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III.

DIE ROMANEN IN DEN STÄDTEN DALMATIENS

WÄHREND

ND DES MITTELALTERS.

VON

CONSTANTIN JIREČEK

WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

ERSTER THEIL.

VORGELEGT IN DER SITZUNG VOM 19. JUNI 1901.

I. Einleitung

1. Vorwort.

In Dalmatien hat sich nach den grossen Veränderungen des VII. Jahrhunderts, den Invasionen der Avaren und der Besiedelung der Landschaften südlich von der Donau und Save durch die Slaven, ein Rest der römischen Provinz unter dem Schutze des Kaiserthums von Constantinopel noch lange Zeit behauptet. Es war eine Reihe von Städten und Inseln, in denen die alte römische oder romanisirte Provinzialbevölkerung fortlebte. Die Personennamen dieser Romani, Latini oder Dalmatini tragen noch in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters vielfach einen spätrömischen Typus. Die Kirche Dalmatiens blieb stets in Verbindung mit Rom. Aus dem Vulgärlatein entwickelte sich ein eigenthümlicher romanischer Dialekt, der in manchen Erscheinungen sich von den Mundarten Italiens weit entfernte und, wie wir aus einem Zeugnisse des XV. Jahrhunderts wissen, damals von Leuten aus Toscana nur schwer verstanden wurde. Langsam verdrängte ihn der Dialekt von Venedig. Die letzten Reste des altdalmatinischen Dialekts sind in unseren Tagen in Veglia erloschen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Ueberreste der Provinz immer kleiner, die Bevölkerung in den Städten immer mehr gemischt. Die Erben der Byzantiner in der Herrschaft über diese Küste waren die Venetianer und die Ungarn. Durch Heiratsverbindungen mit der Nachbarschaft, durch den Handelsverkehr in das Innere der Balkanhalbinsel, wobei viele Stadtbürger mitunter Jahre lang in den Marktplätzen von Bosnien und Serbien verweilten, durch territoriale Erwerbungen der einzelnen Städte und besonders durch die Aufnahme von Neubürgern bei dem commerciellen Aufschwunge der Gemeinden machte die Slavisirung, im äussersten Süden die Albanisirung der Städte immer grössere Fortschritte.

Denkschriften der pbil.-hist. Classe. XLVIII. Bd. III. Abh.

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Die furchtbaren Seuchen des XIV. Jahrhunderts decimirten die Reste der Altbürger. In dem Zeitalter der Renaissance classischer Studien, im XV. Jahrhundert wollten von den Gebildeten die Einen reine Nachkommen des Romulus und der Quiriten sein, während Andere, besonders in Spalato und Ragusa, Begründer der südslavischen Kunstpoesie wurden. Eine Specialität Dalmatiens, ein Wahrzeichen der Bilinguität der Städte, waren seit dieser Zeit Schriftsteller, die gleichzeitig lateinisch oder italienisch und slavisch schrieben oder dichteten. Die Eroberung aller christlichen Nachbargebiete durch die Türken hemmte die früher so lebhaften Beziehungen zu den Slaven der Halbinsel. Andererseits brachte die Herrschaft Venedigs über alle diese Stadtgemeinden, ausser der Republik Ragusa, die Bürgerschaften in engere Beziehungen zu Italien. Die ethnographischen Umformungen waren im Laufe der Zeiten ganz langsam vor sich gegangen, ohne gewaltsamen Umsturz. So kam es, dass das Gebäude der alten römischen oder mittelalterlich-romanischen Gemeinde äusserlich noch immer fortbestand, obwohl die Bevölkerung schon lange ganz verändert war. Um 1500 gab es in den Städten nicht viele Familien, die ihren Stammbaum zu den alten Prioren und Tribunen des byzantinischen Oépa Aanpatias, geschweige denn in die Zeiten des Kaisers Iulius Nepos oder des Justinian zurückführen konnten. Selbst unter den Altbürgern, die sich als ein Stadtadel, eine herrschende privilegirte Classe abgeschlossen hatten, verrathen viele Familiennamen einen nicht römischen Ursprung. Aber die Rathscollegien debattirten noch immer italienisch, die Urkunden und öffentlichen Bücher wurden lateinisch oder italienisch geschrieben, ebenso die Schriften über Geschichte und Recht; slavisch war die Sprache des Hauses, des Marktes und der Poesie.

