Obrazy na stronie
PDF
ePub

in Wirklichkeit Geltende enthält und darum an sich als Beispiel auch Glauben findet für die analogen Verhältnisse unter den Menschen, will die Parabel ein Subjektives anerkannt wissen, welches seine Geltung in der Welt erst nachzuweisen hat. Wenn sie daher ihren Satz an dem Bilde eines Vorgangs zu versinnlichen sucht, so hat dieses doch nur Werth als eine Vergleichung, deren Kraft auf der Aehnlichkeit beruht, welche unsere Reflexion zwischen seinen Zügen und den wesentlichen Bestimmungen des Satzes bemerkt. Erscheint aber auch das aufgestellte Bild als zutreffend, so zeugt es doch nur in so weit für die Realität des Gedankens, welchen es vertritt, als es dessen Möglichkeit in einem Vorgange darthut, nicht aber so weit, dass es Bürgschaft gäbe für seine Wirklichkeit und allgemeine Geltung, *) denn es selbst hat seine Sicherheit nur an dem Gedanken, aus dem es hervorging und der es nach seiner Subjektivität sah und gestaltete. Und selbst wenn der Stoff für die Parabel gewählt würde aus einem wirklichen Ereigniss, so bliebe diese Schwäche seiner Glaubwürdigkeit fast unvermindert, denn ein Vorgang als solcher ist zufällig und erweist immer nur die Möglichkelt, höchstens die Wahrscheinlichkkeit des Geschehens. Man sieht, dass, wie die Kraft der Fabel auf der Unveränderlichkeit der Natur beruht, aus deren Anschauen ihr Bild sich erzeugt, so bei der Parabel es die in sich selbst gegründete Wahrheit des Gedankens sein muss, welche die Rechtfertigung ihrer bildlichen Darstellung übernimmt. Freilich wird solchem Bilde die unmittelbare Wirkung, die sinnliche Frische der Fabel abgehn, wie sie eben auch der Metonymie abgeht im Verhältniss zur Synekdoche. (cf. Bd. II, 1, p. 53). –

Es führt diese Erwägung zu einer näheren Bestimmung sowohl des Gedankens der Parabel als auch ihres Bildes. Offenbar nämlich muss der Gedanke sich gründen auf eine wesentliche Bestimmtheit unserer, der Denkenden, Natur.

*) cf. oben Bd. II, 1 p. 72 fg. die Definitionen der nu90,30hr bei Rufus, Herodian, Schol. ad Hermog. Tryphon, ferner Lessing „von dem Wesen der Fabel“ Bd V, p. 425. Herder (Ueber Bild, Dicht. u. Fab.) sagt: „die Parabel ist nur ein erdichteter Fall aus der menschlichen Geschichte“ — „sie macht wahrscheinlich, aber ihr fehlt der Punkt der inneren Gewissheit“, „die Nothwendigkeit der Sache".

[graphic]

Er darf nicht hervorgehn aus einer zufälligen Anregung von aussen her, einer Wahrnehmung oder Beobachtung aus dem Strudel des Weltgetriebes, welche, wie richtig und klug sie sein mag, doch unser eigenstes Wesen nicht trifft, er darf nicht erwachsen aus wechselnden Stimmungen, aus der in Lust und Unlust, durch die Wogen der Leidenschaft bewegten Empfindung; er muss sich erzeugen aus der nach ihrer besonderen Art fühlenden und denkenden Menschenseele, muss deren anerschaffenen und dauernden Charakter zu erkennen geben. Wir glauben an den Gedanken, der so aus dem Innern hervorquillt, weil ein Jeder ihn selber in sich erlebt. Die Sätze abstrakter Wissenschaft können natürlich nicht zum Gedanken der Parabel werden, da die Helligkeit und Schärfe des logischen Denkens bildliche Darstellung weder braucht noch sucht, aber jenes Halbdunkel des Gefühls, in welchem die fromme Ahnung lebt, welches die Geheimnisse birgt der Liebe, des Glaubens, der Hoffnung, fasst unsere Betrachtung gern in ein Bild, welches ermahnt, tröstet, erhebt, indem es uns entsprechende Züge aus dem Menschenleben zur Vergleichung bietet. Aus dem Leben der Menschen aber sind für das Bild der Parabel die Vorgänge zu entnehmen, weil nur so der Zusammenhang des Gedankens mit seinem Bilde glaublich wird (vd. oben Bd. II, 1, p. 111.); denn die Kundgebungen unserer höheren Natur können nur an solchen Wesen zur Anschauung kommen, welche dem Zwange des Naturlaufs nicht durchaus unterliegen, denen die Freiheit eigenen Denkens, eigener Entschliessung zuerkannt wird. Demnach kommt Handlung im eigentlichen Sinne den Vorgängen der Parabel so wenig zu, wie denen der Fabel, nur eben der Schein der Handlung, wie er durch Entfaltung eines Bildes erregt wird. Die Vorgänge dürfen desshalb nicht als aus besonderen Absichten hervorgehend erscheinen, nicht als neu und überraschend, sie dürfen überhaupt nicht derartig sein, dass sie nur vereinzelt vorkommen können, vielmehr muss uns das Bild nur anf das gewöhnliche Thun und Treiben der Menschen hinweisen, damit der Anschein vermieden werde, dass es nach Willkür aufgestellt sei.

