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golden. Der Schild links ist von der königlichen Krone Frankreichs bekrönt und enthält drei zu 2 und gestellte goldene Lilien") (vergl. Tafel III oben, zu beiden Seiten). An den Ecken des Gesimses sitzen vier entblösste Figuren, abwechselnd eine bärtige männliche und eine weibliche, vermuthlich die Personification der vier Jahreszeiten, die ersten beiden (vorne) auf roth, die beiden zweiten (rückwärts) auf blau emaillirten Decken, welche mit roth, blau, weiss und grün emaillirten Früchten und Blättern besäet sind. Der Triumphbogen ist an den beiden Längenseiten mit je vier Säulen jonischer Ordnung geziert, über denen die Triglyphen mit blauer Email und deren Torus und Voluten mit weisser Email und blauen Puncten geziert sind. In der Mitte eines jeden Bogens sind goldene Voluten angebracht. Dagegen sind an den beiden Schmalseiten Nischen mit blauer Email bekleidet, in deren jede eine entblösste Figur gestellt ist, die von einer weiss emaillirten aus der Mitte der Nische hervorreichenden Muschel überdeckt wird, und zwar steht rechts Pomona oder Abundantia (etwa die Personification des Überflusses an Allem) aus Gold, das Hinterhaupt von einem weiss emaillirten Häubchen umfangen, mit der rechten den offenen blau emaillirten Chiton, im linken Arme ein blau emaillirtes Füllhorn haltend: links aber steht Hercules, in der gesenkten Rechten die Keule und den linken Arm an die rechte Seite legend, (etwa als Personification der Arbeit, wodurch man zum Überflusse gelangt). (Vergl. Tafel III oben zu beiden Seiten.) Der Erdgöttinn gegenüber sitzt Neptun, wie Cybele, den Oberleib etwas zurückbeugend, das Haupt mit einem grün emaillirten Diadem umwunden; sein Körper ist besser gearbeitet als jener der Cybele; er hält in der gerade ausgestreckten Rechten einen goldenen Dreizack mit Spuren von grauer Email an einem goldenen Stiele und blau emaillirtes wellenförmig gekrümmtes Gold, etwa als Symbol der Meereswogen, und stützt diese Hand zugleich auf den Hintertheil des neben ihm stehenden Schiffes. In der linken an die Hüfte angesetzten Hand (den Arm stützt er auf den Kopf eines Seerosses) hält er auf ähnliche Art grün und blau emaillirtes, wellenförmig gekrümmtes Gold, welches den Anschein eines mit grün und blauen Streifen geränderten Tuches hat. Als Meeresgott ist er über dem Meere angebracht, dessen Wellen blau emaillirt und mit weiss emaillirtem, Strömung und Wirbel bezeichnendem Schaume gerändert sind, und welches die Wässer vorstellend im Vergleiche zum Lande einen bedeutend grösseren Theil der Bodenfläche einnimmt; aus dem Meere steigen vier goldene Seerosse (vergl. Tafel IV) mit blau und weiss emaillirten Augen und schuppigen Leibern, deren jeder in einen Schweif endet, während die Vorderfüsse mit Flossen versehen sind; die Motive ihrer Bewegung sind so sinnreich als gefällig. Das erste sieht gegen Cybele empor, das zweite welches allein an beiden Seiten des Oberleibes mit dunkel grau emaillirten Flossen versehen ist, trägt den Kopf stolz erhoben, auf welchen Neptun den linken Arm stützt. Ganz verschieden von der gravitätischen Haltung der beiden ersten auf der Vorder- oder Hauptseite sichtbaren ist die der beiden andern Rosse auf der Rückseite, sie sind mit einander scherzend dargestellt, indem das dritte unter Neptuns rechtem Fusse aus den Wellen tauchend und gegen das vierte Ross gewendet dasselbe in den Hals zu beissen sucht; das letzte hingegen geht mit offenem Maule auf den Leib des dritten los. Zur Rechten Neptuns und in der Mitte der Rückseite ist ein goldenes Schiff (vergl. Tafel IV) als eigentliche Saliera angebracht, zu welchem Behufe es innen hohl ist. Der Vordertheil ist mit dem Obertheile eines fabelhaften Meerthieres bekleidet, indem auf den schwarz, grün und gelb schillernd emaillirten schuppigen Leib mit weiblicher Brust, der ausserdem an beiden Seiten mit schwarz emaillirten an die Wände des Schiffes zurückgeschlagenen flügelartigen Flossen versehen ist, zwei