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Die weiteren Räume D, E und F waren heizbar hergestellt, und zwar ebenso wie in dem grossen Gebäude in Lahn (S. 16) mittelst überwölbter Canäle, die auch ganz ähnlich construirt waren. Auch hier ruhten die aus Ziegeln hergestellten Kreuzgewölbe auf vorspringenden Ziegelpfeilern, die längs der Wände errichtet waren. Nur im Raume D hatten die Canäle 60 Cm. Höhe und Breite, während jene im Raume E kleiner, nur 40 Cm. hoch und breit und vom Boden auf beinahe kreisrund gewölbt sind. (Vgl. den Durchschnitt a-b zu Fig. 11) Ihre Sohle war auch hier mit Kohle und Asche bedeckt; der Grad der erzielten Hitze lässt zich aus dem Umstande ermessen, dass längs der Linie e-f der aus festgestampftem Lehm bestehende Boden, soweit er über den nicht ausgegrabenen, aber sicher vorhandenen Canälen lag, ziegelroth gebrannt war. Ueberdies waren in den Räumen D und E auch die östlichen Wände heizbar gerichtet, und zwar nach dem gewöhnlichen römischen System, indem der Steinmauer nach Innen eine Wand vorgelegt wurde, die aus neben- und übereinander gestellten, miteinander communicirenden viereckigen Heizröhren (tubuli) bestand und eine Mörtelverbindung mit der Steinmauer hatte; es wird sich unten ein Anlass finden, auf die Construction dieser Hohlwände zurückzukommen. An zwei anderen Stellen gerieth man ebenfalls auf Reste von Heizcanälen, nächst dem vermutheten Eingang bei a an der Nordseite, wo sich vier pfeilerförmige Widerlager der Gewölbe fanden, und an der Westwand des Raumes F bei c, wo noch ein Kreuzgewölbe selbst erhalten war (Durchschnitt c-d zu Fig. 11). Uebrigens lief der Heizcanal längs der ganzen Westwand hin; dies muss schon aus dem oben erwähnten Umstande gefolgert werden, dass man längs der Linie e–f den Lehmboden ziegelroth gebrannt vorfand. Ob die eben besprochenen Räume Wohnzimmer waren oder Theile eines Bades vorstellen, lässt sich bei dem fragmentarischen Bestande der Ausgrabungen nicht bestimmen. Die Abschrägung der Mauer g zwischen Raum A und D und der Ansatz einer Absis im Raume C können allerdings in diesem Sinne gedeutet werden. Das zweite Gebäude (Fig. 12, 13), bis auf 4 M. an das Haus Nr. 18 der Ortschaft Au heran verfolgt, wies nur wenige, aber grössere Räume auf, wenigstens fehlen Ansätze von Mauern, die ihre Untertheilung erkennen liessen. Es verräth einen unregelmässigen Grundriss, indem an den nach Nord gerichteten Raum G ein zweiter Raum H in einem stumpfen Winkel anschliesst und auch das einzig erhaltene Bruchstück der 1 M. starken Umfassungsmauer nicht geradlinig, sondern in einem Winkel (7) verläuft. Die Innenmauern dieses Gebäudes waren nur 50 Cm. stark; je zwei in einem Abstande von 4 M. parallel zu einander laufende Mauerstücke (i, k) hatten nur 30 und 35 Cm. Stärke. Die wichtigste Erscheinung bot sich im Raume G, der eine lichte Breite von 58 M. und, soweit die von S. nach N. streichende Längsmauer erhalten ist, eine Länge von mindestens 67 M. im Lichten hat. Die Wände waren hier nicht heizbar, wohl aber der Fussboden, und zwar dieser nicht durch Heizcanäle, sondern durch ein regelrecht angelegtes Hypocaustum, von welchem vier Pfeilerreihen blossgelegt wurden. Diese, aus Ziegeln erbaut, hatten nach Durchschnitt g–h (Fig. 13) noch 20 Cm. Höhe und nicht eine quadratische, sondern eine rechteckige Grundform von 65 zu 40 Cm. Dass nicht blos dieser Raum, sondern noch andere, nicht aufgedeckte, mit Hypocausten versehen waren, zeigen die Reste eines Canales bei J. Man ergrub dort eine 58 Cm. breite Mauer, die nur 25 Cm. hoch war. Sie setzte sich gegen Westen 4 M. lang fort, ohne dass ihre Abgrenzung gefunden worden wäre. Am östlichen Ende schliesst an sie ein mit Ziegeln

