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einiger Städte Dalmatiens, besonders der auf Brazza, durch Araber aus Kreta im Jahre 872 erhalten: „Sarraceni Creta insula egredientes quasdam Dalmaciarum urbes depopulati sunt, pariterque etiam Braciensem eiusdem provinciae urbem invaserunt.“ Kaiser Konstantin berichtet über die Zerstörung von Budua (Boôroßa) und Rosa (PÖ3a, 'PÖ33a) bei dem jetzigen Porto Rose am Eingang in den Golf von Cattaro durch die Araber um 867 (ed. Bonn. 3, 61, 130). Die Inseln mussten die Städter wegen der unausgesetzten Räubereien und Mordthaten der Narentaner aufgeben (ib. 3, 146). Vor Spalato und Tradi waren um 948 Meleda, Curzola, Lesina und Brazza im Besitz der Narentaner, schön und fruchtbar, mit verlassenen Burgen, mit Wäldern und den Viehheerden der Slaven (ib. 3, 146, 164). Die damaligen Sproudzaarga dieser Inseln, ebenso wie die auf den Inseln vor Zara (ib. 3, 140) mögen zwei Jahrhunderte vor Kaiser Konstantin, in der Blüthezeit der byzantinischen Seeherrschaft im VII.–VIII. Jahrhundert, sämmtlich noch bewohnt gewesen sein. Die slavische Colonisation war bis in die fruchtbaren Küstenstriche, in die warme Zone der Weinberge und Olivengärten vor den Mauern der Seestädte vorgedrungen. Im IX–XI. Jahrhundert residirten die croatischen Fürsten in Klis (it. Clissa) bei Salonae, Biač bei Trad, Belgrad (Zara vecchia) und Nona (dem röm. Aenona) in der nächsten Nachbarschaft von Zara. Es ist auffällig, dass die Kaya).irat, die Einwohner der kleinen Landschaft Canali bei den Ruinen des Aquäductes von Epidaur, bei Kaiser Konstantin als eine eigene Einheit erscheinen; ihre Bedeutung erklärt sich nur durch die Lage ihrer Wohnsitze am Meere. Nach dem Eintritt geordneter Zustände genügte zum Schutze der oströmischen Besitzungen die in den Kriegen gegen das arabische Kalifat bewährte byzantinische Seemacht. Die Byzantiner mit ihrem System von Geschenken, Titeln und Besoldungen schlossen wohl bald Verträge mit einzelnen Fürsten der Slaven, liessen sich von ihnen Heeresfolge leisten und gewannen bald wieder eine gewisse Oberhoheit über ihre verlorenen Gebiete. Ebenso war es bei Thessalonich, wo nach der St. Demetriuslegende im VII. Jahrhundert slavische Fürsten auf Besuch in die Stadt zu kommen pflegten und die Velegeziten in Thessalien als verlässliche Freunde der Thessalonicher galten. Die Erinnerung an diese Zustände liess in der byzantinischen Tradition drei Jahrhunderte später die Auffassung entstehen, es seien alle slawischen Stämme auf dem Boden von Dalmatia und Praevalis von Kaiser Heraklios colonisirt worden, ihre Wohnsitze seien ein Geschenk des Kaisers und sie selbst seien alte Unterthanen des Reiches. Diese politische Theorie, mitgetheilt von Kaiser Konstantin (ed. Bonn. 3, 147f), steht in offenbarem Widerspruche mit den Erzählungen desselben kaiserlichen Schriftstellers über die Zerstörung von Salonae, Epidaurum und der übrigen xdatpa und mit dem ganzen Quellenmaterial des VII. Jahrhunderts. Ihre Haltlosigkeit haben Dümmler, Racki, Drinov u. A. zur Genüge erwiesen, sie hat aber noch in unserer Zeit Vertheidiger gefunden.