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Flanaticus', jetzt Fianona, sl. Plomin und Albona, Alvona des Plinius, 'A7.cuārx des Ptolemaeus, Albona des Ravennaten, se zácipov A/Bouvou des Kaisers Konstantin (ed. Bonn. 3, 146, führt zu einer Form * Albúna), jetzt it. Albona, sl. Labin (vgl. Jagić, AslPh. 22, 32). Der Name des Dorfes Ika mit dem Weiler Ičići zwischen Abbazia und Lovrana stammt aus dem illyrischen Alterthum; Tomaschek (Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen 9, 98–99) macht auf eine Quellennymphe Ica in einer Inschrift aus Fianona (CIL. III. Nr. 3031) und auf den Personennamen Icus in Zara (ib. Nr. 2951) aufmerksam.

6. Die Personennamen des Mittelalters.

Althellenische Elemente zweifelhaft. Namen der Römerzeit. Dominierend die spätrömische, christliche Nomenclatur des V. bis VIII. Jahrhunderts. Byzantinische, langobardische und sla che Namen. Modename des Mit Iters, Regentennamen, Namen aus mittelalterlichen Romanen. Antike Namen während der Renaissance der classischen Studien. Verfall der Namensgebung seit 1500. Kurzformen. Hybride romanisch-slavische Formationen. Entstehung der Familiennamen. Dreitheilige Namen der

Nobiles seit 1250. Connubium zwischen den Städten. Ursprung und Bedeutung der Familien- und Spitznamen.

Die Personennamen der Altbürger der dalmatinischen Städte sind im letzten Theile der vorliegenden Studien in eigenen Verzeichnissen mit allen Belegen zusammengestellt. Auffallend ist auf den ersten Blick der eigenthümliche Conservativismus, mit welchem sich in Dalmatien die spätrömischen oder frühmittelalterlichen Namen viele Jahrhunderte lang zähe behaupteten.

Was die historischen Bestandtheile dieser Namensgebung anbelangt, ist bei den mittelalterlichen städtischen Dalmatinern keine deutliche Spur der Personennamen der alten Illyrer vorzufinden, welche auf den Inschriften der Römerzeit, besonders im Binnenlande, so häufig vorkommen. Verschwunden waren im Mittelalter Namen wie Dassius, Plassarus, Pleuratus, Liccaius, Formen auf -es, -entis, wie Andes, Panes, Plares, auf -as, -antis, wie Beusas, Dazas, auf -0, -onis, wie Apo, Bato, Panto, Tato, Tito, Tritano, Vendo, Verzo, oder auf -or, -oris, wie Daetor, Plator, Messor u. A. Auf einige Uebereinstimmungen in den Endungen der illyrischen, albanesischen und altdalmatinischen Frauennamen werden wir noch aufmerksam machen (S. 70).

Anders ist es mit den Hellenen der vorrömischen Zeit. Auf einer Inschrift von Kerkyra Melaina erscheinen ein Oscầupos und ein 'Ayé.0795 Osočúcou (Brunšmid S. 8), auf einer Inschrift von Issa ein 'Avopéra Vizovos (ib. 23), auf einer von Salonae ein Azp.tpos (ib. 32); aus den Erzählungen des Polybios ist wohl bekannt Demetrios von Pharos. Auf den Inschriften von Issa, Tragurion und Kerkyra Melaina begegnet uns vielfach der Name Zwizoç. Doch ist eine ununterbrochene Continuität dieser vier Namen bis in das späte Mittelalter kaum anzunehmen. Ihre spätere Beliebtheit ist eher dem Cultus des Apostels Andreas, des heil. Demetrios von Thessalonich, des heil. Zoilos von Nikaia und der byzantinischen Soldatenheiligen, der beiden Theodore zuzuschreiben (s. S. 51 f.). Auffällig ist Sünnas auf den Inschriften von Issa und. Kerkyra Melaina, neben Zalla, Zella, Zellus u. s. w. in Zara und Arbe in Urkunden des Mittelalters.