Auch hieraus ist ersichtlich, wie die Parabel geringeres Interesse crregt, als die Fabel, da bei ihrem reizlosen Bilde eben

sen

nur die innere Wahrheit und Bedeutung in Betracht kommt (cf. oben Bd. II, 1, p. 75.).

Wenn nun gleichwohl ausser den Gestalten höherer We

auch vernunftlose Geschöpfe in der Parabel auftreten, so ist dies ähnlich zu beurtheilen, wie wenn die äsopische Fabel auch Menschen für ihr Bild verwendet. Diese muss ihre Menschen und Götter derartig bestimmen und gebrauchen, dass deren höhere Natur nicht in Betracht kommt, und so muss die Parabel, wenn sie Thiere einführt, diesen auch menschliches Erkennen und Wollen zuertheilen, überhaupt das Naturleben in tieferer Auffassung als Offenbarung göttlicher Weisheit und göttlichen Willens zur Darstellung bringen.

Der Begriff der Parabel in der angegebenen Umgränzung hat sich bei uns festgestellt aus dem Muster von Maschalen der Hebräer, namentlich aber aus den Parabeln des Neuen Testaments. Man wandte sich zu ihrer Nachahmung im 17. Jahrhundert mit einem gewissen Gegensatz gegen die Fabel. Die durch die Noth des dreissigjährigen Krieges hervorgerufene religiöse Stimmung einer Zeit, der es an Kraft zur Dichtung gebrach, führte zur Parabel und zu allerhand allegorischen Darstellungen mit didaktischer Tendenz.*) Anregung durch Gleichnissreden in lateinischer Sprache mag J. V. Andreae gegeben haben, der diese Sprachbilder (er gab ihrer 300 in seiner Mythologia

*) Koberstein (Gesch. d. dtsch. Nationallit. 5 Aufl. Bd. II p. 291) erwähnt in Bezug auf diese Abwendung von der Fabel: „So viel ich mich erinnere, bandelt keine der Poetiken dieses Zeitraums von der Fabel, und Harsdörfer meint sogar, es sei mit ihr so bewandt, wie mit den Schnecken und Krebsen, man habe mehr Mühe mit dem Zurichten und Zerlegen, als man Gutes zu geniessen finde.“ Die ersten Parabeln lieferte Harsdörfer in seinem „Nathan, Jotham und Simson, oder geistlicher und weltlicher Lehrgelichte erster und anderer Theil.“ (Nürnberg 1650. 51.) In der Vorrede erklärt er, dass seine Lehrgedichte Gleichnissreden wären, wie z. B. die in der Bibel von Nathan (2 Sam. 12) und Jotham (Richt. 9, 6); unter dem Titel „Nathan“ giebt er religiöse, unter „Jotham“ moralische Gleichnissreden (die „Zugabe“ „Simson“ umfasste Räthsel). (cf. Gervinus, Gesch. d. Dtsch. Dicht. Bd. III, p 225, 294 fg.) Andere dieser Zeit, von denen Parabeln verfasst wurden, waren z. B. Samuel v. Butschky, Christian Scriver; Beispiele von diesen sowie von denen Harsdörfer's theilt mit: 1. Kurz, Gesch. d. deutsch. Litt. Bd. II p. 412, 430, 431.

christiana Strassb. 1619) Apologe nannte. Herder (Job. Val. Andreae“ in dem „Andenken an einige ältere deutsche Dichter“) fragt, ob für sie nicht der Name Parabel passender wäre: „Parabel ist eine Gleichnissrede, eine Erzählung aus dem gemeinen Leben mehr zur Einkleidung und Verhüllung (?) einer Lehre, als zu ihrer Enthüllung -- Ueberdem geht sie den Gang der Fabel – die gemeinsten Dinge des Lebens, so wie Engel und Geister einer andern Welt, können in ihr erscheinen; warum also sollten nicht auch Abstraktionen und Personifikationen in ihr erscheinen dürfen ? Kurz Parabel ist eine Gattung Gedichte, die zwischen der Fabel, dem Emblem, der Allegorie und Personifikation in der Mitte liegt, und wenn sie enthüllt wird, die schwersten und leichtesten Denksprüche auf ihrem breiten Rücken tragen kann; mögen also diese vermischten Dichtungen Parabeln heissen.“ Herder selbst hat Parabeln unter dem Namen von Paramythien geschrieben, über welchen Titel er sagt: „Paramythion heisst eine Erholung; und wie Guys erzählt, nennen noch die heutigen Griechinnen die Erzählungen und Dichtungen, womit sie sich die Zeit kürzen, Paramythien. Ich konnte den meinen noch aus einem dritten Grunde den Namen geben, weil sie auf die alte griechische Fabel, die Mythos heisst, gebaut sind und in den Gang dieser nur einen neuen Sinn legen.“ Es sind indess diese Parabeln mit allegorischen Personen ziemlich frostiger Art und haben wenig Nachahmung gefunden. *)

