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legten und zu überlegenden Witze taugen als solche nichts, und Cicero (or. 26) warnt desshalb den Redner: „vitabit quaesita nec ex tempore ficta , sed domo allata, quae plerumque sunt frigida".

Es ergiebt sich hieraus, dass zwischen dem selbstständigen Auftreten dieser Witze und ihrem Vorkommen im Zusammenhang der Rede kaum unterschieden werden kann. Der Witz als solcher fördert den Gedanken, die Sache nicht und bleibt desshalb, auch wenn er irgend eine Stelle eines grösseren Vortrags illustrirt, an sich ein selbstständiges Werk. Dass er dort mehr ablenkt als unterstützt, bemerkten wir schon früher (Bd. II, 1, p. 243), und Cornificius (1, 6) empfiehlt so seine Anwendung, als der Sache fern: his rebus nos insinuabimus ad causam si defessi erunt audiendo, ab aliqua re, quae risum movere possit, ab apologo, fabula veri simili, imitatione, depravatione — irrisione cet. Unter Angabe der Sachlage, wie es ja überhaupt erforderlich ist, kann man den Witz darum auch leicht loslösen, wie etwa die Stelle bei Molière (Les préc. rid. 3): Einen vornehmen Herren, der, ohne etwas von Musik zu verstehen, eine Arie komponirt haben wollte, fragte Jemand: Et comment donc cela se peut il? und erhielt die Antwort: Les gens de qualité savent tout sans avoir jamais rien appris. Der Redende bringt hier, ohne selbst zu „wissen“, durch die Stärke des Widerspruchs in seiner Rede doch das Wissen“ für den Hörer unwiderstehlich hervor. Man hat denn auch, um diese zierlichen und flüchtigen Kunstwerke zu erhalten, vielfach Sammlungen von ihnen angelegt, die man der lebendigen Wechselrede entnahm. Auf Cicero's Witze wurde schon bei dessen Lebzeiten Jagd gemacht, und man suchte auch wohl eigene Waare von geringerer Qualität durch

Frage anwendet, schafft er auch die nöthige Verdunkelung der Form. Während er so sich ausdrückt, erwächst seinem Zuhörer, der die Richtigkeit des Gedankens im Uebrigen auf sich beruhen lässt, das nöthige Wissen; er nimmt die sich bietende simulatio an, und hat, da sein Lehrer sonst schon Alles verfertigt, mit dem „Nein“ nur noch die Verdunkelung auch für diesen aufzuweisen. Möglich, dass in solchem Fall das dazu gehörige Lachen Seitens des Hörers unterblieb, weil der Aerger über die eigene Bemühung um das Sprachbild eine ästhetische Befriedigung nicht aufkommen liess. Warum aber schloss er nicht etwa: „Das hatten Sie also nicht bedacht, als Sie kamen“ – mit der „simulatio contra simulantem“, die Quintilian (VI, 3, 92) empfiehlt?

seine Firma zu decken. (Vid. Cic. ad Fam. VII, 32; Quint. VI, 3, 5; Cic. ad Fam. XV, 21. Plutarch (Cato maj. 2) meldet von Cato: μεθηριηνευμένα πολλά κατά λέξιν εν τοις άποφθέγμασι και ταϊς γνωμιολογίαις« τέτακται Wozu cf. Cic. of. 1, 29.)

Allerdings fehlt es auch nicht an Sinnwitzen, welche für sich dastebn. Sie finden sich zumeist unter dem Namen von Epigrammen, von welchen schon Lessing sie absonderte, ohne sie durchaus zu verwerfen, aber auch ohne sie sonst unterbringen zu können. Lessing (Ueber das Epigramm $ 4.) sagt: „Wenn man unter acumen oder pointe bei Epigrammen etwas meint, was bloss das Werk des Witzes ist; mehr ein Gedankenspiel, als einen Gedanken“, u. s. w., so könne er dergleichen Sinngedichte für ächte Epigramme nicht halten; räume jedoch ein, dass, wenn sie auch von ächtem Gepräge nicht seien, sie „doch immer schöne Spielmarken abgeben“ könnten. Der Art ist z. B. von Logau (Auf den Glorilus):

Ihr rübmt die kühne Faust? Ey rühmt den schnellen Fuss,

Der mir, sagt Glorilus, die Faust erhalten muss. oder (Sparsame Zeit):

Der Mangel dieser Zeit hat Sparsamkeit erdacht;

Man taufet itzt auch bald, sobald man Hochzeit macht. oder von J. B. Rousseau: On vient de me voler. Que je

plains ton malheur! Tous mes vers manuscrits.