Dagegen ist ein Theil der römischen Namen, die man auf den Inschriften des I.-IV. Jahrhunderts in diesem Küstengebiete liest, im Mittelalter im Gebrauch geblieben. Die vollständigen dreifachen Namen sind in der spätrömischen Zeit immer seltener geworden und verschwinden im VI. Jahrhundert. Das, was davon fortlebte, waren meist Cognomina. Die Auswahl war gleichfalls begrenzt durch das Zusammentreffen vieler mit gleichlautenden Heiligennamen, z. B. des heil. Marcus, Sabinus, Sergius, Felix oder Clemens. Wenn aber z. B. die Namen Clemens (Fulvius Clemens), Donatus, Marcius, Sabinus einerseits auf den Inschriften von Epidaurum und andererseits wieder bei den mittelalterlichen Bürgern des nahen Ragusa vorkommen, ebenso Marcellus und Sergius auf den römischen Inschriften an den Ufern der einstigen Bucht von Rhizon und dann wieder bei den Bürgern von Cattaro, kann dies jedenfalls als ein Beweis des ethnographischen Zusammenhanges zwischen den Bürgern der Römerstädte der Kaiserzeit und denen der romanischen Stadtgemeinden des Mittelalters gelten. Von den Namen des CIL, kommen im mittelalterlichen Dalmatien besonders die folgenden vor: Agape (Salonae III Nr. 2104), Albinus, Augustus, Barbius, Bassus, Bellicius, Calendinus (Calenda im Mittelalter), Candidus, Carinus, Carosus in Salonae), Clemens, Constantinus, Decius, Donatus, Felix (z. B. in Risinium), Firminus, Fortunatus, Frontinus, Fuscus, Gaudentius, Gaudinus, Geminianus, Germanus, Junius, Justus, Lampridius (im mittelalterlichen Dalmatien sehr beliebt), Licinius, Lucanus, Lucianus, Lucius, Lupus, Magius, Marcella (Marcellus, -ina im CIL. vom Golf von Cattaro, dann wieder Marcella im Mittelalter in Cattaro), Marcus, Marinus, Martius (Marcius in Epidaurum CIL. III.

Nr. 1755, Martius, Marzo im Mittelalter in Cattaro und Ragusa), Maurus, Maximus, Natalinius, icius, Peregrinus, Primus, Proclus oder Proculus, Rufinus, Sabatius (E23:09 des Mithrascultus), Sabinus, Sergius, Silvester, Tanusius, Ursacius, Ursus, Valentinus (in Risinium), Vera, Veteranus, Victor, Victorinus, Vitalis u. A.

Vorherrschend blieb der spätrömische, christliche Typus der Personennamen des V.-VIII. Jahrhunderts. Schon oben (S. 23) wurde darauf hingewiesen, wie in Dalmatien viele der Namen der Zeit 500—700 auch 900—1300 im Gebrauche waren. Das zähe Fortleben dieser Nomenclatur erinnert an manche analoge Erscheinungen in den romanischen Alpenländern, besonders im alten Raetien. Einerseits zeigen diese Namen der dalmatinischen Romanen manche Uebereinstimmung mit denen von Istrien und Venetien; andererseits ist eine grosse Anzahl gemeinsam mit Unteritalien. Es ist eine Namensgattung, die aus den Heiligennamen, den Verzeichnissen der Bischöfe dieser Jahrhunderte, aus Cassiodors Variae und den Werken anderer Schriftsteller dieser Periode und aus den älteren Urkunden Italiens und Raetiens bekannt ist. Besonders beliebt waren bei den Dalmatinern: Bonus, Lampridius, Praestantius, Palma, Sabinus und Ursacius; die letzten zwei sind in Ragusa heute noch bekannt als Sabo und Orsat. In Spalato heissen noch im XI.—XII. Jahrhundert einzelne Leute Tiberius oder Tiverius. Typisch für die ganze Gruppe sind ausser den genannten ungefähr noch folgende Beispiele: Abundus, Amatus, Ambrosius, Anastasius, Apollinaris, Barbatus, Bellus, Benedictus, Carosus, Clemens, Cresconius, Cyprianus, Deodatus, Desiderius, Dominicus, Donatus, Felix, Firminus, Fortunatus, Fuscus, Gaudentius, Gervasius, Honoratus, Isidorus, Jordanus, Julianus, Justus, Laurentius, Leo, Lupus, Madius (eigentlich Magius), Margaritus, Marinus, Martinus, Maurus, Maurinus, Maurencius, Maximus, Natalis, Pancratius, Pascalis, Paulus, Peregrinus, Primus, Proculus, Promotus, Quirinus, Romanus, Sabatius, Salvius, Sergius, Silvester, Sisinnius, Stephanus, Ursus, Ursulus, Ursulinus, Valentinus, Venantius, Veteranus, Victor, Victorinus, Vitalis, Vitus, Vivianus. Bei alledem ist es nur eine Auswahl aus dieser Nomenclatur, die in Dalmatien in den Urkunden seit 900 nachweisbar ist; viele bekannte Namen dieser Gattung, wie z. B. Primasius, Castus, Modestus, Reparatus oder Saturninus, sind in den dalmatinischen Denkmälern nicht zu finden.

