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and (821): Οι δ' από γηράσκοντας ατιμιάζουσι τοκας,

τούτων τοι χώρη, Κύρνο, ολίγη τελέθει. Freilich sind nicht alle Gebote oder Erinnerungen allgemeinen Inhalts als solche schon Gnomen, und die literarische Gnome namentlich kann nicht Gebot sein wollen, weil sie damit auf ihre Wirkung als Werk der Kunst verzichten würde, welche ja überall nur die freie Zustimmung sein kann, wie sie auf Grund einer erfreulichen Anregung sich erzeugt. Der Ausdruck „Du sollst“ empfiehlt sich für die Gnome nicht, aber schön sagt sie z. B. „Selig sind, die da geistig arm sind, denn das Himmelreich ist ihrer“, und so bemerkt Renan in seinem Leben Jesu (Ch. V) sehr gut: „La synagogue était riche en maximes très-heureusement exprimées, qui formaient une sorte de littérature proverbiale courante. Jésus adopta presque tout cet enseignement oral, mais en le pénétrant d'un esprit supérieur.“ „Jésus y mettait un accent plein d'onction, qui rendait nouveaux des aphorismes trouvés depuis long-temps. La morale ne se compose pas de principes plus ou moins bien exprimés. La poésie du précepte, qui le fait aimer, est plus que le précepte luimême, pris comme une vérité abstraite.“ Wie die Hebräer an Salomo's und Sirach's gnomischer Weisheit sich erfreuten, so die Araber an den Sprüchen des Koran, die Inder an denen der Veda's, die Chinesen an denen des Kung-fu-tse, die Skandinavier an denen der Edda. Wenn Isocrates (ad Nicocl. p. 28 ed. Lange) in Bezug auf die Gnomen des Hesiodus, Theognis, Phokylides sagt: TOUTOUS qaoi plèv agiotous ovuşouλους γεγενήσθαι τω βίω τω των ανθρώπων. . Ταύτα δε λέγοντες αιρούνται συνδιατρίβειν ταϊς αλλήλων ανοίαις μάλλον ή ταϊς εκείνων υποθήκαις· έτι δ' εί τις εκλέξειε και των προεχόντων ποιητών τας καλουμένας γνώμας, εφ' αίς εκείνοι μάλιστα έσπούδασαν, ομοίως αν και προς ταύτας διατεθείεν ήδιον γαρ αν κωμιωδίας της φαυλοτάτης, ή των ούτω τεχνικώς πεποιημιένων ακούσαιεν so wird eine richtige Beobachtung in falsches Licht gestellt. Wie sollten Gnomen in demselben Maasse oder in derselben Weise anziehen, wie Werke der Dichtkunst? Dass aber die Gnome mit ihrem ideellen Gebalte den Menschen auf das Edele seiner Natur hinweist, und so bei Schönheit der

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Form *) leicht lieb gewonnen, hoch gehalten, bleibend gehegt wird, zeigt sich an der vielfältigen Art, wie man sie verwendet. Oft sind sie z. B. in Deutschland zu finden als Inschriften an Häusern, Kirchen, an allerlei Geräth, um diesen gleichsam eine Weihe zu geben. Wir wählen aus den „Deutschen Inschriften an Haus und Geräth.“ (Berlin, 1865.) einige aus. Grabinschrift (auch auf einem Hause): „Ich leb' weiss nit wie lang, Ich sterb' und weiss nicht wann, Ich fahr', weiss nit wohin, Mich wundert, dass ich fröhlich bin.“ Auf Gläsern: „Iss, was gar ist, Trink, was klar ist, Sprich, was wahr ist.“ In einer Schlafkammer: ,Wach, dass du ruhest, Ruh', dass du wachest. Am Wirthshaus: „Richte dich nach deiner Tasche und nicht nach meiner Flasche. Durch Umgestaltungen der Sprüche sucht man gleichsam ein Eigenthumsrecht auf sie zu begründen; so werden in den mannigfaltigsten Wendungen an Häusern die Sprüche gefunden: „Wer will bauen an der Strassen, Muss die Leute reden lassen;“ „Mein Nest Ist das best ;“ „Wohl dem, der mit Gott und Ehren Ohne Herrn sich kann ernähren“; „Gah frohlich in Gah frohlich ut, Sei drauss und drin In Gottes Hut.“ An einem Hause in Tyrol findet sich:

,,Das Haus ist mein und doch nicht mein
Der nach mir kommt, ist auch nicht sein.
Und wird's dem dritten übergeben,
So wird's ihm ebenso ergehen.
Den Vierten trägt man auch hinaus

Mein! Sagt mir doch, wess ist das Haus.“
Im Magdeburgischen: „Dies Haus ist mein und doch nicht mein,

Der vor mir war, 's war auch nicht sein.
Der ging hinaus und ich hinein,

Nach meinem Tod wird's auch so sein.“
Im Dorf Au bei Freiburg i./Br.: „Dies Haus ist mein und doch

nicht mein,
Ich gehe aus, du gehest ein.
Mein! Wer wird wohl der Letzte sein?

