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liehen“). Noch in spätern Jahren konnte sich der heitere Fürst das Vergnügen nicht versagen, die Herausforderung zu solchen Kämpfen selbst mit den vom Volke bewundertsten Raufhelden manchmal anzunehmen, und sie zum Ergötzen seiner Begleitung mit überwältigender Kraft zu Boden zu strecken*). Wie die Griechen Homers an ihren Helden und Königen nervige Fäuste nicht weniger bewunderten als findige Geistesgewandtheit, so achteten die Tiroler an Sigmund den kräftigen Arm nicht geringer als seine gemüthlichen und geistigen Eigenschaften. Neben der physischen Kraft lobte man vor Allem die edlen Züge seines Herzens, Milde, Freigebigkeit und Prachtliebe“); wer ihm nahe kam, wurde gnädig empfangen“); Freunde erhielten von ihm Alles, eher liess er sein Hofwesen darben als sie*). Mit den Gaben seines edlen Herzens wetteiferte die Bildung seines geweckten Geistes; er liebte die Wissenschaften und den Umgang mit wissenschaftlichen Männern"). Aeneas Sylvius schrieb für ihn die herrliche Abhandlung über jene Pflege der Wissenschaften, welche auch Fürsten auf ihren Thronen adelt"); kenntnissreiche und hervorragende Staatsmänner schrieben ihre geistige Anregung und die Entwickelung ihrer Talente dem Umgange mit dem edlen Fürstensohne zu. Sigmund fand aber auch ein Land seiner würdig. Die damalige Zeit betrachtete Tirol als ein aus freigebiger Götterhand dem Hause Habsburg beschertes Geschenk, als ein Land welches nicht nur mit der Würze seines Salzes in weitem Umkreise die benachbarten Länder erfreute, sondern bald auch dem neuen Herzoge die Jahrtausenden vorenthaltenen unermesslichen Gold- und Silberschätze mit noch freigebigerer Hand aus den Tiefen seiner Eingeweide hervorlangte; als ein Land dessen Berge und Thäler dem Jagdfreunde alle Arten edlen Wildes, dessen Flüsse und See'n die leckersten Fische auf die Tafeln der Vornehmen lieferten. Der Freund der Natur wanderte daselbst zwischen goldgelben Saatfeldern, duftigen Wäldern, fruchtbeladenen Baumgärten und heitern und lebensfrohen Menschen seine Wege. Ein kräftiger Adel auf zahlreichen Burgen sorgte für seine eigene wie des Reisenden Sicherheit“). Besondere Freude erregte es, dass der junge Landesfürst sich nach dem Wunsche der Stände sogleich mit einem Kreise von Räthen umgab, gewählt aus den angesehensten Männern des Landes. Mit unverhohlenem Wohlgefallen berichtete dies der Bischof von Brixen schon am 29. April aus Innsbruck seinem Nachbar dem Bischofe von Trient, fügte aber mit einem Gefühle welches den Tiroler bis auf den heutigen Tag nicht verlassen haben dürfte, fast wehmüthig hinzu, dass der Herzog auch vier Ausländer mitgebracht habe. Die Räthe welche Sigmund aus den Landesedeln wählte, waren der Hauptmann an der Etsch, Vogt Ulrich von Matsch der Ältere, das Haupt des seit dem Aussterben der Rottenburger und seit der Ächtung der Starkenberger weit hinaus mächtigsten Geschlechtes in Tirol; der Deutsch-Ordenseomthur Heinrich von Mörsberg, landesfürstlicher Hauptmann zu Trient, Wolfgang von Freundsberg, Parcival von Annenberg und Oswald Sebner von Reifenstein“), sämmtlich Männer die sich insbesondere in der letzten Zeit während der Vormundschaftsstreitigkeiten warm um Land und Fürst angenommen hatten. Die Ankunft der Ausländer im Gefolge des Herzogs machte einen um so ungünstigeren Eindruck, je mehr die Landschaft nach den Anstrengungen die sie zur Befreiung des jungen Fürsten aus