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Verlust von Rom die Bisthümer im byzantinischen Unteritalien der römischen Kirche entzogen. Die Kataloge der griechischen Bisthümer enthalten daher in den folgenden Zeiten auch die bischöflichen Sitze von Sicilien, Calabrien, Lucanien und der Landschaft von Otranto. Istrien und Dalmatien wurden, so viel bekannt ist, durch diese Massregel nicht berührt, wohl aber eine Zeitlang Praevalis, das schon seit der dauernden Trennung des römischen Reiches (395) der Kirche von Salonae ferner stand und im VI. Jahrhundert dem Erzbischof von Justiniana Prima (Skopje) untergeordnet war. In einem Texte der griechischen Bischofskataloge erscheinen unter dem Metropoliten von Dyrrhachion 15 Bischöfe, darunter auch 6 E.t3305 (Lissus), 6 Atox).sia: (im röm. Doclea oder in dessen Gebiet), % 2x000 Öy, 6 Ap3ä3:00, 6 IIa)dhoy, 6 Aoxy Ooy (Olcinium), 6 Aytoßöpso;.“ Andere Kataloge nennen unter dem Metropoliten von Dyrrhachion nur vier Bischöfe, davon im Norden blos die zwei "E). 3305 und K0060» (Kroja), wie die »sö taxtxó aus der Zeit des Kaisers Leo des Weisen (886–912);* vier Bisthümer (ohne Namen) unter Dyrrhachion erwähnt auch in der Zeit der Kommenen 1143 der Archimandrit Neilos Doxapatrios.“

Im XI. Jahrhundert erscheint im alten Praevalis ein neues Erzbisthum der römischen Kirche unter dem „archiepiscopus Diocliensis atque Antibarensis mit der Residenz in Antivari.“ Die Bischöfe von Dulcigno, Suacium, Scodra, Drivastum, Polatum u. A. waren von dieser Zeit angefangen der Kirche von Antivari untergeordnet. Thomas Archidiaconus von Spalato erzählt, die Veranlassung zur Abtrennung der „Dalmatia superior“ von der alten Kirche von Spalato und zur Errichtung eines eigenen Erzbisthums „in civitate Antibarensi“ sei ein Schiffsunglück gewesen. Die Bischöfe von Cattaro, Antivari, Dulcigno und Suacium seien angeblich unter dem Erzbischof Dabralis, nach den Untersuchungen von Racki zwischen 1040 und 1059, zu einer Provinzialsynode nach Spalato auf einem einzigen Schiffe gereist und unterwegs in einem Sturme verunglückt. Nach späteren Sagen ereignete sich dieses Unglück bei der Insel Lesina.

Seit der Errichtung dieses Erzbisthums begann eine Rivalität zwischen Antivari und Ragusa. Ragusa wollte nämlich auch ein Erzbisthum haben, und zwar sollte Antivari mit seinem ganzen kirchlichen Gebiete der Ragusaner Kirche untergeordnet sein. Der Streit zog sich bis in die Mitte des XIII. Jahrhunderts. Vitalis wird in der echten Urkunde von 1044 und in einem Briefe des Papstes Gregor VII. 1074 als „episcopus“ von Ragusa bezeichnet, jedoch schon 1077–1078 liest man in den Briefen desselben Papstes „de lite, quae est inter Spaletanum archiepiscopum et Ragusensem“, wobei die Wünsche der „Ragusana ecclesia“ von dem „Sclauorum rex“ Michael als Landesherrn in den benachbarten slavischen Landschaften zwischen der Bojana und Narenta unterstützt wurden. Bald darauf finden wir in der That in Ragusa einen anerkannten Erzbischof den dritten in Dalmatien."

* Hieroclis Synecdemus et Notitiae graecae episcopatuum ed. Parthey, Berlin 1866, p. 124–125, 220. Vgl. meine Bemerkungen zu dieser Stelle im AslPh. 21, 80 A.

