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Man mag, wenn nicht auf „Fernrohr“ zu rathen ist, das
Auge“ als Lösung betrachten, worauf im letzten Verse „ein
Augenblick“ zu deuten scheint, aber ebensowohl könnte „der
Gedanke“ angenommen werden, wofür „Gedankenflug“ im
vorletzten Verse sprechen würde. Ebenso:

„Zwei Eimer sieht man ab und auf
In einen Brunnen steigen,
Und schwebt der eine voll herauf,
Muss sich der andre neigen.
Sie wandern rastlos hin und her,
Abwechselnd voll und wieder leer,
Und bringst du diesen an den Mund,
Hängt jener in dèm tiefsten Grund;
Nie können sie mit ihren Gaben

In gleichem Augenblick dich laben.“ „Tag und Nacht“ wird gemeint sein, aber , Hoffnung und Erfüllung“, „Vergangenheit und Gegenwart“ würden nicht weniger passen.

Um bei dem allegorischen Räthsel eine bestimmte Lösung herbeizuführen, bietet sich das Mittel, durch welches auch die Allegorie als ästhetische Figur vor unrichtiger Auffassung gesichert wird, die Einmischung nämlich von Ausdrücken, welche in der eigentlichen Bedeutung stehn. Das allegorische Räthsel erhält dadurch eine Beimischung vom Sinnräthsel. So ist z. B. auf die Lösung (&T LOTO.n) hingedeutet (Anth. gr. App. epigr. 181) durch die Worte „tois $ où rapsoño IV dxovav ŽLEOTIV“:

"Έστι φύσις θήλεια βρέφη σώζουσ’ υπό κόλποις
αυτής· ταύτα δ' άφωνα βοήν ίστησι γεγονός,
και δια πόντιον οίδια, και ηπείρου δια πάσης,
οις έθέλει θνητων· τοις δ' ου παρεούσιν ακούειν

έξεστιν, κωφήν τ' ακοής αίσθησιν έχουσιν. « Symphosius (Anth. lat. I, p. 203) fügt der Metapher ,sorores“ ein ,ex arte“ zum Errathen (Rotae) bei:

„Quattuor aequales currunt ex arte sorores
Sic quasi certantes, cum sit labor omnibus unus.

Et prope sunt pariter nec se contingere possunt.“
So etwa bei Simrock (1. c. p. 278) (Die Kirsche):

„Es sass eine Jungfrau auf dem Baum,

Hatt' ein rothes Röckchen an,
Im Herzen war ein Stein:

Rath, was mag das sein.“ Eine andere Weise, die richtige Lösung herbeizuführen, besteht darin, dass man durch Aufstellung mehrerer Bilder oder Gleichnisse eine nicht gemeinte Uebereinstimmung des einzelnen Bildes mit einem anderen Begriff abwehrt. So z. B. bei Schiller (Das Schiff):

,,Ein Vogel ist es und an Schnelle
Buhlt es mit eines Adlers Flug;
Ein Fisch ist's und zertheilt die Welle,
Die noch kein grössres Unthier trug;
Ein Elephant ist's, welcher Thürme
Auf seinem schweren Rücken trägt;
Der Spinnen kriechendem Gewürme
Gleicht es, wenn es die Füsse regt;
Und hat es fest sich eingebissen
Mit seinem spitz’gen Eisenzahn,
So steht's gleichwie auf festen Füssen

Und trotzt dem wüthenden Orkan.“ Wir bemerken noch, dass auch Räthsel als Figuren im Zusammenhang der Rede auftreten können. Allegorische Räthsel giebt z. B. Plautus (Asin. I, 1, 31): „Libanus: Num me illuc ducis, ubi lapis lapidem terit? Demaenetus: Quid istuc est ant ubi terrarum istuc est loci? Lib.: Apud fustitudinas ferricrepinas insulas, ubi vivos homines mortui incursant boves. De.: Quid istuc aut ubi sit istuc nequeo noscere. Li.: Ubi flent nequam homines qui polentam pinsitant“. Bei Gutzkow (Nero): Buchhändler: „Figürliche Gegenstände nach der Analogie wirklicher behandeln gar nicht übel. Was kann man z. B. von der Schönheit sagen, wenn sie in die Augen fällt? Humorist: Dass sie sehr ungeschickt war“. Ein Sinnräthsel giebt Mephistopheles bei Göthe (Faust): Faust: Wer bist du denn? Meph.: „Ein Theil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Wortwitze als Worträthsel z. B. bei Gutzkow (Nero): Frau Seneca: „Einen bösen Traum hatt' ich diese Nacht. Lieber, ich glaube, es geht an unser Leben. Seneca: Besonders ist es nicht; aber es geht immer an, unser Leben. Oder wie?

