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Abschnitt III. Die selbständigen Werke der Sprachkunst.
I. Das Sprachbild. Begriff und Einteilung. p. 339-342. Die Laut- und

Wortspiele. p. 312–345. Die naiven Lautspiele. p. 345–358. Littera-
rische Laut- und Wortspiele; Centonen; Parodieen; die Wortwitze,

Witzworte, Laut- und Worträtsel. p. 358—393. II. Die selbständigen Werke der Sprachkunst, welche den Gedankengchalt

eines Seelenmoments darstellen, d. h. die Sinnsprüche. p. 394-397. Das Sprichwort. p. 397 - 412. – Das Epigramm. p. 412-428. – Die Gnome und Priamel. p. 428–438. – Der Sinnwitz. p. 438 - 442. –

Das Sinnrätsel. p. 442-447. III. Die selbständigen Werke der Sprachkunst, welche ein Bild der Vor

stellung entfalten, d. h. die ästhetischen Sprachbilder. p. 448 - 452. Die Fabel. p. 453–474. – Die Parabel. p. 474–482. – Die Allegorie p. 482–484. – Das allegorische Rätsel. p. 485—495. – Der bildliche

Witz. p. 495-500. IV. Das Grenzgebiet zwischen Sprachkunst und Dichtkunst. p. 501-510. —

Index. p. 511-526.

***

Druck von Leonhard Simion, Berlin SW.

BRAD
IN OF THE

(UNIVERSITY)

CALIFORNIA
B. Besonderer Teil.

(Fortsetzung.)

Abschnitt II.

Die Sprachkunst im Dienste der Rede.

I. Wiefern die Werke der Sprachkunst im Dienste der Rede als der Kunst angehörig schon bisher betrachtet wurden. — Unterschied dieser Sprachkunst-Werke von den entsprechenden Bildungen innerhalb der Sprache, d. h. von den Tropen und den grammatischen Figuren. — Einteilung der Sprachkunst-Werke und Kritik

der früher aufgestellten Einteilungen. Wir wenden uns zu demjenigen Teile der Sprachkunst, welcher schon bisher, wenn auch nur in beschränktem Sinne, als der Kunst angehörig aufgefasst worden ist. Wir nennen ihn zum Unterschiede von der vorangegangenen Betrachtung, welche die Sprache selbst dem Gebiete der Kunst zuordnete, die Sprachkunst.

Auch in der Sprache als solcher konnte ein Kunstschaffen in Bezug auf die Tropen und die überaus kunstvolle Formenentwickelung nicht unbemerkt bleiben; aber man bedachte nicht, dass eben das ganze Material der Sprache Tropus ist, seine Formen überall nach einer wundersam angelegten Technik gestaltet werden, und dass gerade dieses beständige Schaffen und Nachbilden des Geschaffenen die Sprache selbst ausmacht. Dazu kam, dass man die Ubung einer Kunst sich notwendig verbunden dachte mit dem Wissen um die Kunst, und so gelangte man nicht dazu, die Sprache an sich als Kunst zu fassen. Anders nun bei der Sprachkunst, bei welcher jedes Schaffen sich als ein Individuelles von dem Grunde eines usus, wie ihn die Litteratur, die Sprache der Gebildeten, feststellt, mit

Gerber, die Sprache als Kunst. II. Band. 2. Aufl.

Auszeichnung deutlich abhebt, bei welcher die Kunstthätigkeit nicht ohne ein reflektierendes Bewusstsein, nicht ohne die Helligkeit einer Absicht geübt wird, welche deshalb ihr Wesen als Kunst leicht zu erkennen gab. Wie man sieht, verhält sich die „Sprache als Kunst“ etwa so zur „Sprachkunst“, wie im Gebiete der Poesie die sogenannte Volksdichtung zur Kunstdichtung.

