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brusque bei den Grossen weltlichen und geistlichen Standes benahm, je nach seiner augenblicklichen Stimmung. Den Schilderungen eines so ereignissvollen Lebens, die voll der unglaublichsten Selbsterhebungen sind, in denen er nicht Anstand nahm sein eigenes Lob auszuposaunen und noch dazu mit ungegründeten Behauptungen, ist es vielleicht mehr zuzuschreiben, als seinen Kunstarbeiten, dass sein Name so bekannt geworden ist. Zudem hat einer der grössten Geister des deutschen Volkes, Göthe, dessen Lebensbeschreibung ganz, und die Abhandlungen auszugsweise zu übersetzen gewürdiget. Auch in's Englische und Französische wurde dasselbe übersetzt und im Italienischen wurde es mehrmals herausgegeben. Aus dem Leben sowohl wie aus seinen Werken erhellt, dass der Kreis seiner Gedanken ein beschränkter war, dass er sich zum Christenthume mehr äusserlich als innerlich bekannte, dass er christliche Gegenstände nur dann behandelte, wenn sie ihm befohlen waren, dass er selbst dann sich bemühte, dieselben mit einer gewissen Leichtfertigkeit zu behandeln; er fasste die damals gemachten Entdeckungen der heidnischen Alterthümer mit zu profanen Augen auf und fröhnte in ihnen seinen Sinnen. Benvenuto Cellini huldigte zu sehr der Allegorie, in welcher er bis zum unglaublich Manierirten gelangte: denn wie soll man die beiden Hauptgestalten des vorliegenden Kunstwerkes anders nennen als manierirte Allegorie? Dass Cellini Neptun und Cybele als Symbole des Meeres und der Erde darstellte, da sie von Griechen und Römern so überliefert wurden, ist im Zeitalter, in dem diese Mythen überall Eingang gefunden hatten, wohl natürlich, jedoch geht diese Allegorie in's Unglaubliche und fast Kindische, wenn, wie der Künstler selbst sagt, die in einander gehenden Beine der beiden Gottheiten Landzungen und Meeresbuchten, wenn der flach gelegte Fuss der Cybele die Ebenen, und der gehobene und gebogene die Berge"), und etwa die linke Hand an der linken Brust die das Menschengeschlecht ernährende Milch bedeuten soll. Was kann man von der ganzen Cybele anders sagen, als dass sie eine höchst affectirt dasitzende Frauengestalt mit sehr langem Halse und ausdruckslosem Gesichte sei? Der Kranz von Weintrauben, Früchten und Blumen in den schön geflochtenen Haaren ist aus grünem, blauem und gelblichtem Email trefflich gearbeitet, wie der mit grünen Lilien übersäete Teppich, welcher den Elephantenkopf, worauf Cybele sitzt, bedeckt; der hervorstehende Hund, der emporsteigende Löwe, der sich auf die Cybele umsehende Salamander sind sehr gute Producte der Grosserie. Tresslich ist der Triumphbogen den er selbst Tempel nennt, gearbeitet, mit den Figuren des Hercules und der Abundantia, wie auf der Stiege des Schlosses in Blois ganz ähnliche vorkommen, und so die üppige weibliche Gestalt die auf dem Deckel des Pfefferbehältnisses als Symbol der Tropenländer dient; äusserst zierlich hat auf dem Triumphbogen Cellini die Wappen Frankreichs, Symbol, Chiffre und Krone Franz I. angebracht. Neptun ist besser gearbeitet als Cybele; so sind die Seethiere, das Schiff, zur Aufnahme des Salzes bestimmt, sehr gute Leistungen; die besten meines Erachtens sind die in der Base, die Personificationen der Tageszeiten, die er richtiger in den Trattati als in der Vita benennt, und die der Winde. Es gibt in den sechs Gattungen Kunstwerken, in denen Cellini sich auszeichnete, noch sechserlei ungezweifelt von ihm herrührende Arbeiten, die zum Anhaltspuncte dienen, um zu entscheiden, welche der noch vorhandenen Werke ihm mit grösserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit zugeschrieben werden können. I. Im Steinschnitte: Der Camée zu Wien, die Leda vorstellend, blos der Kopf. II. In Grosserie in Gold: Die Saliera, und die Zugaben zur Leda in Wien. III. Im Guss in Bronze a) en relief: Das grosse Relief für Fontainebleau, jetzt im Louvre zu Paris *); kam jedoch nie nach Fontainebleau, sondern Heinrich II. schenkte es der Diana von Poitiers für ihr