Löwenköpfe aufgesetzt sind, deren breitgeschuppte Hälse unten verwachsen sind; diese Löwenköpfe sind aber nach innen zurückgewendet und jeder auf eine Volute aus Gold aufgestützt, welche an dem Rande der Schiffswand angebracht und innen roth emaillirt sind. Mitten auf der Brust sind drei über einander stehende weit hervorragende spitzige Zähne angebracht, von denen der oberste ausgefallen ist, und welche Spuren von grauer Email tragen. Der Hintertheil des Schiffes ist mit einem bärtigen Kopfe bekleidet, welcher, auf den Kiel des Schiffes mit seinem Kinne aufgestützt, an der rechten und linken Wange von je einem längs der Wände des Schiffes herabhängenden, aus roth und grün emaillirten – die übrige Email ist grösstentheils abgesprungen – Feigen und anderen Früchten bestehenden Gewinde wie mit einem Barte umgeben ist. Diesen Kopf überragt der viereckige mit roth und weiss emaillirtem Eierstab gezierte Rand vom Borde, auf welchem ein innen hohler Aufsatz als Sitz des Steuermanns angebracht ist. Dieser wird von vier Voluten gebildet, deren die zwei unteren roth emaillirt und durch Widderköpfe die sich auf dieselben stützen, mit den beiden oberen längs der Hörner dieser Widderköpfe hinlaufenden, blau emaillirten und am Ende vereinigten Voluten, auf welche Neptun's Arm aufgestützt ist, in Verbindung sind. Dieses Gerippe von Voluten ist nach 3 Seiten mit einer grün emaillirten Decke mit gelbbraun emaillirten Fransen bedeckt. Das Äussere beider Seitenwände ist erstlich mit einem roth und weiss emaillirten Eierstab und darunter mit blau emaillirten Buckeln (als Nägeln) verziert und wie gegen den Hintertheil durch die schon erwähnten, ebenso gegen den Vordertheil durch ähnliche Früchtengewinde mit noch gut erhaltener Email abgeschlossen, welche in weiss emaillirte Windlinge enden, und dann mit kriegerischen Emblemen geziert: auf der rechten dem Beschauer zugewendeten Seite nämlich sind ein Köcher mit dunkelvioletter Email, welcher oben mit einem Pferdekopf und unten mit grün emaillirten Blättern geziert ist, und in welchem 5 Pfeile stecken, ein Anker mit blau emaillirtem Widerhaken, – eine grün emaillirte Scheide (?) – ein blau und ein roth emaillirtes Ruder, ferner eine dunkelviolet emaillirte Fahne und ein roth, grün und blau emaillirtes Horn. Auf der linken Seite sind ähnliche Embleme: ein dunkelvioletter Schild, eine Posaune mit gelbbrauner Email, ein Buch mit blau emaillirtem Schnitt, ein Thau (?) und der braun emaillirte Fuss eines Thieres mit weiss emaillirten Klauen und in einen Widderkopf endend, dessen Bart roth emaillirt ist. Die Personificationen der vier Tageszeiten") und der vier Winde, mit den vorzüglichsten Werkzeugen der Beschäftigungen zu Land und zur See sammt einem Löwenkopfe , der aus der Erdfläche wie aus einer Höhle in der Nähe der Cybele emporsteigt. Rechts oben ist der erwachende Morgen auf grün emaillirter Decke (über ihm geröthete Wolken) zwischen den Ackerbauwerkzeugen: Sichel mit Spuren von grauer Email, Sense, Spaten und Haue, mit braun emaillirten Stielen (an der Haue und Sense Spuren von grauer Email) und zwischen zwei Füllhörnern, deren eines mit rother und weisser Email geschmückt ist und einer Gabel; dann folgen der Südwind auf blau emaillirter Draperie, braun emaillirtes Steuer- und einfaches Ruder; der Tag mit grün emaillirten Bändern in den Haaren, auf roth emaillirter Decke ruhend, (über ihm die goldene Sonne): zwei kreuzweis gelegte Dreizacke mit braun emaillirten Stielen, ferner der Westwind auf gelb emaillirter Draperie, Anker und Ruder mit blauer Email, der Abend auf blau emaillirter Decke, über ihm der Mond in roth emaillirten Wolken, dann weiss emaillirte Segel; der Nordwind mit grüner Email: musikalische Instrumente, die Geige gelb, das Horn braun, die Flöte blau, die Noten weiss und schwarz emaillirt; die Nacht sanft schlafend auf blau emaillirter Decke (über ihr ein goldener Stern), Bogen und Pfeil, braun emaillirt; Schild mit blau emaillirtem Gürtel, Ostwind auf blau emaillirter Draperie.

