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„Was mich betrifft,“ bemerkte jetzt Tscho-lung, „so mag ich durchaus nichts essen. Ich zwinge mich, täglich drei bis vier Meilen zu Fusse zu gehen; dieses verhilft mir ein wenig zur Esslust, gerade so viel als mir zuträglich.“ Die Königinn, deren unfreundliche Miene sich jetzt etwas erheiterte, bemerkte hierzu: „Ich bin dergleichen nicht im Stande.“ Tscho-lung fuhr fort: „Mein Sohn ist noch sehr jung, Er hat noch keine Ähnlichkeit mit seinem Vater, ich indessen bin schon abgelebt. Ich liebe ihn mit grosser Zärtlichkeit. Ich wünschte, ich könnte die Risse meines schwarzen Kleides") ausbessern und durch ihn bewachen lassen den Palast des Königs. Wenn ich sterbe, möchte ich dies noch hören.“ Die Königinn sprach: „Ich gebe achtungsvoll meine Zustimmung. Wie viele Jahre zählt er schon?“ „Fünfzehn Jahre. So jung er ist, wünsche ich dennoch, dass er wenigstens nicht ausfülle eine Wasserrinne und empfehle ihn deinem Schutze.“ Die Königinn sprach: „Lieben denn die Männer auch mit Zärtlichkeit ihre jungen Söhne?“ „Mehr als die Weiber.“ Die Königinn lächelte und sprach: „Die Weiber sind hierin sehr verschieden.“ Tscho-lung erwiederte: „Ich halte dafür, dass die Mutter die Königinn von Yen mehr liebt, als den Landesherrn von Tschang-ngan.“ Die Königinn sprach: „Du bist, o Herr, im Irrthum. Ich liebe sie nicht so sehr, wie den Landesherrn von Tschang-ngan.“ Tscho-lung antwortete: „Wenn Ältern ihre Kinder lieben, so erstreckt sich ihre Sorgfalt für sie in weite Ferne. Als die Mutter die Königinn von Yen begleitete, hielt sie sie an der Ferse und weinte um sie. Sie dachte daran, dass sie ihr ferne und trauerte auch um sie. Nachdem sie fortgegangen, dachte sie immer nur an sie. Bei dem Opfer betete sie zu den Göttern: Möget ihr sie nur nicht zurückkehren lassen! – Was ist dieses sonst, als die Sorge dafür, dass lange Zeit Söhne und Enkel einander folgen und herrschen als Könige?“ Die Königinn sprach: „So ist es.“ Tscho-lung fuhr fort: „Sind von denjenigen, welche vor drei Geschlechtsaltern bis zu den Söhnen und Enkeln der Herrscher von Tschao Lehenfürsten waren, noch Nachkommen am Leben ?“ „Es gibt deren keine.“ „Abgesehen von den Lehenfürsten von Tschao, sind deren noch andere am Leben?“ „Ich weiss von keinen.“ „Diejenigen unter ihnen, welche in der Nähe blieben, erreichte das Verderben. Bei denjenigen welche sich entfernten, erreichte es erst die Söhne und Enkel. Sollte es hier wohl nicht fest stehen, dass es nicht gut, wenn die Söhne der Herrscher Lehenfürsten werden? Ihre Rangstufe ist hoch, aber sie erwarben sich keine Verdienste. Ihre Belohnungen sind reichlich, aber sie haben dafür nichts geleistet. Dazu haben sie in ihrem Besitze der kostbaren Geräthe viele. Jetzt hat die Mutter ausgezeichnet die Rangstufe des Landesherrn von Tschang-ngan und ihn belehnt mit den fettesten Ländern. Sie schenkt ihm viele kostbare Geräthe, sie bringt es aber nicht dahin, dass sie ihm jetzt befähle, sich Verdienste um das Reich zu erwerben. Wenn eines Morgens die Berge und Höhen stürzen sollten, wie könnte der Landesherr von Tschang-ngan sich verlassen auf Tschao? Ich halte dafür, dass die Mutter in ihrer Sorge für den Landesherrn von Tschang-ngan nicht sehr weit geht; desswegen glaube ich auch, dass sie ihn

weniger liebt, als die Königinn von Yen.“

*) Schwarz war die Farbe der Staatskleider.

