Obrazy na stronie
PDF

Sprache bei den Slaven Dalmatiens so viel wie das Toscanische in Italien gelte: „è ben vero, che i cittadini tutti parlano lingua franca, et alcuni vestono all' usanza italiana; ma le donne non favellano se non la loro lingua materna, benchè alcune delle nobili vestono secondo l'usanza italiana“ (Commiss. 2, 215). Derselbe berichtet über Trail: hanno ben tutti la lingua franca, ma nelle case loro parlano lingua schiava per rispetto delle donne, perchè poche d'esse intendono lingua italiana, et si ben qualcuna l'intende, non vuol parlare, se non la lingua materna. (ib. 2, 208). In Zara la maggior parte de nobili vive, favella et veste all' usanza d'Italia; die popolari“ aber, „se ben hanno quasi tutti la lingua franca, vivono all' usanza schiava tutti“ (ib. 2, 197). Die lange venetianische Herrschaft beförderte andererseits die Ausbreitung der italienischen Sprache auch in denjenigen Städten, deren Bürgerschaft slavischen Ursprungs war, in Curzola, Lesina, Sebenico u. s. w. Die Namen der Nobiles von Curzola, der Prvošević, Dobroslavié, Radoslavic u. A. sind mit wenigen Ausnahmen (wie der Canavelli) rein slavisch. Diese Verhältnisse charakterisirt ein Sammler römischer Inschriften, ein Slave von Ursprung, der gelehrte Dominicus Zavoreus aus Sebenico (1603) in kurzen Worten: ob assiduam cum Venetis consuetudinem, qui Itali sunt, ut in nobis, qui maritima Dalmatiae incolimus loca, imperium habent, ad illorum morem potius, quam Slovinorum inclinamus et idcirco nominibus italicis et quasi residuo sermonis utimur, nisi quod in privatis domibus cum pueris, mulierculis et plebeis et vix slovino nostro idiomate loquimur“ (ed. Ljubié, Rad 65, 133). Dabei wurde z. B. in Zara der Stadtadel verstärkt durch Aufnahme neuer Mitglieder, italienischer Edelleute in venetianischen Diensten, wie der Lantana, Fondra und Ponte aus Bergamo, Pellegrini aus Reggio d'Emilia u. A. Heutigen Tages ist von den mittelalterlichen Stadtbevölkerungen Dalmatiens wenig

mehr vorhanden, besonders von den Altbürgern, den Nobiles aus der Periode vor 1500. In Ragusa gibt es noch Nachkommen von neun Adelsfamilien aus der Zeit vor 1667, aber daneben auch nur wenige Reste der Kaufmannsfamilien de populo“ des XV.–XVII. Jahrhunderts. In Zara leben Nachkommen nur noch von zwei mittelalterlichen Adelsgeschlechtern der Stadt (Conte Begna und Conte Fanfogna). In Cattaro erkundigt man sich vergebens nach den Nobiles des Mittelalters; die Buchia, Bolizza, Pasquali, Vrachien, Drago u. A. sind dort vollständig verschwunden. Aber auch die Landbevölkerung des Festlandes von Dalmatien stammt nur theilweise direct von den mittelalterlichen Bewohnern derselben Gebiete ab. Alle binnenländischen Landschaften zwischen Zengg und Spalato sind seit dem Ende des XVII. Jahrhunderts, seit der Vertreibung der Türken, welche seinerzeit die dortige alte Bevölkerung grösstentheils zersprengt und vertrieben hatten (S. 40), meist neu besiedelt worden. Dagegen behaupteten sich z. B. die Einwohner der gebirgigen Landschaft Poljice bei Spalato, die Landbevölkerung auf dem Gebiete der Republik Ragusa und zum Theil auch die Gebirgsbewohner in der Umgebung des Golfes von Cattaro.

* Ueber die venetianische Periode vgl. Professor H. J. Bidermann, Zur Ethnographie von Dalmatien, Oesterreichisch-Ungarische Revue 1888.

NACH TRÄGE.

Zu S. 27, Z. 2. Als die jüngste Inschrift von Salonae gilt CIL. III Suppl. Nr. 9551: „Hic quiescit in pace | sanct(a) abtissa (sic) Iohnna (sic) Sermenses qui bixit ann . . . . . . die Veneres exiit de corpore | IIII Idus Maias indictione qu(in)ta decim(a).“ Den Todestag dieser Abbatissa Johanna aus Sirmium verlegt man auf Freitag 12. Mai 612. Das Datum mit der 15. Indiction passt zu keinem Jahre vor 612, auch nicht im V. oder VI. Jahrhundert. Es kann aber auch die 14. Indiction gewesen sein: „indictione qu(ar)ta decima“. Dann gehört Freitag 12. Mai (nach den Tabellen bei Grotefend, Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, I, Hannover 1891) in das Jahr 506, also in die Gothenzeit, oder in das Jahr 551, in die Regierungszeit Justinians. Indictionsdaten sind in dieser Zeit nicht sehr verlässlich. Vgl. den Zweifel auf dem Grabstein eines Syrers in Varna in Bulgarien, ob der 20. October des 31. Regierungsjahres Justinians (557) dem 6. oder 7. Jahre des Indictionscyklus angehörte: »2x:ö»2; (Arch.-epigr. Mitth. 10, 179).

