Obrazy na stronie
PDF
ePub

Wenn ein Gebildeter Sammlungen unserer Sprüchwörter durchliest, wird er finden, dass ihm über Erwarten viele völlig unbekannt sind, und dass der Ausdruck der ihm bekannten wenig befestigt ist (gerade bei den Deutschen Sprüchwörtern sind Varianten sehr häufig), aber auch der Ungebildete hat nur eine beschränkte Zahl von Sprüchen, die, welche in seiner Gegend gewachsen sind, zur Verfügung.

Die ursprünglich hochdeutsch ausgedrückten Sprüchwörter werden in der Mehrzahl als der allgemeinen Cultur angehörig zu bezeichnen sein, und eben diese werden sich auch am meisten im Gebrauche der Gebildeten befinden. Wir geben hier einige dieser Art mit Parallelen: ήλιξ ήλικα τέρπει; pares cum paribus facillime congregantur; Gleich und Gleich gesellt sich gern; Qui se ressemblent, s'assemblent; Every like loves his like. επίκτητοι φύσεις τα ήθη; consuetudo altera natura; Gewohnheit ist die andere Natur; l'habitude est une seconde nature; Custom is second nature. γλαύκ' εις Αθήvas; ululas Athenas portare; Eulen nach Athen tragen; porter de l'eau à la rivière, carry coals to Newcastle. – á dè xsiy τας χείρα νίξει δός τι, και λάβε τις manus manum lavat; Eine Hand wäscht die andere; une main lave l'autre; at court one hand washes (will wash) the other. – şi xai iríxou é uvuoans; lupus in fabula; Wenn man den Wolf nennt, kommt er gerennt; quand on parle du loup, on en voit la queue; to mention the wolf's name, is to see the same. Μελέτη το πάν; exercitatio potest omnia; Uebung macht den Meister; l'exercice fait le maître; use makes perfectness. EnEvde Boadews; festina lente; Eile mit Weile; hâte-toi lentement; the more haste, the less speed. -- Es ist nicht Alles Gold, was glänzt; tout ce qui brille n'est pas or; all is not gold that glitters. Ende gut, Alles gut: la fin couronne l'oeuvre; all is well that ends well; finis coronat opus. Ein Unglück kommt selten allein; un malheur amène son frère ; an evil chance seldom comes alone. So arm als eine Kirchmaus; gueux comme un rat d'église; as poor as a church-mouse.

Hunde, die viel bellen, beissen nicht; chien qui aboie ne mord pas; bárking dogs never bite; canes timidi vehementius latrant.

Besser spät als gar nicht; vaut mieux tard que jamais; better late than never. Jeder ist seines Glückes Schmied; chacun est II 2.

12

num.

l'artisan de sa fortune; every man is the architect of his own fortune; sui cuique mores fingunt fortunam. - Kinder und Narren sagen die Wahrheit: les fous et les enfants disent la vérité; children and fools tell truth. - Irren ist menschlich; tout mortel est sujet à faillir ; to err is human: errare huma

Aller Anfang ist schwer; il n'y a que le premier pas qui coûte; the beginnings are always hard; omne initium est difficile. Wie der Herr, so der Knecht; tel maitre, tel valet; like master, like man; qualis rex, talis grex. – Ein Sperling in der Hand ist besser als zwei auf dem Dache; un tiens vaut mieux que deux tu l'auras (ein dürrer Hab ich ist besser als ein fetter Hätt ich); one bird in the hand is worth two in the bush. Aus den Augen, aus dem Sinn; loin des yeux, loin du coeur; out of sight, out of mind. - Eine Schwalbe macht keinen Sommer; une hirondelle ne fait pas le printemps; one swallow makes no summer. – Aus der Noth eine Tugend machen; il faut faire de nécessité vertu; make a virtue of necessity. - Viel Köpfe, viel Sinne; tant de gens, tant de sens (vingt têtes, vingt avis); so many men, so many minds. - Gelegenheit macht Diebe; l'occasion fait le larron; opportunity makes a thief. – Stille Wasser sind tief; il n'y a pire eau que celle qui dort. Still waters have deep bottoms. – Rom ist nicht in Einem Tage gebaut; Paris ne s'est pas fait en un jour; Rome was not built in one day. Hilf dir selbst, so wird Gott dir helfen; aide-toi, le ciel t'aidera; help thyself, and God will help thee. Müssiggang ist aller Laster Anfang; l'oisiveté est mère de tous les vices; Idleness is the root of all evil; otia dant vitia. - Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben; il faut attendre au soir pour dire le jour beau; praise a fair day at night; (no. MLETUEU rédal xúlexos και χείλεος άκρου; multa cadunt inter calicem supremaque labra). Der Mensch denkt, Gott lenkt; l'homme propose,

