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αλλά τόδ' ουχ ούτω φημιά προσήκε λέγειν·
αλλά δάκοι καν υς αγαθους και απράγμιoνας άνδρας, ,

τον δε κακόν δεδιως δήξεται ουδε δράκων. . Durch solche Hinweisung auf ein Gegebenes erhält die Gnome epigrammatiscben Charakter. Bei Freidank ist oft die Gnome weitere Ausführung zum Sprüchwort, wie z. B. (124, 3):

Swie man ze walde rüefet,
da z selbe er wider güe fet:
ein minne d'andern suochet,

ein fluoch dem andern fluochet; oder zu einer Bibelstelle z. B. (cf. Spr. Sal. 10, 23) (86, 2):

Tôren spottent maneges man,
daz er niht wol erwenden kan;
und lachent sie nâch tôren site,
sô muez er lachen allez mite,
daz er den spot vertribe

und âne zorn belîbe. Es ist endlich hier noch jener zusammengesetzten Gnome zu erwähnen, welche unter dem Namen der Priamelo) besonders in der Geschichte der Deutschen Literatur (namentlich vom 14ten bis zum Ausgang des 16ten Jahrhunderts) ihre Stelle gefunden hat. Die Priamel stellt nämlich die Subjektsbegriffe mebrerer Gnomen zusammen und versieht sie mit einem für alle passenden Prädikate. So z. B. unter den Sprüchwörtern bei Simrock (Die Dtsch. Sprichw. p. 592; 594): „Ein verschmähter Freund, ein hungriger Hund Gehn traurig schlafen zu mancher Stund.“ „Wer Dirnen vertraut seinen Rath, Den Gänsen seine Saat, Den Böcken seinen Garten, Der darf des Glücks nicht warten.“ Bei Freidank (z. B. (29, 16):

Sô vil man hêrren fehen muoz,

*) Priamel ist wohl abzuleiten von praeambulum, aber es ist nicht sicher, ob damit ein Praeambuliren einzelner Begriffe gemeint ist, auf welches dann der gemeinsame Schluss folge. Wendeler (de praeambulis eorumque historia in Germania P. I, p. 26) bemerkt: „imprimis apud Germanos medii aevi accidit, ut poetae in carminibus epicis initium orationis a rebus curiosis ac novis, maxime a sententiis quibusdam moralibus caperent“ – und sagt: „mibi persuasi, ab bis quidem prooemiis vel praeambulis carminum epicorum, carmina illa quae nunc praeambula appellantur, nomen cepisse“ cet.

sô vil man vellet an ir fuoz,
sô vil man leistet ir gebot:

sô waent ein tôre, er si ein got. Diese Form des Spruchs findet sich auch bei anderen Völkern, wie bei den Hebräern, z. B. (Spr. Sal. 6, 16 sq.): „Diese sechs Stücke hasset der Herr, und am siebenten hat er einen Greuel: Hohe Augen; falsche Zungen; Hände, die unschuldiges Blut vergiessen; Herz, das mit bösen Tücken umgehet; Füsse, die behende sind, Schaden zu thun; Falscher Zeuge, der frech Lügen redet; und der Hader zwischen Brüdern anrichtet.“ Oefter in den Epigrammen des Martial, z. B. (I, 40) (Ad Decianum):

Si quis erit, raros inter numerandos amicos,
Quales prisca fides, famaque novit anus:
Si quis Cecropiae madidus, Latiaeque Minervae
Artibus, et vera simplicitate bonus,
Si quis erit recti custos, imitator honesti,
Et nihil arcano qui roget ore Deos:
Si quis erit magnae subnixus robore mentis,

Dispersam, si non hic Decianus erit. Oefter bei Shakespeare, z. B. im Munde von Lear's Narren (III, 6): He's mad, that trusts in the tameness of a wolf, a horse's health, a boy's love, or a whore's oath. (So die „prophecy“ (ib. III, 2)). Auch im Zusammenhang der Rede, wie (III, 4) Lear: Is man no more than this? Consider him well. Thou owest the worm no silk, the beast no hide, the sheep no wool, the cat no perfume. Es ist diese Form etwa die des ouvam golomós im Carm. d. figg. H. p. 68. Für die Gnome ist diese Form wenig passend, da die Aussage nothwendig an Bestimmtheit und Werth verliert, wenn sie zugleich für Verschiedenartiges Geltung haben soll. Dagegen bietet sie dem Witz ein Mittel, durch Verbindung von heterogenen Begriffen in Einem Treffpunkt zu überraschen und zu ergötzen. Der Art sind denn auch die meisten Priameln, wie z. B. bei H. Kurz, Gesch. d. dtsch. Lit. Bd. I, p. 656 („Unnütze Arbeit“.):