Numerisch sehr stark vertreten sind die Namen christlichen Ursprungs, besonders die Apostelnamen, in der ursprünglichen Gestalt und in mannigfaltigen Kurzformen. In Ragusa 1200-1300 kommen von allen Vornamen überhaupt am meisten vor Petrus und Joannes; in etwas geringerer Anzahl vertreten sind Marinus, Michael und Pascalis; erst dann folgen in abnehmender Zahl Andreas, Sabinus, Palma, Vitalis, Lampridius, Sergius, Rossinus, Pancratius, Damianus, Jacobus u. A.

Nicht gering sind die byzantinischen Elemente. Sie haben Eingang gefunden als Kaisernamen, durch Dienste der Provinzialen in der Flotte, durch Verbreitung der orientalischen Heiligenculte, wohl auch durch Pathenschaften und Heiraten mit den Griechen, ebenso wie im byzantinischen Unteritalien. Besonders zu erwähnen sind (ausser den Formen auf Kalo-, wie Kaloprestancius, Kalojoannes, Kalogeorgius) folgende Namen: Alexius (im XII.—XIV. Jahrhundert in Drivasto, Ragusa und Zara), Apricius (S. 56), Armatus, Arsaphius, Artemius, Balsamus, Basilius (meist in Cattaro), Bizantius (in Cattaro beliebt, ebenso wie in Unteritalien, besonders in Bari), Constantinus, Demetrius, Eutychius (Eutyches, Euticianus schon in Salonae im CIL.), Nicephorus (schon im CIL., z. B. in Narona; im Mittelalter sehr verbreitet, selbst unter dem Clerus, in Ragusa bekannt bis ins XIV. Jahrhundert), Nicodemus, Plato (S. 55), Potus (II60o, nur in Cattaro), Theodorus, Theodosius, Theophilus (ein C. Aemilius Theopilus in Salonae schon CIL. III 2157, 2158, im Mittelalter bekannt als byzantinischer Kaisername des IX. Jahrhunderts).

Germanischen Ursprungs sind einerseits einzelne langobardische Namen, die fast ausnahmslos von Geistlichen und Mönchen geführt werden, andererseits deutsche Namen, die sich von Friaul und Istrien aus verbreiteten. Gebürtige Langobarden oder Italiener langobardischen Ursprungs waren ohne Zweifel der Bischof Aldefreda von Nona 892, der Abt Alferius bei Spalato im XIII. Jahrhundert, der Notar Anfredus in Zara c. 1030, die Aebte Gisilbertus oder Gisus in Spalato und Zara, Grimoaldus in Lacroma, Odolbertus in Zara 918, Trasus in derselben Stadt u. A. Zur anderen Gruppe gehören Namen, die zum Theil auch in Venedig vorkommen, und deren Verbreitung in Dalmatien von Veglia und Arbe südwärts abnimmt: Albertus, Anselmus (S. 51), Bernaldus, Bertanus, Bertaldus, Rainerius, Rainaldus u. A. Von Verbindungen mit Italien zeugen in Ragusa der langobardische Frauenname Theoderata im XIII. Jahr. hundert und der beneventanische Fürstenname Pandulfus, ebenso die von den Normannen Unteritaliens stammenden Namen Rogerius in Ragusa und Baiamonte (aus Boamundus) in Zara 1247.

