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den verschiedenen Zweigen der Weisheit allein noch nicht vergeben war.

Im Ganzen erscheint so die äsopische Fabel theils als ein Werk der Redekunst, theils, wie noch Lessing sie fasst, auf einem der Poesie und Moral gemeinschaftlichen Raine“; nenerdings pflegt man sie als episch-didaktische Dichtung zu bezeichnen, was ebensowohl die Verbindung der Kunst mit einem unkünstlerischen Elemente ausdrückt.*) Die unter den germanischen Stämmen erwachsene Thiersage des Mittelalters gab J. Grimm (Einl. zu „Reinhart Fuchs“; cf. W. Wackernagel „Poet. Rhet. Stil. p. 109 fg.) Anlass zur Aufstellung einer Theorie, nach welcher die morgenländischen wie die abendländischen Fabeln nur als abgetrennte Bestandtheile einer indogermanischen Thiersage, eines ursprünglichen Thierepos erscheinen. Die Unbaltbarkeit dieser Ansicht hat ausreichend nachgewiesen Gervinus Gesch. d. Dtsch. Dicht. Th. I, p. 123 fg.

Wenn wir nun das im Eingange zu diesem Abschnitte von den ästhetischen Sprachbildern Gesagte jetzt im Besonderen für die Fabel näher zu bestimmen haben, so glauben wir dies am besten zu erreichen, wenn wir unsere Ansichten mit denen Lessings zusammenstellen und an diesen prüfen. Unsere Ansicht aber ist folgende: Die Fabel giebt einem Gedanken Ausdruck durch Darstellung eines Bildes, welches auf Anlass eines einzelnen Vorgangs, den die Anschauung bietet, der also der Wirklichkeit entnommen ist, in uns entsteht. Sofern dieser Einzelvorgang die Gattung und die Regel solcher Vorgänge an sich aufweist, ist er Beispiel, sofern seine Darstellung mit Bewusstsein nicht den Vorgang giebt, sondern ein Bild desselben, sofern also das Beispiel nur als Gleichniss Geltung beansprucht, ist diese Darstellung Allegorie. Welcher Art aber der Gedanke der Fabel ist, welches also der Kern ist der Allegorie, das bleibt hierbei nur scheinbar unbestimmt. Es wird bestimmt durch den

*) Jean Paul (Vorsch. d. Aesth.) sagt: „Da in der Fabel nicht die Moral der Geschichte wegen gemacht wird, sondern die Geschichte für jene nur der Boden ist: so gehört sie, so breit auch der geschichtliche Boden eines kleinen Samenkorns ist, doch nicht dem epischen an, sondern dem lehrenden Gedichte eines – Gedankens.“

Charakter der Sphäre, aus welcher das Bild stammt, denn aus diesem Bilde entwickelt sich erst der Gedanke, oder er ist vielmehr das Bild selbst, erfasst und beleuchtet vom Bewusstsein. Gedanken also, für welche die Vorgänge der Wirklichkeit ein Bild als Beispiel nicht bieten, sind auch nicht Gedanken der Fabel.