Fr.: Nein, nein, du verstehst mich nicht; es geht an unser Leben. Sen.: Ja so, Ja so; unser Leben geht jetzt erst recht an; das wäre doch am Ende kein böser Traum. Fr.: Versteh mich doch! Es geht an unser Leben“!

2. Der bildliche Witz. Den Terminus „Der bildliche Witz“ (Bilder-Witz) hat wohl zuerst Jean Paul (Vorsch. der Aesth. Th. 2. § 49) aufgestellt, und er gebraucht ihn in ähnlichem Sinne, wie wir. Der geistreiche Mann weiss freilich Metapher, Gleichniss, Allegorie als ästhetische Figuren nicht von den Sprachbildern des bildlichen Witzes zu scheiden, obwohl ihn eine seiner Bemerkungen dazu hätte führen können. Er sagt ($ 50): „Von der bildlichen Phantasie schlägt der Weg des bildlichen Witzes sich weit ab. Jene will malen, dieser nur färben. Jene will episch durch alle Aehnlichkeiten nur die Gestalt beleben und verzieren; dieser, kalt gegen das Verglichene und gegen das Gleichende, löset beide in den geistigen Extrakt ihres Verhältnisses auf.“ „Daher beseelet lieber die Poesie das Todte, wenn der Witz lieber das Leben entkörpert. Daher ist die bildliche Phantasie strenge an Einheit ihrer Bilder gebunden – weil sie leben sollen, ein Wesen aber aus kämpfenden Gliedern es nicht vermag; der bildliche Witz hingegen kann, da er nur eine leblose Mosaik geben will, in jedem Komma den Leser zu springen nöthigen, er kann unter dem Vorwande einer Selbstvergleichung ohne Bedenken seine Leuchtkugeln, Glockenspiele, Schönheitwasser, Schnitzwerke, Putztische nach Belieben wechseln in Einer Periode.“

Wir wenden den terminus: „bildlicher Witz“ auch desshalb an statt des anderen: „allegorischer Witz“, weil die bierher gehörige Art auch aus einer Synekdoche oder Metonymie hervorgehn kann, obwohl der nothwendige Contrast zwischen dem Bilde und dem eigentlichen Ausdruck dann geringer ist, als bei der Metapher. Wenn z. B. Simrock (l. c. p. 303) unter den Räthseln den Witz bringt: „Schlechterer als ich Durchschneide die Luft Und entledge den Träger des Kalbfells“, was bedeuten soll: „Johann, komm und zieh mir die Stiefel aus“, so beruht hier die Wirkung auf der Verwendung einer synekdochischen Periphrasis

(cf. Bd. II, 1, p. 49), und auf einem Spiel mit der Metonymie bei Plutarch (reg. et imp. apophth. p. 147 ed. H.): Kátwv ο πρεσβύτερος είπεν· ως χαλεπόν εστι λέγειν πρός γαστέρα WTA ALT fx ovoar. (vid. auch die Anecdote Bd. II, 1, p. 62.).

Im Allgemeinen ist von dem bildlichen Witz zu sagen, dass er die Verstandesschärfe des Sinnwitzes nicht erreicht und dass ihm auch die sinnliche Kraft des Wortwitzes nicht eigen ist; er bewegt die Vorstellung in mehr gemächlicher Weise, weil eben der reflektirt bildliche Ausdruck nicht der unmittelbare ist. Die Momente, welche bei dem Witz überhaupt zusammentreffen müssen (vid. Bd. II, 2, p. 210 fg.), sind natürlich auch wesentlich für den bildlichen Witz. Eine neue Metapher, ein glückliches Bild, das ist noch kein bildlicher Witz; ebensowenig ist es etwa eine treffende Bemerkung in bildlicher Form, wie z. B. Solon's bekannte Vergleichung der Gesetze mit Spinngeweben (Diog. Laert. I, 2, 10): τους δε νότιους τοίς αραχνίαις ομοίους και γαρ εκείνα, εαν μέν ειπέση τι κουφον και ασθενές, στέγειν· εαν δε μείζον, διακόψαν οϊχεσθαι. Die für das Zastandekommen des Witzes nothwendige Verdunkelung des Gedankens durch die Art der Darstellung erfolgt bei dem bildlichen Witze eben durch das Bild, welches in diesem Falle seinen Begriff nicht decken will, sondern sich mit ihm in Contrast stellt; die Erhellung, mit deren Eintreten der Witz sich vollendet, kann nur aus dem Wissen um den eigentlichen“ Sinn hervorgehn. Das Bild also wird im bildlichen Witze aufgehoben, und seine Zerstörung ist entweder Auflösung durch sich selbst, oder sie kommt ihm von aussen, sofern Dieses, dass es nur Bild ist, vom Standpunkt des verständigen Wissens her ihm aufgewiesen wird.