Die slavischen Namen haben wir im letzten Theile unserer Arbeit in einem besonderen Verzeichniss zusammengestellt. Während z. B. in den Urkunden aus dem Lande von Chlm im Narentathale, der Landschaft Krajina bei Makarska und der Insel Brazza aus dem XIII. Jahrhundert meist volle, aus zwei Nomina zusammengesetzte Formen erscheinen (wie Slavo-mir, Slavo-gost, Desi-slav, Radi-drug), finden wir in den Städten grösstentheils nur Kurzformen, was aber nicht befremdend ist, da dieselbe Erscheinung auch bei den romanischen Namen überwiegt. Viele Namen pflegte man, besonders in Ragusa, zu Ende des Mittelalters aus einer Sprache in die andere zu übersetzen. Dobra, Dobrača, Dobrica wurde als Bona wiedergegeben, Bielava als Blanca, Mannsnamen auf Bielo- als Albulinus, Blanculinus, ebenso Cvietko als Florius, Namen auf Rad., wie Radoslav, Radivoj, Radič oder Ratko, als Alegrettus u. dgl. Bei ähnlich klingenden Namen ist in Folge des Zusammenfliessens beider Elemente oft schwer zu sagen, welchem der beiden Völker sie angehören, ob man z. B. eine sl. Biela oder eine it. Bella vor sich hat, oder bei Familiennamen, ob die Bellecii, Belliçe auf einen römischen Bellicius oder einen Slaven Bielac (bieli albus) zurückzuführen sind, oder die Drago, de Dragonibus von Cattaro auf sl. drag (carus) oder auf draco, -onis, den Drachen, den sie im Wappen führten.

Eine eigene Gruppe bilden Personennamen aus Volksnamen, wie Cumanus, Lombardinus, Saracenus, Pizinagus oder Pecenegus. Auf die Körpergestalt beziehen sich Crassus, Grando, Pezzus und Pezza, Pizulus und Pizula, Pizina, ursprünglich auch das eben erwähnte Pizinagus, bekannt in Cattaro, Ragusa, Spalato und Zara, verbreitet auch in Apulien als Pizzinacus, Piccinacus, vom it. piccinacco Zwerg, später vermengt mit dem Namen des türkischen Nomadenvolkes der Pečenêgen.

Was die Frauennamen anbelangt, ist eine Gruppe antiken, spätlateinischen oder altchristlichen Ursprungs: Agape, Anna, Bona, Catherina, Daria, Euphemia (Kurzform Femia oder Fumia), Firma, Helena, Lucia, Magdalena, Marcella, Margarita, Maria, Martha, Matrona, Philippa, Regina, Stasia (Anastasia), Thecla, Zenobia u. A. Eine zweite Gruppe ist jüngerer italienischer Art, z. B. Agnesa, Benvenuta, Blanca, Clara, Contessa oder Comitissa, Englesa, Marchesina, Rosa, Thomasina, Viola. Slavisch sind Bielava, Boļeslava, Desa, Dobra, Dragoslava u. A. Viele Kurzformen sind dunkel, besonders in Veglia, wie Bia, Mia (Euphemia?), Sia (Anastasia?), Binna, Bira, Kenna, Denna, Natta u. A.