Dass die Fabel allegorisch ist, wurde in den Definitionen der Neueren meist angedeutet. Vossius (Inst. Or. II, p. 198): και Species Allegoriae sunt: απόλογος, μιθος, αίνιγμια et napopia.“ Lessing (Von dem Wesen der Fabel “ Bd. V p. 404 fg. in der Ausg. von Lachm. Maltz.) citirt die Definitionen von De la Motte (Discours sur la Fable): La Fable est une instruction deguisée sous l'Allegorie d'une action; Richer (Fabl. nouv. Pref. p. 9): La Fable est un petit Poeme qui contient un precepte caché sons une image allegorique; Batteux (Principes de Litt. T. II. I p. V): L'Apologue est le recit d'une action allegorique aber er selbst will hierbei von Allegorie nichts wissen, mit welchem Worte auch „nur Wenige einen bestimmten Begriff verbänden.“ Er sagt, man könne doch dies nicht eine allegorische Handlung nennen, dass das Besondere („dieser Windhund“) mit seinem Allgemeinen (,dem Windbund überhaupt“) das Einzelne mit seiner Art, die Art mit ibrem Geschlecht („der Windhund überhaupt mit dem Hunde") Aehnlichkeit haben solle; meine man aber „dass die Allegorie hier nicht auf der Aehnlichkeit zwischen den bestimmten Subjekten oder Prädikaten der Fabel und den allgemeinen Subjekten oder Prädikaten des Satzes, sondern auf der Aehnlichkeit der Arten berube, wie man ebendieselbe Wahrheit jetzt durch die Bilder der Fabel und jetzt vermittelst der Worte des Satzes erkenne, so sei das so viel als nichts. Denn käme hier die Art der Erkenntniss in Betrachtung, und wollte man bloss wegen der anschauenden Erkenntniss, die ich vermittelst der Handlung der Fabel von dieser oder jener Wahrheit erhalte, die Handlung allegorisch nennen, so würde in allen Fabeln ebendieselbe Allegorie sein, welches doch Niemand sagen wolle, der mit diesem Worte nor einigen Begriff verbinde.“ Dagegen wird nach Lessing eine Fabel allegorisch, sobald sie eine zusammengesetzte“ wird, d. h. wenn „aus der erdichteten Begebenheit der Fabel nicht bloss eine allgemeine Wahrheit gefolgert werden soll“, sondern wenn diese Wahrheit weiter auf einen bestimmten Fall angewendet wird. Lessing hat Recht, dass zwischen dem Einzelnen, von dem die Fabel erzählt, und dem Allgemeinen, was es bedeuten soll, nichts Allegorisches liegt es ist Synekdoche; wenn er dann in jener Form eines Anschaulichen, welches die Fabel statt des abstrakten Satzes bietet, die Allegorie zwar nicht läugnet, deren Anerkennung in dieser Beziehung aber nichtssagend findet, so übersieht er, dass ohne Hervorhebung dieses Allegorischen in der Fabel auch ihr Wesen als eines bildlichen, obwohl die Wirklichkeit darstellenden, Beispiels nicht richtig zu fassen ist. Nur so wird klar, wie an einem Vorgange, in welchem ein Hand die Rolle spielt, ein allgemein Natürliches, eine Naturregel als auch bei dem Menschen geltend aufgewiesen werden kann. Diese Art einer gleichnissartigen Beziehung in der Sphäre der Synekdoche ist von uns zuerst bestimmt erkannt und als „Beispiel“ den ästhetischen Figuren zugewiesen worden. Dass auf diese Weise für uns in allen Fabeln „ebendieselbe Allegorie“ sein würde, ist eine wunderliche Folgerung, zu welcher Lessing kam, weil er den Begriff der Allegorie beschränkte auf die bildliche Darstellung eines Einzelnen durch ein anderes Einzelne; nicht ,,ebendieselbe Allegorie“ sehen wir in allen Fabeln, sondern in derselben Weise liegt sie allen zu Grunde. Lessing ist dann consequent, wenn er die Allegorie in der „zusammengesetzten“ Fabel anerkennt. Ist also z. B. aus der einfachen“ Fabel (Fab. Aes. 240): Λέαινα, ονειδιζομένη υπό αλωπεκος επί τω δια παντός ένα τίκτειν, ένα, έφη, αλλά λέοντα nur der allgemeine Satz zu folgern: ότι το καλόν ουκ εν πλήθει αλλ' εν αρετή, 80 wäre nach Lessing die Fabel nicht Allegorie, sie würde es aber, wenn ich statt dieses Satzes einen anderen bestimmten Fall als „Anwendung“ der Fabel setzte: „Ich mache, sprach ein höhnischer Reimer zu dem Dichter, in einem Jahre sieben Tranerspiele; aber Du? in sieben Jahren eines! Recht; nur eines! versetzte der Dichter, aber eine Athalie“! Offenbar würde diese zweite Fabel – wenn sie nicht als blosses Apophthegma Racine's gelten sollte eben dasselbe bedeuten und so um nichts weniger Allegorie sein, als die erste, wenn sie allein stünde; hinzugesetzt zur ersteren ist sie desshalb nur deren Wiederholung und schwächt als „Anwendung“ deren Bedeutung, da jene nicht bloss auf solchen Vorgang zwischen Reimer und Dichter zielt. Lessing beachtete nicht, dass ja der in der Fabel liegende neben sie gestellte allgemeine Satz nur Abstraktion ist aus den Vorgängen der Wirklichkeit, also von praktischer Bedeutung, und jene einzelnen Fälle schon in sich schliesst. Allerdings bringt Lessing weiterhin als Beispiel aus Aristoteles (Rhet. II, 20) die Fabel des Stesichoros vom Pferde, welches dem Menschen das Aufsitzen und den Gebrauch des Zaumes gestattete, um sich an dem Hirsch rächen zu können, bei der die „Anwendung“ in müssiger Wiederholung nicht besteht. Diese Fabel („einfach“ bei Phaedrus IV, 4, mit der Lehre: „impune potius laedi, quam dedi alteri“) soll zur zusammengesetzten und dadurch zur Allegorie werden, dass Stesichoras weiter den Himeraeern sagte: ούτω δε και υμείς οράτε ιη βουλόμενοι τους πολεμιίους τιμωρήσασθαι ταυτό παθητε τω ίππω· τον μέν γαρ χάλινον έχετε ήδη cet. Aber solche ,,Anwendung“ ist ganz anderer Art, als die von der Löwin auf den Verfasser der Athalie; sie ist nicht an Stelle der Lehre erfunden, ist überhaupt nicht aus der Fabel hergeleitet, sondern umgekehrt: die Fabel ist für diese Gelegenheit erfunden, und sie bildet also mit der Anwendung auf diese keine zusammengesetzte Fabel“, sondern sie ist Fabel im Dienste der Rede, und allerdings ist bei der Fabel als Redefigur das Allegorische besonders deutlich, weil es seine Bedeutung im Zusammenhang der Rede neben sich findet. Nun erzählt Horaz (ep. 1, 10, 34) dieselbe Fabel: Cervus equum pugna melior communibus herbis