der Vormundschaft seit zwei Jahren gemacht, sich der Hoffnung überlassen zu können glaubte, derselbe werde in Anerkennung so grosser Treue und Hingebung Herz und Ohr nur dem Einflusse der Edlen und Stände des Landes öffnen und nach ihrem Rathe für das Wohl seines väterlichen Erbes sorgen, und je schneller es sich offenbarte, dass die mitgebrachten Ausländer, mit keinem Gefühle im tirolischen Boden wurzelnd, nicht das Beste des Landes, sondern nur die Zwecke ihres Privatvortheiles im Auge hatten. Unter den fremden Räthen des Herzogs befanden sich zwei Brüder Vigilius (gewöhnlich Wiguleis) und Bernhard Gradner, Ritter und Herrn zu Pfanstetten, Gonowitz und Windischgrätz, aus einem in österreichischen Diensten nicht unbekannten Geschlechte“). Herzog Sigmund hatte sie in Steiermark, wo er seine Jugend zugebracht, kennen gelernt und liebgewonnen; sie kamen mit dem Fürsten, im vollen Besitze seiner Gunst, nach Tirol, und leider gewannen sie schnell eine Macht über ihn, welche den Ausdruck des Zeitgenossen Felix Faber: „Sigmund's Herzensgüte sei so masslos gewesen, dass er bald um ganz Tirol und Oberschwaben gebracht worden wäre,“ vollkommen rechtfertigte *). Den Anfang seiner Regierung verherrlichte Sigmund durch Handlungen der Versöhnung und Gnadenertheilung. Unter den Edelgeschlechtern deren Trotz Sigmund's Vater, der schwergeprüfte und tiefgedemüthigte Herzog Friedrich mit Waffengewalt gebrochen, hatte keines mit mehr Erfolg und Ausdauer in übermüthiger Fehde Widerstand geleistet, als das mächtige Geschlecht der Starkenberge. Obwohl es Friedrich gelungen war, auf dem Landtage zu Meran im November 1423 den Adelsbund zu zerstören, begaben sich doch die Brüder Ulrich und Wilhelm von Starkenberg nicht zur Ruhe: um den erstern zur Flucht ins Ausland zu treiben, musste er dessen Burgen berennen und brechen. Selbst Ulrichs Hausfrau, Ursula von Waldburg, zog freiwilliges Exil der demüthigen Unterwerfung vor. Wilhelm verschloss sich in das unersteigliche Felsennest Greifenstein“), dingte Giftmischer und Mordbrenner gegen den Herzog, und entwich, als die Burg dem Hunger unterlag, nach Wien zu Herzog Albrecht, um vor dessen Richterstuhl gegen den Landesherrn Klage zu führen. Friedrich unterwarf sich dem Rechtserkenntnisse Albrechts nicht, die Starkenberge blieben verbannt, ihre Burgen gebrochen, ihre Güter eingezogen“). Nun kam Herzog Sigmund und übte Gnade an Wilhelm von Starkenberg, und da Ulrich in der Verbannung sein Lebensende gefunden hatte, an dessen Tochter Veronica. Er gab Wilhelm die vorzüglichste Besitzung des geächteten Hauses, die Burg und das Gericht Schönna") sammt Zugehör nebst 800 Mark Berner zurück, verlieh ihm das Gericht Grameis in der Nähe von Zimmers, räumte ihm Güter und Häuser zu Meran, Bozen und Innsbruck ein, versprach ihm überdies eine Entschädigung von zweitausend Ducaten. zahlbar in den nächsten zwei Jahresfristen, und verlangte vom Wiederbegnadigten nichts anders als die Verzichtleistung auf alle übrigen vom Herzoge Friedrich dem Hause abgenommenen Burgen und Güter und das Gelöbniss eines treuen und gehorsamen Landmannes, so wie die Herausgabe aller wider Herzog Friedrich wo immer erlangten Urtheilssprüche und Gerichtshandlungen nebst den brieflichen Rechten auf die eingezogenen Burgen und Güter"). Wilhelm dessen Stolz gebrochen war, gelobte, die Gnade anerkennend, mit eigener Urkunde die vom Herzoge verlangte Verzichtleistung, und bekannte sich vollkommen