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Diomed. (p. 458 P.), Isidor. (or. I, 36, 28). — *)

Es ist klar, dass das Sprüchwort, wenn es zum Dienst der Rede in einem grösseren Redeganzen verwandt wird, nichts ist, als ein Citat aus einem Gemeingut, und dass ihm dadurch seine Selbstständigkeit nicht verloren geht. Allerdings ist solche Berufung auf das allgemein Anerkannte von grosser Kraft, wie z. B. die Amme bei Euripides (Hipp. 265) ihre bewegte Rede schliesst: OUTW TO λίαν ήσσον έπαινο του μηδέν άγαν και ξυλιφήσουσι σοpoi nou. So Cicero (Phil. III, 11): Etenim in contione dixerat se custodem fore urbis, seque usque ad Kalendas Maias ad urbem exercitum habiturum. O praeclarum custodem ovium, ut aiunt, lupum! Bei Schiller (Wallenst. T.) sagt Gordon zu Wallenstein: „Und doch erinnr' ich an den alten Spruch: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“ Bei Molière (l’Avare, 1, 3) sagt böhnisch der Bediente: M'empêcherez-vous de maudire les avaricieux ? Harp. Non; mais je t'empêcherai de jaser et d'être insolent. Tais-toi. La Flèche: Je ne nomme personne. Harp. Je te rosserai, si tu parles. La Flèche: Qui se sent morveux, qu'il se mouche. Schneidend spricht Lady Macbeth zu ibrem Manne bei Shakesp. (Macb. I, 7): Wouldst thou have that which thou esteem'st the ornament of life, and live a coward in thine own esteem, letting „I dare not“ wait upon „I would,“ like the poor cat i'the adage? (Delius citirt hierzu aus Heywood's Proverbs (1560): The cat would eat fish and would not wet her feet.).

II. Das Epigramm. Es ist erklärlich, dass das Epigramm, wie es bisher als Werk der Poesie aufgefasst wurde, zu einer befriedigenden und

*) Offenbar stützt sich diese Auffassung auf Aristoteles (vid. oben p. 172 sq.). Man beschränkte den Begriff der napotuíu auf deren Darstellung durch ein Bild, Allegorie, fasste die übrigen Sprüchwörter als Gnome, sententia. Donat’s Beispiele sind: „adversum stimulum calces“ und „lupus in fabula“, und es würde hierzu auch sein zum Asteismus gegebenes Beispiel passen (Virg. Ecl. III, 91): „atque idem jungat vulpes et mulgeat hircos“, denn sowohl „chwπηξ τον βουν ελαύνει" (Paroem. gr. Diogen. 1, 73) wie τράγον αμέλγων (ib. VII, 95) sind nugovulai. So bezeichnen auch Acron und Porphyr, Hor. ep. I, 17, 20: Equus ut me portet, alat rex (innos gépet, Buoideus toégei bei Diogen. V, 31) in demselben Sinne als aucoupíu.

festen Abgränzung seines Begriffs nicht gelangen konnte. Die Sprachbilder, für welche man den Terminus gebrauchte, *) zeigten keine bestimmte Form (Suidas: επίγραιμια, πάντα τα έπιγραφόμενά τισι, κάν ιη εν διέτρoις ειρημένα, επιγράμιλιατα léyeral) und in Bezug auf ihren Inhalt stand nur dies fest, dass er aus einem bestimmten Anlass, bei einer besonderen Gelegenheit sich ergab, und dass der also hervorgerufene Gedanke sich darauf beschränkte in einem in sich abgeschlossenen Ganzen sich zum Ausdruck zu bringen, ohne eine weitere Entfaltung zu suchen. Der geringe Umfang solcher Sprachwerke, die anscheinende Leichtigkeit ihrer Hervorbringung, die grosse Menge der Darstellenden, unter denen die gefeierten Dichternamen wenig vertreten waren, regte nicht dazu an, ihr Wesen prinzipiell zu erörtern, und die ungemeine Mannigfaltigkeit der hierher gehörigen Produktionen nach Form und nach Gehalt bereitete überdem jedem Versuch einer Systematisirung erhebliche Schwierigkeiten. **) Wie sie von

*) Von anderen Benennungen für das Epigramm z. B. Sinngedicht, Ueberschrift, Kurzgedicht, Stachelreime u. a. ist keine in allgemeineren Gebrauch gekommen. Der durch Göthe's und Schiller's Epigramme berühmt gewordene Name „Xenien" (cf. Hom. Ilias 11, 779; 0d. 3, 490; Vitruv. VI, 7, 4) ist dem Martial entnommen, welcher lib. XIII seiner Epigr. so betitelte (ähnlich lib. XIV: , Apophoreta“ (cf. Athen. VI, p. 229: Suet. Vesp. 19)). Es waren Epigramme aus Einem Distichon bestehend, im ursprünglichen Sinne von Inschriften verfasst, deren Ueberschrift auch von Martial selbst herrührt.