!) Trattati, p. 104. *) Gestochen: Cicognara, Storia della Scultura. II, 67. wie er sagt, zum ersten Male. Farjasse. Wie de Benvenuto Cellini II, 62. Clarac. Musée de Sculpture. I, p. 473, pl. 46.

Schloss Anet; von da kam es nach Paris. b) Statuen und Büsten: Perseus und Medusa, zu Florenz, sammt Basis und Büste des Cosmus von Medici in Florenz. IV. In Marmor: Das Crucifix auf dessen Basis steht: BEvENvt vs CELLINvs civis FLoRENTINvs FACEBAT 1562 zu Florenz oder Madrid. V. In Eisen mit Gold verziert: der Ring zu Wien. VI. Die Münzen und Medaillen: Von diesen wird eine Tafel gegeben an einem anderen Orte ). Durch die genaueste Beschreibung der Gegenstände in Gold, Stein und Eisen, welche das k. k. Münz- und Antiken-Cabinet von Benvenuto Cellini aufbewahrt, werden Sie vermuthlich meine eben ausgesprochenen Ideen bestätiget finden. Es wäre sehr wünschenswerth, wenn von obigem Crucifixe *) ein genauer Stich oder Abguss gemacht würde, ferner wenn ein gleiches bewerkstelligt werden könnte vom Kästchen für das vom heil. Longinus überbrachte heil. Blut, welches Cellini für den Herzog Friederich von Mantua, oder von den Siegeln, von denen Cellini so viele, insbesondere für den Cardinal Hercules Gonzaga arbeitete, der als Vorsitzender des Conciliums zu Trient 1563 starb; oder von der Lilie, in die er die Steine der Porcia Chigi fasste, oder von der Schliesse zum Pluviale") des Papstes Clemens VII., oder vom Einbande des Gebetbuches (libro di Madonna), von dem die Edelsteine 6000 Scudi Werth hatten, welches Papst Paul III. dem Kaiser Karl V. verehrte, als dieser von Tunis nach Neapel und Rom im Jahre 1535 zurückkehrte, oder von der Bronze-Büste des Herzogs Cosmus von Florenz. Eine Zusammenstellung sämmtlicher Werke eines bevorzugten Künstlers oder Technikers gibt nicht nur einen klaren Begriff von ihm selbst, sondern auch von seiner Zeit. Die Aufgabe die Cellini von Franz I. erhielt, nicht ihn selbst zu portraitiren, sondern den oft besprochenen Tafelaufsatz in Gold, die Götter des Olymps, in der Grösse des Königs 5 Fuss 8 Zoll in Silber, grosse Candelaber in Silber, Mars sechzig Schuh hoch in Bronze zu verfertigen, schildert gewiss deutlich und klar Franz I., seinen Hof und Frankreich. Vom Olymp wurde nur der Jupiter beendigt, in der Basis waren dessen Abenteuer mit Ganymedes und der Leda ausgeführt; er scheint mit so vielen anderen Kunstwerken eingeschmolzen worden zu sein"). Indem ich eine Monographie über eines der berühmtesten Werke Cellinis, über das er selbst am öftesten sprach, zur Veröffentlichung in den Denkschriften vorlege, und diese Monographie auszugsweise für den dritten Band der Monumente des k. k. Münz- und Antiken-Cabinetes benütze, dessen Text eben im Drucke begriffen ist und dessen Erscheinen nahe bevorsteht, glaube ich den richtigen Weg zur kritischen Beurtheilung angegeben zu haben, welche Werke dem Cellini mit grösserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit zuzuschreiben sind, oder welche entschieden nicht von ihm herrühren. Bin ich allerdings in der Lage des Künstlers Selbstlob in Bezug auf Erfindung um ein Bedeutendes herabzustimmen und, wie ich glaube, auf das rechte Mass zurückzuführen, so kann man seiner Technik nicht genug Gerechtigkeit wiederfahren lassen; er stellt sich in dieser Hinsicht zu den ausgezeichnetsten Meistern der Renaissance, deren Grundgedanke Üppigkeit und Genusssucht war, aber, so betrachtet, Unge