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ausgelegter Canal von 50 Cm. Breite, der Boden mit Asche belegt; er lag 32 Cm. tiefer als die Oberfläche der genannten Mauer und, wie Durchschnitt g–h (Fig. 13) zeigt, in dem gleichen Horizonte wie das Hypocaustum im Raume G, auch verlief er völlig horizontal. Dies sind deutliche Anzeichen, dass er nicht bestimmt war, verbrauchtes Wasser abzuleiten, sondern heisse Luft von dem Praefurnium unter die hohlen Böden der Wohnräume zu führen. Er stellt gewiss nur einen Ast des weitverzweigten Zufuhrcanales der warmen Luft dar, wie er sich aus dem unregelmässigen Grundriss des Baues ergab.

Sicher lag die Mauer J noch innerhalb des Gebäudes, da man in ihrer Richtung weder an dem einen noch an dem andern Ende auf die Umfassungsmauer kam. Der Bauerstreckte sich also von O. gegen W. über beträchtlich mehr als 24 M., war also grösser als jener in Lahn.

Da eine Ausräumung der einzelnen Gemächer unterbleiben musste, kann die geringe Zahl von Fundobjecten, die eben nur in den Suchgräben gefunden wurden, nicht überraschen. Aber auch die geringe Ausbeute ist nicht unwichtig. Es fanden sich Schollen von soliden Estrichböden aus Mörtel mit Ziegelstücken gemischt, Wandbewurfstücke, die mit Streifen in verschiedenen Farben (eisenroth, ockergelb und weiss) bemalt waren, Bruchstücke von Fensterscheiben aus 35 Mm. dickem, grünem, blasigen Glase, die also durch Guss hergestellt waren, endlich Bruchstücke von Sigillatagefässen, eines mit der Fabriksmarke ADI . . ., zwei andere mit Resten von Reliefs (Füsse menschlicher Figuren und Epheuranken). Die Ziegel trugen keinen Stempel, aber die bekannten geraden und gekrümmten Furchen.

Münzen erwähnen weder Bergrath Stapf noch Freih. v. Sacken, wohl aber verwahrt das Museum in Hallstatt vier augenscheinlich von diesen Ausgrabungen stammende Stücke (Beilage I, Nr. 38–41): einen As von Hadrian, mit einer Kruste überzogen, einen Dupondius von L. Verus, ziemlich gut erhalten, und zwei Denare von Septimius Severus (ziemlich gut) und Severus Alexander (gut erhalten). Da sich Skelete nicht vorfanden wie in dem Gebäude von Lahn, können diese Münzen nicht als Grabbeigaben betrachtet werden, sondern sind zufällig verstreut worden und bezeugen den Bestand des Gebäudes in der Zeit von hundert Jahren (mindestens 138–222), womit natürlich nicht gesagt ist, dass es nicht früher entstanden und nicht länger benützt worden sein könne.

Lehrreich sind die verschiedenen Heizvorrichtungen, insoferne sie ein chronologisches Merkmal darbieten, das die eben aus den Fundmünzen gewonnene Zeitbestimmung bestätigt.

Der k. u. k. Oberst Herr Maximilian Groller von Mildensee, welcher die Ausgrabungen der Limes-Commission der k. Akademie der Wissenschaften in Carnuntum leitet, hat durch Untersuchungen festgestellt, dass zu verschiedenen Zeiten verschiedene Heizmethoden bestanden, die Erwärmung durch offene Feuerstellen im ersten, die Erwärmung der Fussböden allein im zweiten, endlich jene der Fussböden und der Wände durch Hypocausten und Tubuli im dritten Jahrhundert."