befriedigt mit dem was die Gnade des Fürsten ihm gewährte“). Und damit nicht in späterer Zeit bei veränderter Gesinnung die aufgegebenen Forderungen wieder hervorgezogen und erneuert werden könnten, wurde zugleich vorsichtig und urkundlich ausgemacht, dass alle Briefe bis zum nächsten Georgitag abgeliefert sein müssten und die Einräumung der Veste Schönna erst nach deren Ablieferung stattfinden sollte. Verheimlichte Briefe sollten für alle Zukunft todt und kraftlos sein“). Die Wiedereinsetzung eines alten durch weitverzweigte Sippschaft mächtigen, wenngleich störrischen Adelsgeschlechtes in die Gnade des Fürsten und in einen grossen Theil seiner ehemaligen weitläufigen Besitzungen machte sich Niemand schneller zu Nutzen, als einer der mit dem Herzoge Sigmund ins Land gekommenen Günstlinge, Bernhard, der jüngere der zwei Brüder Gradner. Wilhelm von Starkenberg hatte weder Söhne noch Töchter; das alte Haus endete in Ulrich's Tochter Veronica. Hatte das Wohlwollen des Fürsten dem wiedereingesetzten Hause schon viel gegeben, so liess sich durch Veronica's Hand zuversichtlich noch mehr erwerben. Bernhard freite daher um sie; am St. Agnesentag (21. Jänner) 1449 feierte er zu Bozen mit der Erbinn der Starkenberg'schen Besitzungen seine Hochzeit, und seine Berechnungen täuschten ihn nicht; denn von jetzt an begann eine Reihe von Gnadenbezeugungen die Bernhard und dessen Bruder Wiguleis vom leichtgewonnenen Herzoge sich ertheilen liessen, wie sie seit den Tagen Margarethens der Maultasche in der Landesgeschichte sonder Gleichen war. Schon früher, am 17. Dec. 1446 hatte Wiguleis Gradner „um der Dienste willen die er dem Herzoge geleistet und, wie dieser voraussetzte, in Zukunft leisten würde“, die Weste Persen (Pergine)“) sammt allen Nutzungen, Renten, Gülten, Gefällen, Pönen und allem anderen Zugehör des dortigen Amtes und Gerichtes pflegweise und zu Leibgeding auf seine Lebzeiten erhalten. Der wohlwollende Fürst hatte ihn nicht verpflichtet, davon irgend welche Rechnung zu legen, oder etwas davon herauszugeben, nur sollte er dem Herzoge oder dessen Erben mit der Burg gewärtig sein, sie ihm offen halten und die dazu gehörigen Leute im Genusse ihrer althergebrachten Rechte nicht stören und ihnen keine drückenderen Lasten aufbürden als seit undenklichen Zeiten hergekommen. Sollte Herzog Sigmund oder dessen Erben nach des Wiguleis Tod die Weste zurückfordern, so müsste die Abtretung ohne Weigerung stattfinden“). Anderthalb Jahre später, am 22. Juni 1448 dehnte Sigmund obige Gnade auch auf Bernhard Gradner aus. In Anbetracht der treuen und nützlichen Dienste die ihm derselbe von Jugend auf geleistet, unterstellte er Bernhard dem älteren Bruder in der Art, dass, wenn er ihn überlebe, er die Weste und Herrschaft Persen unter denselben Bedingungen innehaben sollte, unter denen sie dem Wiguleis verliehen worden"). Als hierauf Bernhard Gradner am 21. Juni 1449 die Veronica von Starkenberg zur Ehe nahm, glaubte Sigmund seiner Gunstbezeugung schon um des festlichen Ereignisses willen keine engen Gränzen stecken zu dürfen. Hatte er vom wiederbegnadigten Wilhelm von Starkenberg gegen die ihm eingeräumten Vortheile die Verzichtleistung auf alle Ansprüche verlangt und dieselbe auch in urkundlicher Weise erhalten, so gestattete er seinem Jugendfreunde Starkenberg'sche Forderungen wieder zu erheben, und gab ihm als Ersatz für dieselben und als Brautgeschenk für Veronica die auf den sonnigen Rebenhügeln