Die vorliegende Arbeit enthält einen Versuch, die mittelalterliche Ethnographie der dalmatinischen Stadtgemeinden auf Grund des Quellenmaterials zu beleuchten. Die Studie bewegt sich auf einem räumlich fest begrenzten Boden. Dalmatien wird in der Bedeutung dieses Namens in der früheren römischen Kaiserzeit aufgefasst, als diese Provinz vor den Reformen des Diocletian von Istrien bis nach Nord-Albanien reichte. Einbezogen sind daher auch Scodra, Drivasto, Dulcigno und Antivari, im Mittelalter romanisch-albanesische Städte mit lateinischer Kanzlei. Ausgeschlossen aus dem Rahmen dieser Untersuchung sind dagegen diejenigen Stadtgemeinden, welche, mögen sie zum Theil auch antike Namen führen, während des Mittelalters von Slaven bewohnt waren, wie Budua (Boulon, Butua des Alterthums), Curzola, Almissa, Sebenico, Nona (das römische Aenona) u. A.

Das erhaltene Quellenmaterial zum Studium dieser ethnographischen Fragen ist ungleich. Für die wichtigste Zeit, die ersten Jahrhunderte nach der Ansiedlung der Slaven in Dalmatien, ist es ganz unzureichend. Zwischen den Nachrichten über den dalmatinischen Clerus in den Briefen des Papstes Gregor I. (590—604) und der ersten Beschreibung des mittelalterlichen Dalmatiens in den Werken des Kaisers Konstantin Porphyrogennetos († 959) befindet sich eine grosse Lücke. Am wenigsten wissen wir über das VIII. Jahrhundert. Von den erhaltenen Urkunden, zugänglich in den gedruckten Sammlungen von Lucius, Farlati, Carrara, Kukuljević, Rački, Ljubić 11. A., stammen die ältesten aus dem IX. Jahrhundert. Die Zahl der Documente wächst seitdem, besonders nach 1200. Mit dem XIII. Jahrhundert beginnen die erhaltenen Archivbücher, Conceptbücher der Notare, Testamente, Gerichtsbücher, nach 1300 auch die Protokolle der Rathscollegien der Städte.

Die gegenwärtige Abhandlung steht im Zusammenhange mit meiner kleinen Arbeit über die Wlachen und Maurowlachen in den Denkmälern von Ragusa (Sitzungsberichte der kgl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften in Prag, 27. Jänner 1879), den Bemerkungen über

die dalmatinischen Handelsstädte in der Abhandlung über die Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Bosnien während des Mittelalters (Prag 1879, Abhandl. der kgl. Gesellsch., VI. Folge, 10. Band) und einigen neueren Studien über die Geschichte und historische Geographie von Dalmatien, speciell von Ragusa. Die mittelalterliche Bevölkerung von Ragusa allein habe ich die Absicht, in einer eigenen Abhandlung näher zu behandeln.

Gern hätte ich mich beschränkt auf die Zeit vor 1300, aber die ungleiche Beschaffenheit des erhaltenen Materials bewog mich, weiter zu gehen, bis 1500. Eine nicht unbedenkliche Schwierigkeit, die mich fast von der Veröffentlichung der vorliegenden Studie abgehalten hätte, ist die Unzuverlässigkeit vieler der vorhandenen Editionen von Urkunden, mit ihren zahlreichen Lese- und Druckfehlern. Aus eigener Anschauung kenne ich das Material für Ragusa und Cattaro, stellenweise auch die Archivbücher von Zara und Spalato. Eine Collation aller Namen mit den Originalen würde viele Jahre erfordern und hätte eine Berechtigung nur als Vorarbeit zu einer grossen neuen Urkundenpublication, einem Unternehmen, das mir ferne liegt."

Die Abhandlung besteht aus drei Theilen: der Einleitung, den Urkunden und den Verzeichnissen von Personennamen. Die Ortsnamen sind in den Prolegomena besprochen. In denselben ist auch das lexikalische Material in einer Reihe von Proben herangezogen; die Zusammenstellung eines grösseren Glossars habe ich vermieden, da dasselbe leicht zu einem Lexikon des mittelalterlichen Lateins der dalmatinischen Rechtsbücher und Urkunden anwachsen könnte. Unter den Texten mit Spuren des altdalmatinischen Dialekts sind besonders bemerkenswerth der von mir 1890 in den ,Diversas von Ragusa gefundene Originalbrief des ,Todru de Fomat“ (Theodorus de Fumato), Nobilis von Zara, an Ser Pon, unurivol canciler de Ragusa' von 1325 und die Ragusaner Testamente aus den Pestjahren 1348 und 1362. Meine Aufgabe ist die des Historikers und bei den Texten des Herausgebers; die Erklärung von Lauten, Formen und auch von vielen Namen ist Sache der romanischen Philologen. Zu den Verzeichnissen der Zunamen oder Familiennamen muss ich ausdrücklich bemerken, dass dieselben zu ethnographischen Studien angelegt sind, stets die älteste urkundlich beglaubigte Namensform bevorzugen und keineswegs als ein Register der mittelalterlichen Patricierfamilien Dalmatiens dienen sollen. Für unsere Zwecke ist daher ein einmal vor

