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Wie stark das Verlangen danach war, beweist der Umstand, daß der von Georg Hirth im Februar 1867 herausgegebene Parlamentsalmanach, der außer den Verfassungs- und Wahlbestimmungen die Namen der Kandidaten zum Norddeutschen Reichstage nebst biographischen Nachrichten brachte, in kurzen Folgen bis zum Oktober 1867 sechs Auflagen nötig machte. Die lette (16.) Auflage erschien im Jahre 1887. Das Buch wurde allmählich verbessert und erweitert, nicht allein in biographischer Hinsicht, sondern auch durch Einführung statistischer Nachweise über Fläche, Bevölkerung und Finanzen des Bundesgebiets. Es ist den Mitgliedern des Reichstages und des Zollparlaments gewidmet, weshalb es sich erübrigt, hier, wo es sich nur um das Preußische Abgeordnetenhaus handelt, näher darauf einzugehen. Hervorgehoben sei nur die vierte Ausgabe vom April 1867, die ausdrücklich den Mitgliedern des Preußischen Landtages gewidmet“ ist und den Beratungen des Landtages über die Verfassung des Norddeutschen Bundes dienen sollte. Dementsprechend waren außer der Bevölkerungs- und Finanzstatistik auch die preußische Verfassung und die Namensverzeichnisse der Mitglieder beider Häuser aufgenommen; biographische Nachrichten über die letteren enthielt es nicht.

Schon im Jahre 1868 (bei Beginn der 10. Legislatur periode) gab Hirth einen besonderen Preußischen Landtagsalmanach" heraus, der das, was seine Arbeiten für den Norddeutschen Reichstag enthielten, nun auch für die Preußische Landesvertretung brachte, namentlich ausführliche Lebensbeschreibungen der Mitglieder beider Häuser. Die zweite Auflage (11. Legislaturperiode) wurde 1870 von dem Verleger Kortkampf besorgt; einen Nachtrag dazu von 1873 bearbeitete der Landtagsabgeordnete Dr H. Schläger. Im Jahre 1874 (12. Legislaturperiode) folgte das „Parlamentarische Handbuch für den Deutschen Reichstag und den Preußischen Landtag“ in zwei Teilen. Der erste Teil führte die Überschrift „Geseßgebung und Staatsverwaltung“ und war von Kortkampf bearbeitet worden; der zweite Teil zerfiel in zwei Ausgaben: A für den Reichstag, B für die beiden Häuser des Landtages. Die Ausgabe B ist von dem Landtagsabgeordneten Rudolf Kropp gezeichnet. Diese hier in Betracht kommende Ausgabe enthielt bereits verschiedene statistische Darstellungen der Fraktionsverhältnisse des Abgeordnetenhauses, sowie eine

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Berufs, Standes- und Konfessionsstatistik der Abgeordneten. Im März 1877 gab Kortkampf die für die 13. Legislaturperiode bestimmte Auflage wieder allein heraus unter dem Titel Parlamentarisches Handbuch für den Preußischen Landtag".

Im Oktober 1879, d. b. mit Beginn der 14. Legislaturperiode, übernahm mein verewigter Amtsvorgänger, der Geheime Regierungsrat Kleinschmidt, die Herausgabe des Handbuches, das fortan den Titel „Handbuch für das Preußische Haus der Abgeordneten" trug. Die zweite Ausgabe erschien im Oftober 1880. Von da ab beschränkte sich Kleinschmidt, wie früher Kortkampf, auf die Herausbringung je einer Vollauflage zu Beginn der Legislaturperioden. Für die zweite und die folgenden Sessionen einer Periode erschienen Nachträge, die namentlich die biographischen Nachrichten über die durch Ersaywahlen in das Haus gelangten Mitglieder enthielten. Jeder Nachtrag nahm die vorherigen in sich auf, sodaß der lezte Nachtrag einer Legislaturperiode alle Veränderungen während derselben umfaßte. Die Vollausgabe von 1899 und die Nachträge von 1900 und 1901 erschienen während der Amtszeit meines unmittelbaren Amtsvorgängers, des Geheimrats Gall. Nachdem ich schon die Nachträge von 1902 und 1903 bearbeitet habe, trete ich mit der Ausgabe für die 20. Legislaturperiode nunmehr in die Reihe der Herausgeber des Handbuches ein. Die Urwahlen zu dieser Periode haben am 12., die Abgeordnetenwahlen am 20. November 1903 stattgefunden; der Tag des ersten Zusammentritts ist durch Allerhöchste Verordnung vom 30. Dezember 1903 auf den 16. Januar 1904 festgesett worden.