**) Epigramme als wirkliche Inschriften sind selbstverständlich schon in sehr frühen Zeiten vorhanden gewesen; mit besonderem Eifer werden dann diese Sprachbilder kunstmässig behandelt (wie oben von den Sprachkunstwerken schon allgemein angegeben wurde) in den Zeiten des Abblühens oder der Unkraft der Poesie. Wir citiren hier nur aus der Litteraturgeschichte der Griechen und Deutschen: Bernhardy (Griech. Litteraturg. Bd. I, p. 559) von der Alexandrinischen Poesie: „Man mied im Bewusstsein des Unvermögens das Epos.“ „Die Lust an launigem Spiel“ und „extemporaler Dichtung“ „führte bloss zu jenen geistreichen Spielen in Witz und Lebensklugheit, mit denen alle Poesie schloss, zu dem Epigramm und der Fabel.“ Ueber die Deutsche Dichtung der ersten Hälfte des 17. Jabrh. bemerkt Gervinus (Gesch. d. Dtsch. Dicht. Bd. 3, p. 304 fg.): „Das Antithetische, Witzige, Epigrammenartige durchdrang gleichsam die ganze Dichtung dieser Zeit.“ „Es ist kaum irgend ein namhafter Dichter dieser Zeit, der nicht Epigramme gemacht hätte.“ „Fast ist das Epigramm die erfreulichste Seite der Zeit.“ (Man vergleiche dazu die Schilderung der weltlichen Lyrik dieser Zeit l. c. p. 240 sq.).

den gebildeten Römern angesehen wurden, mag man etwa aus dem jüngeren Plinius entnehmen. Er schreibt (IV, ep. 14) an einen Freund: lusus meos tibi prodo. Accipies cum hac epistola hendecasyllabos nostros, quibus nos in vehiculo, in balineo, inter cenam oblectamus otium temporis. His jocamur, ludimus, amamus, dolemus, querimur , irascimur, describimus aliquid modo pressius modo elatius, atque ipsa varietate temptamus efficere, ut alia aliis, quaedam fortasse omnibus placeant.“ Und nachdem er die Ausgelassenheit in einigen solchen „lusus“ entschuldigt, sagt er: „Unum illud praedicendum videtur cogitare me has nugas inscribere hendecasyllabos, qui titulus sola metri lege constringitur. Proinde sive epigrammata sive idyllia sive eclogas sive, ut multi, poēmatia seu quod aliud vocare malueris licebit voces, ego tantum hendecasyllabos praesto.“*) (vid. auch id. V, 3). Es erscheint darum auch bei den Neueren das Epigramm als wenig berechtigt im Gebiete der Dichtkunst, als ein Anhängsel irgend einer Gat

*) Plinius (I. VII, ep. 9) empfiehlt das Anfertigen solcher Gedichte ledig. lich als Stilübung: „volo carmina (scribas), nam saepe in orationes quoque non historicae modo sed prope poëticae descriptionis necessitas incidit Fas est et carmine remitti, non dico continuo et longo sed hoc arguto et brevi – Lusus vocantur. (cf. Martial. (VII, epigr. 7): Fas audire jocos, levioraque carmina, Caesar, sit tibi, si lusus ipse triumphus amat.) – Bezeichnend für die Schätzung des Epigramms ist auch Varro's Bemerkung (ap. Non. v. poema): „Poema est légis évou fuos, id est, verba plura modice in quandam conjecta formam. itaque etiam δίστιχον επιγραμμάτιον vocant poem 3. Poesis est perpetuum argumentum ex rhythmis, ut Ilias Homeri et Annales Ennii. Es widerspricht keineswegs dieser Auffassung, wenn Martial (IV, 49) den Werth der Epigramme schwülstigen Epen und Tragoedien gegenüber hervorhebt, indem er dabei betont, dass sie eben nicht Dichtungen enthalten:

Nescis, crede mihi, quid sint epigrammata, Flacce,
Qui tantum lusus illa jocosque putas.
Ille magis ludit, qui scribit prandia saevi
Tereos, aut coenam, crude Thyesta, tuam,
Aut puero liquidas aptantem Daedalon alas,
Pascentem Siculas aut Polyphemon oves.
A nostris procul est omnis vesica libellis:
Musa nec insano syrmate nostra tumet.
Illa tamen laudant omnes, mirantur, adorant.
Confiteor; laudant illa, sed ista legunt.

tung, welches zu einer sicheren Einordnung in die historisch und theoretisch begründeten Arten der Poesie zu gelangen keine Aussicht hat. Wie man es betrachtet, sagt deutlich Fr. Vavassor (de epigrammate liber et epigr. libr. IV p. 3.): „Constare vidi inter omnes, etiam poetarum, qui in isto se vel ludo vel labore exercuissent, assensu, cum studiorum levissimum genus poetica foret, tum poeticae levissimum opus epigramma esse.“ In Bezug auf Rubrizirung des Epigramms erfährt man z. B. von Hegel (Aesthet. Bd. III, p. 326), dass es („zum epischen Worte koncentrirt“) zur epischen Dichtgattung gehört; Vischer (Aesth. Bd. III, 2 p. 1373) rechnet es zur Lyrik; Gottschall (Poetik, Bd. 2. p. 175 fg.) nennt es ein didaktisches Gedicht und bezeichnet es nach Hegel's Vorgang als „lakonische Urform des Epos;“ W. Wackernagel (Poetik, Rhetorik und Stilistik (p. 159)) fasst „das Epigramm der Lehre und des Spottes als eine in die Didaxis übertragene epische Lyrik,“ dagegen (p. 138) „das Epigramm der Empfindung als von episch-lyrischer Natur.“