!) Arneth. Monumente des k. k. Münz- und Antiken-Cabinetes. B. III, Taf. XIX. *) Nach Vasari edit. Botari. Wite etc. Roma 1760. III, 487. In Florenz in der unterirdischen Kirche S. Lorenzo; nach Cicognara. Storia della Scult. II, 3.11. bei Madrid im Escorial. *) Sonderbar genug übersetzt Schorn – Vasari: Leben u. s. w. VI, 209 – Knopf zu einem Regenschirme; nach Botari: Vasari: Vite etc. Roma 1760. III, 486, aufbewahrt im Castelle S. Angelo, und werde bei der Auferstehung, am Oster-, Weihnachts- und St. Petersfeste, wenn der Papst Messe liest, herausgenommen. Cicognara hingegen meint – Storia della Scult. Venetia 1816. II, 313 dieser Schmuck ist preziositä perduta. Entweder hat einer oder der andere Unrecht, oder er ist zwischen 1760 und 1816 verloren gegangen, was in Berücksichtigung der in dieser Zeit vorgefallenen Ereignisse sehr leicht möglich ist. *) Clarac: Musée de Sculpture. I, 482.

wöhnliches leistete. Es ist lange noch nicht hinlänglich erörtert wie sehr Franz I. durch Berufung allerdings bedeutender Männer aus Italien dem eigenthümlichen französischen Fortschritte schadete; ein ähnlicher Schaden war auch in Spanien, England und Deutschland. In Spanien hatte die Architectur, aus dem Maurischen manches entlehnend mit dem Gothischen dasselbe verbindend, Merkwürdiges hervorgebracht: nicht minder in England, Frankreich und Deutschland das grosse Heimische vervollkommnend. Durch die rasche Verbreitung des Mythischen erstarb allenthalben das heimische Streben nach Verbesserung.

I. Von Benvenuto Cellini erwiesenermassen herrührende Arbeiten.

Beschreibung der von Benvenuto Cellini für Franz I. König von Frankreich gearbeiteten Saliera (Salière, Salzfass, Tafelaufsatz) die er selbst in seinem Leben gemacht hat.

Am Ende des Jahres 1539 wurde B. Cellini vom Cardinal von Ferrara aufgefordert ihm ein Salzfass zu verfertigen, wozu ihm der Künstler sogleich einen Entwurf überreichte, den er folgendermassen beschreibt“): „Ich nahm einen runden (ovalen) Untersatz, ungefähr zwei Drittel einer Elle, und darauf, um zu zeigen, wie das Meer sich mit der Erde verbindet, machte ich zwei Figuren, einen guten Palm gross, die mit verschränkten Füssen gegen einander sassen, so wie man die Arme des Meeres in die Erde hineinlaufen sieht; das Meer, als Mann gebildet, hielt ein reich gearbeitetes Schiff welches Salz genug fassen konnte, darunter hatte ich vier Seepferde angebracht und der Figur in die rechte Hand den Dreizack gegeben; die Erde hatte ich weiblich gebildet, von so schöner Gestalt und so anmuthig, als ich nur wusste und konnte. Ich hatte neben sie einen reichen verzierten Tempel auf den Boden gestellt, der den Pfeffer enthalten sollte, sie lehnte sich mit einer Hand darauf und in der andern hielt sie das Horn des Überflusses, mit allen Schönheiten geziert, die ich nur in der Welt wusste. Auf derselben Seite waren die schönsten Thiere vorgestellt, welche die Erde hervorbringt, und auf der andern, unterhalb der Figur des Meeres, hatte ich die besten Arten von Fischen und Muscheln angebracht, die nur in dem kleinen Raum stattfinden konnten; übrigens machte ich an dem Oval rings herum die allerherrlichsten Zierathen.“

