Obrazy na stronie
PDF
ePub

Lähmt er die Sprache

Und bringt zum Schweigen. Und nicht minder anmuthig antworten auf die (alliterirende) Räthselfrage Simsons (Jud. XIV, 14):

מֵהָאֹכֵל יָצָא מַאֲכָל וּמֵעַז יָצָא מָתוֹק

die jungen Philister wieder mit einer Frage, aus welcher zu rathen ist, dass ihnen die Lösung geglückt ist (1. C.. 18):

מַה־מָתוֹק מִדְּבַשׁ וּמֶה עַז מֵאַרִי

Das Räthsel wird ja auch zuweilen erst mit der Lösung ein Witzwort, wie bei den Fragen der 26ten Makame des Hariri. Rückert übersetzt z. B.: „Mag uns ein Einsichtiger zum Iman taugen? Nein, er soll sehn auf beiden Augen.“ „Darf Iman sein, wer irgend einen Flecken hat? Ja, oder ein Dorf oder eine Stadt.“ Volksräthsel scherzen wohl auch mit der Aufgabe selbst die Lösung herbei, wie etwa im „Räthselgespräch“ bei Simrock (Dtsch. Volksb. Bd. IX, p. 388):

A. Rath einmal, wie viel Eier ich im Korb habe? Wenn du es räthst, geb' ich sie dir alle zwölfe.

B. Hast wobl sieben? A. Nein.
B. Hast wohl acht? A. Neid.

B. Hast wohl gar ein Dutzend ? A. Das hat dir der Teufel gesagt.

Warum soll überhaupt die Darstellung nicht Aufgabe und Lösung in denselben Rahmen fassen, wie etwa in Rückert's (Ged.) „Die Räthsel der Elfen“. Da heisst es z. B.:

,, Wo quillt die Thrän aus härtester Brust?

Der Quell im Fels ist mir wohl bewusst.“ Wir haben es an dieser Stelle nur mit den Laut- und Worträthseln zn thun; den Sprachbildern der zweiten Abtheilung entsprechen weiter die Sinnräthsel, denen der dritten die allegorischen Räthsel, wobei indess zu bemerken ist, dass wegen der Mannigfaltigkeit der Einkleidungen viele Räthsel zugleich mehrere dieser Grundformen an sich aufweisen, dass aber die Rubrizirung sich danach zu richten hat, ob die Lösung sich ergiebt aus einer Behandlung der lautlichen Elemente des Wortes, also aus einem Hören; oder ob sie gefunden wird durch Combinationen, welche sich auf die Bedeutung der Worte stützen, die demnach beruhen auf einem Wissen; oder ob sie erfolgt, wenn

wir

für eine bildliche Darstellung der eigentliche Vorgang gefunden wird, auf den sie zu übertragen ist. In den wenigen Worten: ,, Quam mater genuit, generavit filia matrem. (Glacies.)“ hat man z. B. Allegorie nach der bildlichen Bezeichnung des Vorgangs, kann auch ein Lauträthsel finden nach dem Lautspiel: „mater genuit, generavit matrem“, wird aber, da die Lösung weder durch die Allegorie genügend gesichert sein würde (man könnte z. B. Nacht, Frucht, Schnee, Sünde rathen), noch irgendwie aus dem Wortspiel hervorgeht, vielmehr abhängt von einem bestimmten Wissen, ein Sinpräthsel zu erkennen haben, welchem freilich die allegorische Fassung nicht zum Vortheil gereicht.

Unter den Räthseln dieser ersten Abtheilung unterscheiden

entsprechend unserer Eintheilung der Wortspiele in Wortwitze und Witzworte das Worträthsel, dessen Lösung durch Hinweis auf die mit dem Wechsel der Laute wechselnde Bedeutung angedeutet wird, und das Räthselwort, welches mit den verschiedenen an denselben Laut geknüpften Bedeutungen spielt.

Das Worträthsel meist mit dem (von Späteren berrührenden) terminus Logogryph bezeichnet, stellt entweder a. das Vertauschen von Lauten zur Beachtung (wie z. B. bei Last, List, Lust), oder b. ein Zusetzen (wie z. B. bei Eis, Reis, Greis), oder c. ein Abwerfen (wie bei Schleier – Leier - Eier). Erfolgt d. die Lösung durch Umstellung von Buchstaben (wie: Eros — Rose), so bat man dies auch wohl Anagramm genannt, und e. Palindrom, wenn durch diese Umstellung die ganze Folge der Buchstaben umgekehrt wird (wie: Eber - Rebe), wobei das Wort auch unverändert bleiben kann (wie z. B. bei , stets.“) Beispiele (Haug):

a. Mit A beschwerlich,

Mit I gefährlich,
Mit U begehrlich,
Mit A so drückend,
Mit I berückend,

Mit U entzückend.
b. Was vorher flüssig, nun versteinert ist,

Wird euch ein kleines Wörtchen nennen,
Setzt vorn ein Zeichen noch dazu, so müsst

[graphic]
[ocr errors][ocr errors]

Die Hoffnung künft'ger Früchte ihr erkennen.
Wollt noch ein Zeichen ihr damit vereinen,

So wird des Lebens Winter euch erscheinen. c. (Körner):

Mein Ganzes webt sich mit stillem Verlangen
So innig um rosige Mädchenwangen.
Drei Zeichen hinweg, und der Phantasie
Des Sängers vermähl' ich die Harmonie.
Ein Zeichen hinweg noch, und Leben entquillt,

Wenn keimend die Kraft mir im Innern schwillt. d. (Körner):