Im Ganzen und Grossen wird man dies Ergebniss auch auf unsere Gebäude in Lahn und in Au übertragen dürfen, nur dass hier verschiedene Arten der Fussbodenheizung angewendet wurden, jene durch Heizcanäle, die auch im Gebäude in Lahn beobachtet wurde, und jene durch ein Hypocaustum. Erstere darf wohl insoferne als eine locale Abart der Hypocausis betrachtet werden, als es an jener Thongattung gebrochen haben mag, welche zur Herstellung grosser Suspensuraplatten, wie sie in regelrechten Hypocausten von Pfeiler zu Pfeiler gelegt wurden, dienlich war. In der That sind zu den besprochenen Bauten die gebrannten Ziegel sparsamer verwendet und gehen in ihren Massen nicht über die Grösse von gewöhnlichen Bauziegeln hinaus, während die Mauern selbst, auch die schwächeren, durchaus aus Steinen aufgeführt sind. Die geeignete Thonmasse scheint also in dieser Gegend nicht angetroffen worden und schon der gewöhnliche gebrannte Ziegel kostspieliger als das Steinmateriale gewesen zu sein. Diesem Mangel abzuhelfen, wurden nur längs der Wände Heizcanäle erbaut, diese aber überwölbt und an Stellen, die, unsern Kaminen ähnlich, von aussen zugänglich waren, unmittelbar geheizt. Da das Wohnhaus in Lahn, das in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts für beständig verlassen wurde, diese Art der Heizung bereits zeigt, muss selbe schon der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts angehört haben, wenn sie nicht etwa sogar noch den letzten Decennien des ersten zugeschrieben werden darf; denn die Erwärmung am offenen Feuer lässt sich wohl in den einfachen Wohnungen von Bergarbeitern ebensogut wie in den Kasernen eines Standlagers, aber nicht in einem besser eingerichteten Wohnhause denken, in welchem in anderer Weise für Erwärmung gesorgt werden musste. Wir dürfen daher das oben zuerst beschriebene Gebäude in Au nach Analogie jenes in Lahn einer älteren Zeit, d. i. der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts zuschreiben. Dagegen stellt das zweite Gebäude in Au, jenes mit dem Hypocaustum, einen Fortschritt dar, der mit der Möglichkeit zusammenhängt, Suspensuraplatten aus Thon herbeizuschaffen, mag dies durch Auffinden eines geeigneten Thonlagers in der Nähe oder durch Verführung aus weiterer Entfernung möglich geworden sein. Das zweite Gebäude ist demnach jüngeren Ursprungs, wenn es auch immer noch im Laufe des zweiten Jahrhunderts entstanden sein wird. Da die dritte Art, die Erwärmung auch der Wände, in den Räumen D und E des älteren Gebäudes angetroffen wurde, kann sie nur bei einer späteren Adaptirung durchgeführt worden sein. Darauf deutet auch die Construction hin. Wäre diese Art der Erwärmung ursprünglich geplant gewesen, so würden die Steinmauern, die erwärmt werden sollten, gleich bei der Erbauung entweder mit einem hohlen Zwischenraume für das Einstellen der Heizröhren versehen oder, wenn man sie schon massiv aufführte, um so viel schwächer gemacht worden sein, als die Heizröhren Raum beanspruchten. Dies ist nun nicht der Fall. Die Steinmauern der genannten Räume haben dieselbe Dicke wie alle übrigen Mauern des Gebäudes, die Heizwände aus Tubuli sind ihnen einfach vorgelegt und wurden im Raume D (Fig. 11, Schnitt a–b) bis zu ihrem unteren Ende die Pfeiler der alten Heizcanäle erhöht, ihr Gewölbe weggenommen, so dass die heisse Luft unmittelbar aus den Canälen in die Tubuli gelangen konnte. Dagegen blieben im Raume E die Gewölbe erhalten und wurde hier nur eine Reihe von Tubuli eingestellt. Diese Adaptirung werden wir dem dritten Jahrhundert zuschreiben müssen. In welcher Zeit, ob bei der ursprünglichen Herstellung der Gebäude oder später, die Fenster mit Glasscheiben versehen wurden, lässt sich heute noch kaum feststellen. Sie sind gewiss Zeugen eines seltenen Aufwandes, den nur vermögliche Leute machen konnten, zumal als die Scheiben sicher aus der Entfernung herbeigeschafft werden mussten. Man

* Anzeiger der phil.-hist. Classe der k. Akademie der Wissensch. 1900, Nr. XXV. Ausführlicher wird Herr v. Groller im 3. Hefte der Mittheilungen der Limes-Commission darüber handeln.