Dieu dispose; man proposes and God disposes. Die Augen sind grösser als der Magen; il a plus grands yeux, que grand-panse; your eyes are bigger than your belly. Bei Nacht sind alle Katzen grau; la nuit tous les chats sont gris; when candles are out, all cats are gray; sublata lucerna nihil interest inter mulieres. Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul; un cheval donné on ne regarde pas à la bride; you most not look a gift horse in the mouth. Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren; où il n'y a pas de quoi le roi perd son droit; where nothing is to be had, the king must lose his right. Flink zur Arbeit, flink zum Essen; qui mange vite travaille vite; quick at meat, quick at work. – Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist; dis-moi qui tu hantes, et je te dirai qui tu es; tell me with whom thou goest, and I 'll tell thee what thou doest. Frisch gewagt ist halb gewonnen; heureux commencement est la moitié de l'oeuvre; well begun is half done; dimidium facti , qui coepit, habet. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht; tant va la cruche à l'eau, qu'à la fin elle se brise; the pitcher goes so often to the well, that it comes home broken at last. - Auf Regen folgt Sonnenschein; après la pluie le beau temps; after rain comes sunshine; post nubila phoebus. - Unkraut verdirbt nicht; mauvaise herbe croit toujours; ill weeds grow apace.

Gute Miene zum bösen Spiel machen; faire bonne mine à mauvais jou; to set a good face on a bad game.

Was die Form der Sprüchwörter betrifft, so verweisen wir auf das oben (p. 164 fg.) über die Kunstform der Sinnsprüche Gesagte, speziell in Bezug auf die rhythmische Form des Griechischen Sprüchworts auf das in der Anm. zu p. 169 Angeführte. Es kommen für diese Gattung der Sprachbilder bei den Griechen vorzüglich die Dorier in Betracht. *) Bernhardy (Grundr. d. griech. Litt. Th. I, p. 32) sagt hierüber: „Gewissermassen die kürzeste Summe des Satzes ist das Sprüchwort: die Griechischen Paroemien sind prosaisch oder im ana pästischen Paroemiacus fleissig vom Spruchwitz der Dorier geübt und in Umlauf gesetzt worden, worauf schon Epicharmus, einer der sen

*) Bernhardy (Grupdr. d. gr. L. Th. I. p. 127: „Kurze gebieterische Sätze taugen vorzugsweise für die Maximen der Dorier („die in abgewogenen rhythmischen Takten den Tonfall eines Verses täuschend hören liessen“); sie liebten treffenden Spruchwitz und bildlichen Ausdruck, der an räthselhaften Tiefsinn streift, und sie haben mit Glück und naivem Geist vorzugsweise, was in den Kreis des Genrebildes fiel, behandelt, in der plastischen Kunst die Glyptik und das Relief, in der Dichtung das Epigramm mit monumentalem oder thatsächlichem Gehalt.“ Reiz und Umfang der Erfindung und damit also die eigentliche Poesie stand diesem Stamme ferner.