* Bei Gelzer, Georgii Cyprii descriptio orbis Romani; accedit Leonis imperatoris diatyposis genuina adhuc inedita. Lipsiae 1890, p. 81, cf. p. LXII. * Bei Hierocles ed. Parthey, p. 301.

* Zuerst in der Urk. des Papstes Alexander II. 1067, Farlati 7, 17, K. 1, 126, R. 201–203.

"Die Geschichte der Kirche von Ragusa ist getrübt durch zahlreiche Falsificate; vgl. Rački, Documenta 212. Thomas Archidiaconus gibt keine Nachricht über die Erhebung von Ragusa zum Erzbisthum. Bei der Abtrennung des erzbischöflichen Sprengels von Antibari „a Ragusio superius“ (cap. 15) ist sein Ausdruck unklar; später erzählt er, wie „Andreas archiepiscopus Ragusinus“ (urkundlich erwähnt 1142–1153) den Martin zum Bischof von Pharia (Lesina) und Brattia weihte (cap. 20). Aber schon bei der Gründung von Ragusa (cap. 8) bemerkt er: „Exeo tempore conari ceperunt pallium suo episcopo obtinere“.

Die kirchlichen Conflicte zwischen Antivari und Ragusa führten dazu, dass die Stadt Cattaro, in der Mitte zwischen beiden gelegen, sich einem erzbischöflichen Throne an der Ostküste Italiens anschloss. Im XI.–XIII. Jahrhundert war der Bischof von Cattaro dem Erzbischof von Bari und Canusium in Apulien untergeordnet. Diese Veränderung geschah noch in der Zeit, wo sich Bari (bis 1071) im Besitze der Griechen befand, jedoch war die Kirche dieser apulischen Stadt nach der Vertreibung der Araber (871) dem Papste, nicht dem Patriarchen von Constantinopel untergeordnet. In einer unechten Bulle des Papstes Joannes XIX. 1025 an Bisantius, Erzbischof von Bari, wird in seinem Sprengel „Ecatera“ genannt, ebenso in der im Original erhaltenen echten Urkunde Alexanders II. 1062; in einer Bestätigung Urbans II. 1089 liest man: „simul et Catera, que in transmarini litoris ora sita esse cognoscitur“. Später wurde um den bischöflichen Thron von Cattaro (super episcopatu Chatarino, ultra mare in Dalmatie maritimis constituto) zwischen den Erzbischöfen von Ragusa und Bari ein Process vor dem Papst geführt. Als der persönlich anwesende Bischof von Cattaro bestätigte, dass er von dem Vorgänger des damaligen Erzbischofs Rainaldus von Bari die Weihe empfangen habe und der Erzbischof von Ragusa dies nicht in Abrede stellen konnte, entschied Papst Alexander III. 1172 die Streitfrage zu Gunsten der Kirche von Bari. Erzbischof Rainaldus von Bari schenkte dann 1187 dem Bocinus, Catarensis episcopus, und dessen Nachfolgern de communiconsilio capituli nostri duas domos contiguas cum pertinentiis suis, que fuerunt quondam Maionis de Vestaritis (3sattapiro:), nunc autem pertinent ecclesie nostre“, damit die Bischöfe von Cattaro, „matrem Barensem ecclesiam more debito visitantes“, in Bari „tam honeste, quam honorifice“ wohnen könnten. Durch Vermittlung des Erzbischofs erhielten die Bürger der „civitas Catere 1195 von Constanze, der Gattin des Kaisers Heinrich VI., besondere Vorrechte, Befreiung vom ancoraticum“ und plateaticum“, welches sie bisher von ihren Schiffen und Waaren in Bari zahlen mussten, und das Privilegium, dass sie in Apulien nur vor die „curia Barensis ecclesie zu Gericht geladen werden dürfen.“ Das Erzbisthum von Spalato verwaltete auch nach diesen Veränderungen ein nicht geringes Gebiet. Die Nachfolger der alten Kirche von Salonae beanspruchten 852 (R. 4) die Würde einer „metropolis usque ad ripam Danubii et pene per totum regnum Chroatorum“. Noch zum Schlusse des Mittelalters umfasste das Erzbisthum, welches südwärts die grossen Inseln des mittleren Dalmatiens und die Küste bis zur Narentamündung besass, im Norden auch die Bisthümer von Zengg und Krbava (Corbavia) im Berglande Croatiens östlich vom Quarnero. Neben den drei genannten Erzbisthümern von Spalato, Ragusa und Antivari wurde 1154 ein viertes in Zara errichtet, dem die drei Bischöfe der Inseln Arbe, Ossero und Veglia untergeordnet wurden. Die einzige Nachricht über einen Versuch der Griechen die Kirche von Spalato unter ihren Einfluss zu bringen, stammt aus der Zeit, in welcher Kaiser Basilios I. die byzantinische Herrschaft in Dalmatien und Unteritalien restaurirte (871 f.). Noch Papst Nicolaus I. (858–867) und Joannes VIII. in seinen ersten Jahren (c. 873–875) haben mit der alten Kirche von Salonae correspondirt (R. 185–186). Die byzantinische Flotte unterwarf die