Die Königinn sprach endlich: „Wohlan! Ich willige in Alles, was du, o Herr, ihn heissest.“ Sie liess jetzt, gänzlich veränderten Sinnes, für ihren Sohn, den Landesherrn von Tschang-ngan hundert Wagen bespannen und schickte ihn als Geisel nach Thsi, worauf das Heer von Thsi wirklich aufbrach. # H Tse-I, ein weiser Staatsmann der damaligen Zeit, äusserte sich über diese Wendung der Dinge folgendermassen: „Der Sohn eines Herrschers ist ein Verwandter des Blutes. Dennoch ist er nicht im Stande festzuhalten an einer Ehrenstelle ohne Verdienste, an Belohnungen ohne eine Leistung und zu bewahren, was das Kostbarste von Gold und Edelsteinen. Um wie viel mehr ist dieses der Fall bei uns!“ Der Landesherr von F- #F Ngan-ping befehligte jetzt das Heer von Thsi, der Feldherr F BH Tien-tan das Heer von Tschao. Die beiden Heere unternahmen jedoch keinen Kriegszug gegen Thsin, sondern vorerst gegen dessen Verbündete Yen und Han. Sie bestürmten Tschung-yang, eine feste Stadt in Yen , welche sie eroberten. Auf einer anderen Seite wurde /. j-E Tschü-jin, eine feste Stadt in Han ebenfalls bestürmt und erobert. Schon im folgenden Jahre (264 vor Chr.) starn die Königinn Hoei-wen, worauf der Feldherr Tien-tan die Stelle eines ersten Ministers erhielt. Die von Thsi geleistete Hilfe konnte zur Bezwingung des Hauptfeindes nichts beitragen. Im Gegentheil standen dem Hause Tschao Unglücksfälle bevor, welche in der früheren Geschichte ohne Beispiel und deren Nähe mit einem Traume des Königs in Verbindung gebracht wurde. Im vierten Jahre seiner Regierung (262 vor Chr.) träumte dem König Hiao-tsching, dass er in ein Kleid mit einer Rückennaht, dessen Hälften verschieden, sich kleidete und auf einem fliegenden Drachen zum Himmel emporstieg. Ehe er jedoch dahin gelangte, fiel er wieder herab und erblickte auf der Erde Gold und Edelsteine gehäuft gleich Bergen. Am nächsten Morgen berief der König seinen Wahrsager, der ihm den Traum folgendermassen auslegte: „Der Traum, dass du gekleidet in ein Kleid mit einer Rückennaht, dessen Hälften verschieden, bedeutet Verderben. Dass du auf einem fliegenden Drachen emporstiegest zum Himmel, jedoch ehe du dahin gelangt, wieder herabgefallen, bedeutet Vergeblichkeit der Wünsche. Dass du Gold und Edelsteine erblicktest gehäuft gleich Bergen, bedeutet Kummer.“ Der Eintritt der unglücklichen Ereignisse liess indessen nicht lange auf sich warten. Schon am

dritten Tage, nachdem dem Könige dieses geträumt, erschien ein Abgesandter # Ä Fung-tings,