Pellebat, donec minor in certamine longo
Imploravit opes bominis frenumque recepit;
Sed postquam victor violens discessit ab hoste,

Non equitem dorso, non frenum depulit ore fährt dann mit der allgemeinen Nutzanwendung fort:

Sic, qui pauperiem veritus potiore metallis
Libertate caret, dominum vehet improbus atque

Serviet aeternum, quia parvo nesciet uti – und da sollte dasselbe Sprachbild sein Wesen ändern, aufhören allegorisch zu sein?

Mit Recht verwarf Herder („Ueber Bild, Dichtung und Fabel") die Unterscheidung von einfachen und zusammengesetzten Fabeln: ,,Muss, wenn die Fabel von mir gefasst werden

soll, ich mir bei dem abstrakten Satz derselben nicht sogleich einen bestimmten Fall denken, in welchem er mir wieder erscheine“? „Es giebt also eigentlich keine einfache Fabel; jede ist zusammengesetzt aus dem wirklichen Fall, anf welchen sie angewandt werden soll, und aus dem erdichteten, den eben für ihn der Fabellehrer aussann.“

Wir können sagen, dass Lessing's Auffassung im Uebrigen mit der unsrigen wesentlich übereinstimmt. Zwar scheint es nicht so. Richer hatte die Fabel als „image“ bezeichnet, Lessing bestreitet (1. c. p. 413 fg.), dass die Fabel ,Bild“ sei, denn ein Bild zeige nur Einen Moment eines Vorgangs, könne also , die Handlung“ der Fabel nicht darstellen; es sei „eine untrügliche Probe, dass eine Fabel schlecht sei, dass sie den Namen der Fabel gar nicht verdient, wenn ihre vermeinte Handlung sich ganz mahlen lässt.“ Lessing dachte an ein Bild der Mahlerei; dass die Phantasie ein Bild, z. B. eine Metapher, durch Verwendung der Sprachmittel auch entfaltet, ihm, z. B. im Gleichniss, auch Bewegung verleihe oder verleihen könne, würde er nicht bestritten haben. Sieht man genauer hin, so erkennt man,

dass Lessing's Verwerfung des „Bildes“ und Hervorhebung der Handlung“ nichts weiter bedeutet, als was wir zusammen das entfaltete Bild genannt haben. Dass er erstlich in der Fabel das Bild wohl erkennt, sieht man (p. 417), wenn er sagt, deren Lehre sei in ihr weder „caché“ enthalten noch „deguise“, (,eingekleidet“ schon eher), sondern: „der anschauenden Erkenntniss fähig“, sie zeige also (p. 418) „eine Folge von Veränderungen, die einen einzigen anschauenden Begriff erwecken.“ Und wenn er „die Folge von Veränderungen“ als Handlung bezeichnet, so meint er doch eine solche, welche eben nicht mehr Handlung ist, sondern Entfaltung. Es ist interessant zu sehen, wie Lessing diesen Begriff immer schärfer bestimmt, bis er ihn aufhebt. Zuerst (p. 413) fordert er für die Fabel kurzweg „Handlung“; dann aber bestreitet er (p. 418) dem Batteus, dass zu dieser Handlung auch „Wahl und Ab: unterscheidet sie weiter (p. 421) von der Hand! tung, als welche in sich selbst Absichten darlege während die Handlung der Fabel nur die Eine balisten erfüllt, „uns von einer einzelnen mo

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