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gramm in den Dienst der Rede treten kann, d. h. dass es auch Redefigur ist. *) Dass Epigramme der ersten und zweiten Form in der Rede nicht selten vorkommen, braucht weiter nicht ausgeführt zu werden. Man überschreibe etwa: „Die schönen Blumen und setze darunter:

„Da stehet von schönen Blumen
Die ganze Wiese so voll;
Ich breche sie, ohne zu wissen,

Wem ich sie geben soll;“ oder: „Heiliger Abend:“

„Lichtlein schwimmen auf dem Strome,
Kinder singen auf den Brücken,
Glocke, Glöckchen fügt vom Dome

Sich der Andacht, dem Entzücken;“ so hat man Epigramme der ersten Form aus Göthe's: „Schäfers Klagelied“ und „St. Nepomuck’s Vorabend“; man überschreibe: „Der Zeitgeist“, setze darunter:

„Was ihr den Geist der Zeiten heisst,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,

In dem die Zeiten sich bespiegeln; “ oder: So schwätzt und lehrt man ungestört“:

Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,

Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen;" so hat man Epigramme der zweiten Form aus Göthe's „Faust.“

Aber auch Epigramme der dritten Form sind nicht selten.

Der Zusammenhang der Rede führt den , Anlass“ herbei, und der kraftvoll erfasste ,,Gedanke“ erhält einen Ausdruck bis zur „Befriedigung“, indem er als Gnome oder als Pointe, überhaupt als Interpret der angeregten Stimmung das Epigramm zum Abschluss bringt. So entstehen z. B. leicht zwei Epigramme, wenn man aus Sophocles (Antig. 736 sq.) unter der Ueber

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*) Bei Vavassor (de epigr. p. 15) findet sich die Bemerkung: Ovidii Nasonis afferre clausulas aliquot possum elegiarum, instar epigrammatis effictas, quae solae sint tanti quanti elegiae totae, quarum ipsae minima particula sint. F. Bouterwek (Aesthetik, 2. Th. p. 258), der das Epigramm „zwischen der eigentlichen Poesie und der schönen Prosa schwanken“ lässt, sagt: „Das wirkliche poetische Epigramm ist ein vereinzelter schöner Gedanke, der auch in lyrischen oder didaktischen Gedichten einen Platz finden könnte.“

schrift: „Der Alleinherrscher“ in Form des Dialogs hinstellt:

"Αλλω γαρ ή ιοί χρή ειε τήσδ' άρχειν χθονός;

Πόλις γαρ ουκ έσ', ήτις ανδρός εσ9' ενός. and: Ου του κρατούντος ή πόλις νομίζεται;

Καλώς ερήμης γ' αν συ γής άρχoις μόνος. So bei Euripides (Phoen. 552) in Form der Anrede: ñ nolia Γιοχθεϊν πόλλ' έχων εν δώμασι βούλει; τί δ' έστι το πλέον; ονομιο έχει μόνον επεί τα ν' αρκούν9' ικανά τους γε σωφροσιν, etwa zu überschreiben: „Der Begehrliche“; and (ib. Schluss): alda γάρ τι ταύτα θρηνώ, και διατην οδύφολιαι; τάς γαρ εκ θεών ανάγκας θνητον όντα δει φέρειν in Form des Monologs mit der Ueberschrift: „Ergebung.“ Spottend Virgil ((Ecl. III, 90) „Die Strafe“): Qui Bavium non odit, amet tua carmina, Maevi, Atque idem jungat vulpes et mulgeat hircos; spottend Horat. (Ep. I, 6, 58) „Die Jagd“: (Venemur ut olim) Gargilius (, qui) mane plagas, venabula, servos differtum transire forum populumque jubebat, unus ut e multis populo spectante referret emptum mulus aprum. Tibull (I, 9) schliesst die Elegie: Veneri merenti Fixa notet casns aurea palma meos. Hanc tibi fallaci resolutus amore Tibullus Dedicat et grata sis, dea, mente rogat.“ Göthe (Faust) „Die Originalen“ :

Original, fahr hin in Deiner Pracht. -
Wie würde Dich die Einsicht kränken:
Wer kann was Dummes, wer was Klages denken,

Das nicht die Vorwelt schon gedacht? (1. c.) „Die Reue“: „Er starb als Christ

Und fand, dass er weit mehr noch auf der Zeche bätte.
Wie, rief er, muss ich mich von Grund aus hassen,
So mein Gewerb, mein Weib so zu verlassen.
Ach, die Erinnrung tödtet mich.
Vergäb' sie mir nur nur noch in diesem Leben!