*) Die Krone, das F., der Salamander, das Wappen sind auch ganz ähnlich gearbeitet auf dem Gold-Scudo von Frankreich. und auf den Silbermünzen von Mailand, die Franz I. während seiner sieben Jahre dauernden Occupation von Mailand vom Jahre 1515 bis 1522 dort prägen liess, ganz gleich auf dem oben angeführten Email des Leonhard von Limoges: „La lettre Fest tracee en or sur email bleu.“ „Les Salamandres sont également peintes en or sur email bleur.“

!) Vita. ed. Carpani. II, 67. Trattati p. 105. Die Personificationen sind nach dem italienischen Sprachgebrauche erfunden, nach welchem der Morgen, L'Aurora, der Tag, il Giorno, der Abend, il Crepuscolo, die Nacht, la Motte, als zwei männliche und zwei weibliche Gestalten aufgefasst wurden.

Die nämlichen Figuren, insbesonders der Tag, sind denen des M. A. Buonarroti") auf den Monumenten der Medici in der Capelle S. Lorenzo zu Florenz sehr ähnlich; die weiblichen aber mit mehr Grazie gearbeitet. Sehr viel Sinniges ist in den Details eingewebt und zum Ausdruck gekommen, wie überhaupt das Ganze ein äusserst glückliches Symbolisiren der Gegenstände die auf dem Lande und im Meere angetroffen werden, und der ganzen Natur in ihrem mannigfachen Wechsel und ihrer Beziehung zu dem Menschen an den Tag legt.

Der Tafelaufsatz kann von der Basis aus Ebenholz herabgenommen werden, an welcher er durch eine grosse eiserne Schraube in der Mitte der beiden Hauptfiguren befestigt ist, ausserdem sind noch Neptun. Cybele, Triumphbogen und Schiff mit je zwei Schrauben von Eisen mit goldenen Köpfen angeschraubt.

Da Benvenuto Cellini") sagt, er habe tausend Goldscudi vom Könige Franz erhalten, um daraus ein goldenes Salzfass zu machen, so ist eine Vergleichung des Gewichtes der Bestandtheile des Salzfasses mit dieser Summe nicht ohne Interesse.

Es wiegt: Neptun . . . . . . . . . 1 Pf. 30*, Lth.
Cybele . . . . . . . . . 1 „ 25", „
Der Boden mit den Seerossen . . . 3 „ 2 **
Das Schiff . . . . . . . . – „ 23“, „
Triumphbogen . . . . . . . 1 „ 2“, „.
Postament . . . . . . . . 4 „ 5 -

12 Pf. 25., Lth.

Gold, wovon das Gewicht des Ebenholzes der Basis, von dem die Figuren der Tagszeiten und der Winde nicht weggenommen werden konnten, abzurechnen kommt. Ein Scudo Franz I. ist gleich einem Ducaten, 1000 Ducaten oder Scudi d'oro sind = 12, Pfund; folglich ist mit Hinzurechnung der Basis von Ebenholz das Ganze um 9 Loth schwerer als das empfangene Gold.

Vielleicht ist es ausser den schon angeführten Beweggründen noch wünschenswerth nähere Beweise anzuführen, dass das so eben beschriebene Salzfass wirklich das sei, welches B. Cellini für Franz I. gemacht habe.