Statthalters von Ä E Schang-thang"), das ein Gebiet des Reiches Han, mit folgender Botschaft: „Han war nicht im Stande Schang-thang zu behaupten und trat es ab an Thsin. Doch die kleinen Diener und das Volk würden gerne angehören Tschao; sie wünschen es nicht, dass sie fallen an Thsin. Es sind feste Städte und Städte mit Märkten siebzehn; wir möchten uns wiederholt verbeugen und sie abtreten an Tschao. Mit den Gütern möge der König beschenken das Volk und die kleinen Diener.“ Dem König verursachte dieses Anerbieten sehr grosse Freude. Er berief sogleich Tschao-piao, den Landesherrn von Ping-yang, und theilte ihm mit: „Fung-ting tritt uns ab feste Städte und Städte mit Märkten siebzehn; wie wäre es, wenn wir sie annähmen?“ Tschao-piao erwiederte: „Die weisen Männer halten für das grösste Unglück einen Nutzen, zu dem man gekommen ohne Ursache.“ – Dagegen wendete der König ein: „Die Menschen sind eingenommen für meine Tugend; wie lässt sich sagen, dass ich dazu gekommen ohne Ursache?“ Hierauf erklärte sich der Prinz wie folgt: „Dieses Thsin nagt wie ein Seidenwurm an den Ländern des Geschlechtes Han. Es zerstört sie in der Mitte und lässt sie nicht mit einander verkehren. Es glaubt, dass es selbst in ihnen festsitzt und empfangen hat das Gebiet von Schang-thang. Indem das Geschlecht

1) In dem heutigen J # Schi-tscheu, Provinz Schan-si.

Han es nicht abtritt an Thsin, will es sein Unglück vermählen an Tschao. Dass Thsin sich unterziehen sollte der Mühe und Tschao davon erhalten den Nutzen, dergleichen ist selbst der Starke und Grosse nicht im Stande zu erlangen von dem Kleinen und Schwachen. Hat der Kleine und Schwache wohl Hoffnung, dass er im Stande es zu erlangen von dem Starken und Grossen? Wie liesse sich sagen, dass dieses kein Nutzen, zu dem man gekommen ohne Ursache ? Auch ist zu bemerken: Dieses Thsin, welches seine Vorräthe bezieht auf den Flüssen der Rinder und der Äcker, das nagend wie ein Seidenwurm höher steigt und doppelt hierdurch kämpft, es reisst entzwei die Gebiete der oberen Reiche, und nicht zugeben die Ausbreitung seiner Herrschaft, ist unmöglich. Wir dürfen es nicht annehmen.“ Der König entgegnete: „Ich habe ausgesandt ein Heer von einer Million und begonnen den Angriff. Nach Ablauf eines Jahres habe ich noch keine einzige Stadt erobert. Jetzt macht man unserem Reiche zum Geschenk feste Städte und Städte mit Märkten siebzehn; dieses ist ein grosser Nutzen.