und im Schatten riesiger Kastanienbäume zwischen Meran und Lana gelegene Weste Stein unter Löwenberg, mit 200 Mark Geldes jährlicher Gülten zu Mannslehen für den aus der neugeschlossenen Ehe entspriessenden Stamm“). Auch Veronica's Mutter, Ursula, Truchsessinn von Waldburg, Ulrich's von Starkenberg hinterlassene Wittwe, sollte bei dieser Gelegenheit fürstlich bedacht werden. Alle ihre alten Anforderungen wurden ausgeglichen, indem ihr Sigmund am 13. Juni 1449 ein jährliches Leibgeding von 200 Mark Bernern anwies, sie hingegen aller weitern Klagen und Ansprüche sich begab“). So hoch war bis zum December des Jahres 1449 Ansehen und Einfluss der zwei Günstlinge Gradner an Sigmund's Hof gestiegen, dass selbst König Karl VII. von Frankreich, dem doch Sigmund seit seinem dritten Jahre fast väterliches Wohlwollen verdankte“), unter dem 18. desselben Monats seinen Kammerherrn Wilhelm von Monnypenny, welchem Herzog Sigmund zur Zeit seiner Werbung um die Hand Eleonora's von Schottland eine Geldzusicherung gegeben hatte, dem Wiguleis Gradner empfehlen zu müssen glaubte, und diesen ersuchte, das Versprechen dem Herzoge in Erinnerung zu bringen“). Das folgende Jahr 1450 war reich an Gnadenertheilung. Um die Veste Ivano im Thale der Brenta an die Begünstigten übergeben zu können, erhielt der dortige Hauptmann, Jakob Trapp, den Auftrag, Rechnung zu legen über seine bisherige Verwaltung und die Burg an den herzoglichen Rath und Hauptmann auf Persen, Wiguleis Gradner, abzutreten. Trapp sollte später reichlich entschädigt werden“). Im Vinschgau war mit Christan von Lichtenberg das Geschlecht dieses Namens zu Grabe gegangen und das Stammschloss der Familie mit ausgedehnten Rechten und Besitzungen, z. B. Zollfreiung durch ganz Vinschgau, Häusern in Tschars und Schnals, Weingärten zu Kastelbell, Zehenten an verschiedenen Orten, Waldungen, Jagd- und Fischrechten, theils als freies Eigen, theils als Lehen an Christan's Tochter Barbara, Friedrich's von der Hard eheliche Hausfrau, gekommen. Herzog Sigmund brachte die weitläufigen Besitzungen an sich und überliess sie mit allen dazu gehörigen Rechten für 2000 Mark Berner an Wiguleis Gradner"). Die Besitzungen der zwei begünstigten Brüder wurden durch diese Erwerbung so ansehnlich erweitert, dass sie von jetzt an sich auch Herren von Lichtenberg schrieben"). Selbst nachbarliche Fürsten beeiferten sich, die Lieblinge Sigmund's mit Lehen zu bedenken. Am 6. Juli 1450 verlieh der Erzbischof von Salzburg, Friedrich, beiden Brüdern Wiguleis und Bernhard für ihren Mannsstamm die Weste Goldecker-Hof und die Hofmark Wagrein zwischen Ebs und Niederndorf in der Nähe von Kufstein“). Bald sollten die glücklichen Ausländer die innerhalb vier Jahren zu reichen Pflegen, Gütern und Rechten in den gesegnetsten Fluren des Vinschgaues, Etschlandes und Innthales und in der burgenreichen Valsugana gelangt waren, auch in die Besitzungen des romanischen Adels in den Thälern des Nons- und Sulzberges, so wie jenseits des Arlberges in die Güter der uralten, theils erloschenen, theils dem Erlöschen nahen Geschlechter der Montforte und Tockenburge eingeführt werden. Durch den Tod des Michael von Coredo fielen alle Zehente und Rechte, die derselbe auf dem Berge und in der Ebene des Dorfes Smarano und in den Gebieten von Coredo und Sfruzzo vom Landesfürsten zu Lehen gehabt, an diesen heim. Herzog Sigmund übertrug sie am 7. Dec. 1450 an seinen getreuen Wiguleis Gradner für ihn und