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DIE

BILDUNG DER NOMINA IM ALTSLOWENISCHEN.

VON

DR. FRANZ MIKL0SICH,

WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

(VORGELEGT IN DER SITZUNG DER PHILOSOPHISCH-HISTORISCHEN CLASSE AM 10. JUNI 1857.)

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I. Das Suffix x bildet als primäres Suffix Nomina substantiva und adjectiva von verschiedener Bedeu"g, und kann sowohl an primäre als an abgeleitete Verbalthemen gefügt werden.

A. Suffix x an primären Verbalthemen.

Die primären Verbalthemen (Wurzeln) zerfallen in solche, die vocalisch, und in solche, die conso"ntisch schliessen. Die vocalisch auslautenden primären Verbalthemen werden mit Rücksicht auf den bei

der Wortbildung so wichtigen Vocal in sieben, die consonantisch auslautenden in dreizehn Classen einFetheilt. (Siehe Denkschriften. Bd. VIII. 154–179.)

Erste Classe.

Das auslautende a des Thema wird vom Suffix z durch joder k getrennt: im ersteren Falle wird das Suffix z abgeworfen.

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Hieher gehören auch: 1. Bai im entlehnten magyar. bájfascinatio"), im russ. kpacHo6aii (pulchre loquens), im prov.-russ. 6aHTH (loqui), von Ra: vergl. oBakz: 2. rai (nemus, eigentlich das Eingefriedete) von ra (prov.-russ. otraH aperire); 3. aas im prov.-russ. o6.1aii (derisor) von aa; 4. cTai (altruss. HckaIIIe ero no cTaeMT, ipat.-chron.) von cTa; im altslov. ist cTai ein adverbialer SingularAccusativ in der Bedeutung statim; eTai ist, jedoch in anderer Bedeutung, auch im altserb. mpbcTaiihHkt, praefectus, Lex Dušani 124, vorauszusetzen; 5. Tai (ebenfalls ein adverbialer Singular-Accusativ in der Bedeutung clam: vergl. altruss. TaeMob in demselben Sinne) von Ta, woher auch Tatk fur. Man füge hinzu neuslov. prodaj (venditio), und beachte auch serb. 3a,aj (malus odor) y3/aj (gemitus) von Aa für Aax. Dunkel ist pañ paradisus. Böhtlingk (Beiträge zur russ. Gramm., besonderer Abdruck 74–76) ist der Ansicht, dass das Suffix von rpan nicht z, sondern H, und dass rgah nicht ein-, sondern zweisylbig sei, worin wir dem ausgezeichneten Forscher nicht beistimmen können.

b) 1. Ba: oBakz fascinatio: vergl. Bañ; 2. cta : ctakz pondus, 3acTakz insidiae, ocTakz relictio, nocTakz lignum e quo stamina suspenduntur, npMcTakz statio navalis, czcTakz compositio, oycTakz definitio; im altruss. und altserb. Recht bezeichnet Ipictabt, eine Gerichtsperson: IIckoBckan cyAhah rpaMata und Lex Dušani 49, 78, 92, 94, 95, 165, 166, 174, 190, 204. Damit hängt pristaldus im ungrischen Recht zusammen: d ist wie in belénd (čech. blin) angefügt und pristaldus steht daher für pristavdus.

Hieher scheint auch das adj. naakz (albus, althochd. falo, falw, daher russ. IIo.1oBIIH, magyar. Palócz, die Falben, die altslov. naakkuh heissen würden) von naa zu gehören.

Zweite Classe.

Das auslautende H des Thema wird zu oü gesteigert (Vergl. Grammatik I. 137.), und das Suffix z fällt ab.