tenziösesten Dichter, Sophron (Demetr. de eloc. 157) und der emsige Leser des Sizilischen Mimographen Plato weisen." Natürlich ist bei dem naiven und volksthümlichen Sinnspruch noch weniger von einer festen Form der Darstellung die Rede, als z. B. bei dem kunstmässig ausgebildeten Epigramm, aber neben Wahrung der ästhetischen Einheit pflegt das Sprüchwort auch durch besonderen, formellen Reiz zu erfreuen und zu fesseln. Erasmus in den „Prolegom. in suas proverb. chil.“ bespricht auch: „quibus ex rebus accedat novitas paroemiae.“ Abgesehn, dass der Inhalt an sich durch seine Neuheit Reiz haben könne, wie z. B. xpoxodelrou dáxpua, wird in Bezug auf die Darstellung bemerkt: „Nonnunquam eam figura conciliat, cum per omnes ferme schematum species adagium varietur.“ Metapher enthalten sie z. B. fast immer, wie: res omnis in vado est, Allegorie sehr häufig, wie: nuxos éxavev, oft eine Hyperbel, wie: yuuvótepos dengidos, zuweilen ein Aenigma, wie: théor MALOv taviós u. d. m. Unter den „figuris proverbialibus“ erwähnt er solche: quae constant vel ejusdem aut similis iteratione vocis, vel contrariarum contextu“, wie xaxoù xopaxos xaxov wov, manus manum fricat, quo jure, quaque injuria, xai diκαια κάδικα cet. . Von unsern Sprüchwörtern zeigt eine grosse Zahl bestimmten Rhythmus; so: Frisch gewagt ist halb gewonnen; Viel Geschrei und wenig Wolle; Junge Lügner, alte Diebe; Morgen, morgen, nur nicht heute; Nach der Arbeit ist gut ruhn; Alter schützt vor Thorheit nicht; Allzuviel ist ungesund; Gutes Wort find't gute Statt; Wie die Arbeit, so der Lohn; Hunger ist der beste Koch; Ehrlich währt am längsten; Wie man's treibt, so geht's; Jung gewohnt, alt gethan; Ende gut, alles gut u. d. m. Tropischer Ausdruck ist sehr häufig, wie: Lügen haben kurze Beine; Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil; Wer's Glück hat, dem kälbert ein Ochs; Das Kind mit dem Bade ausschütten; Kalbfleisch, Halbfleisch; Morgenstund' hat Gold im Mund u. a. m. Von den phonetischen und noëtischen Figuren finden sich wohl alle vertreten, auch die künstlicheren, wie z. B. antimetabole: Besser ein Mann ohne Geld als Geld ohne Mann (bei Simrock); lorsqu'on n'a pas ce qu'on aime, il faut aimer ce qu’on a; häufig sind Hyperbeln, wie: Er lügt, dass sich die Balken biegen; Paradoxa, wie: Keine Antwort ist auch eine Antwort;

Oxymora, wie: Er will den Bock melken ; Ironie, wie: Kleider machen Leute; am liebsten aber verwendet das Sprüchwort Gleichklänge, um einen formalen Abschluss zu gewinnen, wie: Noth kennt kein Gebot; Heute roth, morgen todt; Unverhofft kommt oft; Wer gut schmeert, der gut fährt; An Gottes Segen ist Alles gelegen; Gut Gewissen, ein sanftes Kissen; Uebermuth thut selten gut; Wie gewonnen, so zerronnen; Wohlgeschmack bringt Bettelsack; Borgen macht Sorgen; Hoffen und Harren macht Manchen zum Narren; Eigner Heerd ist Goldes werth; Mitgefangen, mitgehangen; Geld regiert die Welt; Augen auf, Kauf ist Kauf; cet.; auch: Trunkner Mund, wabrer Mund; Art lässt nicht von Art; Ein Mal ist kein Mal; Mittelstrass die beste Strass; Spare was, so hast du was; Ehestand, Wehestand; cet. Ferner: Gleich und Gleich gesellt sich gern; Wagemann, Winnemann; Wagen gewinnt, Wagen verliert; Allzu scharf macht schartig; Frische Fische, gute Fische; Böses muss man mit Bösem überbösern; Rast ich, so rost' ich, u. d. m. –

Von einigen alten Rhetoren wurde das Sprüchwort, da es von den Rednern nicht selten verwandt wurde, zu den Redefiguren gezählt; so von Cornelius Celsus (nach Quint. IX, 2, 104). Quintilian, der den Gebrauch der „proverbia opportune aptata" (VI, 3, 98) empfiehlt (VIII, 6, 57 sq.), entscheidet sich nicht bestimmt, ob die napolnía etwa als eine Art der Allegorie (cf. Kokondr. Sp. V. III, p. 236) oder als ein besonderer Tropus zu betrachten sei. Tryphon (Sp. V. III, p. 206) ) führt die παροιμι. auf als και τρόπος της φράσεως « und definirt sie als λόγος είρημιένος εν αρχή προς έτερον, λεγόμενος δε υφ' ημιών κατα ανακύκλησιν πρός τινα των διοηθών. « Es wird also die Anwendung des Sprüchworts auf einen andern Fall, als welcher ursprünglich zu seiner Bildung den Anlass gab, gewissermassen als Gleichniss betrachtet, dem ja Tropus zu Grunde liegt. Damit stimmt Beda's Bemerkung (Rhet. Lat. ed. H. p. 616): „hic tropus adeo late patet, ut liber Salomonis, quem nos secundum Hebraeos parabolas dicimus being similitudo, sententia, parabola), apud Graecos ex eo nomen paroemiarum, hoc est proverbiorum, acceperit.“ (cf. oben Bd. II, 1, p. 74). Ebenso fassen die napowia Donat. (III, 6, 2), Charisius (IV, 4, 16),

« PoprzedniaDalej »