Der Beweis hierfür würde schon genügend sein, wenn man nichts anderes vorbringen könnte, als die unglaubliche Ähnlichkeit der auf Tafel III abgebildeten zwei Wappenschilde mit denen Franz I. auf dem Email von Limoges, auf seinen Münzen und übrigen schon oben angeführten Werken; weil aber ausgezeichnete Kunstschriftsteller die Besorgniss aussprachen, dass diese Arbeit, auf die Cellini so oft in seinem Leben wie in seinen Abhandlungen zurückkommt, nicht mehr vorhanden sei, so will ich versuchen den Beweis des Vorhandenseins bis zur diplomatischen Evidenz zu führen.

Göthe wusste in seiner im Jahre 1803 veröffentlichten Übersetzung des Lebens Cellinis nichts vom Vorhandensein, er sagt nur *): „Eine Zeichnung des goldenen Salzfass es das in der Lebensbeschreibung eine so wichtige Rolle spielt, war in der florentinischen Zeichnungssammlung zu finden.“ „Von seinen getriebenen Arbeiten in Gold und Silber mag wenig übrig geblieben sein, wenigstens wüssten wir keine mit Gewissheit anzugeben.“

1) Cicognara: Storia della Scultura. II, Tab. LVIII. Durch die Vergleichung dieser Werke des Buonarroti und des Cellini gewinnt die Erklärung von beiden. Cellini hat offenbar den Buonarroti, vor dem er die grösste Hochachtung hatte, nachgeahmt, und da auf Cellini's Werke die Tageszeiten unzweifelhaft als solche bezeichnet werden, wie er auch in seinen Werken sie beschreibt, so schwindet aller Zweifel über die Bedeutung der Gestalten an den Monumenten der Medici in der Capelle S. Lorenzo, die häufig so verschieden ausgelegt wurden.

*) Leben des Benvenuto Cellini. Tübingen, 1803. II. 315; II. 31 1.

Cicognara *) sagt im Jahre 1816: „Nè traccia si trova parimente delle insigni cose lavorate in Francia in piccola dimensione, e neppure delle grandiose, come la saliera.“ Farjasse“) sagte im Jahre 1833: „Cette salière dont Charles IX. fit present à l'Archiduc Ferdinand d'Autriche, est aujourdhui à Vienne, oü elle fut transportée du château d'Ambras. On la voit dans la huitième chambre du Belvédère inférieur.“ Ungeachtet so wichtiger Angaben äusserte Clarac“) 1841 : „Il est à croire que sous Louis XIV et dans des temps oü la guerre entrainait à de grandes dépenses, la plus grande partie des chefs-d'oeuvre, que Cellini et son école avaient fait pour François I. et Henri II., ont étéportés à la monnaie et fondus comme de la vaisselle et tant d'autres riches ouvrages.“ Der Graf Delaborde kennt auch die Existenz des Salzfasses in Wien *): „On sait que elle se trouve aujourdhui dans le trésor impérial à Vienne.“ Du Sommerard, dieser um Wissenschaft und Kunst so sehr verdiente Mann, äussert sich“): „Quant à ses (de Cellini) vases, salières d'or et d'argent etc. d'un travail, qui centuplerait et au delà aujourdhui le prix de la matière, ils ont subi, pour la plupart, la transformationen valeur purement nominale, que subirent toujours, viennent les revolutions, les plus beaux chefs d'oeuvre de ce genre. On cite cependant comme conservée et comune existant encore aujourdhui au Belvédère à Vienne, sa salière d'or représentant la Terre et l'Océan et les 4 heures du jour, que ce grand artiste exécuta pour François I. et dont Charles IX. fit présent à l'Archiduc Ferdinand d'Autriche. Mieux vaut encore cette migration, que le sort que cet inestimable bijou n'eüt pas manqué de partager chez nous avec les autres admirables piéces d'Orfévrie de Louis XIV. et de Louis XVI.“ Meines Wissens hat der als Mensch wie als Beamter gleich ausgezeichnete, durch seltenes Wissen und grosse Kunstfertigkeit hervorragende Alois Primisser, mein unvergesslicher College, zuerst dieses Werk als die Arbeit Cellini's erkannt und als solche in seinem trefflichen Kataloge der k. k. Ambraser Sammlung veröffentlicht "). Darauf hat Bar. Hormayr dieselben von Primisser schon angewendeten Stellen aus dem Leben Cellinis nach Göthes Übersetzung in der Geschichte Wiens aufgenommen und die Vorderseite im Stiche mitgetheilt"). Dieselbe Übersetzung hat auch Baron Sacken in seinem umfassenden Werke über die Ambraser Sammlung aufgenommen *). Die inneren Gründe, nämlich die Arbeit die hier im kleinsten Detail beschrieben wurde, stimmt dermassen mit der von Cellini gemachten hier mehrfach angeführten und im Anhange in der Sprache des Originals mitgetheilten Beschreibung überein, dass kein vernünftiger Zweifel an der Identität mehr übrig bleibt. Angenommen aber, es wäre diese nicht die Arbeit Cellini's, so erübrigt die Frage: wo ist sie? und wer hätte diese gemacht oder machen können? Aber ausser diesen inneren Gründen sind auch noch historische, also äussere Beweise von der Identität vorhanden, von denen hier mehrere folgen, und die sich vorzüglich damit abgeben, darzuthun, wie dieses Werk welches für Franz I. von Frankreich gemacht wurde, nach Wien gekommen und sich jetzt im Besitze Sr. k. k. apost. Majestät Franz Joseph, Kaisers von Österreich, befinde.