Que je plains le voleur! Dagegen ist der Witz Haug (Verdeutschtes Recept): Krankst du, ich weiss nicht woran? Nimm ein Kräutchen,

nur weiss ich nicht, welches ? Brauch es, ich weiss nicht, wie? Traun! Du genesest

vielleicht. oder der von Schiller (Der anonyme Fluss):

Fastenspeisen dem Tisch des frommen Bischofs zu liefern

Goss der Schöpfer mich aus durch das verhungerte Land. eben nur witziger Ausdruck eines Gedankens und desshalb Epigramm. Auch witzig ausgedrückte Gnomen wird man von den eigentlichen Sinnwitz - Spielen zu unterscheiden haben, wie etwa, was Themistocles (Plut. reg. et imper. apophthegm. p. 114 ed. H.) sagte: των δε την θυγατέρα ινομένων αυτού

τον επιεική του πλουσίου προτιμήσας, άνδρα έφη ζητείν χρημα-
των δεόμενον μάλλον, ή χρήματα ανδρός. Dagegen sind hierher
zu ziehen jene Scherze, welche ohne gedanklichen Gehalt eine
durch den Contrast herbeigeführte Verdunkelung des Sinnes in
gefälliger Weise aufheben, auch wenn es sich dabei nur um ein
schalkhaftes Versteckspiel handelt. Der Art ist z. B. (Anthol.
gr. XI, 268):

Ου δύναται τη χειρί Πρόκλος την δίν' απολαύσσειν, ,
της δινός γαρ έχει την μέρα μικροτέρην. .
ουδέ λέγει Ζεύ σώσον, εαν πταρή' ου γαρ ακούει

της φινός, πολύ γαρ της ακοής απέχει. .
(Haug hat so „Zweihundert Hyperbeln auf Herrn Wahl's unge-
heure Nase“ verfertigt.)

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V. Das Sinnräthsel. Das Sinnräthsel vollendet mit seiner Lösung die Darstellung eines Gedankens, und zwar so, dass es ihm eben um diese formelle Vollendung, nicht um die Herausstellung des Gehaltes zu thun ist. Die schon erwähnte, für das Zustandekommen des Sinnwitzes nöthige doppelte Gestalt des Bewusstseins wird hier anch äusserlich ausgeprägt durch Vertheilung der Rollen an einen Wissenden und einen Rathenden; und wie beim Sinnwitz ist es eine Verdunkelung des Sinnes, hervorgebracht durch ein Spiel mit den Ausdrucksformen desselben, welche ebenso andeuten sollen, als irreleiten oder ausweichen, auf deren Erhellung der Reiz des Sinnräthsels beruht. Die Form für diese Art des Räthsels bestimmt sich im Allgemeinen dadurch, dass eine Anzahl von Aussagen erforderlich ist, Prädikate aufgeführt werden müssen, welche in dem zu errathenden Subjektsbegriff zusammentreffen; sie ist die Umkehrung der Priamelform, welche zu einer Anzahl von Subjektsbegriffen ein gemeinsames Prädikat fügt.

Für die Aufstellung des Sinnräthsels entbehrt man des Anhalts, welcher als Laut bei dem Worträthsel, als Bild bei dem allegorischen Räthsel zur Lösung behülflich ist. Daher werden Räthsel dieser Art leicht entweder so deutlich dargelegt, dass die Lösung sich von selbst versteht, oder so, dass ihr Errathen besondere Fachkenntniss erfordert. Ersteres zeigt z. B. das volksthümliche Traugemundeslied (Traugemund, Turkomann, Dra

goman, d. h. Dolmetscher), dessen vierte Frage (Kurz, Gesch. d. dtsch. Litt. Bd. I, p. 162) wir anführen:

