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auf einander abgeleitet wird, wie wenn man sagt: das ist eine „Lügende“, benutzend die Aehnlichkeit der Laute von „Lüge“ und „Leg“ in „Legende“; und weiter darin, dass er uns unvermuthet erinnert, wie sich verschiedene Bedeutungen an denselben Laut gebunden finden, wie wenn man sagt: seine Frau ist ihm „theuer“, (oder sie ist ihm „kostbar“) d. h. sie kostet ihm viel. Die Wortspiele der ersteren Art wollen wir Wortwitze nennen; die der zweiten: Witzworte. Wir besprachen oben die Wortwitze im Dienste der Rede als Parechesen und Paronomasieen (Bd. II, 1, 157; 160 sq.), oder als Paragrammatismos (ib. p. 232), die Witzworte als Amphibolie (ib. p. 239 sq.).

Aehnlichen Klang von sinnverschiedenen Wörtern benutzt z. B. Lichtenberg (Verm. Schr. Bd. II, p. 376) zu dem Wortwitz: „Wenn man seinen Stammbaum und die hoffnungsvolle Jugend ansah, so musste man gestehen, dass die Familie ein wahrhaftes perpetuum nobile wäre;“ (umgekehrt nennt bei Cic. (de or. II, 63) Cato den M. Fulvius Nobilior : Mobilior) ebenso (ib. p. 378): „Eine Ausgabe auf papier velin und eine auf papier vilain;“ auch (ib. p. 369): „Der Pastor baut den Acker Gottes, und der Arzt den Gottesacker.“ Ein Lieblingsspruch Schopenhauers: „Obit anus, abit onus“; Jemand, der, weil er Schläge bekommen, sich nicht rechtzeitig eingefunden, wurde damit entschuldigt, er sei verhintert worden; Sich nach der Decke strecken, um sich eine Strecke zu decken; dem créancier, der dem débiteur zurief: mille écus; antwortete dieser: mille excuses; den berühmten Schafzüchter Thaer nannte Jemand den deutschen Woll-Thaer; im Mittelalter hiess es: Germanis vivere est bibere; Haug (Stachelreime):

Valut, der Prediger,
Schof in der Furcht des Herrn
Sein Häuflein Gläubiger
Zu seinen Gläubigern.

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Morgens rühmt der Freunde Kreis,
Potor sagt nicht, was er weiss,
Ach, und Abends wird geklagt:
Potor weiss nieht, was er sagt.

Rückert (Ged. V, p. 319):

,,Ich kos't im Kosegarten,
Schon matt von Matthison.“ und (p. 329):
„O du schmählich halb vergessner,

Unvergesslich mir, o Gessner.“
Ferner (IV, 39, 4):

„Ein muth’ger Will' ist gut, noch besser will’ger Muth

Doch Willmuth und Muth will' ist eine böse Brut.“ Es klingt kurz und gut, wenn Abraham a Sancta Clara sagt: „Dermalen gilt Argentum mehr als Argumentum,“ aber possenhaft und ermüdend wirken auch hier die Häufungen, wie z. B. in seiner Lektion für liederliche Kriegsknechte: „Fort mit den Soldaten, die mehr vom Muskateller als von der Musketen halten, die lieber umspringen mit der Sabiel als mit dem Sabel, die lieber haben das Zechbaus als das Zeughaus, die sich mehr kümmern um Rummel als um die Trummel, mebr um den Tantz als um die Schantz. Ich frag euch Höllbraten, seid ihr Landsleut aus dem Himmel – oder Lümmelreich? Eure Courage besteht im Krug, nicht im Krieg; euch kömmt das Saufen leichter an als das Laufen" n. S. f.

Die Witzworte, welche auf der mehrfachen Bedeutung desselben Wortlautes beruhen, auf Doppelsinn, erscheinen im Allgemeinen feiner. Die Calembours der Franzosen *) sind meist dieser Art. Nach der Rückkehr Louis XVIII. im Jahre 1815 sagte man in Paris: Nous sommes en état de payer de grandes contributions, parceque nous avons un gros revenu.