seine Erben, um sie nach Lehens- und Landesbrauch inne zu haben“). Am 12. Febr. 1 451, während seines Aufenthaltes zu Feldkirch, überliess Sigmund den glücklichen Brüdern, Wiguleis dem herzoglichen Rathe und Hauptmanne zu Persen, und Bernhard den er inzwischen zu seinem Hofmarschalle und zum Hauptmanne der mächtigen Burg und des gleichnamigen Pfleggerichtes Telvana befördert hatte, die Veste Neuenburg unter Feldkirch mit sammt dem Gerichte, allen Leuten, Nutzungen, Gülten und allem Zugehöre, überdies den Zoll zu Feldkirch und den Teich zu Walduna, mit der einzigen Verpflichtung, die Burgen und Güter aus ihren Erträgnissen in baulichem Stande zu erhalten, dem Herzoge, so oft er daselbst zu Lande sich aufhalte, das Vergnügen des Fischens auf dem Teiche zu gönnen und ihm oder dessen Erben, sobald dies erfordert würde, die Veste ohne Verzug zurückzustellen“). Im Vinschgau wurde im Laufe dieses Jahres durch den Tod Heinrich Kel's der Thurm zu Glurns erledigt; Sigmund beeilte sich, mit Urkunde vom 17. Aug. den Wiguleis Gradner mit demselben zu belehnen, gleichsam zur Ergänzung der in der Nähe gelegenen Lichtenberg'schen Besitzungen“). Auf gleiche Weise schenkte er ihm „um seiner Dienste willen“ am 27. Dec. 1451 Hofstätten, Gärten, Äcker und Weinberge, die in langem Verzeichnisse in der Urkunde aufgeführt werden, im Dorfe und in der Umgebung von Zimmers (Cembra)*). Am 1. Dec. 1451 fand der begnadigte Wilhelm von Starkenberg das Ende seines unruhigen Lebens. Was ihm die Huld des Fürsten 1446 geschenkt, wurde jetzt wieder erledigt. Es lag nahe, die verfügbar gewordenen Güter ganz oder theilweise dem Neffen des Verstorbenen zu übertragen. Sigmund that dies, indem er dem Gemahl der Veronica von Starkenberg, dem Bernhard Gradner, mit Urkunde vom 10. Juni 1452 wenigstens die Starkenberg'schen Häuser zu Bozen, Meran und Innsbruck überliess“). Hatte nun seit sechs Jahren Herzog Sigmund seine Jugendfreunde „um ihrer Dienste willen“, wie die Urkunden sich ausdrücken, von deren Verdiensten um Fürst und Land aber weder die Urkunden noch die Zeitbücher etwas zu erwähnen wissen, bei jeder Gelegenheit mit Würden und Gütern überhäuft, oder vielmehr, hatten es die eigennützigen Höflinge bisher verstanden, die Güte des Landesfürsten zu ihrem Vortheile auszubeuten und sich mit beinahe mehreren und einträglicheren Ämtern und Gütern beschenken zu lassen, als eines der älteren Adelsgeschlechter des Landes besass, so wendete sich von jetzt an das Blatt, und sie – die Beschenkten und Begünstigten – fingen an dem Herzoge Wohlthaten zu spenden, aber nur, um ihn durch Schulden zu ihrem noch grösseren Gnadenspender zu machen. Herzog Sigmund dem die Berge Tirols ihre seit Jahrtausenden verborgenen Schätze aufgeschlossen, und ihn zum beneidetsten Fürsten seiner Zeit gemacht, blieb geldbedürftig und arm Zeit seines Lebens. Was der Schooss der Erde in reichlichem Masse spendete, ging bald über in die Hände der Erlacher, Füger, Jöchl, Geitzkofler, Fugger, Tänzl und Stöckel, der grossen Geldmächte jener Tage, oder verschwand in den Händen der Freigrübler und der Tausende von zusammenströmenden Abenteurern, indem in Tirol damals stattfand, was wir in unseren Tagen in Californien sich wiederholen sahen. Die glänzend-verschwenderische Freigebigkeit Sigmund's machte ihn, wie zum Hohne auf den Titel des „Münzreichen“, abhängig vom Eigennutze der ihn ausbeutenden Speculanten. Unter diesen standen die mit Gnaden überhäuften