!) Storia della Scultura. Venezia 1816. II. 313.

*) Wie de Benrenuto Cellini. Paris 1833. II, 97. Note.

*) Musee de Sculpture. Paris 1841. I. 482. Note.

*) Notice des Emaur. II, 489.

*) Les Arts au moyen äge. I, 217, 218 und 1, 2.

6) Die k. k. Ambraser Sammlung. Wien, 1819. S. 226 u. s. w. 7) Wien, seine Geschichte u. s. w. Wien, 1825, aus Primisser abgedruckt. II. Jahrgang, Ill. Band am Ende. Kupfererklärung. *) Die k. k. Ambraser Sammlung. Wien, 1855. I. 161 u. s. w.

Erzherzog Ferdinand, der Stifter der k. k. Ambraser Sammlung, zweiter Sohn Kaiser Ferdinand's I., erhielt bei der väterlichen Theilung Tirol und die Vorlande als souveräner Fürst, als solcher gründete er eine prachtvolle Sammlung, eigentlich das älteste Museum auf unserer Seite der Alpen. Ferdinand, im Jahre 1529, als die Türken Wien belagerten, zu Linz geboren, bewies sich, 18 Jahre alt, tapfer in der Schlacht bei Mühlberg, wurde nach der Entsagung aller Kronen Kaiser Karl's V. Statthalter in Böhmen, war siegreicher Bekämpfer der Türken, und hielt im Jahre 1567 seinen Einzug in Innsbruck als Landesherr. Im Jahre 1570 schickte Karl IX., König von Frankreich, Gesandte an Kaiser Maximilian II., um von diesem seine Tochter Elisabeth zur Frau zu erbitten, und an den Erzherzog von Österreich und gefürsteten Grafen von Tirol, sich an seiner Statt durch Procuration in Speyer zu vermählen. Diese Vermählung durch den Procurator Erzherzog Ferdinand fand zu Speyer") Statt am 22. October 1570, und die wirkliche Vermählung zu Mézières den 26. November, wobei der König von Frankreich prächtige Geschenke vertheilte“). Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Erzherzog, dessen Kunstliebe bekannt war, bei dieser Gelegenheit die schönen Geschenke erhielt, deren das nach seinem Tode aufgenommene Inventar, als vom Könige von Frankreich stammend, erwähnt. Der Erzherzog Ferdinand starb 1595; nach dem Tode wurde ein Inventar“) aufgenommen, welches folgende Über- und am Ende die facsimilirten Unterschriften führt: Inventari Weyland der fürstl. Durchlaucht Erczherczog Ferdinannden zu Ossterreich etc lobseeligisten gedechtnuss Warnussen und mobilien Wie die auf der Kays. Mlt. et unnsers Allergenedigisten Herrn Beuelch durch Ihrer Kays. Mt. hierczue verordnete Comissarien den Wolgebornen auch Edle gestrenge Herrn, Herrn Carl Freyherrn zu Wolckhenstein unnd Rodenegg Oberossterreichischen Regiments Presidennten, Herrn Carl Schursfen zu Schönwört, St. Mariastain und Niederpraittenbach, Obristen Hofmarschalckhen und Haubtman zu Kuefstain (der dann zugleich von der Fürstl. Durchlaucht Erczherczogin Maria von Ossterreich, geborner Herczogin zu Bayrn Witib und Erczherczogen Mathiasen von Ossterreich pevollmechtiget gewest). Item Herrn Ciriackhen Heidenreich zu Pidenegg unnd Matrai, Oberossterreichischen Camer Presidennten, unnd Herrn Cristoffen Vintler zu Platsch, Oberossterreichischen Regenten, im hochgemelten Frl. dt. seeligsten gedechtnuss Ingewonndter Purg Ruelust unnd in der Alten Purg, sambt darzu