Die stufenweisen Veränderungen in der Namensgebung lassen sich im Laufe des Mittelalters in einigen Fällen verfolgen. Einzelne Namen waren in der Zeit, wo die urkundlichen Zeugnisse beginnen, im Absterben begriffen und sind nur einmal belegt, wie z. B. Justinus, Frontinus, Mauricius. Nach den römischen und byzantinischen Kaisernamen verbreiteten sich Regentennamen des späteren Mittelalters. Ein Modename der Kreuzfahrerzeit ist Balduinus in Cattaro im XIII.-XIV. Jahrhundert, ebenso Saladinus in Traù und Zara. Mit der Herrschaft der Anjou's in Neapel steht im Zusammenhange die Verbreitung des Namens Carolus in Epirus und Albanien (bei den Fürstenfamilien der Topia und Tocco), sporadisch auch in Ragusa. Fridericus erscheint seit dem XIII. Jahrhundert in Zara und Ragusa, Ludovicus, Luisius, Aloisius seit der Regierung des Königs Ludwig I. von Ungarn in Zara, Traù, Ragusa und Cattaro, ebenso Sigismundus seit den Zeiten des Königs Sigismund von Luxemburg in Ragusa. Sonst sind in Dalmatien viele bekannte Namen des italienischen Adels nur durch spärliche Exemplare vertreten, wie Gasparus, Gerardus, Guido, Guilelminus oder Otto. Recent sind die Namen der Ordensgründer des XIII. Jahrhunderts, Antonius seit c. 1275, zuerst nur bei Geistlichen, Franciscus seit der Mitte desselben Jahrhunderts, dann immer häufiger, ebenso der Frauenname Clara.

Die Lecture der Romane und Gedichte des Mittelalters hat auch in den dalmatinischen Städten einzelne Spuren hinterlassen. Ein Geistlicher und Notar von Zara 1254 hiess Priamus, ebenso wie noch im XV. Jahrhundert zablreiche venetianische Patricier diesen bomerischen Königsnamen führten, und 1369 wird in Spalato ein Petrus Çanini de Cassandra genannt. Beide Namen stammen aus der Trojanischen Geschichte. Trojanus taucht bei den Patriciern von Ragusa erst im XV. Jahrhundert auf. Zur Aeneis des Vergil führt der Name des Ascanius, Notars und Bürgers von Budua c. 1350. Unvergessen blieb stets Alexander der Grosse; den Namen seines Schlachtrosses führt 1283 ein Zaratiner Bucifala, ebenso 1422 ein Žan, Sohn des Matej Bucifal in Novi an der croatischen Küste. Von der Bekanntschaft mit den in Dalmatien vielgelesenen Stoffen der Karlssage (vgl. AslPh. 21, 436) zeugt die Verbreitung der Namen Orlandus, Orlandinus oder Rolandus, Oliverius und Paladinus. Ein Metzgermeister von Ragusa um 1486 hiess Tristanus beccarius. Die Geschichten des Artuskreises waren bekannt bis in die Burgen und Städtchen des nordalbanesischen Berglandes; in Ragusa wird 1402 ein Dominchus Bozizi dictus

Merlinus de Drivasto erwähnt. Eine Familie von Traù führt um 1270 den Namen Totilla, Totiglia, von dem bekannten, im Mittelalter oft mit Attila verwechselten König der Ostgothen.

Die Renaissance der classischen Studien im XV. Jahrhundert brachte es mit sich, dass Patriciersühne von Spalato, Traù oder Ragusa Coriolanus, Scipio, Valerius, Pompejus u. s. w. hiessen. Das war die Zeit, wo man als Elias zur Welt kam und als Jüngling und Mann Aelius hiess, wie der Ragusaner Dichter Cerva oder besser latinisirt Cervinus (geb. 1463, † 1520).

Eine italienische Sitte des späten Mittelalters ist die Construction von Vornamen aus den Familiennamen. Wir finden auch in Dalmatien einen Artichus de Articho in Zara, einen Casottus de Casottis in Traù, Patriciertöchter Gondola de Gondola in Ragusa u. s. w.