? Einige Beispiele zur Unsicherheit der Namensformen in den Editionen. Ein Stadtrichter von Spalato 1150 heisst bei

Farlati 3, 178 und bei Kukuljević, Codex diplomaticus 2, 41 Vita Dindiculo; in dem Original, einem Codex des Domcapitels von Spalato, den ich 1890 eingesehen habe, steht ,uita ñdiculo', also Vita de Merdiculo. Ein Spalatiner der Jahre 1144–1195 heisst bei Kukuljević 2, 37 Micha Malanarate, Malanarete 89, de Malaurata 96, Malantrata 152, Malantraue 177, bei Lucius, Mem. di Traù 497 Malarata. Ich kann leider nicht angeben, welche Variante die richtige ist. Ein 1175—1190 genannter Zaratiner heisst bei Kukuljević 2, 94, 156 Petrissa filius Oure, Petriscius Oure, bei Makušev, Monumenta historica Slavorum meridionalium 1, 423 im Vertrag zwischen Zara und Pisa 1188 Petriscia de Onta, in den Excerpten des Lucius aus den Urkunden der Abtei des heil. Chrysogonus, in den Starine 19, 92 herausgegeben von Ljubić, 1190 Petriscia Ourte. Richtig dürfte wohl der Nominativ Oura sein, nach dem Ortsnamen Puncta Ure, pasculum Ure 1347—1356 bei Ljubić, Listine 2, 437, 456 und 3, 317, jetzt die Insel Pontadura bei Zara. Der Name der Spalatiner Familie Petracca, später de Petrachis, ist in den allein erhaltenen italienischen Uebersetzungen der Urkunden des St. Stephansklosters bei Kukuljević 2, 105, 160 (1178, 1190) dem des Dichters Petrarca gleich geworden. Dominus Nicolaus dictus Gospodinus, iudex von Veglia 1317—1343, erscheint bei Ljubić 2, 201 als Goipovinus. Lampridius, Primicerius der Kirche von Traù, seit 1319 Bischof der Stadt, ist in den Excepten des Lucius aus den Stadtbüchern von Traù in den Starine 13, 229 gedruckt ,d. Lampridii Primine (statt primicerii). Grube oder Grubole Stephani de Grube aus einem bekannten Adelsgeschlechte von Arbe heisst 1345 bei Farlati 5, 247 Grabe (sic) Stephanus Gruhe (sic), 1334 bei Ljubić 5, 264 Guibole Stephani de Guibe (Guibe noch mehrmals nachher). Ein Mitglied der hervorragenden Familie Varicassi von Zara ist 1412 bei Ljubić 6, 269 als Ser Simon de Vauchussi zu lesen, ebenso einer der de Avantio, Avanzi von Spalato 1451 ib. 9, 379 als Michael Francisci de Auratio u. s. w.

kommender origineller Name, wie Manduca-Vacca, Palpatico oder Pan de Milio, ungleich wichtiger als ein noch so berühmter Familienname, der von einem Heiligennamen abstammt.

Ortskundige Localforscher werden z. B. die Familien von Spalato oder die Flurnamen von Arbe vollständiger kennen, als es mir möglich sein kann. Eine erschöpfende Vollständigkeit des Materials anzustreben lag mir aber von vorneherein fern. Zur Lösung einzelner ethnographischer Fragen, die selbst nur einen kleinen Theil der historischen Völkerkunde Europas im Allgemeinen bilden, genügt wohl eine kleinere Sammlung gut beglaubigter Beispiele.

Bei der Schreibung slavischer Namen hielt ich mich an die Transscription von Miklosich und die Orthographie der jetzigen croatischen Bücher und Zeitschriften. Nur in Fällen, wo die Laute phonetisch genauer festzustellen waren, griff ich zur Schreibweise des neuen Wörterbuches der südslavischen Akademie.

Ich habe Dalmatien seit 1878 zu wiederholten Malen zum Zwecke historischer Studien besucht und habe bei den Beamten der k. k. Statthalterei und der Archive, bei den Präsidenten und Mitgliedern der Gerichtshöfe, bei Würdenträgern des Clerus, bei Inspectoren, Directoren und Professoren der Schulen u. A. überall freundschaftliches Entgegenkommen gefunden. Es ist mir eine angenehme Pflicht, Aller, der Lebenden wie der seitdem Verstorbenen, bei dieser Gelegenheit abermals dankbar zu gedenken.