In Bezug auf Witze dieser letzteren Art bemerkt Göthe (Sprüche in Prosa) vom Eulenspiegel: „Alle Hauptspässe des Buches beruhen darauf, dass alle Menschen figürlich sprechen und Eulenspiegel es eigentlich nimmt.“ Wir finden z. B. bei Simrock (Till Eulenspiegel in Bd. X der dtsch. Volksb.) in der 20ten Historie auf die Weisung: „Geb' mir aus den Augen“ die Antwort: „Müsste euch durch die Augenlöcher kriechen, wenn ihr die Augen zuthätet“; in Hist. 25, wo ihm der Herzog „sein Land verboten hat“, die Rechtfertigung: „ich bin nicht in eurem Land,

ich sitze in meinem Land (auf einem Schubkarren), das ich gekauft habe für einen Schilling von einem Bauern“; in Hist. 38 bricht Eulensp., dem gesagt war: „Hebe dich aus dem Hause“, nachdem er auf eine Leiter gestiegen, durch das Dach u. d. m. Solche Witze sind eben volksthümlich. Feiner, aber derselben Art z. B. bei Shakespeare (Much Ado A. N. II, 1) Beatr.: How tartly that gentleman looks: I never can see him, but I am heart-burned an hour after; oder bei Platen (Berengar), wo das „eigentliche“ Wort wiederum Bild ist, Loredano: „Ich ahne fast, warum Birbante 'dir So sehr ein Dorn im Auge, Flordelis“. Flord.: „Er sticht mir wenig in die Augen, Vater“. Das Spiel kehrt sich um, wenn das Wissen um den Sinn die Miene annimmt, das eigentliche“ Wort zu geben, während dies doch nur bildlich diesen Sinn verstehen lässt. So etwa Antipater's Witze bei Plutarch (reg. et imp. apophth. H. p. 110): Δημιάδου δε του δήτορος ήδη πρεσβύτου γεγονότος, έφη, καθάπερ ιερείου διαπεπραγμένου, καταλείπεσθαι μόνην την yaotéga xoi tnv ydwrta v; oder Themistocles (ib. p. 115): Τους δε 'Ερετριείς επισκώπτων έλεγεν, ώσπερ τευβίδας γιαχαι9 αν διεν έχειν, καρδίαν δε ιιη έχειν; oder auch bei Jean Paul (Mumien) überraschend: „Er redete aus Humor in nichts lieber, als in den Wind.“ (cf. Bd. II, 1, p. 241 fg.).

Der bildliche Witz von jener anderen Art, welcher den Contrast und dessen Lösung in sich selber trägt, zeigt sich volksthümlich besonders in den gangbaren Schimpfwörtern und in sprüchwörtlichen Redensarten. Die Bild-Schimpfwörter, welche in das Gemeingut der eigentlichen Rede aufgenommen sind, führen durch ihr Bild für die Vorstellung einen Contrast nicht mehr herbei und erheben desshalb auch keinen Anspruch auf Witz, wenn sie nicht durch eine ungewohnte Beziehung den Contrast wieder auffrischen, wie wenn z. B. bei H. v. Kleist (Zerbr. Krug I, 2) der Richter Adam dem Küster sagen lässt, er solle ihm seine Perücke borgen, „In meine hätt die Katze heut Morgen gejungt, das Schwein“! Ebenso wirkt z. B. das Bild des Sprüchworts bei Platen (Rhampsinit) wieder als Witz wegen der Parallele, in der es steht (Diora): „Das Glück ist selten; aber wenn es naht, Dann bringt's auch Alles, was das Herz erbat" ! (Kaspar): „Ja, ja, hier gilt das Sprüchwort halb und halb: Wer II 2.

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