1. EM: Eos pugna,flagellum, H3Goi caedes, noAzBoi, wofür häufig noAzkos geschrieben wird, aikäp., äTopi:, aTaduó: postis, pa3Eos latrocinium, oytos caedes; russ. Mac.mo6oii Ölmüller; 2. kH:3akos globus, Hakos liciatorium, nokos, npokkos fascia; 3. kH: koH milites; 4. rhH: ros putredo; 5. AH: Aoi in Aorth mammam dare; 6. aH: aos sebum: neuslov. lojsebum und situla; die beiden Bedeutungen von loj sind durch die Aussprache des o unterschieden. (Vergl. Gramm. I. 228.) 7. nn: npknoñ convivium; russ. BOAOIIoii aquatio; 8. pH: poi examen apum (unmöglich ist die Ableitung von poAz) Hapoñópp ua impetus. exod. 32. 22. opis. 15; 9. H: nokos quies.

So werden auch gebildet: 1. Bo im Adj. RoHHz (GoroRohhz deum timens) aus Boi und kHz von Bil, dessen H in der Conjugation wie das von ctu (für und neben cta) zu oj gesteigert wird; 2. ëech. hoj remedium, serb. Toj in rojHTH saginare von rh für kn statt knk; hieher gehört vielleicht auch altserb. roi pax, ursprünglich wohl vita; sicher hängt mit kn zusammen das altruss. Haroi vivens extra (tribum): siehe Kalačov im Archiv istor-jurid. svédènij I. 1. 55–72; 3. neuslov. pozoj draco von 3i, das gähnende Ungeheuer; 4. ctoi im Adj. ctoniz (Aoctoniz dignus, eigentlich wohl decens) aus ctoi und knz: man vergleiche russ. IIo Toii mansio, prov.-russ. otcToH; 5. serb. ocoje (locus opacus), wo das anlautende o für oT steht, und IpHcoje (locus apricus), woher IpHcojkHHa (serpens apricans), setzen, wie es scheint, ein Subst. coj von cn (chtath) voraus; 6. für bulg. broj, serb. 6poj (numerus), woher auch im altslov. Eponth (numerare), kpoi in oykpoi (fascia) und cTgoñ (administratio) sind die durch H aus Ep, kp und cTp erweiterten Verbalthemen RpH, kph und cTph anzunehmen: man vergleiche neuslov. kal (germen) mit kli-ti (germinare). Keine Steigerung des Vocals ist eingetreten in Rhhoahá (pincerna) und in dem dem knionnäetko (vinolentia) zu Grunde liegenden kuionni; eben so wenig im neuslov. lij neben loj (situla) und im russ. 6pa,406peii (tonsor) und BoJo.lei (aquarius), wo eii für iii steht. (Vergl. Gramm. I. 382.)

*) Nach Boller (Sitzb. der philos-histor. Classe der kais. Akademie, 17, 318) ist das magyar. bj türk. bagh (vinenlum). woraus baghlamaq (vincire, fascinare), jakut. baj (ligare).

Eine etwas andere Auffassung findet man in Schleicher's Formenlehre 85, 143, 144.

Böhtlingk theilt am angeführten Orte so-H.

In den lebenden slavischen Sprachen wird manchmal n von dem Suffix durch k geschieden: neuslov. liv (situla) naliv (imber); russ. 3a.IHB'b (sinus maris) Iph.lMB (fusio); wahrscheinlich auch siv, d. i. altslov. ch – k–z von cH (chtaTH lucere).

Dritte Classe.