Gegen Ende des Mittelalters begann die alte Nomenclatur zu verfallen und zu verschwinden. Der einst in den nördlichen Städten so gebräuchliche Name Praestantius verkümmerte zuletzt in der Kurzform Preste, welche in Zara noch im XIII., in Veglia im XIV. Jahrhundert vorkommt, um sich nicht mehr zu wiederholen. Die Ragusaner Kanzler des XV. Jahrhunderts verwechselten z. B. Lampriça von Lampridius mit Lauriça von Laurentius. Nach 1500 verliert die Namensgebung ihre anziehende Mannigfaltigkeit und Originalität und zieht sich in den engen Kreis einer monotonen Schablone zurück. Die Nachkommen der alten Boni, Primi, Sergii, Mauri, Ursacii heissen Franciscus, Jacobus, Georgius, Antonius, Johannes, Nicolaus, Simon u. s. w., so dass man froh ist, hie und da wenigstens noch einem Savinus, Hieronymus oder Marinus zu begegnen.

Eine eingehende Betrachtung erfordern die so verschiedenartigen Kurznamen oder Kosenamen. Bei der wachsenden Völkermischung in den Städten ist es natürlich, dass bei der Bildung neuer Formen lateinische Namen nicht selten slavische Endungen erhielten und umgekehrt slavische Personennamen oft mit romanischen Ableitungssilben versehen wurden. Die Untersuchung dieser Hypocoristica ist sehr schwierig, weil schon den Leuten des Mittelalters ihr Zusammenhang oft nicht mehr klar war. Das gilt z. B. von den zahlreichen Kürzungen und Ableitungen von Damianus, Dominicus und Domnius. Domagna gilt in Ragusa im XIII. Jahrhundert als identisch mit Damianus (sl. Domjan, Domúan), im XIV. Jahrhundert aber mit Dominicus. Die slavische Nebenform Dumonia, Dumuna ist in ragusanischen Urkunden des XIV. Jahrhunderts gleich bedeutend mit Domagna. Der katholische Bischof von Cattaro Dumuna einer altserbischen Urkunde von 1310 (M. 69) heisst aber in lateinischen Denkmälern nicht Damianus, sondern Domnius, Dompnius, nach dem Namen des Stadtpatrons von Spalato. Die Abkürzung Dumo gilt jedoch in Cattaro im XIV. Jahrhundert sonst wieder für Damianus, ebenso wie zur selben Zeit Domole (für Domolus) in Arbe auch zu Damianus gehört. Lenze, Leune, Lone, Lonchus scheinen zu Leo, it. Leone zu führen, dieselben Personen werden aber in den Urkunden gleichzeitig Leonardus genannt. Ruscus in Ragusa stammt sicher von Rossinus, Russinus, sl. Rusin, Rozin; der Name Rusko ist in der Stadt noch immer im Gebrauch, aber jetzt gilt er als gleichbedeutend mit dem Namen des Schutzpatrons gegen die Pest, des heil. Rochus († 1327). Die mannigfaltigsten Kurzformen weisen die meistgebrauchten Namen auf, besonders die Apostelnamen Petrus, Johannes, Jacobus, Andreas, Marcus, Matthaeus, die Heiligennamen Michael, Georgius, Damianus, Dominicus, Benedictus, Basilius, Chrysogonus u. A. Viele Formen lassen sich übrigens gar nicht auf die ursprüngliche Gestalt zurückführen, besonders bei Frauennamen, wegen des Mangels an Material aus der älteren Zeit vor dem Jahre 1000.

Mehrsilbige Namen wurden einfach durch Abfall des unbetonten Anlautes gekürzt. Aus Dominicus entstand durch Weglassung eines vermeintlichen de Ominicus (Zara 918), weiter *Minicus, Menego (Spalato 1190), daraus das auf Veglia übliche Menco, Mencho mit ferneren Ableitungen, zu denen, wie es scheint, auch Mençe und Mengatia zu zählen sind. In diese Gruppe gehört auch Noratus aus Honoratus, das in Ragusa im XIII. Jahrhundert bei dem Clerus übliche Stantius aus Praestantius, die Frauennamen Nisa (Agnes), Gapa (Agapia), Coliça (Nicolica), Rina (Catharina), Lena (Helena), Femia, Fumia (Euphemia).