Das Quellenmaterial.

Für Veglia beginnen die Urkunden 1018. Wichtig ist ein Namensverzeichniss der Veglisani in einer Urkunde von 1198, gedruckt bei Ljubić und Kukuljević. Für die späteren Zeiten bieten viel Werthvolles die Excerpte des Franciscaners P. Felix Bartoli (um 1740) aus jetzt verlorenen Originalen, herausgegeben von Črnčić in den Starine der südslavischen Akademie in Agram Bd. 20, 21 und von Magdić im Vjestnik des croatischen Landesarchivs Bd. 2. Die mit glagolitischer Schrift geschriebenen slavischen Urkunden aus dem offenen Lande ausserhalb der Stadt Veglia sind gesammelt bei Kukuljević, Acta croatica, und Šurmin, Monumenta historico-juridica Slavorum meridionalium Bd. 6.

Die ersten mittelalterlichen Nachrichten über die Einwohner der grünen, quellenreichen Insel Arbe mit ihrer durch schöne alte Kirchenbauten geschmückten, in unseren Tagen halb verödeten Hauptstadt befinden sich in einer Urkunde von Zara 986. Seit 1018 mehrt sich die Zahl der Documente. Bemerkenswerth sind die Rechnungen der ,camerarii' von Arbe 1334-1333, herausgegeben von Ljubić, Listine 5, 229-270 aus einem Codex des Staatsarchivs von Venedig. Ueber das Archiv der Kirche von Arbe sagt Rački (Documenta p. VI): perpauca acta in omnem ventum disiecta mortis periculum vix effugerunt'. Einige Originale gelangten in das k. k. Statthaltereiarchiv in Zara, andere in das croatische Landesarchiv in Agram (Vjestnik 1, 18). Eine von Rački (Rad 26, 169) citirte Sammlung der Beschlüsse der Gemeinde seit 1324 (Mare magno) und ein von Kukuljević erwähntes ,Registrum literarum communis Arbi' (Libro rosso) von 1504 sollen sich noch in Arbe befinden.

In Zara beginnt das Urkundenmaterial 918. In der älteren Zeit betrifft es meist die grossen Abteien der Stadt, das Benedictinerkloster des heil. Chrysogonus (aufgehoben 1807) und das noch bestehende Frauenkloster S. Maria, sowie die benachbarte Abtei des heil. Apostels Johannes von Rogovo bei Belgrad, jetzt Biograd (Zara vecchia), die später in das Kloster der heil. Kosmas und Damian auf der Insel Pasman übertragen wurde (unterdrückt in der Napoleonischen Zeit). Die Urkunden der aufgehobenen Klöster werden im Archive der k. k. Statthalterei in Zara verwahrt. Das ganze Material über Rogovo ist beschrieben von Jelić, Historisch-topographische Notizen über das Küstenland von Biograd (im Vjesnik der croatischen archäologischen Gesellschaft, Neue Serie 3 [1898], 70 f.). Wichtig ist ein Urbar der letztgenannten Abtei, „libellus Policorion, qui et topicus uocatur (die Termini sind griechisch: Thumoplov,

Torinós; dass im Orig. topicus und nicht wie bei Ljubić tipicus steht, Jelić l. c. 71 A. 4), ein Codex des XIV. Jahrhunderts, beschrieben von Rački (Rad jugoslavenske akademije 26, 160—164) und ganz herausgegeben von Ljubić (Starine 23, 154—243). Die erhaltenen Notarialbücher und Testamente im Archiv des k. k. Landesgerichtes beginnen 1288; das Register des Notars Creste de Tarallo 1289—1290, das ich 1897 excerpirt habe, ist seitdem von Jelić im Vjestnik des croatischen Landesarchivs (Bd. 1—3, 1899–1901) publicirt worden. Bei meinen Studien in den Archiven von Zara muss ich der zuvorkommenden Unterstützung von Seite des Herrn Archivars Böttner und des Herrn Präsidenten des k. k. Landesgerichtes Dr. Cesare de Pellegrini-Danieli mit Dank erwähnen.