Das auslautende oy des Thema wird entweder zu ak gesteigert oder in ok aufgelöst oder unverändert gelassen, in welchem letzten Falle oy von dem Suffix durch j getrennt wird. a) oy wird zu ak gesteigert (Vergl. Gramm. I. 145): 1. Tgoy: otpakz venenum; 2. naoy: naakz navigatio, russ. natatio: naakz ist in RaaronaakkHz (feliciter navigans) und in naakhti nachweisbar: hieher gehört auch naakhkz vagus und BecnaakkHz immotus: vergl. sanskr. vipluta vagus. So sind auch folgende Wörter gebildet: 1. Aakz im oYAakz (suffocatio, russ. boa constrictor) von Aoy; 2. Apakz im czApakz, später 3Agakz (sanus), von Apoy, woher auch lit. drutas (firmus)"). caakz als zweites Glied in zusammengesetzten Personennamen, wie kautecaakz, setzt ein Substantiv caakz oder caaka in der Bedeutung fama, nomen voraus; takkaperte stützt sich auf ein akz von 10. b) oy wird in oß aufgelöst (Vergl. Gramm. I. 126): 1. koY: kokz machinatio, neusl. fabricatio; okokz catena; 2. caoy : caokz: AkoEcaokz dialogus. mir.; 3. ct.poy : octpokz insula, eigentlich das Umflossene Tspéßotov; 4. Tpoy: otpokz venenum; serb. TpoB escapiscaria inebrians. Hieher gehören auch: 1. Hokz (novus griech. véo; aus vsFo; lit. naujas) von einer Wurzel Hok, Hoy, mit welcher auch htuhta (nunc) und griech. vöv zusammenhängt; 2. naokz in naokHTH; naokkuk (nauta) ist von naoy unmittelbar abzuleiten; 3. caoßz in npokkocaokz (contradicens), neuslov. slov (fama. Metelko. 42.), blagoslov (benedictio) und im russ. mycToc.obb (blatero) von caoy: so ist auch caokz in den dem griech. ÖsoNöYos, söyo)öYo» nachgebildeten Korocaokz, woantkocaokz zu erklären: 4. cokz in Hacokkuk (superhumerale) und im russ. 3acoBt (obex), prov.-russ. HacoBT (vestis genus) von coY. Auf Wurzeln der dritten Classe scheinen noch folgende Wörter zurückgeführt werden zu sollen: 1. akkz (leo, griech. Aéov für Aéowt) von ao für sanskr. lü (secare); 2. 3apkßz (mensis augustus) von go (rugire), der Monat des Hirschgebrülls; 3. russ. K.1eBob (rostrum) von kalo (rostrotundere). c) oy wird unverändert gelassen und von dem Suffix durch jgetrennt. Wir können hier nur das russ. Bo.ok.lioii (buphagus africanus) anführen: im serb. K.byjApBo (pici genus) ist K.Eyj als Imperativ anzusehen. In dem altslov. 3aat oct.goyá (ypoaoß6óos aurifluus) ist der zweite Theil der Zusammensetzung mit etpoya in Verbindung zu bringen (aureum flumen habens), nicht etwa von etpoy unmittelbar abzuleiten. Hierher scheint auch gloé in polnz (september: aus poé und kHz) zu gehören, wobei jedoch zu bemerken, dass, wenn diese Ableitung richtig ist, zwei Monatsnamen: 3apkkz (augustus) und poHHz (september) von derselben Wurzel po (rugire) abgeleitet und nach dem Gebrülle des Hirsches benannt werden.

) Eine andere Ansicht hat Pietet (Zeitschrift für vergl. Sprachforschung. V. 44) ausgesprochen.

Denkschriften der philos.-histor. Cl. IX. Bd. 18

Wierte Classe.