Allein, weiss Gott, sie war mehr Schuld als ich“.
Göthe (Pandora) „Prometheus“:

„Was kündest Du für Feste mir? Sie lieb' ich nicht;
Erholung reichet Müden jede Nacht genug.

Des ächten Mannes wahre Feier ist die That“. (1. c.) „Epimetheus“ :

„Nachtwandler, Sorgenvoller, Schwerbedenklicher,

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Du dauerst mich, und doch belob' ich Dein Geschick.

Zu dulden ist, sei's thätig oder leidend auch“.
Schiller (Br. v. M.) ,Der Tod in der Blüthe" :

Holder Jüngling! Da liegt er entseelt,
Hingestreckt in der Blüthe der Tage,
Schwer umfangen von Todesnacht,
An der Schwelle der bräutlichen Kammer!
Aber über dem Stummen erwacht

Lauter, unermesslicher Jammer.“
Platen (Rom. Oed.) ,Das Universalgenie“: „Ich bin zugleich
Poet und Kriminaljurist und Recensent, Von drei Talenten eine
Tripelallianz“! Wie ist der Staat zu beneiden, dem du der-
gestalt Von allen Seiten dienst“«! „Es ist der preussische“.
„Glückseliges Oestreich"! - Paul Gerhardt (Nun ruhen alle
Wälder.) „Hoffnung“: „Der Tag ist nun vergangen, die güldnen
Sternlein prangen am blauen Himmelssaal: So, so werd ich auch
stehen, wenn mich wird heissen gehen mein Gott aus diesem
Jammertbal.“ (Aehnlich die meisten Strophen des Gedichts.).
Delavigne (La vie de Jeanne Darc) „Jeanne Darc“: L'ange
exterminateur bénit ton étendard; Il mit dans tes accents un son
mâle et terrible, La force dans ton bras, la mort dans ton re-
gard; Et dit à la brebis paisible: Va déchirer le léopard“. La-
martine (Adieu à la mer) „La mer“: „De l'infini sublime image,
De fots en flots l'oeil emporté Te suit en vain de plage en plage;
L'esprit cherche en vain ton rivage, Comme ceux de l'éternité.“
Byron (Ch. Har. Pilgr. II, 87) „Hellas“ :

„Yet are thy skies as blue, thy crags as wild;
Sweet are thy groves, and verdant are thy fields,
Thine olive ripe as when Minerva smiled,
And still his honied wealth Hymettus yields;
There the blithe bee his fragrant fortress builds,
The freeborn wanderer of thy mountain-air;
Apollo still thy long, long summer gilds,
Still in his beam Mendeli's marbles glare;

Art, Glory, Freedom fail, but Nature still is fair.“
Shakesp. (J. Caes. V, 5) „Brutus“: „This was the noblest
Roman of them all - His life was gentle; and the elements So

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mix'd in him, that Nature might stand up, and say to all the world, „This was a man“!