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*) Zur Schönheit der Form ist auch bei den Gnomen die gebundene Rede nicht unerlässlich; überaus trefflich sind z. B. viele im Ausdruck unter den Sprüchen der sieben Weisen, den uora, Blov Faganela" des Demophilus, den „yrwuat xouoai“ des Democrates; in Larochefoucauld's „Réflexions ou sentences et maximes morales“, Pascal's „Pensées“, Göthe's „Sprüchen in Prosa.“

Auch sich selbst gleichsam haben die Menschen mit solchen Inschriften versehen, indem sie sich Denksprüche zu Wahlsprüchen erlasen, deren Inhalt ihnen selbst Richtschnur sein sollte für Gesinnung und Verhalten. So das „Suum cuique“ der Hohenzollern; das „Gott mit uns“ als Umschrift der Münzen; „Treu und fest“ (Prinz Albert); „Gottes Freund, der Pfaffen Feind" (Hzg. Christian v. Brschg.); „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ (Turnerspruch); Silence, Patience, Espérance, Soumission (SPES) (Graf Wilhelm v. Bückeb.); Sueton (Oct. 25) erwähnt von Augustus: „Crebro illa jactabat EneŲdɛ Byadéws, et (Eur. Phoen. 602): 'Ασφαλής γάρ έστ' αμείνων, ή θρασύς στρατηλάτης, et (Cato): Sat celeriter fieri, quidquid fiat satis bene.“ Von historischer Bedeutung sind die Devisen, welche namentlich in den Zeiten des Mittelalters ganzen Geschlechtern als Fabne und Sporn dienten. Sie schliessen sich an ein Sinnbild (Emblema) als Beischrift (Motto) an.*) So führte das Schwert des blinden Königs Johann v. Böbmen den Sprach: „Ich dien“; Andreas Doria hatte einen Stern mit dabinter strahlender Sonne und dem Motto: Vias tuas Domine demonstra mihi.“ H. Julius v. Halberst. hatte ein angezündetes Licht mit dem Spruch: „Aliis inserviendo consumor“; Karl V. zu zwei Säulen (des Herkules): „Plus outre“; das Geschlecht der Medici zu einem Diamanten im Ringe: , simul et semper“; Christoph Benedictus zu Krebs und Schmetterling: „Eile mit Weile“. Allerdings zeigen solche Wahlsprüche schon wegen der Nothwendigkeit der Kürze wenig Entfaltung und ähneln dem Sprüchwort.

Die literarischen Gnomen treten, wie leicht erklärlich, nur selten einzeln auf; man findet sie meist zu Gruppen vereinigt. Um den Kern einer geistigen Anschauung sammeln sich vielerlei Gedanken, stellen sich nebeneinander und haben einen Einigungspunkt in der Denkart und Persönlichkeit des Verfassers. Lehrgedichte werden sie dadurch nicht, und von einer gnomischen Poesie ist auch bei diesen grösseren Ganzen nicht zu sprechen. *) Es gehören dahin z. B. des Theognis Ivanal após Kvovov, um ihrer metrischen Form willen der elegischen Dichtung der Griechen beigesellt, des Dionysius Cato , disticha de moribus ad filium“. Freidank's „Bescheidenheit“, Rückert's , Weisheit des Brahmanen“ u. a. m. Es ist dabei viel zu sondern und im Einzelnen klar zu stellen, um der schärferen Unterscheidung der Sprachbilder gerecht zu werden; unter den Epigrammen der Gr. Anthologie finden sich z. B. nicht wenige Gnomen, wie z. B. des Mimnermus, IX, 50; des Phokylides X, 117 u. a.

*) Scbottel (Teutsch. Haubtspr. p. 1106): „Ein völliges Sinnbild (Emblema) muss seinen Leib und Seel, das ist sein äusserliches Bild und deutlichen Denkspruch haben.“ "Eupanua (tubulw) Eingesetztes, Eingelegtes, Relief, so Cic. Verr. IV, 17: scapbia cum emblematis. Devise (it. divisa) Abtheilung, Wahl, Wahlspruch, von dividere = unterscheiden; Motto (fr. mot) it. vom lat. mutire, mucksen.