Cicero (Brut. 79, 275) sagte über „verborum et sententiarum illa lumina, quae vocant Graeci oxņu ate“, dass durch sie die ganze Rede Glanz erhalte, gleichwie durch Prachtstücke eine architektonische Ausschmückung: tanquam insignibus in ornatu distinguebatur omnis oratio, cf. or. 39, 134, 135; de or. III, 25, 96. Freilich betrachtet er sie lediglich als Mittel und denkt nicht eben hoch von den „auctores et inventores harum sane minutarum rerum“ (de or. III, 37). Quintilian (IX, 1, 4, 14) definiert die rhetorische Figur als „arte aliqua novata forma dicendi“; Alexander (Rhet. Gr. Sp. Vol. II, p. 11) als εξάλλαξις λόγου επί το κρείττον; deutlicher Tiberius (1. c. p. 59): έστι σχήμα το μή κατά φύσιν τον νούν εκφέρειν μηδε επ' ευθείας, αλλ' εκτρέπειν και έξαλλάσσειν την διάνοιαν κόσμου τινός τη πλάσει ή χρείας ένεκα; ebenso Caecilius Calactinus: σχήμα έστι τροπή εις το μή κατά φύσιν το της διανοίας και λέξεως; und nach der erfreuenden Wirkung eines Werkes der Kunst Athenaeus Naukratides und Apollonius Molon: σχήμα έστι μεταβολή εις ηδονήν εξάγουσα την ακοήν (1. c. p. 44); Phoeba m m on (1. c. p. 43) vergleicht die Sprachkunst mit der Kunst der Pantomime Tanzenden oder der Bildhauer und figt hinzu: ότι ου φύσει εστίν ούτως, άλλα τέχνη προσγίνεται. Freilich decken sich die Begriffe unserer Kunstiund der τέχνη nicht durchaus (vid. Steinth al, Gesch. d. Sprachw. p. 525 sq.), aber es ist doch eine bewusst kunstmässige Behandlung eines Stoffes zu verstehen, und es ist im übrigen für den Teil der Sprachkunst, welcher sich in den Dienst der Rede stellt, ganz richtig, wenn die Alten seinen Nutzen als ein Wesentliches hervorheben. Sie finden ihn darin, dass durch die hierher gehörigen Figurationen der Ausdruck an Nachdruck gewinne (επίτασιν γαρ δύναται των πραγμάτων εμφαίνειν παρέχει έμφασιν ήθους χρηστού, (Αlex. περί σχημ. 1. c. p. 13 sq.), an Lebhaftigkeit und Anmut (ποικιλίαν τινα τω λόγω παρέχει (1. c.); το δε έξαλλάττον και ξενίζον ήδύτερόν εστι του μονοσχήμου και ωσαύτως έχοντος Phoeb. 1. c. p. 43), So dals er die Uberredung erleichtere (ότι πιθανώτεροι δια των σχημάτων φαίνονται οι λόγοι Phoeb. 1. c.). – Man sah auch, wie in diesen Gattungen der Kunst sich eben ein Individuelles geltend mache, ein die Momente besonderer und affektvoller Seelenerregung abspiegelndes Umschaffen der znm blossen Material gewordenen Sprachelemente, durch dessen Kraft und Schönheit sich von den Ungebildeten die Sprachgewaltigen und diese unter sich nach dem Masse ihrer Begabung unterschieden. Alexander (1. c. p. 11 sq.) widerlegt diejenigen, welche meinten, dass die Sprachkunst sich in nichts von der gewöhnlichen Rede unterscheide, u. a. dadurch, dass er auf die besonderen Seelenbewegungen hinweist, welche sie ausdrücke: xdxzīvo héyou tış äv, ötı xai ń yvxv xal ανάγκην μεν διηνεκώς εσχημάτισται, έστι δ' όμως και ψυχής κατά φύσιν τινά κινήματα και παρά φύσιν επί τε της καθεστώσης και φρονούσης και επί της εν πάθεσιν ούσης, αφ' ής οι παθητικοί aóyot, so dass ein Unterschied der Individuen sich ergäbe: ei un ην διανόημα το μέν κατά φύσιν, το δε έσχηματισμένον, ούτ' αν των ιδιωτών οι ρήτορες διέφερον ούτ' αλλήλων, ταύτα οι μεν απλούστερον και άνευ κόσμου τινός μετά λόγου λέγοντες, οι δε εναργέGregov xaì uerò exoquiaş cet. So führt Aquila Romanus aus (de figg. sent. et eloc. in den Rhet. Lat. min. ed. Halm p. 22): quo maxime orator ab oratore differat, unum hoc aut certe esse praecipuum, figuras sententiarum atque elocutionum. — Schien nun die Verwendung der Figuren vor allem eine Sache der Redner zu sein, so bemerkte man einen besonders häufigen Gebrauch der Tropen bei den Dichtern, wie Tryphon (tepi roónov Rhet. Gr. III, p. 191) nach Aufzählung der Tropen, unter die er freilich auch Figuren grammatischer und rhetorischer Art mischt, hinzufügt: τούτους δε ποιητικούς καλούσιν, επεί κατά γε το πλείστον η τούTOV zemais naod noinraïç. (Vide auch Anon. epi rointizov Tónov 1. c. p. 207; Georg. Choerob. I. c. p. 244.) Natürlich wird leicht von einem jeden, wenn etwa ein Willensakt, ein Affekt sich kraftvoll ankündigen soll, oder die Phantasie sich lebendiger regt, eine der Sprachkunst angehörende Figur oder Trope gebildet, aber es wird dann solche Gestaltung eines Seelenmoments eben als ein Neues empfunden und hebt sich von den gewöhnlichen Formen des Sprachgebrauchs ab durch den Reiz individuellen Schaffens, welcher ihr dauernd zu eigen ist. Auf dieser Neuheit beruht dann auch der Unterschied dieser Figuren und Tropen der Sprachkunst von den Figuren und Tropen der Sprache selbst (den sogenannten grammatischen Figuren), welche ursprünglich ebenso mit rhetorischem oder poetischem Charakter hervortraten, allmählich aber dem usus verfielen. Indem wir dazu kommen, diesen Punkt genauer zu erörtern, erinnern wir zuvor, dass nur diejenigen Schöpfungen der Sprachkunst hier in Betracht kommen, welche im Dienste der Rede verwandt werden. Eine Abgrenzung ist unnötig in Bezug auf jene, welche wir später als selbständige Werke zu besprechen haben. Es wurden allerdings von den Rhetoren dergleichen Bildungen, wie z. B. Wortspiel, Parabel, Allegorie häufig unter den Figuren der Rede mit aufgeführt, aber wenn diese auch in den Zusammenhang der Rede verflochten vorkommen können, so werden sie dann eben als Beiwerk, als Einschaltungen, Unterbrechungen empfunden. —