Schon hieraus ergiebt sich, dass, wenn einerseits das Epigramm als Kunstwerk empfunden wurde, es doch andrerseits dem Gebiet der Dichtkunst sich nicht zuweisen lässt. Und in der Tbat, wenn durch irgend einen Anlass ein Gedanke angeregt wird, welcher des Aufbewahrens werth scheint, und dieser desshalb möglichst klar, treffend, anmuthig ausgesprochen wird, wo ist denn da ein Dichten? Wäre nicht eher zu sagen, dass das Dichten hier gerade fern gehalten ist? Der Ausdruck eines solchen Seelenmoments soll episch sein, oder lyrisch, oder wenn auch Tendenz ein Kunstwerk als solches begründen soll – didaktisch! Man wird da an Jean Paul's (Vorsch. der Aesth. $ 75) Scherze erinnert: „Ich wünsche nicht, dass mir Mangel an System vorgeworfen würde, wenn ich wenigsilbige, mikroscopische Gedichte nur füchtig berühre, als da sind z. B. ein blosses Wehe! Ach! – (es würde zur Elegie gehören) oder ein blosses Heisa! Juch heh! (offenbar der verkürzte Dithyrambus.)“ „Nun noch als die ordentlich kürzesten Gedichtformen gar Frag- und Ausrufzeichen anzuführen und die einfachen, doppelten etc. zu klassifizieren, wäre wohl in jedem Falle nur ein Scherz und wahrhaft überflüssig.“ Das Epigramm als eine „Concentration des Epos“ oder als dessen „lakonische Urform“ zu fassen ist historisch falsch und begrifflich schief, soll

wohl auch nur als ein durch Vergleichung gewonnenes Werthurtheil gelten. Weder entstehen Epigramme aus Epen, noch entfalten sie sich zu Epen, so wenig bewusst wie unbewusst entspringt der Gedanke des Epigramms wie ein Auszug aus einem grösseren Ganzen oder wie ein Entwurf zu weiterer Ausführung; nach Form und Inhalt ist das Epigramm geschlossen in sich, und wenn man – wie bei jeder Darstellung -- irgend welche weitere Ausdehnung seines Stoffes sich vorstellen kann, so hat dies doch mit seinem Wesen als Kunstwerk nichts zu thun. Es ist ebenso wenig gerechtfertigt, das Epigramm der Lyrik einzuordnen, auch nicht das „Epigramm der Empfindung“, denn auch das lyrische Gedicht ist nicht blosses Aussprechen, dass die Empfindung auf eine gewisse Art angeregt sei, sondern verlangt eine Entfaltung solcher Empfindung und damit zugleich dies, dass sie aus dem Bereich der unmittelbaren Seelenerregung sich erhebe, sich läutere, vergeistige. *) Groke (De epigrammatis theoria denuo constituenda. p. 70) schildert richtig den Moment der Entstehung des Epigramms: „Epigramma ideo sufficientem dico existentiae suae causam, sive potius necessitatem, habere, quoniam e certa quadam et distincta mentis affectae conditione enasci videatur. Haec autem mentis affectae conditio est, ubi re aliqua aut extrinsecus oblata aut interno quodam impetu adducta tali modo movetur, ut sensus simplex quidem, id est in unam partem conversus sed subitus et intensus oriatur, qui modo sibi ipsi conveniente, hoc est, celere, inexspectato et energico se evolvere sive in unius sententiae enuntiationem cum quadam vi atque velocitate erumpente effundere se tentat.“ Wenn er dann den Grund hinzufügt, weshalb solche Darstellung der Poesie angehöre:

*) Herder (Anm. über die Anthol. d. Griechen) fragt, wie sich die Epigramme von kleinen Liedern, z. B. denen des Anakreon, unterscheiden, und schliesst: In jenen Liedchen „ist kein so einfacher Gedanke, keine so simple Darstellung mehr; auch bei den einfachsten ist ausser dem fröhlichen, lauten Aufruf offenbar eine mehrere Auflösung der Züge, kurz ein lyrisches Gemählde, das zwar in ein Epigramm verwandelt werden kann, aber selbst kein Epigramm ist.“ Wenn Groke ( c. p. 65) die Poesie definiren will, welcher das Epigramm zugehöre, so definirt er ganz trefflich, was wir eben Sprachkunst nennen: „Sic poësin esse animi re aliqua graviter affecti sublatam, exquisitam et numerosam dico elocutionem.“

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