Nu sage mir, meister Trougemunt,
zwei und sübenzig lant die sint dir kunt:
Durch waz ist der Rìn sô tief?
oder war umbe sint frowen alsô liep?
durch waz sint die matten sô grüene?
durch waz sint die ritter sô küene?
Kanstu mir daz iut gesagen,
sô wil ich dich vür ein stolzen knappen haben.
,,Des hestu gefrâget einen man,
der dirs wol gesagen kan:
Von manigem ursprunge ist der Rìn sô tief,
von bôber minnen sint die frowen liep,
von manigen würzen sint die matten grüene

von maniger starken wunden sint die ritter küene." Dagegen giebt die Edda im Vafthrádnismál, Räthsel als Spiele um Tod und Leben, welche zur Lösung die genaue Kenntniss der Cosmogonie voraussetzen. Odbin fragt z. B. als Gangradr den Wafthrudnir (Uebers. von Simrock p. 26):

Sage zum ersten, wenn Sinn dir ausreicht
Und du es weist, Wafthrudnir,
Erd und Ueberhimmel, von wannen zuerst sie

Kommen? kluger Jote!
Lösung: Aus Ymirs Fleisch ward die Erde geschaffen,

Aus dem Gebein die Berge,
Der Himmel aus der Hirnschale des eiskalten Hünen,

Aus seinem Schweisse die See. Odhin fragt dann zuletzt, was er doch nur allein wissen kann: „Was sagte Odhin ins Ohr dem Sohn, Eber die Scheitern bestieg" ?

Sonst giebt das Sinnräthsel entweder eine Beschreibung, aus welcher die Lösung zu entnehmen ist, wie etwa bei Symphosius (Anthol. Lat. ed. Riese I, p. 199) (Serra):

Dentibus innumeris in toto corpore plena
Frondicomam subolem morsu depaseor acuto.
Mando tamen frustra, quia respuo praemia dentis.

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Oder die Lösung wird aus der Art geschlossen, wie die Zustände wechseln, wie z. B. bei Kretschmann (Wein):

„Jung bin ich wohlfeil, alt erst theuer,
Ein schwacher Jüngling, ein starker Greis,
Wie Wasser fliessend bin ich Feuer;
Doch machst du mich so kalt wie Eis,
Dann glüh' ich erst recht innig.
Wer bin ich?

?4 Oder man versucht eine Schilderung des Wesens, wie etwa (Anthol. gr. Append. epigr. 277.) (είς ύπνου):

Ου θνητός, ουδ' αθάνατος, αλλ' έχων τινά
συγκρασιν, ώστε μήτ' εν ανθρώπου μέρει
ιήτ' εν θεού ζην" αλλά φύεσθαι τ' αεί
καινώς, φθίνειν τε την παρουσίαν πάλιν.

αόρατος όψιν, γνώριμος δ' άπασιν ών. Oder man deutet durch Anführung von Thatsachen auf die Lösung, wie etwa in Bezug auf denselben Begriff (eis Ürrov) (1. c. XIV, 44) die Erzählung von dem oύλoν όνειρον (Ilias II, 6 sq.) und von der Ermordung des Rhesus (ib. X, 474 sq.) herange

zogen wird:

Νυκτί ιιή και Τρωσιν επήλυθα, και τα Πελασγών
φύλα διατριήξας είλον άνευ δόρατος:
ου μέν ο Τυδείδης, ουδ' δ πτολίπoρθος Οδυσσεύς
τον θρασυν εκ νηών έσθενον εξελάσαι:
αλλά μένος και θάρσος ενί στήθεσσιν αέξων,

'Αργείων στρατιήν ώλεσα και Φρυγίων. Zuweilen beruht ein Sinnräthsel allein auf einem schnurrigen Einfall und giebt nur vor, einen Sinn als Lösung wissen zu wollen, wie etwa bei der Frage: „Wie kann man Hammelfleisch den ganzen Sommer frisch erhalten“? Antwort: „Man schlachtet den Hammel nicht. « Dabei kann der Witz der Lösung zuertheilt werden, wie in Percy's Ballade „King John and the Abbot of Canterbury“ der Abt vom König gefragt wird: „when I'm in this stead, With my crown of gold so fair on my head, Among all my liege-men so noble of birth, Thou must tell me to one penny what I am worth“; und nun die Antwort kommt:

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