') Lancelot: Voisin de la Poplinière. L. XXIII. p. 3. „Le comte de lets etc. fut enroyerers l'Empercur arec ample pouroir derecuter le surplus: et spéciale procuracion á Ferdinand frére de l'Empereur pour «spouser par parolle de present au nom et conume procurur du Roy, Psabeau sa niepce. Ce qui se fit ä Spire“, etc. p. 4: „Les fiançailles faites ä Spire par Ferdinad Archeduc D'Austrichen vertu du pouroir á luy envoye.“

Thuanus II, 638. L. XVII: „Caesar Elisabethae alterius filiae sponsalia cum Carolo rege X. Kal. IX br. (22. October)

celebrat Ferdinando Caesaris fratre adid a Rege cum mandato amplissimo constituto, qui Regem representaret.“ Darauf wurde die 16 Jahre alte Braut nach Mézières geführt, wo die Heirath mit dem damals 20 Jahre 5 Monate alten Könige am 26. November Statt hatte. Thuan us p. 661, L. XVII, auch ein Brief des Erzherzogs an den Kaiser vom 6. September 1570 bestätiget die Vermählung durch Procura. K. K. H. H. und St. A.

*) Lancelot: Woisin de la Poplinière. L. XXIII, p. 5: Le vint heutième de marillac et de saint Bonnet les Surintendans des findices firent présens aur seigneurs Germains. A l'Electeur d'un buffet de raisselle d'argent doré de grande raleur et aur trois autres, chacun le sien de douze cent escus; bien quarante autres eurent chaines d'or.“ Siehe auch Bergmann: Die Königinn Elisabeth von Frankreich. Wiener Zeitschrift 1841, Nr. 84, 85. Das Portrait dieser interessanten Fürstinn ist gestochen: Herrgott M. A. D. A. Pinacotheca. Tab. LXXV, 5, 6.

*) Von diesem Inventare sind drei Abschriften vorhanden: 1. In der k. k. Hofbibliothek: Chmel, histor. Handschriften. II, Nr. 8228. 2. In der Museal-Bibliothek zu Prag. Der Herr Bibliothekar hatte am 5. Juni 1851 die Güte, mir dasselbe zur Vergleichung zu schicken. Auf meinen Wunsch verglich der Custos der Ambraser Sammlung, der k. k. R. H. Joseph Bergmann, das Exemplar mit dem 3. in der k. k. Ambraser Sammlung vorhandenen. Aus diesem Vergleiche ergab sich, dass das Exemplar des Museums zu Prag wahrscheinlich das Original ist, das nach dem Tode des Erzherzogs (24. Jänner 1595) aufgenommen und dem Kaiser Rudolf II., der laut Vergleiches vom 21. Februar 1605 das volle Eigenthumsrecht der ganzen Sammlung vom Markgrafen Karl von Burgau an das kaiserliche Haus brachte, überreicht wurde. Die ersten 13 Seiten fehlen, und von der 14. an ist es ganz gleichlautend mit dem der k. k. Ambraser Sammlung. Nur die Unterschriften fehlen in dem letzteren: sie wurden nach dem Prager Exemplar facsimilirt, bevor dieses wieder im Juli 1851 ans Museum zurückging.

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