*) Gundelfingen loc. cit. „Ad omnia gymnicorum ludorum genera, ad cursum, saltum, jactum, pondere videlicet librato lapides jaeere aptus, ad omniaque agonum genera aptior nihil causae habes, magnificentissime princeps, unde fortunam accuses, quae tibi corporis et animae dona condivisit omnia.“

*) Gundelfingen loc. cit. „Ibi (in Tirol) . . . alii cantant, jocantur alii . . derique alii inter se luctantur lacertosi, quos omnes, integerrime princeps, violentia majoris roboris ae agilitatis prostrare, et gravissimo casuad terram dejicere, uberemque ridendi materiam aliis praebere solitus es.“

*) Gundelfingen loc. cit. – Putschius collect. Bibl. Tirol. Tom. 256.

*) Urk. im k. k. geh. Haus-, Hof- und Staats-Arch.

*) Felix Faber hist. suev. L. I. e. XVI. „Erat dux ille Sigismundus homo magnificus . . conferens nobilibus et sibi familiaribus quaecunque ab ipso petebant, et nonnunquam ob id se ipsum et curiam suam spoliabat.“

6) Aeneas Sylv. bei Chmel Material. II. p. 216–222. „Sigismundus, cum primo imperatorem adivimus, puer bonae admodum indolis erat; alloquebatur nos saepe blando sermone, quaerebat nostras epistolas et legebat, ut qui literarum cultor et nostri amans videbatur.“ – Gobellinus commentar. p. 165. Sigismundus cum puer esset et adolescens, indolis supra quam dici possitegregiae, –– amavit literas, viros coluit bonos.“

7) Aen. Syl. epist. 105. – Ferner epistola dd. Wien 8. Jun. 1444 ad Joh. Campisium.

*) Gundelfingen loe. cit. „Fortuna hanc terram tibi majoribusquetuis gubernare permisit, Athesin dieo, niveis montibus insignem, urbibus et populis praecelebrem, divitiis atque ubere gleba faecundam, coelos moribus et fama tangentem.“ – Von Tirol gelte der Psalm LXVII. „Nive dealbabuntur, mons Dei, mons pinguis etc. Mons pinguis merito dieeris ob inexhaustae argenti aurique minerae inventionem, qua prae aliis hujusce terrae majoribus ac principibus divino numine faustius principis tui Sigismundi potentatui arridente dotata es.“ etc.

) Sinnacher's Beitr. VI. 307.