Ein neuer Abdruck der Inschrift im Bull. Dalm. Bd. 16 (1893), S. 114 gibt Z. 4 „bixit annos XL“, das Indictionsdatum wie oben. Nach einem Abklatsch, den ich durch die Güte des Herrn Museumsdirectors Dr. F. Bulié während des Druckes der vorliegenden Seite erhalten habe, ist bei der Indiction von der ersten Silbe des Zahlwortes auf dem Stein nur ein Q sichtbar. Wie mir Herr Dr. Bulié schreibt, erscheint die Inschrift dieses Sarkophages demnächst nochmals im CIL. Suppl. Addit. p. 2139, Nr. 12864.

S. 25, Z. 13. Vlaski galt als italienisch in Ragusa noch um 1600. Eine in Rom 1592 gedruckte Belehrung über die heilige Messe ist auf dem Titel bezeichnet als Uebersetzung aus dem „Wlachischen“ ins „Ragusanische“: Način, koji se ima obsluzit u govorenju od mise, istomačen iz vlaskoga u jezik dubrovački“ (neuer Abdruck vorbereitet von Dr. M. von Resetar in der „Gradja“ der südslawischen Akademie). S. 57, Z. 4 von unten. Sukmasin, abgekürzt Sukmas, eine Kapelle des heil. Maximus bei dem

Dorfe Jesenice in der Landschaft Poljice bei Spalato. Sutikva bei Salonae als S. Thecla belegt in Urkunden des XIV. Jahrhunderts (Mittheilung von Dr. F. Bulié).

I N HA L T.

I. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1

1. Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Das Quellenmaterial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

2. Römer und Romanen im Norden der Balkanhalbinsel bis zur Einwanderung der Slaven . . . 9

Die griechischen Colonien und die Ausbreitung der griechischen Sprache. Römische Colonisation in Dalmatien und im unteren Donaugebiete. Grenze zwischen Latein und Griechisch von der Adria bis zum Pontus. Lateinische Ortsnamen. Lateinische Termini der altchristlichen Zeit. Lateinische Literatur im Haemus- und Donaugebiete. Historische Schicksale Dalmatiens. Donaurömer im oströmischen Heere bis in die Zeit des Heraklios. Spuren des Vulgärlateins. Entstehung des Rumänischen, des halbromanischen Albanesischen und des Altdalmatinischen.

3. Dalmatien nach Einwanderung der Slaven . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Dalmatien 537–602. Invasionen der Avaren und Slaven. Umwälzungen unter den Kaisern Phokas und Heraklios 602–628. Untergang von Salonae, Epidaurum und anderen Städten. Slavische Colonisation. Langsame Zerbröckelung der Reste der Provinz Dalmatien unter den Byzantinern. Verschiebungen der Bevölkerung in den ehemaligen römischen Provinzen des Binnenlandes. Alle Romanen als „Wlachen“. Romanische Elemente im Slavischen in den Balkanländern. Rumänische Personennamen aus Serbien, der Hercegovina und Croatien. Rumänische Sprache der Wlachen in den Gebirgen Dalmatiens. Nordgrenze der Albanesen im Mittelalter. Die albanesischen Personennamen. Die Volksnamen Albanesen und Skipetaren.

4. Die Romanen der dalmatinischen Städte des Mittelalters . . . . . . . . . . . . . . 44

Romani, Latini, Dalmatini. Städtische Nobilität. Die Kirchen von Salonae und Praevalis. Die Erzbisthümer von Spalato, Zara, Ragusa und Antivari. Der Bischof von Cattaro unter dem Erzbischof von Bari in Apulien. Griechischer Einfluss auf die Kirche nur unter Kaiser Basilios I. Der romanische Clerus seit dem IX. Jahrhundert gegen die slavische Liturgie. Basilica und ecclesia. Altchristliche, occidentalische und orientalische Heiligenculte. St. Demetrius und St. Plato in Zara. Namen aus dem Alten Testamente. Geographische Namen auf Sut-, Su(aus Sant, San).

5. Romanische Orts- und Flurnamen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58

Zähes Fortleben antiker Namen im einstigen Praevalis: Scodra, Medeon des Polybios, jetzt Medun u. A. Romanische Flurnamen bei Drivasto, Alessio, Antivari. Auslese aus der topographischen Nomenclatur in den Umgebungen von Cattaro, Ragusa, Spalato, Traü, Zara, Arbe, Veglia und am Quarnero.