Denkschriften der phil.-hist. Classe. XLVIII. Bd. IV. Abh. )

möchte zunächst an die Glasindustrie von Aquileja denken, allein es ist nicht ausgeschlossen, dass auch näher gelegene Orte im Laufe der Zeiten, wie es die fortschreitende Cultur verlangte, sich mit der Herstellung der gewöhnlichen Bedarfsartikel in Glas zu beschäftigen begonnen haben, zu welch' letzteren für die nördlichen Länder der Fensterverschluss mit Glas gehörte, der hier weit mehr als im Süden nothwendig war, gewiss also auch um des zu erwartenden Gewinnes willen von Unternehmern in der Provinz herzustellen versucht wurde. Dicke, Farbe und Unreinheit deuten in der That nicht auf eine vorgeschrittene, eher auf eine primitive Erzeugung hin und kann damit wohl auch verbunden werden, dass sich in den sonst so dürftig ausgestatteten Gräbern in Lahn Glasbecher und Glasgefässscherben finden liessen, die wohl auch aus einer Provinzfabrik stammen. In der Ortschaft Au bestanden also ansehnliche römische Wohngebäude aus dem zweiten Jahrhundert mit heizbaren Räumen, Fenstern und bemalten Wänden, die theils schon ursprünglich mit einem gewissen Comfort ausgestattet waren, theils in dieser Hinsicht im folgenden Jahrhundert noch verbessert worden sind. Der Charakter als Wohnplätze steht ausser Zweifel, nicht minder dass sie weit länger als die Römerbauten in Lahn bestanden.

13. Es ist schwer, eine Beziehung zwischen ihnen und jenem Grabe abzuweisen, welches in der Nähe von Au im Jahre 1876 beim Baue der Salzkammergutbahn am westlichen Abhange des Arikogels aufgedeckt wurde und einen überraschenden Reichthum an Gold- und Silberschmuck älterer und jüngerer römischer Zeit barg. Die beiden Schmuckgegenstände, ein Ring und eine Halskette, die zu Stande gebracht werden konnten, sind in Fig. 14 in einem trefflichen Originalholzschnitt abgebildet, mit welchem eine Veröffentlichung des Grabfundes durch Freih. v. Sacken aus dem Jahre 1877 ausgestattet ist.” Der Schmuck bestand aus: 1. einem hohlen cannelirten Fingerring aus Gold, im ovalen Knopfe ein Türkiscamee von 14 Cm. Längendurchmesser (Hund, aus einem Schneckenhause hervorkommend, Fig. 14 in halber Grösse abgebildet); 2. aus einem Halsschmuck (Fig. 14 in Naturgrösse), gebildet von drei Kettchen, aus feinem Golddraht geflochten, 35 Cm. lang, die eine Halsweite von etwa 14 Cm. Durchmesser ergeben; die scheibenförmigen Schlussglieder (Fig. 14 oben in Naturgrösse) sind mit schiefstehenden Kreuzen in Filigran geziert; innerhalb der Kreuze sind 8förmige, zwischen den Kreuzbalken Cförmige Figuren, in der Mitte der Kreuze grüne Steinchen (eines ausgefallen) angebracht, den Verschluss bilden Oese und Häkchen; 3. Fingerring aus Silber, der Stein aus dem Knopfe ausgefallen, die Seiten spitzig geformt. Während diese drei Objecte in die Antikensammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses gelangten“ wurden andere Schmuckstücke verschleppt oder verloren, und zwar: 4. ein goldener Fingerring mit Niccolo-Intaglio (stehender Genius, wohl der Bonus Eventus), mit der Beischrift III6E; 5. ein massiver goldener Fingerring von 345 Gr. im Gewicht, mit spitz zulaufenden Seiten; ein im Knopfe eingelassenes Plättchen, das die Buchstaben TGL enthalten haben soll, sprang beim Ausheben ab und konnte nicht wieder gefunden werden; 6. zwei viereckige Goldplättchen, mit Filigran und Steinchen verziert, wahrscheinlich Ohrgehänge, die zum Halsschmuck (Nr. 2) gehörten; 7. ein Armband (?) von nur 3 Cm. (?)

* Mittheilungen der k.k-Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale

N. F. III (1877), P. XXXII. (Die Wiederbenützung der Abbildung an dieser Stelle hat die k. k. Central-Commission freundlichst gestattet.)

? Saal XIV, Vitrine II, Fach 3, Nr. 222, 223, 224.

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