Der Cardinal sagte, er wolle sich auf ein so grosses Unternehmen nicht einlassen; da versetzte der Künstler: „Hochwürdigster Herr! Ich sage voll Zuversicht, dass ich das Werk für den zu endigen hoffe, der es bestellen wird.“ – Darauf antwortete der Cardinal: „Wenn Du es nicht für den König machst, zu dem ich Dich führe, so glaube ich nicht, dass Du es für einen andern zu Stande bringst.“ Und so war es auch; der Cardinal führte auf Aufforderung Franz's I. den Künstler nach Frankreich und dieser wurde ihm in Fontaineblau vorgestellt. Cellini arbeitete für den König einen Becher und ein Becken, womit dieser sehr zufrieden, ein Salzfass wünschte. Der Künstler holte sogleich das vom Cardinal von Ferrara zu Rom bestellte Wachsmodell und zeigte es dem Könige, der, davon entzückt, den Künstler fragte, wie viel er Gold brauche, um es aus diesem Metall zu machen. „Tausend Scudi“ – und sogleich wurde dem Schatzmeister befohlen, sie zu verabfolgen. Cellini machte sich alsbald 1542 ans Werk, nahm Gehilfen, insbesondere Deutsche, auf, die er am besten brauchen konnte. Im folgenden Jahr war es fertig und er überbrachte es dem Könige. „Das Werk selbst, das man aus meiner Beschreibung schon kennt, hatte ich auf eine Base von schwarzem Ebenholz gesetzt; diese war von gehöriger Stärke und von einem Gurt umgeben, in dem ich vier Figuren von Gold ausgetheilt hatte, die mehr als halb erhaben waren, sie stellten die Nacht und den Tag vor; auch die Morgenröthe war dabei; dann waren noch vier Figuren von derselben Grösse angebracht, welche die vier Hauptwinde vorstellten, so sauber gearbeitet und emaillirt, als man sich nur denken kann.“

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Wie aus den Beilagen erhellt, in welchen ich die von Cellini sowohl in seiner Vita als in seinen Trattati gegebenen Beschreibungen des Salzfasses in der Ursprache abdrucken lasse, um dadurch um so deutlicher zu zeigen, dass Cellini's Beschreibungen selbst mit einander nicht genau übereinstimmen, besteht der Unterschied vorzüglich in der Beschreibung der Darstellungen in den acht Nischen des Untersatzes. Die im Leben gegebene Beschreibung ist so eben angeführt worden; in den Trattati sagt er abweichend von jener: „In die Basis habe ich in den acht Nischen gegeben: Das Frühjahr, den Sommer, den Herbst und den Winter, den Morgen, den Tag, den Abend und die Nacht.“ Aus dieser, vielleicht durch die Entfernung der Zeit"), in welcher die Projecte entworfen und beschrieben wurden, zu erklärende Verschiedenheit der Beschreibungen der Basis, die er anders angibt beim ersten Modell welches er den Cardinal von Ferrara, anders bei dem welches er dem Könige von Frankreich überreichte, anders in den Trattati, ergibt sich die Nothwendigkeit eine neue Beschreibung des merkwürdigen Werkes zu entwerfen. wie solches sich jetzt darstellt.

Die Saliera *) des Benvenuto Cellini.

(Ansicht von vorne Taf. I, Ansicht von rückwärts Taf II.)