Cod. Bar. 1, 22, 43, 62. Darnach ist die Urk. Alexanders II. 1067 für Antivari, die dem dortigen Erzbischof „ecaterensem ecclesiam“ unterordnet, interpolirt oder ist dieser Name schlecht überliefert für „scodrensem“. Scodra, unzweifelhaft ein Bisthum der Kirche von Antivari, fehlt im Texte.

* Cod. Bar. 1, 99–100, 115–118, 128.

bisher den Franken untergeordneten Croaten dem Constantinopler Kaiserthum. Basilios
hatte (867) den Patriarchen Photios abgesetzt, den von den Abendländern begünstigten
Ignatios, Sohn des Kaisers Michael I. Rhangabe, wieder eingesetzt und liess zum Schutze
Roms gegen die Araber seine Kriegsschiffe bis vor die Tibermündung vorrücken. Aber
dabei war er weit entfernt davon, die römische Kirche im Osten zu unterstützen. Das neu-
bekehrte Bulgarien wurde (870) im Einverständnisse mit den Bulgaren selbst dem Einflusse
des Papstes entzogen, ebenso auch Croatien und selbst die dalmatinischen Städte. Jedoch
der Herzog der Croaten Branimir, welcher den byzantinischen Schützling Zdeslav gestürzt
hatte, und der neugewählte Bischof von Nona Theodosius haben sich noch vor Juni 879
wieder der römischen Kirche angeschlossen. Dem päpstlichen Gesandten, Priester Johannes
aus Venedig, der damals über Dalmatien und Croatien nach Bulgarien reiste, wurde ein
vom 10. Juni 879 datirtes Schreiben des Papstes Joannes VIII. mitgegeben, gerichtet
an den Archipresbyter Johannes von Spalato und die episcopi Dalmatini, vor Allem an
die Bischöfe Vitalis von Zara und Dominicus von Absarus, sowie an den Clerus und die
„seniores populi von Spalato, Zara und der übrigen Städte, mit der Aufforderung zum
Stuhle des heil. Petrus zurückzukehren (gedruckt bei Lucius, Mansi, Farlati 3, 77, K. 1, 62,
R. 10–12). Der Papst erinnerte sie daran, wie ihre parentes ac praecessores von Glück
begleitet waren, solange sie zum Papst quasi proprii filii zu kommen pflegten, und was
für ein Ungemach sie seit ihrer Trennung von Rom bis jetzt zu ertragen hatten, eine
Anspielung auf uns nicht bekannte Ereignisse der Localgeschichte. Vor Allem solle der
neugewählte Erzbischof der sancta sedes Salonitana zur Weihe nach Rom kommen, ohne
Furcht „departe Graecorum vel Sclavorum super vestra ad nos reversione“. Der Erfolg
des Briefes ist nicht bekannt. Erzbischof von Spalato wurde Marinus, den auch Thomas
Archidiaconus als Zeitgenossen Karl des Dicken († 888) und des Herzogs Branimir kennt,
und den Papst Stephan VI. in einem Schreiben an dessen Nachfolger als pie memorie
decessor tuus“ bezeichnet. Nun wurde (886 oder 887) Erzbischof von Spalato der Bischof
Theodosius von Nona im croatischen Herzogthum, welcher die Weihe nicht in Rom, sondern
in Aquileja vom Patriarchen Walbert empfing. Papst Stephan VI. tadelte dies in Schreiben
an Walbert und Theodosius als eine Ueberschreitung der Grenzen der Kirche von Aquileja;
dem Theodosius, der sich gegen die Ansprüche des päpstlichen Stuhles keineswegs ablehnend
verhielt, versprach er das Pallium, falls er persönlich in Rom erscheinen werde."
Die romanische Nationalität der Küstenstädte erklärt den energischen Widerstand der
erzbischöflichen Kirche von Spalato seit derselben Zeit gegen die neue slavische Liturgie.
Die slavischen Uebersetzungen der Kirchenbücher, verfasst von den Slavenaposteln von
Thessalonich, dem heil. Konstantin (als Mönch Cyrillus, † 869 in Rom) und seinem Bruder
Methodios, dem späteren Erzbischof von Pannonien und Mähren († 885), verbreiteten sich
in der Nachbarschaft der dalmatinischen Städte, bei den Croaten, Narentanern und den
Slaven von Chlm, Tribunium und Dioklitien, jedenfalls noch zu Lebzeiten des Methodios.
Kaiser Konstantin rühmt seinen Grossvater Basilios I., er habe, als sich die dalmatinischen
Slaven nach den Erfolgen seiner Flotte wieder der byzantinischen Herrschaft unterwarfen,
sofort einen Gesandten mit Geistlichen (sgsz) zu ihnen gesendet, um nach der einen