Die Griechen haben die Parabel als ästhetische Redefigur betrachtet, haben sie aber als selbstständiges Kunstwerk von der Fabel nicht unterschieden, von welcher sie sich bei ihnen auch weniger bestimmt abhebt, als die Parabel der Neueren. Es erklärt sich dies daraus, dass der Griechische Geist in unbefangener Hingabe an das Naturleben der Vorstellung des Gegensatzes

*) Herder's: „Das Kind der Sorge“, ebenso Göthe's Bild: „Die Nektartropfen“ könnten als Paramytbien gelten. F. A. Krummacher hat „Apologen und Paramythien“ geschrieben. In Bezug auf die letzteren beruft er sich im Vorwort auf Herder; er sagt dort: „Uebrigens heisst Apologen so viel als Fabeln; und Paramythien sind Paramythien“; endlich: „Wo Götter bandeln, heisst die Dichtung eine Paramythie.“ Den Namen anlangend cf. Plut. (Comp. Cim. cum Luc. 1): σχολή μεν ούν και ησυχία και διατριβή περί λόγους ηδονήν τινα και θεωρίαν έχοντας ευπρεπέστατον - παραμύθιον.

[ocr errors]

ܕܪ

und der Versöhnung zwischen Gott und Mensch fern stand; die Parabeln der Neueren ruhen zumeist auf diesem christlichen Bewusstsein, entstehen auf Anregung des Gemüths, welches nach Bildern des Uebersinnlichen verlangt. Will man die Parabeln, denen diese jüdisch-christliche Auffassung abgeht, von den Fabeln sondern, so wird nach dem oben Gesagten wesentlich darauf zu achten sein, dass sich bei ihnen in Bezug auf die Darstellung zu zeigen hat, wie es der Gedanke ist, der sich ein Gleichniss sucht, und in Bezug auf den Inhalt, wie es die von dem Zwange der Natur sich abwendende Seite der Menschenseele, das unser Wesen von dem der übrigen Geschöpfe Unterscheidende ist, was in der Vergleichung angeschaut wird. Dabei ist noch eine Schwierigkeit vorhanden. Theilt man nämlich die Parabeln ebenso ein, wie wir es für die Fabeln vorschlugen, in solche, deren Gedanke auf das Urtheil einwirkt, dort zur Klugheit, hier zur Weisheit hinlenkend (wie z. B. Lessing's Parabel von den drei Ringen im „Nathan“); in solche, welche den Willen anregen, dort zur Praxis des Lebens, hier zu wahrhaft menschlicher Sittlichkeit [wie z. B. die Parabel oder Paramythie des Prodikos vom Heracles, der zwischen Tugend und Lust wählt (nacherzählt von Xenophon Mem. II, 1, 21 fg.)], so wird auch die dritte Art anzuerkennen sein, welche sich der Vergleichung zu Scherz und Spott bedient. Da nun bei dieser eben die Schwächen der menschlichen Natur zur Darstellung kommen, so wird, zumal, wenn das Bild der Parabel Figuren von Thieren verwendet, deren Unterscheidung von der entsprechenden Art satirischer Fabeln nicht immer leicht sein. Es fehlt indessen nicht an einer Gränzlinie, denn der Mensch hat nicht nur die Vorzüge seiner höheren Natur als ein Besonderes für sich, sondern auch deren Fehler, und nur diese letzteren, wie sie namentlich in unserm Culturleben hervortreten, werden in der komischen Parabel zur Anschauung kommen. So sind z. B. Parabeln dieser Art von Göthe (Recensent): Da hatt' ich einen Kerl zu Gast,

Er war mir eben nicht zur Last;
Ich hatt just mein gewöhnlich Essen,
Hat sich der Kerl pumpsatt gefressen,
Zum Nachtisch, was ich gespeichert hatt'.
Und kaum ist mir der Kerl so satt,

[ocr errors]
« PoprzedniaDalej »