Es kann scheinen, als läge der Unterschied zwischen den Figuren und Tropen der Sprache und denen der Sprachkunst nur in der Art, wie man sie betrachtet; bei jenen fasse man die Sprache als in ihrer Bildung begriffen, bei diesen als eine fertige, und ein wesentlicher Unterschied bestehe also nicht, da Sprache nur unter dem Scheine der Gegenwart sich als eine fertige darstelle. Auch sind in der That die Mittel, durch welche die Werke der Sprachkunst hervorgebracht werden, keine anderen, als die, welche für die Figuren der Sprache zur Verwendung kommen: Wendungen der Bedeutung, Zusätze, Wegnahmen, Vertauschungen, welche entweder den Laut berühren oder den Sinn. Dennoch besteht ein wesentlicher Unterschied. Er beruht darauf, dass die Figuren der Sprache sich als individuelle Bildungen von dem Gemeingut der Sprache des Bedürfnisses, der Mitteilung absondern, während die der Sprachkunst sich abheben von der litterarischen Sprache, der Sprache der Gebildeten; dass jene hervorgehen aus blossem Sprachgefühl, gestaltet werden nach unbewusstem Kunsttrieb, sich daher auch leicht wieder verlieren in die Sprache aller, welche desselben Ursprungs ist, während diese in bewusster Eigenbehandlung einer als giltig anerkannten Sprache innerhalb eines bestimmten Redeganzen geschaffen werden und sich damit als derartige Abweichungen von dem gewöhnlichen Ausdruck darstellen, welche man als solche immer empfindet, und die sich deshalb dem allgemeinen Gebrauche entziehen.

Sobald sich eine litterarische Sprache bildet, zuerst in gebundener Rede, dann für die Darstellungen der Prosa, kommt bei der Wahl des Ausdrucks dessen Angemessenheit zu dem Charakter der Komposition in Betracht, ob diese ein Werk der Kunst ist oder etwa den praktischen Zwecken eines Redners dient, oder ob sie einfach Belehrung beabsichtigt. Je mehr dies letztere der Fall ist, je mehr also vor allem ein allgemeines und sicheres Ver

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