Wer holtz yff musserin dischen bawet
und erbis an die stegen strawet,
and omais trug in ain bet,
und newe set ernider dret,

und bin tragt in ain bad,
und dorn straywet vf ein engen pfad,
und drinckvass mit nussschalen schwanckt,

der arbait, das jms niemand danckt. Schon in der Edda (Háwamál 80 fg. Simr. Uebers.) zeigt sich mit der Priamelform auch der Humor, wie:

„Den Tag lob Abends, die Frau im Tode,
Das Schwert, wenns versucht ist,
Die Braut nach der Hochzeit, eh es bricht das Eis,

Das Ael, wenns getrunken ist.“ W. Wackernagel (Poet. Rhet. Stil. ed. Sieber p. 161) sagt über die Form der Priamel, dass wohl, die den Deutschen von jeher beliebte Räthselpoesie“ zu ihrem Gebrauch den Anstoss gegeben habe: *) „Denn auch das Räthsel giebt gewöhnlich wie die Priamel eine grössere oder kleinere Reihe von sinnlichen Einzelheiten, die auch wie in der Priamel gar nicht zu einander zu passen scheinen : nur wird die Clausel hier nicht vom Dichter hinzugefügt, sondern der Hörer oder Leser soll sie selber finden

IV. Der Sinnwitz. Was wir Sinnwitz nennen, hat man zum Unterschied von den Laut- und Wortwitzen auch wohl Sachwitz genannt; man

*) Bergmann (La Priamèle dans les différentes littératures anciennes et modernes p. 27) sagt: „Les Allemands n'ont pas inventé la Priamėle, ils l'ont trouvée dans l'ancien Testament.“ Von den Hebräern heisst es (p. 15): „Il n'est pas probable que les Hébreux aient trouvé pour eux-mêmes la Priamèle“, sie würden diese Form wohl von den Chaldaeern erhalten haben, welche sie von den Indern entnahmen. Er führt nun in der That (p. 9–p. 12) viele Beispiele indischer Priameln an, wie z. B. aus Hitopadésa nach Lancereau's Uebersetzung (p. 16); „Il ne faut se fier ni aux rivières, ni aux gens armés, ni aux animaux qui ont des griffes ou des cornes, ni aux femmes, ni aux princes.“ Er hätte schon aus Lancereau noch sehr viel mehr solcher Redefiguren beibringen können, da eine derartige Häufung von Begriffen, die zu demselben Ende geführt werden, eine Eigenthümlichkeit indischer Darstellung ist. (cf. oben Bd. I, p. 587.) Einen in Betracht kommenden Erweis für seine Ansicht vom Ursprung dieser Form bei den Deutschen oder bei den Hebräern hat er nicht erbracht; dass sie sich z. B. auch bei den Römern und den Engländern findet, hat er übersehen. II 2.

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spricht auch ohne bestimmte Unterscheidung von Witzworten, sowohl, wenn der Witz am Laut oder an dem einzelnen Wort zum Ausdruck kommt, wie wenn er den Sinn des Gedankens als solchen trifft, also am Satze sich darstellt. Wir vermeiden den Terminus , Sachwitz“, denn der Witz ist überhaupt nicht sachlich -- selbst dann nicht, wenn er nicht durch die Rede zur Erscheinung kommt -- er ist immer ein Spiel mit den Formen;*) den Terminus Witzwort haben wir oben (p. 147 fg.) zu bestimmen gesucht.

Es handelt sich hier nicht um den in witziger Form ausgedrückten Gedanken, wie ihn z. B. das zur Pointe zugespitzte Epigramm zeigen kann, sondern eben um diese Form, um eine Witzrede, welche um ibrer selbst willen auftritt. In Bezug auf das Sprachbild als Werk der Kunst ist der Gedanke dann nur das Material, an welchem das freie, wohl auch übermüthige Spiel des Witzes vor sich geht. Das Objekt ist diesem gleichgültig; die willkürliche Verbindung, Lösung, Verkehrung der Begriffe bei der Darstellung ist der Triumph des insoweit völlig gesinnungslosen Subjekts.