“ Für ein langjähriges friedliches Nachbarleben einer romanischen und slavischen Landbevölkerung an der adriatischen Küste in den älteren Jahrhunderten des Mittelalters spricht die Reception zahlreicher alter Insel- und Stadtnamen durch die Slaven, insbesondere der aus Heiligennamen abgeleiteten Ortsbenennungen. Von ruhigen Verhältnissen gibt auch Zeugniss die Absendung von Truppen aus Istrien nach Sicilien nach der Ermordung des Kaisers Konstans in Syrakus im Jahre 668. Die Namen byzantinischer Truppenabtheilungen bezeichnen wohl mehr den einstigen Ursprung der Corps, als ihre damalige Landsmannschaft: in Genua ein numerus felicium Illyricianorum“ in Rom numerus Dacicus, „numerus militum Sermisiani, „numerus equitum Sermisiani (von Sirmium?). Dalmater werden dabei nicht genannt. Seeleute aus den dalmatinischen Städten dienten in der Flotte; 949 standen Sy Aoggoyip xai é Aapaziq sieben Kriegsschiffe der kaiserlichen Flotte (Constantinus Porph. de cerim. 2, 45, ed. Bonn. 1, 664, 668, sieben aÖ3a oder /s.dyôto). Die exponirte Lage der Städte Dalmatiens führte, ebenso wie in den byzantinischen Landschaften Italiens, im Laufe der Zeiten zur Entwicklung einer grossen localen Autonomie und städtischen Individualität. Es ist charakteristisch, dass später, seit dem XIII. Jahrhundert, eine jede dieser Gemeinden ihr besonderes geschriebenes Stadtrecht besass. Am wenigsten wissen wir über das VIII. Jahrhundert. Namen der magistri militum, duces, ypati und tribuni von Dalmatien aus dieser Zeit sind unbekannt, ebenso die Namen der Bischöfe. Agnellus bezeichnet den Erzbischof Damianus von Ravenna (688–705) als Dalmatiner (ex Dalmatiarum fuit partibus). Nach der Unterwerfung Istriens (788) und der Croaten durch die Franken gab es eine fränkische Partei auch in Zara und den übrigen Städten Nord-Dalmatiens, ebenso wie in Venedig. Zu Weihnachten 805 waren Paulus, dux Jaderae, und Donatus, Bischof von Zara, zugleich mit den beiden Duces von Venedig bei Karl dem Grossen in Lothringen mit Geschenken und Huldigung. Es gab aber auch eine griechische Partei. Das Erscheinen der byzantinischen Flotte genügte zur Restauration der oströmischen Herrschaft. Im Frieden blieben die maritimae civitates Dalmatiae“ den Griechen, während die Slaven bis ungefähr zur Cetina (zur Grenze der Narentaner) den Franken unterworfen waren. Die Streitfragen über die Grenzen der Romanen und Slaven in Dalmatien (definibus Dalmatorum, Romanorum et Slavorum) wurden 817 an Ort und Stelle von einer gemischten Commission, dem fränkischen Grafen Cadolah und Nikephoros, dem Gesandten des Kaisers Leo des Armeniers, entschieden; die Urkunde darüber hat sich nicht erhalten (R. 317). Eine Restauration der byzantinischen Hoheit über die Slaven in Dalmatien, ebenso wie über Unteritalien, erfolgte unter Kaiser Basilios I. (867 f.). In der Zeit des Kaisers Konstantin Porphyrogennetos beschränkten sich die Reste des 0épa Aa)patia3, dessen Statthalter (Ö.06Tato2, Ta-gixto: xai sogatsä2) in der Stufenreihe der Stratigen auf der vorletzten Stufe vor dem von Cherson auf der Krim stand (ed. Bonn. 1, 697, 715, 728), auf die drei Quarnerischen Inseln Veglia, Ossero und Arbe, auf das Gebiet von Zara und die zwei Städtepaare Trad und Spalato, Ragusa und Cattaro. Das war das Ausmass des Ueberrestes des römischen und romanischen Dalmatiens auch

