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unter dem Namen: ,Geflügelte Worte" (Ed. Fournier (Paris) hat Aehnliches unter dem Titel: l'esprit des autres) gegeben, die zu irgend einer Zeit Eindruck auf einen grösseren Kreis, gewöhnlich von Zuhörern, gemacht haben.“ Bei uns werden dergleichen Sinnsprüche nur allmählich und nur zum Theil in die unteren Volksschichten dringen, wie umgekehrt das eigentliche Sprüchwort von den Gebildeten nur ausnahmsweise citirt wird; wo aber der Unterschied zwischen Gebildeten und Ungebildeten sich in geringerem Grade ausprägte, wie bei den Griechen, wird die Gnome unmittelbar zum Sprüchwort, und das Sprüchwort bleibt im Gebrauch aller Volksgenossen. In Platon's Dialogen z. B. finden sich Sprüchwörter in grosser Zahl.

Bei uns also sind Citate, wie etwa: „Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende“ (Schiller); „COETAL nu ap“ (Homer); „utile dulci“ (Horaz); „Vous l'avez voulu, George Dandin“ (Molière); „Something is rotten in the state of Denmark“ (Shakesp.); „Lasciate ogni speranza“ (Dante) durcbaus zu Sprüchwörtern der Gebildeten geworden, nicht aber des Volkes; dagegen sind volksthümlich z. B.: „Allemal derjenige, welcher. “ (Angely); „Alles schon dagewesen.“ (Gutzkow); „Es kann ja nicht immer so bleiben.“ (Kotzebue); „Du hast es eingerübrt, da musst es auch aufessen.“ (Ter. Phorm. II, 2: Tate hoc intristi ; tibi omne est exedendum.); „Dreimal ziehen ist so schlimm, wie einmal abbrennen.“ (Franklin: Three removes are as bad as a fire); auch Apophthegmen, wie Hansemann's: „Bei Geldfragen hört die Gemüthlichkeit auf“; Schulenburg's: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“; Roon's: „angenehme Temperatur“; Bismarck's: „Eisen und Blut.“ cet. - Die Gnomen der Bibel sind natürlich in grosser Zahl als Sprüchwörter bei den Culturvölkern in Gebrauch, wie (Spr. Sal. X, 2): proin nirs 15979085; Unrecht Gut gedeihet nicht; Bien mal acquis ne profite pas; Ill gotten goods do not prosper. (ib. XXVI, 27): 5:7; Wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein; Celui qui creuse la fosse, y tombera: He who digs a pit for another, may soon fall himself therein. Aristoteles berührt demnach für die παροιμία*)

*) Veber die Ableitung des terminus vid. Bergk (Griech. Litt. Bd 1, p. 363): „Wie npooíuiov von oğun abgeleitet den Eingang des Liedes bezeichnet, mit seinen knappen Worten das Wesentliche. Er sagt (Rhet. H, 21): ενιαι των παροιμιών και γνωριαί εισιν Ζ. Β. Αττικος πάροικος und definirt (ib. III, 11): και αι παροιμίαι μεταφορα απ' είδους επ' είδος εισιν' οιον άν τις ως αγαθόν πεισόμενος αυτος επαγάγηται, είτα βλαβη, ας και Καρπαθιός φησι τον λαγώ: άριφω γαρ το ειρημένον πεπόνθασιν. . (Der Karpathier hatte ein Haasenpaar nach seiner Insel gebracht, dessen Sprösslinge dann die Feldfrüchte abfrassen. Ar. meint also nach dem Beispiele hier die epigrammatische Art des Sprüchworts, wie auch vorher.) Wie wir sahen (cf. Bd. II, 1 p. 25 sq. 28 sq.) sind die μεταφοραι απείδους επ' είδος die Tropen, welche später Metonymie hiessen, und auf denen die Parabel beruht (vd. l. c. p. 71 sq.); demnach giebt nach Aristoteles die tagolnía, sofern sie nicht blosse Gnome ist, eine bildliche Darstellung, deren Verständniss bei der Uebertragung auf ähnliche Vorgänge, welche unter denselben allgemeineren Gedanken zusammengefasst werden können, auf Reflexion beruht. Man sieht, wie eng sich hiernach Sprüchwort und Fabel berühren. (Quint. V, 11, 21: napoluias genus illud, quod est velut fabella brevior.) In der That hat auch die Fabel manche Sprüchwörter geliefert. So bei Sim