“ Nachdem Tschao-piao sich entfernt, berief der König noch den Landesherrn von Ä AF Ping-yuen und # jf Tschao-yü, die er über denselben Gegenstand befragte. Diese antworteten: „Wir haben abgesandt ein Heer von einer Million und begonnen den Angriff. Nach Ablauf eines Jahres hatten wir noch keine einzige Stadt erobert. Jetzt, indem wir ruhig verbleiben, erhalten wir feste Städte und Städte mit Märkten siebzehn. Diesen grossen Vortheil dürfen wir nicht aufgeben.“ In Folge dieses Rathes erhielt J stf. Tschao-sching, das ist der oben genannte Landesherr von Ping-yuen, den Auftrag, das Land in Besitz zu nehmen. Dieser Bevollmächtigte brachte Fung-ting, dem bisherigen Statthalter von Schang-thang, folgende Botschaft: „Ich bin Tschao-sching, der Abgesandte unseres niedrigen Reiches. Der Landesherr unseres niedrigen Reiches heisst mich bringen den Befehl: Er belehnt mit drei Städten welche bewohnt von zehntausend Familien, den ersten Statthalter. Mit drei Städten welche bewohnt von tausend Familien, belehnt er den Vorsteher des Landstrichs. Beide seien die Geschlechtsalter hindurch Lehensfürsten. Den kleinen Dienern und dem Volke wird der Rang erhöht um drei Stufen. Damit die kleinen Diener und das Volk im Stande seien sich zu freuen, schenkt er einem jeden unter ihnen sechs Pfund.“ Der Statthalter jedoch, das bevorstehende Unglück ahnend, vergoss Thränen und weigerte sich, den Abgesandten vorzulassen. Über das Peinliche seiner Lage äusserte er sich mit folgenden Worten: „Ich will nichts zu thun haben mit drei ungerechten Dingen. Für den Landesherrn das Land bewahren und nicht im Stande zu sein zu sterben, ist das erste der ungerechten Dinge. Es abtreten an Thsin und nicht gehorchen dem Befehle des Landesherrn, ist das zweite der ungerechten Dinge. Verkaufen das Land des Landesherrn und geniessen dessen Einkünfte, ist das dritte der ungerechten Dinge.“ Der Statthalter Fung-ting wurde übrigens von dem Könige von Tschao zum Landesherrn von # Hoa-ling ernannt und fiel später an der Seite Tschao-kö's, Feldherrn von Tschao, in der Schlacht von Tschang-ping. Über die eigentlichen Beweggründe seiner Handlung findet sich in dem Leben des Feldherrn Pe-khi einige Aufklärung. Thsin hatte + of Ye-wang"), ein Gebiet des Reiches Han, angegriffen und dasselbe zur Unterwerfung gezwungen. Hierdurch wurde Schang-thang von # Tsching"), dem Hauptsitze der Macht von Han, abgeschnitten. In dem Rathe den Fung-ting mit den Bewohnern des Landes hielt, stellte er diesen vor: „Der Weg nach Tsching ist abgeschnitten; dem Reiche Han ist es nicht mehr möglich, für sein Volk zu sorgen. Die Streitkräfte von Thsin rücken täglich weiter vorwärts; Han ist nicht im Stande, diesem entsprechend zu handeln. Wir müssen uns mit Schang-thang unterwerfen dem Reiche Tschao. Wenn Tschao uns aufnimmt, wird Thsin gewiss zürnen und Tschao bekriegen. Tschao