Benvenuto Cellini hat Neptunus und Cybele als Symbole des Meeres und des Landes als die Hervorbringer alles dessen was zur Speise und zum Trank gehört, auf einer ovalen Basis von Ebenholz mit verschränkten Füssen sich einander gegenübersitzend dargestellt, dem Neptun hat er ein Schiff als Behälter des Salzes, der Cybele einen Triumphbogen für Gewürze und Pfeffer an die Seite gestellt und ausserdem die jeder Gottheit symbolisch zukommenden Thiere, die Seerosse, den Elephanten, den Löwen u. s. w. und das Emblem König Franz I. von Frankreich, den Salamander, sinnreich angebracht, die Basis aber mit den Bildern der Tageszeiten, Winde und passender, die Beschäftigungen zu Land und zur See andeutenden Geräthschaften geziert. Im Einzelnen betrachtet, trägt Cybele in den Haaren ein Gewinde von grün und rothschillernd emaillirten Birnen, Feigen und blau emaillirten Trauben, mit einem Apfel von rother Email in der Mitte, während die Haare des Hinterhauptes theils in zwei grosse oben vereinigte Zöpfe geflochten sind, theils in Locken ungezwungen herabhängen. Sie hält in der gesenkten Rechten mehrere grün, roth und blauemaillirte Früchte mit grünemaillirten Blättern, an dem Ende des Früchtengewindes ist eine Sternblume mit weisser Email mit blauemaillirten Staubfäden bemerkbar; die linke Hand hält sie an die linke Brust, wie um ihr Milch zu entziehen. Cybele sitzt auf kleinen dunkelgrün emaillirten Felsen und Klippen des Gestades welches, das Land vorstellend, im Vergleiche zum Meere nur einen bedeutend kleineren Theil der Bodenfläche einnimmt, vorne wie eine Landzunge weit in das Meer hineinreicht und vor dem Triumphbogen und um den Sitz der Cybele, sowie unter dem rechten Fuss mit Früchten und Blumen besäet ist. Hier finden sich braun emaillirte Birnen, Äpfel und Granatäpfel, roth und grün emaillirte Feigen, blau emaillirte Trauben und mehrere weisse Sternblumen und Windlinge (convolvulus) mit blauen Staubfäden; dort sind im Ganzen dieselben Früchte und Blumen, nur sind ausserdem grün emaillirte Eicheln in goldenen Bechern und eine gelb emaillirte Ananas hinzugefügt (vergl. Taf. Ill), überhaupt aber sind die Früchte und Blumen mit grün emaillirten Blättern versehen. Auf der rechten Seite erhöhen sich diese Klippen und Früchte zu einem Throne, auf dessen Rückseite ein goldener Elephantenkopf mit weiss und blau emaillirten Augen und weiss emaillirten Zähnen aus den Früchten und Blumen, mit denen er bekränzt ist, hervorwächst, indem er zugleich den Rüssel um den Felsenthron herumschlägt (vergl. Taf. IV). Er ist bis über die Stirne mit einer grün emaillirten (sinnbildlichen Farbe der Matten und Wiesen ? ) goldgefransten und reich drapperirten Decke bedeckt, die mit goldenen Lilien besäet ist, und ausserdem, über den ganzen Felsenthron ausgebreitet, der Göttinn zur Unterlage dient. Von den der Cybele symbolisch zukommenden Thieren sind ausser dem Elephanten noch der Löwe angebracht, indem er zwischen dem rechten Fusse der Cybele und dem rechten Fusse des Neptun aus einer Höhle hervorbricht, so dass aber nur der trefflich gearbeitete Kopf mit den zur Cybele erhobenen roth emaillirten Augen und den beiden angestemmten vordern Branken sichtbar wird (vergl. Tafel VI); neben dem Elephantenkopf taucht mit den Vorderfüssen dem Löwen gegenüber ein trefflich gearbeiteter Hund heraus, von welchem jedoch nur der goldene Kopf mit dem blau emaillirten Halsbande sichtbar ist. Gewandt wusste der Künstler den Übergang von Land und Wasser durch einen grün emaillirten Frosch, der in die Wellen springt, sowie durch Schlangen anzudeuten, deren mehrere goldene, besonders vor dem Triumphbogen (vergl. Taf. III), dem Meere zueilen. Unter dem erhobenen linken Fusse der Cybele befindet sich ein nach derselben mit erhobenem Kopfe umsehender Salamander aus Gold; dessen schuppige grau emaillirte Haut ist mit goldenen Puncten besäet, er sitzt mitten in roth emaillirten Flammen (vergl. Tafel I und III). Dieses vom Könige Franz I. gewählte Emblem kommt immer auf den grossen Bauwerken"), auf den für ihn gemachten Kunst-*) und Industriegegenständen“) vor. Zur Rechten der Cybele und auf der vorderen Seite des Gestades ist ein Triumphbogen aus Gold angebracht, der auf einem niederen goldenen Sockel erbaut ist (vergl. Tafel III oben und unten). Er besteht aus einem höheren (in der Mitte) und zwei niederen (zu beiden Seiten) Thorgängen, und ist an den Wänden durch eingravirte Linien als Quaderbau bezeichnet. Der obere Theil des Gesimses und das flache Dach sind hohl und zur Aufnahme von Gewürzen (besonders Pfeffer) bestimmt. Das eigentliche Dach kann aufgehoben und als Deckel zurückgeschlagen werden und ist mit roth, blau, weiss, braun, gelb, grün emaillirten Früchten, Blumen und Blättern besäet und eingerandet, und theilweise mit einer grün emaillirten Decke überdeckt. Auf dieser liegt, den rechten Ellbogen aufstützend, eine entblösste weibliche Figur in Gold von gedrungenen Formen (Personification der Gewürzländer?), deren Haar reichlich mit roth, blau, weiss und grün emaillirten Blumen und Blättern durchflochten ist, indem sie zugleich mit der erhobenen Linken das Ende der grünen Decke über die linke Schulter heraufzieht. Der Ablauf der das Dach mit dem Gesimse verbindet, ist mit einem weiss und roth emaillirten Eierstab geziert. Dieser Trochilus ist auf den 2 Schmalseiten von goldenen Tafeln unterbrochen, auf welchen blau emaillirte Schilde angebracht sind. Der Schild an der rechten Seite enthält den Buchstaben F (Franz) unter der königlichen Krone Frankreichs und unter dem Buchstaben den Salamander; diese Figuren sind