na potuíu soviel als Zwischengesang, Beigesang oder Schlussvers, der die einzelne Strophe oder das ganze Lied abschliesst, daher auch soviel als Refrain: wie z. B. in nulwv auch als nagovulu bezeichnet wird, d. i. εφύμνιον, επίφθεγμα oder επίρρημα (Athen. XV, 696) s. Klearch bei Athen. XV, 701, obwohl der Compilator den Gedanken seines Gewährsmannes nicht recht wiedergegeben zu haben scheint. Doch ist auch eine andere Erklärung des Wortes παροιμία möglich: παροιμία konnte eine in poetischer Fassung überlieferte Erzählung (olun) sein, die zur Vergleichung, als Beispiel mitgetheilt wurde, wie nuquivETv von vivos, vivɛīv gebildet ist; älinlich sagt Eurip. Iph. Aul. 1147 napadů ulviyuutu, die nicht direkt anf das Ziel losgehn, sondern den Sinn nur andeuten. Irrig leiten die älteren Grammatiker nuposuía von oiuos ab, wie Hesychius und Diogenian. Wie man nupauvlíu sagte und παραμυθίον, ebenso παροιμία und προοίμιον.Die Lateiner hatten neben proverbium auch den terminus adagio, worüber T. Varro (L. L. VII ed. Sp. p. 318 sq.): „Apud Valerium Soranum vetus adagio est, P. Scipio quod verbum usque eo evanuit, ut Graecum pro eo positum magis sit apertum; nam idem quod παροιμίαν νοcant Graeci Adagio est littera commutata abagio, dicta ab eo quod ambit orationem, neque in aliqua una re consistit sola. Adagio dicta ut Adustum quod circum ustum est“ cet. (Später auch a dagium z. B. Gell. N. A. praef.

Festus: „Adagia ad agendum apta.“ cf. Vossius, Or. Inst. P. II, p. 211 sq.).

rock (dtsch. Sprichw.): „Die Trauben sind sauer, sagte der Fuchs.“ (Paroem. gr. Zen. C. III, 75): „évouerai plol tŕv 1800rv.“; (Petron. 74): „inflat se tanquam rana“; auch erfindet der Witz wohl eine Art von Fabeln, damit sie citirt werden können, wie etwa (Aus der Gegend von Hildesheim): „Et werd all’ Dage slimmer, säe de Krei, as man den Galgen afbrok.“ „Nimmt' nich öwel, säe de Voss, da harr 'he ne Gos bim Wickel.“ „Ek kann 'r nich vor, säe de Wulf, da draug he en Schap weg.“ Dennoch ist es nicht richtig, dass Fabeln Sprüchwörter sein können, und Aristoteles hat sich geirrt, wenn er die napolMía für eine Trope oder für eine Parabel, also für eine ästhetische Figur erklärte, denn das Sprüchwort geht aus von einem wirklichen Vorgang, die Parabel und ebenso die Fabel dagegen erdichtet den ihrigen, jenes empfängt den Anlass aus einer Erfahrung, diese schafft ihn durch Phantasie: das Sprüchwort ist eben Gedanke, die Fabel beruht auf Tropus, was später noch genauer zu erörtern ist. Die von uns als Sprüchwörter angeführten Fabeln sind lediglich Citate, welche den Inbalt einer Fabel als bildliches Beispiel anführen; die Fabeln aber, welche folgen, zeigen nicht Thiere, welche statt der Menschen auftreten, sondern Menschenwitz, der mit der Thiernatur scherzt.

Zur Begränzung des Begriffs „Sprüchwort“ wäre endlich noch zu erinnern, dass diejenigen formelhaften Redensarten Sprüchwörter nicht zu nennen sind, welche keinen selbstständigen Gedanken aussprechen oder andeuten. Wendungen also etwa, wie: Zahn der Zeit; sammt und sonders; vor den Riss treten; Haare lassen müssen; sich aus dem Staube machen; kalt wie Eis; mit Sack und Pack; extremis digitis attingere; swov doletixóv; mem! m!; juste milieu; food for powder; Dolce far niente sind keine Sprüchwörter; dass bei dieser Ausscheidung Gränzstreitigkeiten möglich sind, ist zuzugeben, wie z. B. bei: receptai

_*)

*) Etwas Anderes ist der Zusammenhang zwischen Sprüchwort und Fabel. Auf ihn weist öfters hin Gervinus in seiner „Geschichte der Deutschen Dichtung", als auf eine Verbindung und Wechselbeziehung“ und bemerkt (Bd. II; p. 135); „Die Fabel ist mit dem Sprichwort so verwandt, dass man sie nur eine poetische Verkörperung desselben nennen möchte, und bekanntlich sind die Epimythien der einfachsten Fabeln von jeher nichts als einfache Sprichwörter gewesen."

canere; premere pollicem; ad amussim; éx slapéroov; wie Schuppen von den Augen fallen; die Worte auf die Goldwage legen; den Krebsgang gehn; die Zähne weisen; 121 1n; la grande nation; u. d. m., und die Beurtheilung wird davon abhangen, ob die Wendung noch etwa wie eine Redefigur empfunden wird (worüber unten), oder ob sie nur noch einfach als Glied der Rede wirkt.