Man hat Gnomen von etwas ausgedehnterem Umfange zum Unterschiede von blossen „Reinsprüchen“ zuweilen als „Sprachdichtungen“ bezeichnet. Wir meinen, dass es nicht eben nöthig ist, zwischen „Gnome“ und „Lebrgedicht“ noch einen Terminus einzuschieben. Will man z. B. als „Spruchgedichte“ jene schönen Sprüche Leopold Schefer's im „Laienbrevier“ bezeichnen, so übersieht man, dass Tiefe, Reichthum, Kraft des Gedankens eine gewisse Auseinanderlegung nöthig machen, damit dieser klar und anschaulich werde, dass es doch aber nur der Eine Daseinsmoment der Seele ist, welcher so seinen Ausdruck findet. Es ist hierin von selbst auch schon eine gewisse Beschränkung der Ausdehnung gegeben. **) Wo aber Schefer zu

*) Plutarch (de aud. poët. 2) erklärt ausdrücklich Werke, wie die „yvwuologiai Osóyvidos,“ für solche, welche der Poesie nicht angebören. Socrates, weil er immer nur der Wahrheit nachgegangen, habe zur poetischen Erfindung kein Geschick besessen, sei auch der Ansicht gewesen, dass, wo die Erfindung fehle, keine Poesie wäre (noinoir vủx o 'our, 1 YEūdos un npógeoti). Die gehobene Sprache, das Metrum seien diesen Werken nur äusserlich hinzugefügt (γνωμολογίαι Θεόγνιδος λόγοι εισί κεχρημένοι παρα ποιητικής, ώσπερ όχημα, τον όγκον και το μέτρον, ίνα το πεζόν διαφύγωσιν).

).

**) Wir setzen als Beispiel ohne viel zu wählen einen solchen Spruch hierher (April XIII):

„Erwarten ist selbstständig Glück für sich.
In der Erwartung liegt das ganze Bild
Von dem, was du erwartest, hundertfach:
Das, was es sein soll; was es wirklich sein wird,
Und alles sein kann für die Welt und dich.
Die Sache selbst kommt dann als einzelne

wirklicher Entfaltung fortschreitet, betritt er das Gebiet der Lyrik, und dass nicht immer die Entscheidung, ob Spruch ob Gedicht, zweifellos ist, geben wir zu. -- Es gehören weiter hierher gewisse Verbindungen von Sprüchen mit Sprüchwörtern, nicht bloss so, wie bei Göthe („Sprichwörtlich“), der von ihnen sagt:

„Diese Worte sind nicht alle in Sachsen
Noch auf meinem eigenen Miste gewachsen,
Doch, was für Samen die Fremde bringt,

Erzog ich im Lande gut gedüngt“ denn selbst, wenn er Sprüchwörter ganz aufnahm, hat er sie dem Spruche doch völlig einverleibt, und sie sind dann eben nur sprüchwörtliche Redefigur. So z. B.:

Wer aber recht bequem ist und faul,
Flög' dem eine gebratene Taube in's Maul,
Er würde höchlich sich's verbitten,

Wär' sie nicht auch geschickt zerschnitten.“
Aehnliche Beziehung auf ein Sprüchwort zeigt die Gnome des
Palladas (Anth. gr. IX, 379):

Φασί παροιμιακώς, κ' αν υς δάκοι άνδρα πονηρόν:

Erscheinung eine Muschel ohn' ihr Meer!
Ein Tropfen aus den goldnen Abendwolken!
Die schönste, reichste Gegenwart bedarf
Ein künstlerisches Sammeln in der Brust;
Erwartetes liegt schon im Geist als Eins.
Was du erwartest, hast du schon, und länger
Und besser stets, als wann du es erhältst.
Das macht die Gegenwart allein erduldbar;
Das macht die Jugend gar so schön und reich!
Die Dinge mit dem Rücken ansehn, ist
Die schlimmste Art zu sehn die Art des Alters,

Das durch Erfahrung weise ist – und stirbt!“
Es ist ja im Wesentlichen nicht anders, wenn man z. B. die Sprüche in der
Edda betrachtet; die griechische Form der Gnome ist eben nicht die Deutsche.
Da heisst es z. B. (Hávamál, Uebers. v. Simrock):

„Ein unkluger Mann, der zu Andern kommt,
Schweigt am besten still.
Niemand bemerkt, dass er nichts versteht,
So lang er zu sprechen scheut.
Nur freilich weiss, wer wenig weiss,
Auch das nicht, wann er schweigen soll.“

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