! Ein Schreiben Stephans VI. an Walbertus: Farlati 3, 79, R. 187, zwei an Theodosius: N. Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 5 (1879), 402–403, 407, auch Starine 12, 219. Dümmler, Ueber die älteste Geschichte der Slaven in Dalmatien 410 (bezog die Weihe in Aquileja noch auf Marinus, vor Auffindung der beiden Schreiben Stephans VI. an Theodosius) macht auf die Verbindungen des Photios mit Aquileja 877 aufmerksam.

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Version sie wieder zum Christenthume zu bekehren, nach der anderen die Zürtt3to unter ihnen zu taufen. Damals seien auch die heidnischen Narentaner oder Paganer bekehrt worden." Wir wissen aber aus den Urkunden des Erzbisthums von Spalato, dass die Fürsten der Croaten schon unter der fränkischen Hoheit, wie Mojslav um 839 und Trpimir 852, fromme Christen waren und christliche Kirchen beschenkten. In ihrem Lande erforderte das Christenthum in der Zeit des Kaisers Basilios I. nur eine grössere Festigung. Heiden waren die seeräuberischen Narentaner. Die Chroniken von Venedig verzeichnen um 8.30 die Taufe eines „missus Sclavorum de insula Narrentis“, der zum Dogen Johannes kam, um Frieden zu schliessen.“ Für die Bekehrung der Slaven in entlegenen Gebirgslandschaften, besonders aber bei den schwer zugänglichen Narentanern, war die neue slavische Liturgie ein viel wirksameres Hilfsmittel als das dem Volke unverständliche Latein. Das Werk der von Kaiser Michael III. zu den Slaven von Mähren abgesendeten Missionäre ist vom byzantinischen Hofe von Anfang an begünstigt worden. Die Verdrängung des römischen Einflusses in Bulgarien, für eine kurze Zeit auch in Dalmatien, und die Aussicht, alle Slaven zwischen Pontus und Adria für die Cultur von Byzanz gewinnen zu können, steigerte den politischen Werth der neuen slavischen Kirchenbücher. Im Zusammenhange damit steht die Reise des Erzbischofs Methodios (ungefähr 882–884) aus dem Reiche Svatopluks von Mähren nach Constantinopel zu Kaiser Basilios und zu Photios, der nach dem Tode des Ignatios (877) zum zweiten Male Patriarch geworden war. Die Vita des Methodios erzählt, dass es der Kaiser war, der den Erzbischof durch ein Schreiben zu sich berufen habe, wahrscheinlich aus den angeführten Beweggründen.“ Die slavische Liturgie hat bei den Croaten festen Fuss gefasst. Der lateinische Clerus der Küstenstädte stand ihr von Anbeginn feindlich gegenüber. Die Entstehung einer zahlreichen slavischen Geistlichkeit in den Ländern, welche zur Metropolie von Spalato gerechnet wurden, mit Gottesdienst in einer den Romanen nicht geläufigen Sprache lag nicht im Interesse der dalmatinischen Lateiner. Auf den Provinzialsynoden von Spalato 924, 1059–1060, c. 1063 und 1075 wurde die „Methodii doctrina“ verfolgt, „in barbara seu sclauinica lingua deo sacrificium offerre“ oder „in lingua sclauonica diuina mysteria celebrare verboten und nur die „latina lingua“, höchstens noch die griechische Sprache in der Kirche zugelassen. Vor den Thoren der Lateinerstädte Dalmatiens trafen die zwei grossen liturgischen Gebiete des mittelalterlichen Christenthums zusammen. Der Orient besass seit Altersher gottesdienstliche Bücher in allen hervorragenden Nationalsprachen. Die Griechen, Kopten, Syrer, Armenier, Georgier, die semitischen Aethiopier von Abyssinien u. A., seit dem IX. Jahrhundert auch die Slaven priesen Gott in ihren Sprachen. Man betrachtete dies im ganzen Osten als etwas Selbstverständliches. Im Occident dominirte dagegen in der Kirche von Anfang an die lateinische Sprache allein; daneben entstand keine