* Eine Randglosse im Codex Vaticanus (XIII. Jahrhundert) lautet: „Urbs Braciensis, postquam destructa fuit, non est relevata.“ Vgl. Monticolo über die Codices des Joannes im Bullettino dell' istituto storico italiano 9, 37 f. und dessen Edition in den Fonti per la storia d' Italia, Cronache veneziane antichissime, Bd. 1.

Die friedliche Colonisation der Serben und Croaten durch Kaiser Heraklios wurde verfochten von Konstantin Grot, Die Nachrichten des Konstantin Porphyrogennetos über die Serben und Kroaten, russ., Petersburg 1880, S. 78 f. Eine Antwort von Raëki im Rad 59 (1881), 201–208. Die Ansicht von der gewaltsamen Besiedelung dieser Länder von den Slaven ist nach Grot „nicht auf wirklich wissenschaftlichen Grundlagen, sondern auf bekannten eng-patriotischen Erwägungen“ begründet und ganz parteiisch. Zu diesen südslavischen Patrioten scheint der Verf. auch – Ernst Dümmler zu rechnen. Dass man zu diesen Resultaten kommt, wenn man die Berichte des Prokopios, Menandros, Joannes Biclariensis, Theophylaktos Simokattes, Gregor I., Joannes von Nikiu, Isidor von Sevilla u. s. w. über die Slaveneinfälle bei Seite lässt und den 300 Jahre jüngeren

Konstantin allein analysirt, ist natürlich. Bei einer friedlichen Colonisation hätte das Kaiserthum von Constantinopel die verödeten römischen Städte, vor allen Salonae, für sich reservirt und restaurirt; auch hätten die Stadtgemeinden, die später so kleine Territorien besassen, die alten, in der römischen Zeit so bedeutenden Gebiete behauptet und wären nicht gezwungen gewesen vom Meere zu leben“ (rósvx ro» Tägov :: Ko; aÖrövéx T: 030.437:, de adm. imperio, cap. 30, p. 143, 17–18).

Diehl, Etudes sur l'administration byzantine dans l'exarchat de Ravenne (Paris 1888) 198. Das Regiment der sehr tapferen

Daker“ (aus Dacia ripensis oder mediterranea) stand 531 in Aegypten, Papyrus Erzherzog Rainer, Führer durch die Ausstellung (1894) S. 103 nr. 353.