Den Mr. de Bièvre bat Louis XVI um ein Calembour: „Sur quel sujet Votre majesté le désire-t-elle“? – Sur moi, sagte der König. „Mais, Sire, un roi n'est pas un sujet.“ – Beissend Salvandy bei V. Hugo's Aufnahme in die Akademie: Monsieur, vous avez introduit en France l’art scénique (l'arsenic). Ruge (Vorsch. zur Aesth. p. 153) erzählt, wie einem Offizier wegen ungeziemen

*) Veber „Cale'mbour“ sagt Littré (dictionn.): „Jeu de mots fondé sur des mots se ressemblant par le son, différant par le sens, comme quand M. de Bièvre disait que le temps était bon à mettrs en cage, c'est-à-dire serein (serin). D'après Chasles (Études sur l'Allemagne, 1854) l'origine de ce mot est le nom de l'abbé de Calemberg, personnage plaisant de contes allemands. Au XVI° siècle, les calembours se nommaient équivoques."

den Benehmens die Thür gewiesen wurde, und, als er sich darauf berufen, dass er Offizier sei, geantwortet: „Gemeiner konnten Sie nicht sein, das habe ich wohl gesehen.“ - Lichtenberg (Verm. Schr. Bd. I, p. 331): „Es wäre vielleicht gut, wenn Redner sich Einen hohen Absatz am Schuh machen liessen, um im Fall der Noth sich auf einmal viel grösser zu machen. Diese Figur müsste, zur rechten Zeit gebraucht, von unglaublicher Wirkung sein.“ (ib. p. 365): „Wie geht's? “ fragte ein Blinder einen Lahmen. Wie Sie sehen,“u antwortete der Lahme, ,,ganz passabel.“Diogen. Laert. (VI, 49) erzählt vom Diogenes: Ιδών ποτε Ολυμπιονίκης πρόβατα έλιοντα, ταχέως, είπεν, ω βέλτιστε, μετέβης από των Ολυμπίων επί τα Νέμεα. Cicero (de or. II, 64): „Ridicule etiam illud L. Porcius Nasica censori Catoni, cum ille: „Ex tui animi sententia tu uxorem habes ? „Non hercule, inquit, ex mei animi sententia.“ Haug (Stachelreime):

Du flogst ja Hymens Tempel zu
Jetzt ringest du die Hände:
Zu welchem Ende freitest du?

„Ach Gott! Zu meinem Ende.“ Rückert (Ged. I, 29):

Die Einheit nur ist viel, und wenig ist die Menge.
Das All und Eine hat ein Wesen im Allein;
Das Allgemeine selbst ist ohne All gemein.

Wenn nun durch die im Vorhergehenden erwähnten Lautspiele und Wortspiele ein Gefälliges, Ueberraschendes, Witziges geboten wird, leicht anzuhören immerhin und doch nicht obne Geschick und Talent, oft auch nicht ohne lange Bemühung zu beschaffen, so liegt nahe, dass man zur Mittheilung von Dergleichen auch auf eine Form verfiel, welche das zu eigener Genugthuung Gefundene den Anderen nicht sofort preissgab, namentlich etwa, wenn es erst weiteren Sinnens bedurft hatte, dass es nach Wunsch zu Stande kam. Man brachte also das Gefundene in solche Form, dass gerade die Schwierigkeiten der Auffindung, über welche nur der glückliche Einfall in einem Augenblick hinweghilft, hervortreten, und begnügte sich, durch Andeutungen den Anderen das nochmalige Finden zu ermöglichen. Dies ist die Form des Räthsels. Bemerkungen also z. B. der

Art: Vögel und Sänger singen vom Blatt; ein Häring ist eine Art Ring, die Eintracht eine Art Tracht; kurz wird durch Verlängerung kürzer; Miniaturmaler verkleinern ihre Nebenmenschen absichtlich – werden zu Räthselfragen: Wer sind die besten Sänger? Welcher Ring ist essbar? Welche Tracht ist die beste? Welches Wort wird kürzer, wenn man ihm eine Sylbe hinzufügt? Wer verkleinert absichtlich seine Nebenmenschen? So benutzt Sosias in den „Wespen“ des Aristophanes (15 sq.) den Doppelsinn von dơnis (Schlange und Schild) in Xanthias Rede sofort: ουδέν άφα γρίφου διαφέρει Κλεώνυμιος cet. Zur Bildung eines Räthsels.