Zahlreich sind die Bildungen durch Abfall des Auslautes, mit Conservirung der betonten Silbe: Baso, Base, Bassus in Cattaro aus Basilius; Cando, Cande, Candi aus Candidus; Creste, Criste aus Christophorus; Cressius, Criscius, Cresce, Cresse in Zara aus Chrysogonus; Forma in Arbe aus Forminus, einer Umformung des älteren Firminus; Fortus, Forto in Zara aus Fortunatus; Gimanus, Gimus aus Geminianus; Zura, Zurre und andere Formen aus Georgius; Zan, Zagn in Dulcigno und Antivari, ähnlich wie das in slavischen, sowohl glagolitischen als cyrillischen Denkmälern vorkommende Žvan aus Giovanni, Joannes; Maxi aus Maximus, Maximinus; Nale (Gen. Nalis), Nallius in Antivari, Cattaro und Ragusa aus Natalis.

Aus Nicephorus wurde Nigforus, Nichfus und durch Metathesis Nifficus. Hieher gehören auch Michus, Nicus, Pero aus Michael, Nicolaus, Petrus.

Im Auslaute tritt für lat. -us ein -o oder im Dialekt -u (Toduru in Spalato 1040, Todru in Zara 1325 neben Todero, Tudro aus Theodorus), wie im südlichen Italien, selten -i aus -ius, wie Sersi aus Sersius (Sergius), Blasi aus Blasius, Vali aus Valius, Ursi, Orsi aus Ursius; vgl. Maurici 801, Lupini 842 in Unteritalien, De Bartholomaeis 271. Auffällig sind Frauennamen auf -1, sowohl romanischen als slavischen Ursprungs, wie Boni, Buni (für Bona), Mathi, Nanni, Thodi (für Theodora), Blatti, Dessi, Dragi, Drasi, Pribi, Resti, ebenso einige nicht aus lateinischen Formen auf -ius entstandene Mannsnamen auf -i, wie Barthi (Bartholomaeus), Candi (neben Cande), auch slavische Namen, wie Slavi (neben Slav, Slavo), Dobri (neben Dobro, Dobre). Diese meist auf Cattaro und Ragusa beschränkten Erscheinungen sind nur dialektische Varietäten der zahlreichen Namen auf -e nach slavischer Art (s. S. 72). Eine andere Eigenthümlichkeit sind die besonders in Antivari so häufig vorkommenden Frauennamen auf -o: donna Maro aus Maria, ebenso aus slavischen Namen donna Drago, donna Slavo, donna Sbisso (C271wa), sämmtlich im XV. Jahrhundert. Der Frauenname Decho, Deco (für Desislava, Desa) ist 1300-1500 in Antivari, Cattaro und Ragusa bezeugt, Tycho (für Tihoslava) im XIV. Jahrhundert in Ragusa; vgl. „Gauislauo mia ameda' Test. Rag. 1348 f. 117 (sl. Gojslava). Damit sind zu vergleichen die albanesischen Frauennamen im jetzigen Süd- und Mittelalbanien: Zoro, Kondo, Laljo, Vašo, Kato (Hahn, Alb. Studien 2, 117). Die Form ist sehr alt. Sie geht zurück auf die altillyrischen Frauennamen auf -o in den Inschriften von Dalmatien und Bosnien aus der römischen Kaiserzeit: Aplo, Buo, Cato, Lavo, Paiio, Panto, Seiio, Testo, Tritano, Turo, Vendo (neben anderen auf -a, -aia, wie Teuta, Madena, Annaia, Dennaia, Raia). Bei den Illyrern waren es Namen, die nebeneinander für Männer und für Frauen verwendet wurden. I

Suffixe der Kurznamen.

A) Romanisch.