. Wir haben beim Sinnwitz in Betracht zu ziehn den zu Grunde liegenden Gedanken und die mit dessen Inhalt in irgend welchem Contrast stehende Form der Darstellung. Beides geht von demselben Subjekte aus, welches also das Bewusstsein hat

*) Die Alten hatten bei ihrer Eintheilung des Lächerlichen: tù ya noior από της λέξεως und από των πραγμάτων (Cra m er, Anecd. Ρar. I, p. 403), und der „genera facetiarum, quorum alterum re tractatur, alterum dicto“ (Cic. de or. II. 59 sq.; Quint, VI, 3, 22) nicht gerade den Unterschied im Auge, der in den sprachlichen Mitteln stattfindet, durch welche man sich witzig ausdrückt. Mit dem sachlich Lächerlichen bezeichneten sie mehr Situationen komischer Art, welche herbeigeführt werden etwa durch Verwendung von Erdichtungen, welche mit der Sache nichts zu thun haben (, aliqua fabella narratur“), durch scherzhafte Nachahmung und Carikirung von Mienen, Gebehrden („rlepravata imitatione“) u. d. m. Es hindert natürlich nichts, dass zu einer komischen Handlung auch ein Sinnwitz hinzutrete, wie wenn zu dem Vorgang: „An alchymist having dedicated a book to Pope Leo the Tenth, wherein he pretended to teach a method of making gold, exspected to receive a magnificent present for it. But the pope sent him only a large, empty purse

die ironische Rede gefügt wird: with this compliment, that, since he knew how to make gold, he wanted nothing but a purse to put it in.

sowohl um jenen Inhalt, wie um dessen Verdunkelung durch die Form. Die Bewegung des Gedankens durchläuft so in demselben Moment den verdunkelnden Ausdruck bis zu seinem Abschluss und offenbart dann mit diesem auch jenes Wissen um die Sache. Das auf diese Weise mit dem Miss- oder Nichtverstehen zugleich eintretende Verständniss überrascht den Hörer, welchem jenes Wissen fehlte, die corrigirte Confusion erweckt Behagen, und man lacht. Die Momente, welche für den Sinnwitz wesentlich sind, erhält man, wenn man zu der Definition des Aristoteles vom Lacherlichen (Poét. 5): το γελοίόν έστιν αμάρτημια τι και αίσχος avúsuvov xai ou q aptlxóv, welche die „Verdunkelung“ angiebt, jene von Quintilian (VI. 3, 85) gemachte Wahrnehmung: plurimus circa simulationem et dissimulationem risus est, hinzufügt, welche „das Wissen um die Sache“ betont. (cf. auch Demetr. (de eloc.) citirt oben p. 170.) Natürlich giebt ein Herbeischaffen dieser Momente an sich noch kein Werk der Sprachkunst. Zu diesem werden sie erst erhoben durch jene schöpferische Kraft, welche sie zugleich in demselben Akte ergreift und sie in Form solcher Einheit zu glücklichem Ausdruck bringt. Der Sinnwitz, ein Blitz im Dunkel, wirkt – und dies gilt auch für die anderen Arten des Witzes – gerade dadurch, dass er das Gegentheil ist von aller Entwickelung, und Jean Paul (Vorsch. d. Aesth. p. 13) sagt desshalb mit Recht: „Kürze ist der Körper und die Seele des Witzes“. Der Witz findet sich darum am meisten improvisirt in der Wechselrede; improvisirt, weil Vorbereitung die Momente der Verdunkelung und der Erhellung, welche zugleich im Wissen liegen und zugleich auch zum Ausdruck kommen, trennen würde, als Wechselrede, weil der Witz, um zu wirken, das Vorhandensein eines doppelten Bewusstseins voraussetzt, eines wissenden und eines zum Wissen erst kommenden.*) Die über

*) Bei solcher Wechselrede kann sich dann die Darstellung der nothwendigen Momente an die Sprechenden vertheilen. Wenn z. B. jener Professor den Studenten, welcher ihm in Pluderhosen seinen Besuch abstattete, mürrisch befragte: „Aber zu anständigen Leuten geht man doch in solchem Anzuge nicht“ ? und dieser bereitwillig mit „Nein“ antwortet, so vertheilt sich die Darstellung des Witzes an beide Personen. Der Professor liefert zunächst das Material. Er meint: Solcher Anzug ist vor Respektspersonen unpassend. Indem er dann mit einiger Höflichkeit statt des direkten Ausdrucks die Figur der rhetorischen

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