altirische, angelsächsische, althochdeutsche oder altnordische Liturgie. Die einzigen nichtlateinischen Kirchenbücher hatten im Westen im früheren Mittelalter die Gothen, noch aus der Zeit, wo sie in Osteuropa an der unteren Donau wohnten, aber sie waren Häretiker, Arianer. Ihr Volk war längst verschwunden, aber ihr Name und ihre kirchliche Stellung blieb unvergessen. Zwei Jahrhunderte nach der Thätigkeit der Slavenapostel von Thessalonich galt die slavische Schrift in den dalmatinischen Küstenstädten, wie man bei Thomas Archidiaconus (cap. 16) liest, als gothicae litterae, a quodam Methodio haeretico repertae, als eine Erfindung der „Ariani, inventores litteraturae huiusmodi. Die Slaven wurden überhaupt als Nachkommen der Gothen betrachtet. Bei dem Verschwinden sicherer historischer Kenntnisse tauchte aber in den folgenden Jahrhunderten eine neue historische Theorie auf, welche die slavischen Kirchenbücher in glagolitischer Schrift dem heil. Hieronymus zuschrieb. Auf dieser Grundlage war ein Compromiss möglich. Das XIII.–XV. Jahrhundert wurden die Blüthezeit des Glagolismus. Der Widerstand gegen die slavische Liturgie erhob sich erst wieder in der Neuzeit. Im nördlichen Dalmatien, auf den Quarnerischen Inseln und in Istrien kann man den alten Widerstreit zwischen den Anschauungen des Orients und Occidents heute noch beobachten. Der Kampf zwischen der lateinischen und der slavisch-katholischen Liturgie (in glagolitischer Schrift) hat dort eine ethnographische Grundlage; es ist der alte Gegensatz zwischen Romanismus und Slavismus, zwei mächtigen Elementen, die an dieser Küste seit dreizehn Jahrhunderten aneinander grenzen. Die glagolitische Schrift war, wie wir aus neueren Funden wissen, nicht nur einerseits in Croatien, andererseits in Makedonien und West-Bulgarien bekannt, sondern auch in Serbien und Bosnien. Doch in diesen Landschaften wich sie rasch zurück vor der viel einfacheren und bequemeren cyrillischen Schrift, die, ebenso wie die koptische in Aegypten, nur eine Adaptirung der griechischen Uncialschrift ist. Von einer Verfolgung der slavischen Liturgie in den südlichen Erzbisthümern von Antivari und Ragusa ist nichts bekannt. Diese Kirchen verloren ihren Einfluss bei den Slaven im Binnenlande erst seit dem Anfang des XIII. Jahrhunderts, besonders seit der Stiftung der autokephalen serbischen Kirche 1220, die zu den Nationalkirchen des Ostens gehörte. Das Erzbisthum der Serben hatte im XIII.–XIV. Jahrhundert zwei Bisthümer an der adriatischen Küste, für Chlm in Stagno und für die Zeta im St. Michaelskloster von Prevlaka bei Cattaro. Beide Bischöfe zogen sich aber noch vor der türkischen Eroberung ins Innere des Landes zurück. Bosnien kam seit derselben Zeit, seit dem Ende des XII. Jahrhunderts, immer mehr in den Besitz der Secte der Patarener, welcher beide Kirchen, sowohl die des Ostens als die des Westens, in unversöhnlicher Feindschaft gegenüberstanden. Die Kirchen- und Personennamen in den Städten Dalmatiens geben Zeugniss von Traditionen der altchristlichen Zeit, vermengt mit Einflüssen des mittelalterlichen Orients. Die Kirche heisst neben dem später allein vorkommenden ecclesia noch lange Zeit basilica. So wird in der Translatio S. Anastasiae aus dem IX. Jahrhundert die basilica S. Petri, die spätere basilica S. Anastasiae in Zara erwähnt (R. 308), bei Thomas Archidiaconus die basilica S. Stephani in Salonae mit dem Grabe des Cresimirus rex (cap. 16) und die „basilica Sancti Andree, que dicitur picta in Spalato (cap. 22). Zwischen Ragusa und dem Hafen von Gravosa besteht noch eine Gruppe von drei Kapellen der Heiligen