*) Burglehner. Hans Gradner war Albrecht's VI. Kammermeister gewesen. Siehe über die Gradner: Jos. Bergmann, Areh. für Kunde öster. Gesch.-Quellen I. Bd. 3. Heft. S. 61–63. Auch Kögel, Die erloschenen Edelgeschlechter Tirols in: Neue Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, XII. Bändchen 1846. Seite 163 etc., wo aber viel Irrthümliches aufgenommen ist, z. B. die Behauptung, dass die Gradner schon unter Herzog Friedrich nach Tirol kamen und schon dieser Herzog dem Bernhard die Veronica von Starkenberg zur Frau erkor; dass sie auch das Gericht Nomi besassen und dass, nachdem sie die dort (Seite 163) aufgezählten Herrschaften an sich gebracht, auch von Sigmund mit Gütern überhäuft wurden.

*) Felix Faber histor. svevic. I. e.

*) In der Nähe von Terlan, zwischen Meran und Bozen, auf der obersten kahlen Höhe eines stolz und kühn und frei von allen Seiten in die Wolken aufsteigenden ungeheueren Felskegels, schwebt das Schloss Greifenstein, wie hinaufgezaubert, jetzt nur Inehr eine Ruine. Staffler, Tirol II. 933.

*) Röggl. Schloss Greifenstein im vierten Bande der ältern Zeitschrift des Ferdinandeums, S. 169–363.

") Siehe über Schönna, Gericht und Burg, Staffler, Tirol II. 693.

!) Urk. dd. Bozen 21. Oet. 1446 bei Röggl loc. cit. p. 348. Burglehner, Tir. Adler I. Th. 2. Abth. p. 311.

*) Urk. dd. Bozen 21. Oct. 1446, ibidem p. 353.

*) Urk. dd. Trient 1. Dec. 1446, l. c. p. 359.

*) Im Thale Valsugan, ungefähr zwei Stunden östlich von Trient.

5) Urk. im Schatzarchive zu Innsbruck. Diese, wie sehr viele andere auf die Gradner bezüglichen Urkunden sind durchschnitten, die Siegel abgerissen. An der vorliegenden hingen die Siegel Ulrich's von Matsch, Degen Fuchs von Fuchsberg. Ludwigs von Landsee Happe Hacke, Heinrich Fuchs v. Fuchsberg. Warum sie durchschnitten und der Siegel beraubt sind, wird sich aus der folgende Geschichte ergeben.

*) Urk. im Innsbr. Schatz-Arch. dd. Innsbr. S. Achaz. Tag (22. Juni) 1448.

1) Urk. im Innsb. Schatzarch. dd. Innsbr. S. Agnestag 1449, abgedr. bei Röggl, Schloss Greifenstein loc. cit. p. 243. *) Urk. bei Röggl, Schloss Greifenstein l. c. p. 361. *) Joh. v. Müller, Schweiz. Gesch. IV. Buch, 6. Cap., Anmerk. 210. *) Chmel. Material. zur österr. Geschichte I., p. 307. *) Orig. Concept im Schatzarch. zu Innsbr. dd. Innsbr. S. Agathatag (5. Febr.) 1450. *) Urk. im Innsbr. Schatzarch. dd. Innsbr. S. Ulrichstag (4. Juli) 1450. Lichnowsky Regest.

7) Burglehn. III. 338.

*) Nachricht von Juvavia p. 435. Urk. im Notizenblatt 1853, p. 413.

!) Urk. im Innsbr. Schatzarch. dd. Innsbr. Montag vor U. L. Fr. Concept. 1450. *) Urk. im Innsb. Schatzarch. dd. Weltkirch Freit. nach S. Scholast. Tag 1451.

*) Lichnowsky. Regest.

*) Urk. im Innsb. Schatzarch. dd. Bozen S. Johannistag Weihnacht. 1451. *) Urk. dd. Innsbr. Samstag nach Gotzleichnamstag 1452 im Innsbr. Schatzarch. abgedr. bei Röggl Greifenstein loc. eit. IV. 363.

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