Wenn Frühlings-Wonne neu geboren,
Des Herzens tiefsten Sinn entzückt,
Steh' ich vom Wechseltanz der Horen
Als Blumenkönigin geschmückt.
Und schöne Mädchen winden mich zu Kränzen,
Als Schmuck auf ihrer Locken Gold zu glänzen.
Wird vorgesetzt das letzte Zeichen,
Als Götterknaben schaust du mich;
Zeus muss sich meinem Willen beugen,
Ich quäle, ich beglücke dich;
Aus meinen Händen fallen dir die Loose,

Doch ohne Dornen reich' ich keine Rose. e. (Körner): Schreckt euch meine Gestalt? hat mich ein Gott doch ge

würdigt, Schloss in die hässliche Form seine Unsterblichkeit ein. Rache färbte sein Herz, er lechzt nach dem Blute des Knaben, Und der Phrygier sank grausend ein Opfer der Wath. Rückwärts lese die Zeichen, dann nimm die blinkende Schaale, Drücke zum Purpur mich, schlürfe den göttlichen Saft, Und umwinde die Schläfe mit Epheu dir und mit Rosen:

Evoe! tönt es ringsum, Bakchus, unsterblicher Gott! e. Nimmer verändert es sich, selbst rückwärts bleibt es ein

vorwärts; Was man dem Worte verband, trotzet dem Sturme der Zeit.

In der Griechischen Anthologie XIV, 105 findet sich z. B.

ein Logogryph, beruhend auf Abwerfen von Buchstaben: tous, ous, us, s (Zahlzeichen für 200):

Είμαι χαλιαίζηλον ζώων μέρος: ήν δ' αφέλης χιου
γράμιλια χιόνον, κεφαλής γίνομαι άλλο μέρος.
ήν δ' έτερον, ζώον πάλιν έσσομαι' ήν δε και άλλο,

ου μόνον εύρήσεις, αλλά διηκόσια. Auf einer Hinzufügung (irugós tuggos; ist Zablzeichen für 100) beruht (l. c. XIV, 20):

Εί πυρός αιθομένου μέσσης εκατοντάδα θείης,

παρθένου ευρήσεις υιέα και φονέα.
Lateinische Logogryphe (J. C. Scaliger):
Tolle caput, simile aetati tum tempus habebis.

(Puer. Ver.)
Deme fero galeam, reteget placabilis artem.

(Mars. Ars.)
Auch: Quinque cibant; quatuor volant; tres stant.

(Dapes. Apes. Pes.) Logogryph wird man auch zu nennen haben, wenn es sich für die Lösung nicht bloss um Einen Buchstaben handelt, sondern um mebrere, sofern nur diese nicht für sich einen besonderen Sinn tragen, wie bei Rückert (Mak. d. Har. 19):

Höher wird's nicht, aber edler,
Wenn ihr setzet Ho davor.
Doch das Ho war dran von Ursprung,
Bis sich's durch Gebrauch verlor.

(Ho-Spital). oder in den bekannten: There is a word in the English language, the two first lettres of which signify a male, the three first a female, the four first a great man, and the whole a great woman. (He-r-o-ine); und: Si caput est, currit: ventrem conjunge, volabit; Adde pedes, comedes; et sine ventre, bibes.

(Mus. Musca. Muscatum. Mustum.)*)

[graphic]

Das Räthselwort wird vielfach mit dem terminus , Homonym“ bezeichnet. Der Art sind z. B. die Fragen bei Rückert (Mak. 26): Soll ich falsch Zeugniss ablegen? - Ja wohl, alles Böse sollst du ablegen. Ist es gut, den Schein einer Schuld zu tragen? Ja wohl, um sie einzuklagen. Darf ich meine Ammer würgen? Du darfst nicht deine Amm' erwürgen. Santé n'est pas santé, mais maladie est santé. (Sans t). Ausgefübrter (Rückert):

Sieh' welch ein dreister Mit Süd umglüht er,
Und weitgereister!

Mit Nord umeist er.
Mit Vögeln fliegt er,

Bald rührt und schmelzt er,
Mit Schiffen kreist er Bald scherzt und beisst er;
Sodann beschreibend Mit Wundern spielt er,
Die Welt dir weist er,

Mit Räthseln speist er.
Wenn auf den Blättern Er schafft Gestalten
Ihn lenkt ein Meister. Und wecket Geister
Den Westen kennt er, Wenn eure wach sind,
Den Osten preist er;

So sagt wie heisst er?

(Kiel.) In der Anthol. gr. (XIV, 109) wird so mit dem Doppelsinn von xoon, Jungfrau und Pupille, gescherzt über das Auge des Polyphem:

'Εν πυρί κοιμιηθείσα κόρη δανεν· ο προδότης δε
οίνος, υφ' ου δε θανεν, Παλλάδος ήν στέλεχος
ο κτείνας ναυηγός· ένα ζώοντι δε τύριβω
κείται μεριφοριένη τας Βρομίου χάριτας. .
Παλλάς και Βρόμικός τε και ο κλυτος Αλιφιγυήσεις,

οι τρεις την πιούνην παρθένον ηφάνισαν. . Ebenda (XIV, 18.) heisst es:

Buchstaben, um mittelst derselben ein oder mehrere Wörter zu errathen, sondern mit den Buchstaben selbst müssen allerhand Künste der Punktirung und Nicht punktirung, der Umkehrung und Verwandlung vorgenommen werden, bis das Wort herausgefunden wird. Wir bekennen, dass die meisten dieser Logogrypbe uns unverständlich geblieben sind, und legen dieses Bekenntniss mit so weniger Scheu ab, als selbst Dewletschah, der Biograph der persischen Dichter, von diesen Künsteleien nichts zu verstehen bekennt.“

« PoprzedniaDalej »