!) Das heutige Pl JF) Ho-nei, nächst Hoai-khing in Ho-nan.
*) Das heutige #ff Sin-tsching in dem Kreise Khai-fung, Provinz Ho-nan.

überzogen von einer Kriegsmacht, wird sich befreunden mit Han. Wenn Han und Tschao vereinigt, können sie wohl Thsin die Spitze bieten.“ – Hierauf wurde der Beschluss gefasst, einen Gesandten mit dem oben erwähnten Antrage nach Tschao zu schicken. Thsin, nachdem es Han schon früher mit grossem Erfolge angegriffen, entsandte jetzt (260 vor Chr.) den Feldherrn HE Wang-ke mit dem Auftrage, das Gebiet Schang-thang wegzunehmen. Die Kriegsmacht von Tschao lagerte auf dem Gebiete zf, F Tschang-ping“), von wo aus sie hoffen konnte, die Einwohner des Landes zu beschützen. Da Thsin sofort zum Angriffe schritt, wurde der Feldherr Lien-pho zum Oberbefehlshaber der in Tschang-ping stehenden Streitkräfte von Tschao ernannt. Derselbe erlitt jedoch gleich im Anfang bedeutende Verluste und war genöthigt, zum Schutze gegen den Feind grosse Verschanzungen ausführen zu lassen. Nachdem diese mühevoll und unter abermaligen bedeutenden Verlusten vollendet, beschränkte er sich daselbst auf die Wertheidigung, allen Versuchen des Feindes der ihn zur Annahme einer Schlacht bewegen wollte, beharrlich widerstehend. Der König von Tschao war jedoch mit dieser Art der Kriegsführung unzufrieden und liess seinem Feldherrn aus diesem Anlasse zu wiederholten Malen Verweise zukommen. Der erste Minister von Thsin, diese Stimmung des Königs benützend, schickte Leute nach Tschao, welche die Rolle von Verräthern zu spielen hatten und aussagten: Thsin fürchte nur Eines, nämlich dass der Feldherr Tschao-kö einst die Kriegsmacht von Tschao befehligen könne. Mit Lien-pho habe man leichtes Spiel, und dieser Feldherr werde sich in Bälde ergeben. Der König Hiao-tsching, ohnedies ungehalten über Lien-pho, weil derselbe bereits schwere Verluste erlitten und jetzt, in seinen Verschanzungen eingeschlossen, keine Schlacht zu liefern wagte, entschloss sich, nachdem ihm die Aussagen der vorgeblichen Verräther aus Thsin hinterbracht worden, alsogleich, dem Feldherrn # i Tschao-kö an der Stelle Lien-pho's den Oberbefehl zu übertragen und die Weisung zum sofortigen Angriff zu ertheilen. Sobald man in Thsin über die Beförderung Tschao-kö's Gewissheit hatte, ernannte man den gefürchteten Pe-khi, der den Titel eines Landesherrn von # Ä Wu-ngan führte, insgeheim zum Oberbefehlshaber der Heere von Thsin, während Wang-ke zur Stufe eines Unterfeldherrn herabstieg. Ein in dem Heere verkündeter Befehl drohte Jedem mit Enthauptung, der es verlauten lassen sollte, dass der Landesherr von Wu-ngan jetzt der Oberfeldherr. Tschao-kö, der unterdessen in Tschang-ping angekommen, führte sofort den grössten Theil seiner Streitkräfte aus den Verschanzungen heraus und zum Angriffe gegen das Heer von Thsin. Dieses stellte sich geschlagen und ergriff zum Scheine die Flucht, während zwei unregelmässige Truppenkörper, in einem weiten Bogen sich ausbreitend, die Angreifer zu überflügeln suchten. Die Streitmacht von Tschao, den Flüchtigen auf dem Fusse folgend, gelangte zu den Verschanzungen des Heeres von Thsin, welche sie jedoch, da sie kräftig vertheidigt wurden, nicht erobern konnte. Während dieser Vorgänge hatten sich fünf und zwanzigtausend Streiter von Thsin im Rücken des Heeres von Tschao aufgestellt und dieses von seiner Verbindungslinie abgeschnitten. Ein anderes Heer von fünf und zwanzigtausend Mann hatte sich, verstärkt durch fünftausend Reiter, zwischen die zerstreuten Verschanzungen von Tschao gedrängt und sich daselbst festgesetzt, wodurch eine Trennung des Heeres von Tschao in zwei Hälften bewerkstelligt wurde. Die Macht von Tschao befand sich in einer bedenklichen Lage. Durch die Besetzung seiner Verbindungslinie war die Zufuhr von Lebensmitteln unterbrochen, während Thsin durch seine herbeigezogenen leichten Truppen unaufhörliche Angriffe machen liess. Die Kämpfe des eingeschlossenen Heeres bewirkten keine Verbesserung seiner Lage. Es blieb ihm nichts übrig, als sich in seinen Verschanzungen zu vertheidigen und auf Hilfe zu warten. Als der König von Thsin