!) Dem Cardinal überreichte Cellini das erste Modell im 39. Jahre, dem Könige im 42. Jahre, die Vita beschrieb er im 59., die Trattati verfasste er im 69. Jahre.

*) Das Salzfass war einer der nothwendigsten Gegenstände auf dem Tische, so zwar, dass im Inventarium Johannes Herzogs von Berry dreissig sehr schön verzierte Salzfässer vorkommen. Der Graf A. Laborde zählte in seinem vortrefflichen Werke – Motice des Emaur etc. Paris 1853, II. 489–491, – vom Jahre 1347–1536 sechs und zwanzig verschiedene kostbare Salzfässer – Salières – auf, die ihm aus Inventarien bekannt geworden sind. Es ist daher sehr natürlich, dass auch Franz I. diesem Gebrauche huldigte, und von Benvenuto Cellini eine Salière machen liess, welche ihm dieser 1543 überreichte, und die nun zu beschreibende ist. Vergl. über das Salz: Regimen Sanitat. ed. Düntzer. Köln 1841, p. 20, V. 154, 155.

!) De la Borde (Alex.). Monumens de la France classes chronologiquement. Die Schlösser Chambord – Gailhabaud. Monumens mod. I W. – Fontainebleau, Koloff in Raumer Hist. T. B. 1846. – Blois. – Bisson frères. Escalier Francois I., sehr schöne photographische Blätter, ganz an die Arbeit Cellini's erinnernd. – Louvre, – Clarac Musée.

*) Lenormant. Tresor de Numismatique et de Glyptique. Medailles francaises. VT. 4. VII.

*) Dem Salamander hat Franz I. seine Berühmtheit gegeben, indem er ihn mit der Devise annahm: Nvt Risco ET ExstINGvo. Dieser mit dem Thiere gleich räthselhafte Spruch findet seine Auflösung wahrscheinlich durch die Medaille auf Franz I. als Grafen von Angoulême mit dem Spruche: NotRisco A. n voNo stGo 1L REo. – Ich nähre den Guten und vertilge den Bösen; so auch durch eine zweite: Disc vTIT Hanc FLAMm Am FRAnciscvs RoBoRE mENTIs omN1A Per vinc1T RER vm Mm EisAB1L1s vndis Anspielung auf Ulysses bei Horat. Ep. 2, 22. Auf trefflichen Emails, welche im Louvre von Leonhard von Limoges vom Jahre 1553 aufbewahrt werden, ist der Salamander mehrfach angebracht. – De Laborde. Notice des Emaur 1.191–203. II. 489. – Vielleicht ist dies auch die Ursache, dass Benvenuto Cellini so umständlich beschrieb, wie er fünfjährig einen Salamander gesehen. – Vita I. 10.

Denkschriften der philos.-histor. Cl. IX. Bd. 14

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