerk.) W. Wackernagal (Gesch. d. Hexam. und Pentam. p. IX) meint dies, wenn er den syntaktischen Parallelismus der beiden Hälften, in welche die Cäsur den Hexameter und Pentameter teilt“, hervorhebt, der nicht bloss zwei verschiedene Sätze ordnet, wie Prop. III, 16, 2: Maxima praeda tibi, maxima cura mihi, sondern die Worte innerhalb desselben Satzes, wie Prop. (III, 13, 29): Osculaque in gelidis pones suprema labellis; Tib. (II, 4, 48): Annua constructo serta dabit tumulo. Er sagt dann (p. XXV): „Man sieht, wie dieser Parallelismus Reim auf Reim in die Hexameter und Pentameter flicht; dass die Freude an diesem zur Verbindung wie zum Gegensatz gleich geschickten Wiederklang gewiss die fleissige Ubung jenes Parallelismus befördert hat, ist nicht in Abrede zu stellen; darum haben ihn die griechischen Dichter, deren Sprache durch die grössere Mannigfaltigkeit der Endungen minder reich an Reimen ist, nicht mit so entschiedener Vorliebe angewendet, als die römischen.“ Von der Wahrnehmung ausgehend, dass das elegische Distichon der Römer gewöhnlich einen Sinn zu vollständigem Abschluss bringt, vermeidet Eichner (dissert. de poetarum Latinorum usque ad Augusti aetatem distichis quaest. metr. particul. duae) eine gesonderte Betrachtung des Hexameters und Pentameters und weist die sich über das ganze Distichon erstreckende (durch Homoioteleuta bezeichnete) Satzgliederung nach. Er sagt (p. 2): mihi quidem distichon adeo videtur unum atque

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