Zur Würdigung des Reizes, welchen ein so zierliches Kunstwerk, wie das Räthsel, immerhin bietet, gehört behagliche Stimmung, wie sie sich unsere Zeit, der es immer an Zeit fehlt, nicht oft zu verschaffen weiss. Kaum noch ist es den Kindern gegönnt, sich am Suchen und Finden der Lösungen zu erfreuen, zu staunen über wunderliche Verschlingung und neckische Trennung von Laut und Begriff, im Spiele zu erproben die „animorum incredibiles motus celeritatemque ingeniorum“ (Cic. Arch. 8). Es hat eben Alles seine Zeit, aber auch für die fortschrittsbeflügelten Europäer wäre es so übel nicht, wenn sie zuweilen nach dem Drängen und Wühlen des Tages wie Abends die Beduinen vor ihren Zelten - ein heiteres Gespräch um seiner selbst willen zu führen Kraft und Lust behielten. Da fände sich zum Uebermuth des Wortwitzes, zum scherzenden Doppelsinn als natürlicher Begleiter auch das Räthsel. Und dies muss ja überhaupt bei Beurtheilung solcher Spiele festgehalten werden, dass Sprachkunst im Wesentlichen auch Sprechkunst ist, dass ihr Schaffen seiner Natur nach Improvisation, ihr Genuss ein momentaner ist. Sobald diese Sprachbilder literarisch auftreten, laufen sie Gefahr, in blosse Bravour der Technik, in alberne Kunststücke auszuwachsen. Auch ist zu erinnern, dass bei dem Vortrag des Räthsels der Reiz des Suchens nicht geschmacklos gedehnt werde bis zur Ermüdung. Eine Pause zwischen Stellung der Aufgabe und deren Lösung gebietet sich von selbst, aber diese muss hinzagefügt werden, sobald jene in ibrer Eigenthümlichkeit vom Hörer genügend begriffen ist. Das Lösen soll nicht Arbeit für sich werden, sondern der Aufgabe sich anreihen, denn erst mit

dem Räthselwort ist das Räthsel vollständig vorhanden und in seiner zierlichen Schönheit zu verstehen. Göthe (Alexis und Dora) schildert anmuthig:

So legt der Dichter ein Räthsel
Künstlich mit Worten verschränkt, oft der Versammlung

in's Ohr,
Jeden freuet die seltne, der zierlichen Bilder Verknüpfung,
Aber noch fehlet das Wort, das die Bedeutung verwahrt.
Ist es endlich entdeckt, dann heitert sich jedes Gemüth auf,

Und erblickt im Gedicht doppelt erfreulichen Sinn.“ So webt sich bei Plutarch (Sept. Sap. Conv. 10.) ein Räthsel der Eumetis oder Cleobulene (die, wie Thales (ib. 3) sagt: touτους (τοίς αινίγμασι) ώσπερ αστραγάλους, όταν τύχη, παίζουσα χρήται, και διαβάλλεται προς τους εντυγχάνοντας) im Gesprich recht artig an die absprechende Aeusserung des Cleodemus, für verständige Männer sei es lächerlich, Räthsel zu lösen, indem Aesop antwortet: ου γελοιότερον ούν το ιη δύνασθαι ταύτα διαλύειν, οιόν εστιας, και μικρόν έμπροσθεν ημίν του δείπνου προύβαλεν (Eumetis): "Ανδρ' είδον πυρί χαλκός επ' ανέρι κολλήσαντα. τί τούτ' έστιν, έχoις αν ειπείν ; Der grobe Mann sagt nur: αλλ' ουδε ιαθείν δέοιιαι, Worauf Aesop die neckende Beziehung auf jenen zeigt: και μήν ουδείς, έφη, σου τούτο μάλλον οίδεν, ουδε ποιεί βέλτιον· ει δ' αρνη, διάρτυρας έχω σικυωνίας, και μεν ουν Κλεόδημιος εγέλασε και γας έχρητο μάλιστα ταις σικυωνίαις των καθ' αυτόν ιατρών. Gefällig antwortet auf Odhins Räthselfrage:

Ich möchte nur haben
Was gestern ich hatte;
Weisst du, was es ist?
Es löset die Zunge,
Es lähmt die Sprache

Und bringt zum Schweigen. ein Sinnspruch (Schwedische Volkssagen, übers. von Ungewitter, cf. Simrock, Dtsch. Myth. p. 436):

Reichet dar ihm
Den guten Trank!
Er löset die Zunge;
Aber im Uebermaass

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