6. Die Personennamen des Mittelalters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66

Althellenische Elemente zweifelhaft. Namen der Römerzeit. Dominirend die spätrömische, christliche Nomenclatur des V.–VIII. Jahrhunderts. Byzantinische, langobardische und slavische Namen. Modenamen des Mittelalters, Regentennamen, Namen aus mittelalterlichen Romanen. Antike Namen während der Renaissance der classischen Studien. Verfall der Namensgebung seit 1500. Kurzformen. Hybride romanisch-slavische Formationen. Entstehung der Familiennamen. Dreitheilige Namen der Nobiles seit 1250. Connubium zwischen den Städten. Ursprung und Bedeutung der Familien- und Spitznamen.

104 III. ABH.: C. JIRECEk. DIE RoMANEN IN DEN STÄDTEN DALMATIENs wÄHREND DEs MITTELALTERs. Seite 7. Der romanische Dialekt der Dalmatiner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78

Nachrichten über die lateinische Vulgärsprache der dalmatinischen Städte bei Wilhelm von Tyrus, Joannes de Ravenna, Philippus de Diversis, Giovanni Batt. Giustiniano, Conrad Gesner und Joannes Lucius. Der altdalmatinische Dialekt. Sein letzter Rest in Veglia erloschen im XIX. Jahrhundert. Allgemeiner Charakter des Dialektes. Localer Wortschatz.

8. Die Slaven in den Städten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Slavische Personennamen unter den städtischen Nobiles seit dem X. Jahrhundert, in stets wachsender Anzahl. Heiratsverbindungen der Patricier mit den slavischen Edelleuten und Fürsten der Nachbarschaft. Slavische Flüchtlinge in den Städten. Aufnahme von Neubürgern. Ungenügende Kenntniss des Slavischen in Ragusa noch im XIII.–XIV. Jahrhundert, sichtbar an der fehlerhaften Sprache der Urkunden. Decimirung der Altbürger durch die Pestseuchen, besonders 1348. Slavisirung im Norden, Albanisirung im Süden, in Dulcigno, Antivari und Scutari. Lateinische und slavische Poesie der Renaissance. Die Verwaltungssprache der Städte blieb aber lateinisch oder italienisch. Sprachenverhältnisse zu Anfang der Neuzeit.

Nachträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102

[ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][merged small][merged small][merged small]

Das Bestehen einer römischen Niederlassung in Hallstatt ist durch Gebäudereste, Gräber- und Münzenfunde schon seit langer Zeit erwiesen und gelegentlich auch die Vermuthung ausgesprochen worden, dass der Aufenthalt der Römer in jenem abgelegenen Gebirgswinkel nur aus dem Betrieb des dort befindlichen Salzbergwerkes erklärt werden könne.

Weiter ist man in die Geschichte dieser Niederlassung nicht eingegangen. Das Materiale, welches die Funde der Forschung darboten, blieb lange Zeit hindurch allzu dürftig und wurde von den grossen bedeutsamen Ergebnissen, welche die Aufgrabung des weitläufigen keltischen Leichenfeldes nächst dem Rudolfsthurme zu Tage brachten, völlig in den Schatten gestellt. Spätere planmässige Ausgrabungen, die in langen Zwischenräumen in den Jahren 1858, 1876, 1877 und 1889 vorgenommen wurden, bildeten den Gegenstand einzelner sehr verdienstlicher, aber heute nicht mehr genügender Publicationen, die in Sammelwerken verstreut sind und bisher einer vergleichenden Zusammenfassung ihrer Ergebnisse entbehrten; ja jene des letztgenannten Jahres sind unveröffentlicht geblieben. So kam man, abgesehen von manchen lehrreichen Einzelheiten, die sich aus jenen Ausgrabungen entnehmen liessen, nicht über die nackte Thatsache des Bestandes einer römischen Niederlassung hinaus.

Seit längerer Zeit hegte ich daher die Absicht, den römischen Funden in Hallstatt weiter nachzugehen, um über die für die Geschichte jener Niederlassung wichtigsten Fragen in chronologischer und topographischer Beziehung bestimmtere Vorstellungen zu gewinnen, als bisher möglich war; andere Obliegenheiten aber verhinderten mich, die Vorarbeiten zu einem Abschlusse zu bringen. Eine willkommene Anregung, sie wieder aufzunehmen, gab der Wunsch des dermaligen verdienstvollen Obmannes des Musealvereines in Hallstatt, Herrn Karl Seeauer, die dort verwahrten Münzen bestimmt zu sehen, zu welchem Zwecke mir die kleine Sammlung anvertraut wurde. Mehrere Gepräge der römischen Kaiserzeit aus genau bestimmten Fundstellen in Hallstatt und seiner Umgebung, welche sie enthält,

liessen sich durch zerstreute sichere Nachrichten über ältere derartige Funde ergänzen Denkschriften der phil.-hist. Classe. XLVIII. Bd. IV. Abh. 1

« PoprzedniaDalej »