In welcher Beziehung sich die vorliegende Ausgabe von der vorherigen unterscheidet, ergibt ein Blick auf die beiderseitigen Inhaltsverzeichnisse. Die Geschäftsordnung ist nur der Vollständigkeit wegen in einem schlichten, in kleinen Typen gesezten Tertabdruck wiedergegeben worden, mit Rücksicht auf meinen vor einigen Wochen erschienenen Kommentar zur Geschäftsordnung des Hohen Hauses. In dem Tertabdruck der Preußischen Verfassung finden sich verschiedene Hinweise auf jenen Kommentar; außerdem sind hier und in der Reichsverfassung die abgeänderten und aufgehobenen Bestimmungen in der alten Fassung in Anmerkungsform wiedergegeben worden. In der Wahlverordnung und im Wahlreglement haben die Grundsäße der Wahlprüfungs

kommission Aufnahme gefunden. Die zahlreichen praktischen Vorgänge aus den Wahlprüfungsverhandlungen hier zu berücksichtigen, würde in räumlicher Beziehung zu weit geführt haben; ein ausführliches systematisch geordnetes Verzeichnis solcher Vorgänge liegt im Wahlprüfungsbureau aus. Bei dem Wahlreglement sind diesmal auch die Muster der Wählerlisten und die Protokollformulare mit abgedruckt worden.

Neu sind 19 Tabellen auf dem Gebiete der Bevölkerungs-, Finanz, Partei- und Abgeordnetenstatistik. Der Gedanke einer Sammlung der lezten Parteiprogramme und Wahlaufrufe hat den Beifall von maßgebenden und hervorragenden Mitgliedern des Hauses bereits gefunden.

Bei der Verarbeitung der von den Herren Abgeordneten mit dankenswerter Bereitwilligkeit ausgefüllten Fragebogen zu den Lebensbeschreibungen ist hier und da etwas gekürzt worden. Ich bitte, dies freundlichst mit dem Bestreben entschuldigen oder erklären zu wollen, den durch die neuen Einrichtungen verursachten Mehraufwand an Raum nach Möglichkeit wieder einzusparen. Hoffentlich hat die Brauchbarkeit dieser für das parlamentarische Leben so wichtigen Mitteilungen hierunter nicht gelitten.

Die Wiedergabe der Bildnisse der Herren Abgeordneten hat durchweg lebhaften Anklang gefunden; sie wird ohne Zweifel zur leichteren Handhabung der Geschäfte und zur Förderung der Bekanntschaft unter den Herren Mitgliedern des Hauses, besonders den durch die Parteistellung voneinander geschiedenen, beitragen. Die 400 Herren, die ihre Originalphotographien diesem Zwecke geopfert haben, verdienen den Dank aller Benuber des Handbuchs. Die Ausführung der Bildnisse wird hoffentlich die noch rückständigen Herren zur Nachahmung reizen. Als Vorläufer in dieser Einrichtung sind anzuführen: „Parlaments - Tagebuch. Bericht über die Verhandlungen des ersten Reichstages mit 23 Porträts in Holzschnitt", Josef Kürschner (Hermann Hillger), „Deutscher Reichstag, biographischstatistisches Handbuch" 1893, 1898 und 1903, sowie Kürschner, „Das Preußische Abgeordnetenhaus“ 1894.

In der Beschreibung des erst vor 5 Jahren bezogenen neuen Hauses, das neuerdings durch die Anbringung der Wandgemälde im Sizungssaal und durch Fertigstellung des Präsidentenhauses seinen Abschluß gefunden hat, werden nicht

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nur die älteren, sondern auch die 107 neuen Mitglieder eine angenehme Beigabe erblicken.

Ein Verzeichnis der Säle, Zimmer und Bureaus, sowie ein über die ganze Legislaturperiode sich erstreckendes Kalendarium bilden den Schluß unter den Neuerungen des Handbuchs.

Aus naheliegenden praktischen Gründen schien es mir dringend geboten, das Buch sogleich beim Beginn der Session herauszugeben und nicht bis zur Wahl der Präsidenten, Schriftführer, Kommissionsvorsißenden usw zu warten. Als Beitrag zur Chronik des Hauses und als einen Anhalt für die Auswahl der Schriftführer, Kommissions- und Abteilungsvorsizenden für die neue Session habe ich die Inhaber dieser Amter in der vorigen Legislaturperiode aufgeführt.

Im Laufe der Legislaturperiode sollen, wie früher, Nachträge zu diesem Handbuch herausgegeben werden, ob für jede Session oder in längeren Zwischenräumen, steht noch dahin. Die Herren Mitglieder des Hauses werden höflichst gebeten, zur Bearbeitung der Nachträge etwaige Berichtigungen und Ergänzungen, besonders zu den Lebensbeschreibungen, gefälligst an mich gelangen zu lassen.

Zum Schluß drängt es mich, Herrn Rechnungsrat Döhl für die umsichtige und eifrige Mitarbeit an diesem Werke freundlichst Dank zu sagen.

Berlin, Neujahr 1904.

Plate.

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