Das auslautende a des Thema wird zu oa gesteigert. (Vergl. Gramm. 1. 138.) 1. ka: Aokoaz sufficientia; 2. Aa: A0az, AAoaz vallis; 3. 3a: russ. Ha3o.it cinis; 4. ka: koaz pessulus; packoaz a/apa haeresis; 3akoaz in 3akoakho wkcto locus mactationis und im neuslov. zivina za zakol; russ. .leo.oko.it Eishauer; 5. wa: russ. yMo.it, Mahlen, prov.-russ. BblMo. b Mahlgeld: 6. na: noaz dimidium, ulterior ripa (na ohz noaz in ulteriori ripa: man vergleiche sanskr. pära ulterior ripa und deutsch hienhalf citra und let. puse dimidium und latus) ; 7. na: Mcnoaz haustrum; serb. HcIIo.ialI: russ. yIIo.it, quod despumatur; 8. cra : ctoaz mensa (man vergleiche sanskr. staras lectus, lat. torus [antiquis torus e stramento erat it stalas mensa, althochd. stuol. Zeitschr für vergl. Sprachforsch. IV.4). Hieher muss auch der zweite Theil des reduplicirten raaroaz (verbum) gerechnet werden; eben so das neuslov. mlamol chaos, abyssus. luc. 16.26 bei Truber, und ëech. plápol flamma (altslov. naanoaahnte izborn.-syjat.) von wa und na; dunkel ist ëech. chlächol adulatio. Auch dem neuslov. podmol (magy. padmal, und mit abweichender Bedeutung romun. noAwoa) Uferbruch liegt wie dem russ. bb Mo.it, yMo.at, die Wurzel wa zu Grunde Auf Wurzeln der vierten Classe glauben wir noch folgende Wörter zurückführen zu sollen: 1. neuslov. val russ. Ba.it poln. wa (fluctus) von ka; 2. prov.-russ. ra.it in Hara.it Parole; 3. waaz (parvus) von wa; 4. naaz im poln. zapal, upa (aestus) von na, naa (naa-Hatt uri); 5. nea in none.az, neneaz, worin Safarik. Cas. 20.365. eine Reduplication erblickt (cinis, eigentlich das Verbrannte), von na, naa (naatära); 6. neuslov. stel in nastel (stramentum) von cTa; 7. nea im russ. IIepene.it, neuslov. prepelica. serb. Iperie.111a (coturnix) ist zu einer mit np (volare) verwandten Wurzel na zu stellen: man vergleiche poln. przepiora in przepiorka; 8. awwaz (miserabilis, eigentlich mollis) von wa, wahrscheinlicher jedoch von wha; 9. mit Ka4 in TkpzAokakHz (-kohk duri oris equus. alex.) vergleiche man poln. kief, russ. K.ibik b dens und prov.-russ. HK.1bl von der Wurzel ka.

Fünfte Classe.

Das auslautende p des Thema wird zu og gesteigert. (Vergl. Gramm. I. 138.)

1. Ep: ngoRogz vertex, pa3Ropz cogitatio, czkopx collectio; russ. Kpoxo6opt quisquilias colligens: 2. kg: 3akopz, pa3kopx vectis (magy. zävor, zävár; romun. 3zkop, 3ag repagulum); prov.-russ. moBop b funiculus; 3. kg : H3kopz fons; 4. rkp: rokopz für rkopz sermo: vergleiche poln. gwar murmuratio und prov.-russ. roBopt bulla; 5. Akp: Akooz aula, das Bedeckte; 6. Ap: pa3Aogz schisma; russ. 3a, Opt, concitatio (man vergleiche 3a,ApaTb, 3a, 11paTb concitare); prov.-russ. Aop b Neugereut; 7. 3p: kx3opz visus, Ha30pz suspicio, npo3.opz visus, fenestra. mir., npok3opz superbia; neuslov. zor splendor; serb. IIO3OP attentio; 8. wp: wopz pestis; 9. Hp: russ. Hop b pars fluminis profundior; 10. np: noAznopz fulcrum: serb. ycIIop redundatio fluminis; russ. 3anopt obex, oopt, fulcrum; 11. eTo: npoctopz, neuslov. prostor spatium, zastor Vortuch; 12. Tkg: 3atkopz claustrum; 13. Tp: neuslov. zator: tisi mojzator convicium in pravum infantem; utor Nuth; russ. 3aTopt turba conferta; poln. tor via. Ropx von Ep (pugnare) findet sich in Rorokophoz (ÖsopäYo: cum deo pugnans): sophyk (pugnator) ist, wie naokkuk von naoy , von Ep, Rpath unmittelbar abzuleiten; nopz von np (rixari) kommt nur in kz.cnopitz (contentiosus) und ngknopkhz (contentionis) vor; hieher gehört auch serb. Top crates (vergl. Tp.lo) von Tg und IIoHop (locus ubi flumen subterram absconditur) von hp, der zweite Theil des reduplicirten altslov. npanogz (vexillum, eigentlich das Flatternde) von np und das neuslov. mramor gryllus gryllotalpa; russ. Bopb (fur) und poln. wór (saccus) scheinen zur Wurzel kg, bulg. vr infigere, zu

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