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für die folgende Zeit. Die Städte besassen meist äusserst geringe Territorien, z. B. Ragusa kaum die nächste Umgebung vor den Thoren; die Weinberge waren zum Theile schon auf dem Boden der Slaven, denen dafür Zinsgelder entrichtet wurden. Ein zusammenhängendes byzantinisches Territorium begann nördlich von Antivari. Diese Stadt mit Dulcigno, Alessio u. A. in den Resten der ehemaligen Provinz Praevalis gehörte zum 0äpa. von Dyrrhachion (ib. 3, 141, 145). Die byzantinische Autorität währte in Zara bis ins XI. Jahrhundert, worauf die Stadt für Jahrhunderte ein Zankapfel der Venetianer und Ungarn wurde. In Spalato und in dessen Umgebung auch auf dem Gebiete des alten croatischen Königreiches restaurirte die byzantinische Herrschaft für kurze Zeit Kaiser Manuel Kommenos († 1180). Am längsten, bis zum vierten Kreuzzug, blieben unter griechischer Hoheit die Ragusaner.“ Von Interesse sind sagenhafte Erinnerungen an die Seeherrschaft der Griechen (Grci) in Arbe noch bei Baraković, einem slavischen Dichter des XVI. Jahrhunderts. Auch Arbe war den seefahrenden Griechen unterthan, nicht durch Gewalt, sondern in brüderlicher Freundschaft, wobei die Griechen den Bürgern zur Gewinnung von Reliquien aus dem Lande der Heiden behilflich waren. Die Zeit machte aber der Herrschaft und den Seefeldzügen der Griechen ein Ende; sie verliessen unsere Länder, um die ihrigen zu vertheidigen (Stari pisci 17, 381–383). Die Umwälzungen der Jahre 602–626 hatten grosse Veränderungen und Verschiebungen in der Gruppirung der Völker auf der illyrischen Halbinsel zur Folge. Die ethnographische Karte der Donau- und Haemusländer blieb noch lange Zeit sehr bunt. Zwischen den Slaven sassen Reste der alten romanischen, griechischen, illyrischen, vielleicht auch der thrakischen Bevölkerung. Die Slavisirung des ganzen Binnenlandes, die Entstehung des gegenwärtig lückenlos zusammenhängenden croatisch-serbischen und bulgarischen Sprachgebietes stammt nicht aus dem VII. Jahrhundert; sie ist das Resultat eines langsamen, Jahrhunderte lang schrittweise sich entwickelnden Processes. Die mehr oder minder zähe Fortdauer der antiken Nomenclatur zeigt, wo die Umgestaltung von Anfang an schwächer oder stärker war. Das Fortleben der antiken Flussnamen im Save- und Donaugebiet, von Colapis (Kulpa) und Oeneus (Una) angefangen bis zum Asemus (bulg. Ostbm) und Iatrus (altbulg., jetzt noch im Oberlauf JetBr), setzt einen langen Verkehr der Slaven mit den römischen Provinzialen voraus. Die meisten Veränderungen erfolgten in Moesia superior, im Innern von Makedonien und im Binnenlande von Dalmatia (im jetzigen Bosnien). In Moesia superior verschwanden alle Städtenamen: Singidunum (Belgrad), Tricornium (bei Grocka), Aureus mons (bei Smederevo), Margus (an der Moravamündung), Viminacium (Braničevo), Horreum Margi (bei Cuprija). Dies ist um so auffälliger, weil sich weiter südlich im benachbarten Dardania und Dacia mediterranea die meisten römischen Stadtnamen gut behauptet haben: Ulpiana (Lipljan), Scupi (sl. Skopje, alb. Skup), Naissus (Ni), Serdica (altbulg. Srjádec). Im Innern Makedoniens ist, besonders im Westen, bemerkenswerth der Untergang nicht nur der Städtenamen, sondern auch der Flussnamen, vor Allem des Axios, Erigon und Haliakmon. Im Innern von Dalmatia sind die aus den Itinerarien und Inschriften bekannten Städtenamen (Domavia, Bistue u. s. w.) fast alle vergessen. Von den Zuflüssen des Adriatischen Meeres behauptete seinen Namen nur der Naro, romanisch Narenta aus dem Gen. *Narontis (insula Narrentis, Narrantanae insulae des Joannes Diaconus), sl. Neretva; Telavius, Titus, Tilurius heissen schon im Mittelalter Zrmanja, Krka, Cetina. Eine Fortdauer der alten Bevölkerung bezeugen dagegen die gut erhaltenen Stadtund Flussnamen der Provinz Praevalis (s. Cap. 5). Bei dem Zusammenbruche der byzantinischen Herrschaft im Innern