Die Bedeutung des Sprüchworts ist sehr hoch anzuschlagen; seine Einwirkung auf Gestaltung und Wahrung der Denkweise, auf die Kultur der Völker ist ungemein weitgreifend, und es bestimmt in stiller Leitung ebenso kräftig und vielfach die öffentliche Meinung, wie die Beurtheilung privater Lebensverhältnisse, *) ja selbst die Erwägungen Hochgebildeter. Den Grund für diese Macht findet Quintilian theils in der erprobten Wahrheit des Sprüchworts, theils darin, dass es als Gemeingut jedem Einzelnen anzugehören scheint, der es geltend macht. Er sagt (V, 11, 41), wo er von dessen „auctoritas“ spricht, „ea quoque, quae vulgo recepta sunt, hoc ipso, quod incertum auctorem habent, velut omnium fiunt, quale est: „ubi amici, ibi opes“, et conscientia mille testes“, et apud Ciceronem (Cato m. 3, 7): pares autem, ut est in vetere proverbio, cum paribus maxime congregantur: neque enim durassent haec in aeternum, nisi vera omnibus viderentur.“ Nach Demetrius (de eloc. Sp. V. III, p. 297) sind Sprüchwörter an sich anmuthig, und selbst ihre Häufung gefällt: φύσει χάριεν πράγμια έστι παροιμία, ως ο Σώφρων μέν, Έπιάλης, έφη, και τον πατέρα πνίγων, και αλλαχόθι που φησιν, εκ του όνυχος γαρ τον λέοντα έγραψεν. τoρύναν έξεσεν· κύριενον έσπειρε. και γαρ δυσι παροιμίαις και τρισίν επαλλήλοις χρήται, ως επιπληθύωνται αυτό αι χάριτες. Da bei uns die Verwendung des Sprüchworts mehr als bei den Alten den Gegensatz zwischen den literarisch Gebildeten und dem Volke erkennen lässt, da eben desswegen auch Natürlichkeit und volksthümlicher Ausdruck bei uns dem Sprüchworte vorzugsweise eigen ist, so hat man besonders gegen fremdes Wort und fremde Weisheit dessen nationale Kraft und Eigenthümlichkeit betont. So liest man schon bei Schottel (Von der Teutsch. Haubt-Spr. p. 1111): „In den Sprichwörtern oder in den Sprichwörtlichen Redearten stekket der rechte schmak, rechte Kuhr und das eigene der Sprache; Dan ein Sprichwort

*) Quintilian (IV, 5, 16 sq.) untersucht, ob eine doppelte Art der Vertheidigung vor Gericht anzuwenden sei. Sichtlich leitet ihn bei seiner Ansicht das Sprüchwort: iniquum petendum, ut aequum feras in Verbindung mit dem anderen: non tentanda, quae effici omnino non possint.

- nimmt seine Ankunft als ein eigenes angebornes Landkind im Lande, wechset und wird gebohren den Landsleuten im Munde, und ist also ein natürlich Klang der Sprache und ein Ausspruch und Schluss dessen, was als eine Teutsche Landlehre bekant worden. Und kan man bald vernehmen, was ein rechtschaffenes Teutsch Sprichwort, oder ein Teutschgemachtes Sprichwort sey: Dann die Griechischen, Lateinischen oder Frantzösischen Sprüchwörter, wan sie verteutschet, werden es keine Teutsche Sprichwörter, ihre Ubrankunft und Geburt ist Ausländisch, wiewol die Meynung als gut zu behalten und im Teutschen nützlich anzuwenden.“ Man muss in dieser patriotischen Auffassung nicht zu weit gehn. Wie schon die Römer viele Sprüchwörter den Griechen entlehnten, so zeigt bei uns „Fridankes Bescheidenheit“, dass wir sehr früh Sprüche aus dem Alten und Neuen Testament, Sentenzen der Griechen und Römer als Sprüchwörter aufgenommen haben. Natürlich sind viele Sprüchwörter charakteristisch für die Nationen, welche sie gern gebrauchen; so passt vornehmlich dem Griechen das andev ayar, dem Römer: Romanus sedendo vincit, dem Engländer: Thoughts are free, dem Deutschen: Ein Mann, ein Wort; Es ist Hopfen und Malz verloren; Was lange währt, wird gut u. d. m.; aber die gemeinschaftliche Quelle der modernen Kultur, das griechische und römische Alterthum, und die entnationalisirende Kraft des Christenthums baben, auch abgesehen von dem Verkehr der Völker unter sich, dem Sprüchwort statt des ursprünglich lokalen Charakters in hohem Grade einen weltbürgerlichen gegeben. Wie sollten z. B. jene Sprüchwörter nicht auch ächt deutsch zu nennen sein, wie: Gehorsam ist besser, denn Opfer (1 Sam. 15, 22); Geben ist seliger, denn Nebmen (Ap. G. 20, 35); Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb (2 Cor. 9, 7); Wer Pech angreift, besudelt sich (Sirach, 13, 1); Nichts Nenes unter der Sonne (Pred. Sal. 1, 9); Des Guten soll man nicht zu viel thun (ib. nach 7, 17); Das Licht unter den Scheffel stellen (Matth. 5, 15); u. d. m.?

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