* Vita Basilii, Theophanes Cont. ed. Bonn. p. 291. De administrando imperio cap. 29, ed. Bonn. 3, 129. * Joannes Diaconus ed. Monticolo p. 110 (Fonti per la storia d' Italia. Scrittori. Cronache veneziane antichissime, vol. 1). Auch bei R. 334. * Vita Methodii cap. 13. Die Reise ging wohl über das byzantinische Dalmatien und von dort aus zur See, wenigstens bis Dyrrhachion; die Gefahren, die Methodios als Erzbischof auf Seereisen bestanden hat (cap. 14), können sich nur darauf beziehen. Zu erwähnen ist noch, dass 882–884 eben die Päpste rasch wechselten; nach Johannes VIII. Tod folgten Marinus und Hadrian III., bis schon nach dem Tode des Methodios (6. April 885) im Herbste 885 Stephan VI. gewählt wurde. Vgl. Jagié, Zur Entstehungsgeschichte der kirchenslavischen Sprache 1, 41 (Denkschriften der kais. Akademie, Bd. 47). Denkschriften der phil.-hist. Cl. XLVIII. Bd. III. Abh. 7

* Vgl. darüber Jagié über den Praxapostolus des Mihanovié im Rad 2 (1868), 14, Codex Marianus 410, die Apostelfragmente des Grškovié, Star. 26 (1893), 37. Glagolitische Glossen aus einer cyr. Handschrift eines Patarenen aus Bosnien, geschrieben unter König Stephan Thomas (1443–1461), mitgetheilt von Raëki, Star. 14 (1882), 23, aus cyr. Codices serb. Recension von mir im AslPh. 9 (1886), 307 und von Lj. Stojanovié ib. 22 (1900), 510 f.

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