III. Die Gnome. Oefter als das Epigramm ist die Gnome (Sententia (Quint. VIII, 5, 1 sq.); der Sprucb.) als Redefigur zu finden (vd. oben Bd. II, 2, 33 sq.), da sie nicht wie jene durch Bezug auf einen besonderen Anlass ihren Sinn umgränzt. Vom Sprüchwort unterscheidet sie sich nicht nur dadurch, dass sie literarischen Ursprungs ist, sondern es liegt in ihrem Wesen, dass sie, wenn auch als Citat oft verwendet, doch nur ausnahmsweise zum Sprüchwort wird. Sie hat nicht die Natur des Einfalls, sondern geht aus Nachdenken, aus philosophischer Betrachtung hervor; sie ist Spruch der Weisheit, bestimmt Denkweise und Empfindung, während das Sprüchwort Erfahrungssatz ist, Spruch eines Klugen, auf die Praxis des Lebens gerichtet. Sie bewegt sich desshalb auch auf engerem Gebiete als das Sprüchwort, welches nicht selten auch als volksthümliches Epigramm erscheint und dessen lebendigere Wirkung erreicht (cf. oben p. 173 fg.). Hiernach bestimmt sich auch ihre Form im Gegensatz zu der des Sprüchworts, denn ihr Ausdruck ist nicht nur weniger mannigfaltig, sondern er sucht seine Wirkung statt im ungeschminkt Treffenden im Gewichtigen und Würdigen, entscheidet nicht in knapper, witziger Kürze, sondern zeigt den Gedanken in ruhiger, milder Entfaltung, in überlegter und gefälliger Abrundung. Solchergestalt empfinden wir, dass die Gnome den einzelnen, bestimmten Fall nicht meint, dass das unmittelbar Gegebene in ihrer Reflesion geschwunden ist. Das Sprüchwort sagt etwa: Usus tyrannus; die Gnome (Schiller, Wallenst.): „Aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, und die Gewohnheit nennt er seine Amme“; oder es heisst im Sprüchwort: Gedanken sind zollfrei; in der Gnome (Schill. M. St.): „Man kann den Menschen nicht verwehren zu denken, was sie wollen“; oder: a puro pura defluit aqua, und (Matth.. 12, 35): 'o ayadós övqwnos 8x Tov αγαθού θησαυρού εκβάλλει τα αγαθά και ο πονηρός άνθρωπος εκ του πονηρού θησαυρού εκβάλλει πονηρά. Das Sprüchwort (nach Spr. Sal. 16, 18) sagt: Hochmuth kommt vor dem Fall; die Gnome etwa (Theognis, 151):

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"Ύβριν, Κύρνε, θεός πρώτον κακόν άπασεν ανδρι,

or Mérnet xuonu pindspíav sérsvar, oder (Dionys. Cato, Dist. II, 6): „Quod nimium est fugito, parvo gaudere memento: Tuta mage est puppis, modico quae flumine fertur.

Wie im Gebiet der Poesie das Lehrgedicht an der Gränze der Kunst steht, so unter den Sprachbildern die Gnome. Warum aber sollte der stille Ernst sinniger Weltbetrachtung, die sittliche Begeisterung nicht ebensowohl ein Bedürfniss begründen, sich in einer Kunstform darzustellen, als ein anderer leidenschaftlicher angeregter Seelenmoment? Es wird auch in dem Wesen der Gnome nichts geändert, wenn sie ihres Inhalts wegen etwa zu dem Zwecke angewendet wird, nach aussen hin und zwar nicht bloss ästhetisch zu wirken.*) So blieben jene Sprüche an den öffentlichen Hermen, von denen uns der Ps. Plato (Hipparch, p. 229) erzählt, doch immer Gnomen: uvñua tóg 'Iardoχου στείχε δίκαια φρονών, oder τούτο επί τη Στειριακή οδώ, εν ω λέγει; Μνήμα τόδ' Ιππάρχου: μιή φίλον εξαπάτα. Wir denken nicht leicht daran, dass wir eine Gnome hören, wenn das vierte Gebot eingeschärft wird: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir's wohl gehe und du lange lebest auf Erden, und doch nennen wir es mit Recht Gnomen, wenn wir z. B. bei Theognis (131) lesen:

Ουδέν εν ανθρώποισι πατρός και γιατρός άγιεινον
έπλετο, τους δαίη, Κυρνε, μέχριηλε δίκη.

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*) Richtig und gut sagt Herder („Spruch und Bild, insonderheit bei den Morgenländern“) über Werth und Wirkung der Gnomen: „Besitzt unser Verstand eine edlere Gabe als diese Formenschöpfung (der Spruchweisheit)? Ist es nicht ein Trug, wenn wir glauben, dass in einer Erfahrung jener allgemeine Satz, diese sittliche und politische Lehre schon liege? Sie liegen darin, aber nur nach der Materie, die Form muss ihnen der menschliche Geist erst geben; da man dann ebenso sicher sagen kann, dass der menschliche Geist sie in die Begebenheit hinein - als dass er sie herausdenke.“ – „Immer also sind mir die Erfinder feiner Sprüche, die Formenschöpfer richtiger und feiner Resultate in jeder Art der Beobachtung und Erfahrung als die wahren Gesetzgeber und Autonomen des menscblichen Geschlechts vorgekommen, die, indem sie selbst dachten und trefflich sprachen, zugleich für andere dachten, und ihrem Gesetz, also zu denken, als einem schweigenden Imperativ, durch die Form ihres Ausdrucks gleichsam Sanktion gaben.“

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