sind von den Provinzialen die einen zur Meeresküste geflohen, die anderen in die Gefangenschaft geschleppt worden, während sich noch andere, meist Hirten des Gebirges oder ärmere Bauern, mit den Eroberern verglichen und zu Hause blieben. Die St. Demetriuslegende erwähnt in Thessalonich im VII. Jahrhundert Flüchtlinge aus den Donaustädten, aus beiden Dacien, besonders aus Serdica und Naissus, aus Dardanien und anderen Landschaften. Durch diese Verschiebungen erklärt sich die Entstehung einer sporadischen romanischen Bevölkerung südlich von der einstigen Grenze zwischen den lateinischen und griechischen Provinzen, der Ursprung der Makedorumänen oder Aromunen, die in Makedonien, Albanien und Thessalien seit dem X.–XI. Jahrhundert erwähnt werden. Sehr wahrscheinlich ist es, dass auch die halb romanisirten Illyrer von Dalmatia und Dardania in diesen stürmischen Zeiten zum Theile südwärts gedrängt wurden, nach Praevalis und Epirus nova. Den Hirten, die in der Römerzeit den „caseus Docleas“ und „caseus Dardanicus“ bereiteten, war die Wanderung nicht schwer, da sie ohnehin ihre Sommer- und Winterquartiere zu wechseln pflegten. Es ist nicht unmöglich, dass die romanischen Hirten Dardaniens noch vor den Umwälzungen, welche nach dem Tode des Kaisers Mauricius hereinbrachen, in die von Hierokles erwähnten Domänen (saltus) in Thessalien auf die Winterweide zogen, ebenso wie ihre Nachkommen, die B).d/ot, welche nach den anschaulichen Schilderungen des Kekaumenos im XI. Jahrhundert im Sommer von April bis September auf den kalten und hohen ägt t: Boo) agia: lebten und den Winter in Thessalien zubrachten. Durch Verschiebungen nach 600 erklärt sich auch die Existenz von Romanen in früher griechischen Gebieten des Ostens. Sie ist noch an einzelnen rumänischen Dorf-, Fluss- und Flurnamen in den Bergländern des westlichen Bulgariens zu erkennen. In dem Gebirge zwischen Niš und Sofia war allerdings das romanische Element altansässig, da diese Landschaft zum Theile zu der von Lateinern bewohnten Landschaft von Remesiana gehörte (S. 13, 15). Anders ist es in den Bergen zwischen Sofia und Philippopel und in der Rhodope, auf dem Boden Thrakiens, eines in der Kaiserzeit hellenisirten Landes.“ Ebenso haben sich andere Nachkommen der Donaurömer, zunächst aus Moesia superior und Dardania, gegen Westen gewendet, in die Landschaften der ehemaligen Provinz Dalmatia. Im Mittelalter finden wir in der Nähe der Küstenstädte eine Hirtenbevölkerung, deren Sprache (mit postponirtem Artikel u. dgl.) von der Mundart der alten Dalmatiner sehr verschieden war. Diese Romanen sind erst nach dem Falle der römischen Herrschaft im Binnenlande in das adriatische Gebiet gekommen, vielleicht nicht auf einmal, in einer uns nicht näher bekannten Zeitfolge. Alle Romanen dieser Länder zwischen Pontus und Adria wurden von den Slaven Vlach, Plur. Vlasi genannt, sowohl die Rumänen des Donaugebietes, als die Städter Dalmatiens. Das Wort ist in allen slavischen Sprachen vorhanden. Es bezeichnet theils einen Italiener (slov. Lah, böhm. Vlach, poln. Wloch, auch magy. Olasz), theils einen Rumänen (poln. Woloch, russ. Voloch, bulg. und serb. Vlach, magy. Oláh) und entspricht genau dem germ. Walh (Frankreich altnord. Valland, ahd. Uualholant), Wälsche. In der Vita Methodii, cap. 5 ist Vlachy Italien, neben dem Lande der Griechen (GrTci) und der Deutschen (Němci). Ebenso heissen die Ragusaner noch 1200–1250 Vlasi in einer Urkunde des serbischen GrossZupans Stephan, des späteren erstgekrönten Königs (von 1215–1219, Glasnik 47, 310) und in drei Urkunden des bosnischen Bans Matthaeus Ninoslav (M. 25, 29, 33; darüber schon in meiner Abhandl. über die Wlachen und Maurowlachen). Bei den Slaven, die in Italien in der Landschaft Molise, in der Provinz Campobasso und im District von Larino nahe bei der Hafenstadt Termoli wohnen, in den Dörfern Acquaviva colle Croce, San Felice Slavo und Montemitro, und die in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts wahrscheinlich aus der Landschaft von Zara ausgewandert sind (Aranza, AslPh. 