erfuhr, dass dem Heere von Tschao die Zufuhr abgeschnitten, begab er sich in eigener Person in das Gebiet Pk jss Ho-nei") und verlieh aus Freude Jedem unter dem Volke eine Rangstufe. Zugleich wurden sämmtliche waffenfähige Personen welche das fünfzehnte Lebensjahr erreicht hatten, ausgehoben und nach Tschang-ping geschickt, woselbst es galt, die Ankunft von Truppen, so wie von Lebensmitteln aus Tschao zu verhindern. Dieser Zustand währte bis zum neunten Monate des Jahres. Das Heer von Tschao, bei dem sich bald der äusserste Mangel fühlbar machte, blieb sechs und vierzig Tage ohne Lebensmittel, wodurch die Verzweiflung desselben in einem Grade stieg, dass die Krieger massenhaft sich in den Zelten einschlossen und sich tödteten. Als zuletzt dennoch Lebensmittel hereingebracht wurden, griffen sie, in der Absicht sich durchzuschlagen, in vier Heersäulen die von Thsin rings um ihr Lager aufgeworfenen Erdwälle an. Der Versuch, vier bis fünf Mal wiederholt, misslang. Der Feldherr Tschao-kö machte jetzt an der Spitze seiner auserlesensten Truppen einen neuen verzweifelten Ausfall und fiel unter den Pfeilen der Feinde, während die von ihm angeführte Kriegsmacht zurückgeschlagen wurde. Nach diesem letzten Versuche streckte das Heer von Tschao in der Stärke von noch vierhunderttausend Mann die Waffen. Diese ungeheure Menge von Gefangenen setzte den Feldherrn Pe-khi in Verlegenheit. In einem Kriegsrathe den er desswegen hielt, stellte er vor: dass Thsin das Gebiet Schang-thang schon einmal erobert, dass jedoch dessen Bewohner, der Einverleibung mit Thsin durchaus abhold, sich Tschao in die Arme geworfen. Den Gefangenen aus Tschao dürfe man ebenfalls nicht trauen; wenn sie nicht sämmtlich bei Seite geschafft würden, so sei von ihrer Seite offener Aufstand zu befürchten. In Folge eines hierauf gefassten Beschlusses wurden sämmtliche Gefangene in tiefe Gruben gestürzt und unter der Erde begraben. Dieses Verfahren war so ganz gegen die Gewohnheit der damaligen Zeiten, indem das Leben von Feinden welche sich ergeben, in allen Fällen geschont werden musste, dass Pe-khi von allen Stimmen des Betruges beschuldigt wird. Blos zweihundert vierzig Mann, durchaus kleine und schwache Leute, wurden am Leben erhalten und nach Tschao zurückgeschickt. Die Zahl der Krieger von Tschao, welche vor der Übergabe enthauptet oder gefangen worden waren, betrug fünf und vierzigtausend Mann. Tschao war von diesem Schlage auf das Tiefste erschüttert und sollte sich von nun an wenig mehr erholen. Zwar war, wie die nächste Folge lehrte, seine Kraft noch keineswegs erschöpft. und auch unter den übrigen Reichen fingen jetzt mehrere an, den richtigen Weg einzuschlagen; aber theils waren die Bündnisse welche sie schlossen, nicht ausgedehnt genug, theils fehlte es ihnen, so wie in allen früheren Zeiten, an der nöthigen Ausdauer, während das Reich Yen durch sein unkluges gegen Tschao gerichtetes Vordringen den Erfolg der gemeinschaftlichen Unternehmungen noch um ein Bedeutendes schmälerte. Nachdem Thsin das Gebiet Schang-thang in Besitz genommen und noch weitere Vortheile errungen, brachten es Tschao und Han durch sehr nachdrückliche Vorstellungen dahin, dass Thsin in einen Frieden willigte, in welchem es von Han das Gebiet # HH Yuen-yung *), von Tschao sechs feste Städte abgetreten erhielt. Dieser Friede war übrigens von sehr kurzer Dauer und hatte nur den einzigen vorübergehenden Vortheil, dass der Feldherr Pe-khi, dessen Absichten Tschao und Han bei dem ersten Minister von Thsin verdächtigt hatten, sich aus Missmuth von der Öffentlichkeit zurückzog und fortan, aller an ihn ergangenen Aufforderungen ungeachtet, die Streitmacht von Thsin nicht mehr befehligte.

') Das heutige ZF # Kao-ping gleich nördlich von J # Schi-tscheu.

Denkschriften der philos.-histor. Cl. IX. Bd. 2

1) Diesen Namen führte unter der späteren Dynastie Han eine Provinz. Hier ist jedoch nur ein Theil derselben, das oben genannte

HE f Ye-wang gemeint, welches Thsin dem Reiche Han entrissen hatte. * Aa *) Das heutige [ Ä Yung-yang, Kreis Khai-fung.

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