Von den romanischen Ableitungssilben sind am stärksten vertreten -ulus und -olus (vgl. die römischen Namen Romulus, Catulus, Proculus, Ursulus, spätröm. Castulus, Gemmulus):2 Andriulus und Andriolus, daneben in Zara 1527 Jadrul (Andreas), Anzulo (Angelus), Barbizolus, Bocinolus (Bocinus), Bonzolus (Bontius), Blasul in Zara 1460 (Blasius), Calendulus (neben Calenda), Candulus (aus Cando für Candidus), Crestolus, sl. Krstul (Christophorus), Crissolus, Cressulus, sl. Kršul (in Zara aus Cressius für Chrysogonus), Comolus oder Comulus, Cibriulus (Cyprianus), Franzolus, Franolus (Franciscus), Fusculus, Fuscola, Fuscla (von Fuscus: Fuscla in Veglia 1198, vgl. die römischen Namen Ursielus, Proclus), Gaudiolus, Gauçolus, Gauzulus (Gaudius), Zorgolus (Georgius), Ivanolus (sl. Ivan aus Johannes), Maiolus, Magiolus, Mazulus (von Madius, Magius), Marculus, Marcula (Marcus), Mariola (Maria), Marulus, Marula, Matulus, Mignolus, Mingulus (zu Dominicus), Missolus, Missulus (Michael), Palmola (Palma), Pascolus, Pasculus (Pasqualis), Petrolus, Petriculus, Petrizulus, Petraniola (alle zu Petrus), Pizulus, Proculus, Ruzolus, Sabaciolus (Sabatius), Sergulus, Serzolus (Sergius), Sisinulus, Sisindolus (Sisinnius), Trepolus (Triphon), Ursula, Vianolus, Vitolus, Vitulus, sl. Vidul (Vitus). Dieselben Endungen erhalten auch slavische Namen, wodurch Formen entstehen, die von den rumänischen mit postponirtem Artikel schwer zu scheiden sind (S. 39): Bratizolo (von Bratıc, Veglia 1198), Cernolus (Črune, Zara XIV. Jahrh.), Dobrolus, Dobrulus (in Zara), Dobrula (in Ragusa), Dražula (Cattaro und Ragusa im XIV.-XV. Jahrhundert), Grubulus (Spalato 1315-1327), Mergula (Zara 1289), Negula (Veglia 1198), Produlus (Spalato 1327), Právula (Dulcigno, Cattaro, Ragusa im XIV.—XV. Jahrhundert), Radula (ebendaselbst), Radolo (Spalato 1178), Vulzule (Vlúčul, Spalato 1327). Jünger ist -uglio in Franuglio (Franciscus). Eine Eigenthümlichkeit von Arbe sind die Formen auf -ole: Barthole (Bartholomaeus), Christole (Christophorus), Cibrole (Cyprianus), Domole (für Domagna = Damianus), Mathole (Matthaeus), Mixole (zu lesen Mišole, für Michael), Salbole (Salvius), Stepole (Stephanus), Zudole

1

Vgl. die von Dr. C. Patsch gesammelten und erläuterten Inschriften in den Wiss. Mittheilungen aus Bosnien, Bd. 4 (1896),

254, 260, 280, 283, 287, 288, 289; Bd. 7 (1900), 127, 134, 146, 153, 154. 2 Diminutive sind in den lateinischen Urkunden aus Dalmatien sehr häufig: cartula (sehr oft), coquinula R. 125, crucella

K. 2, 36, curiola R. 125, domuncula ib., ecclesiola R. 66, facultatula K. 2, 36, lectulus R. 17, monticellus R. 128–129, murula K. 2, 13, orticellus R. 26, partiuncula R. 42, parvula columnella R. 69, porciuncula R. 49, possessiuncula R. 31, servuli R. 38, silvula R. 92, 127, terrula K. 2, 74 u. s. w. Ein Testament des ,tantillus peccators Andreas, Prior von Zara 918 R. 17 figurirt Star. 19, 119 als testamento di Andrea Tantillo (!) di Zara'.

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