14, 78), heissen die umwohnenden Italiener heute noch Vlasi. Im früheren Mittelalter, wo diese ethnographische Terminologie in Blüthe war, unterschied man die rumänischen Hirten der Gebirge von den italienischen Städtern Dalmatiens als „schwarze Wlachen, griech. «Maogóß)ayot. Presbyter Diocleas (in der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts) erzählt, wie die Bulgaren nach ihrer Festsetzung auf der Balkanhalbinsel „totam Macedoniam“ eroberten, post haec totam provinciam Latinorum, qui illo tempore Romani vocabantur, modo vero Moroulachi, hoc est Nigri Latini vocantur“, in dem croatischen Texte, der sich hier klar als Uebersetzung aus dem lateinischen kundgibt, „svu zemlju Latinsku, ki se onada Rimljane drzahu, a sada se zovu Crni Latini (cap. 5, ed. Crnčić p. 8). Das ist der Ursprung der in dalmatinischen Denkmälern seit dem XIII. Jahrhundert neben dem Namen Vlachi, Blachi, Blaci so häufigen Form Moroulachi, Moroblachi, Morolacchi, im XV. Jahrhundert abgekürzt Morlacchi, Murlachi. In griechischen Denkmälern des XIV. Jahrhunderts bedeutet Ma9003)aya wieder ein anderes rumänisches Gebiet, die Moldau. Der Glaube Christi hat bei den Nachkommen der alten Provinzialen auch ausserhalb der Grenzen des christlichen Imperiums von Constantinopel, inmitten der heidnischen Slaven, Bulgaren oder Avaren fortgelebt, allerdings als ein latentes Christenthum ohne regelrechte Hierarchie. Das beste Zeugniss dafür ist die oben (S. 16) berührte Existenz von Resten der lateinischen altchristlichen Terminologie bei den Rumänen, sowohl in Dacien, als in Makedonien. Nach Walafrid Strabo (de rebus ecclesiasticis, cap. 7) haben zu seiner Zeit, in der ersten Hälfte des IX. Jahrhunderts, die Reste der Gothen „apud quasdam Scytharum gentes, maxime Tomitanos, die divina officia noch in gothischer Sprache recitirt, also in dem damals noch heidnischen Bulgarenreiche. Ebenso sind die Reste anderer arianischen Christen, der Gepiden in Pannonien, welche im VIII.–IX. Jahrhundert bei Paulus Diaconus (1, 27) und in der Conversio Bajoariorum et Carantanorum erwähnt werden, unter der Avarenherrschaft wohl nicht wieder ins Heidenthum verfallen. In Sirmium ist es merkwürdig, wie der Cultus des heil. Demetrius von Thessalonich, welchem der praefectus praetorio Illyrici Leontius (um 412–413) in der Stadt eine Kirche erbaut hatte, sich alle Zeiten hindurch bis in das späte Mittelalter erhalten hat, wo auf den Ruinen der Römerstadt die civitas S. Demetrii, das jetzige Mitrovica bestand (Christ. Elem. 93 f.). Dadurch erklärt sich auch die Leichtigkeit, mit der sich das Christenthum bei den Croaten, Serben und Bulgaren verbreitete, bei den ersteren, wie es scheint, ohne den geringsten Widerstand zu finden. Dass die Slaven bei ihrer Einwanderung in die Länder südlich von der Donau früher

* Ueber diese Zinsgelder der Ragusaner vgl. meine Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Bosnien während des Mittelalters 11–14.

* Vgl. die Belege in meiner Bedeutung von Ragusa in der Handelsgeschichte des Mittelalters 48–50 (Almanach der kais. Akademie der Wissensch. 1899, 412–414).

Denkschriften der phil.-hist. Classe. XLVIII. Bd. III. Abh. 5

* Cecaumeni Strategiconet incerti scriptoris de officiis regiis libellus. Ediderunt B. Wassiliewsky et v. Jernstedt, Petropoli 1896 (aus den „Zapiski“ der Universität) § 172 f., p. 67–75. * Reste romanischer Ortsmomenclatur in jetzt slavischen Landschaften Bulgariens habe ich zusammengestellt in den Archäo

logischen Fragmenten aus Bulgarien, Arch.-epigr. Mitth. 10, 51–52, Cesty po Bulharsku 249, 292–293, 360, 368, Fürstenthum Bulgarien 123–124.

und mehr mit Romanen als mit Griechen verkehrten, davon geben Zeugniss die zahl

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