Traù (lat. Tragurium, sl. Trogir), eine Gründung der Hellenen von Issa noch aus der vorrömischen Zeit, hat Urkunden erst seit 1064. Die alten Archive hat der hiesige Patricier Joannes Lucius, der bedeutendste Historiker Dalmatiens in der Neuzeit, für seine trefflichen „Memorie istoriche di Traù' (Venezia 1673) benützt. Seine archivalischen Excerpte dazu (1226–1515) aus jetzt verschollenen Originalen sind von Rački in den Starine 13 (1881) veröffentlicht worden. Nach den Berichten von Rački (Rad 26, 174 f. befinden sich Protokolle der Gemeinde von Traù von 1316 in der Bibliothek der Grafen FanfognaGaragnin, Notarialbücher seit 1342 bei dem k. k. Bezirksgerichte in Traù.

In Spalato, dessen Erzbischöfe als Nachfolger der Kirche von Salonae lange Zeit das kirchliche Oberhaupt Dalmatiens waren, beginnen die Documente in Copien mit 852, die Originale 1088. Reiches Material bieten die Urkunden des Nonnenklosters des heil. Benedictus (jetzt verwahrt im Kloster S. Maria in Zara) und einige Copiare: des Erzbisthums, des Benedictinerklosters S. Stephanus de Pinis vor der Stadt (Urk. 1020—1503 in einer italienischen Uebersetzung aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts in einem Codex der St. Marcusbibliothek in Venedig) und des Klosters des heil. Petrus in Selo. Die seit 1314 erhaltenen Kanzlei- und Gerichtsbücher der Stadt befinden sich theils bei dem k. k. Kreisgerichte in Spalato, theils im k. k. Statthaltereiarchive in Zara.

In Ragusa ist das Material für die frühere Zeit sehr karg. Die ältesten Nachrichten über die Einwohner haben wir bei Kaiser Konstantin Porphyrogennetos, welcher (ed. Bonn. 3, 137) um 948 sieben Ragusaner mit Namen nennt, dann in der Stiftungsurkunde des Benedictinerklosters auf der Insel Lacroma aus der Zeit des Kaisers Basilios II. (976—1025) und in einem in der Abtei von Monte Cassino erhaltenen Document von 1014. Das gewaltige Urkundenmaterial der Archive von Ragusa beginnt seit 1168, die erhaltenen Archivbücher 1278. Nach 1300 gibt es kaum einen Einwohner, der in diesem überaus reichhaltigen archivalischen Material nicht irgendwo genannt wäre. Bei meinen seit 1878 öfters fortgesetzten und heute noch nicht vollendeten archivalischen Studien in Ragusa muss ich des freundlichen Entgegenkommens von Seite des † Herrn Hofrathes Nicolaus von Rendić-Miočević, des Professors und Conservators Josef Gelcich und der Herren Präsidenten des k. k. Kreisgerichtes † Josef Valenčić und Vinko Milić, gegenwärtig Bürgermeister von Spalato, dankbar gedenken.

Der grosse Reichthum von Urkunden seit 809 oder 1090 für die Geschichte von Cattaro, welche noch Farlati und sein Fortsetzer Coleti für das Illyricum sacrum' benützt haben, ist heute verschollen. Auch die Sammlungen von Privatleuten befinden sich heute nicht mehr in Cattaro, so die Collection Papafava, jetzt im Besitze der südslavischen Akademie in Agram, und die Sammlungen des Dr. Urbano Rafaelli († 1848). Die Reste des Archivs der politischen Behörden werden im k. k. Statthaltereiarchive in Zara verwahrt. Das Archiv des k. k. Kreisgerichtes in Cattaro enthält Notarialbücher von 1326—1334, 1396 -1400 und 1418 ff. Ich habe diese Stadtbücher 1890 excerpirt, unterstützt von der Freundlichkeit des Herrn Landesgerichtsrathes v. Cippico.

Antivari und Dulcigno sind 1571 von den Türken erobert worden, wobei die Archive zu Grunde gingen. Sehr zu bedauern ist dies besonders bei Antivari, welches seit dem XI. Jahrhundert als eigenes Erzbisthum ein kirchliches Centrum dieser Länder war. Die alte Stadtbevölkerung kennen wir aus den Archivbüchern von Cattaro, Ragusa (Appellationen der Antibarenser an die Gerichte von Ragusa 1414– 1444) und Venedig. Gering ist das Material für die uralte Stadt Scutari, Scodra der Römer und der heutigen Albanesen, die sich seit 1479 im Besitze der Türken befindet. Für die Kenntniss der Umgebung der Stadt ist in einem Codex der St. Marcusbibliothek ein Catasticum von 1416 erhalten, wichtig zur Kunde der Personennamen, bisher leider nur in einem Auszuge von Ljubić (Starine 14) zugänglich. Ein

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