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und nicht immer, wie dies z. B. die Geschichte der Fabel zeigt, ist ihr solche Anlehnung an die Darstellungsform der Poesie von Vortheil gewesen.

Wir geben einige Beispiele solcher Volkslieder, welche wir der Sprachkunst zurechnen. Da ist etwa das weit verbreitete Maikäferliedchen zu nennen, welches bei Bucher (Bilder aus der Fremde, Bd. I, p. 377) lautet:

Maikäfer fliege!
Vater ist im Kriege;
Mutter ist in Pommerland;

Pommerland ist abgebrannt. in England mit derselben Melodie:

Lady-bird fly!
Your horse is on fire,

Your children must roam.
Ein Sinn ist hier nur soweit vorhanden, dass er den Tönen ein
Colorit mittheilt, wie etwa ein musikalisches Instrument durch
seine Klangfarbe. Ebenso bekannt ist, wenn das Kind auf dem
Knie reitet, das Lied (Dichtung. aus der Kinderw. p. 14.):

Schacke, Schacke, Reiterpferd!
Das Pferd ist nicht drei Heller werth.
Wenn die Kinder klein sind,
Reit'n sie auf den Stöcken 'rum;
Wenn sie aber grösser werden,
Reit'n sie auf den Hottopferden.
Geht das Pferdchen tripp trapp,
Geht das Pferdchen schick, schack,

Fall'n die Kinder all' herab.
In Paris hörte Bucher (1. c.):

Une, deux, trois,
Du bois;
Quatre, cinq, six;
Des cerises.
Le roi vous demande
Pour aller en France,
Pour manger du pain béni
Dans les mains de Jésus Christ.
Pompon d'or,
La plus belle sera dehors.

Von jüngerem Datum:

Belle pomme d'or
De la république.
C'est un roi qui vous fait enfans.
Allons mes amis !
La guerre est finie.
Belle pomme d'or
De la république;
Belle pomme d'or,

,
Sortirez dehors. und :
Une poule sur un mur
Qui picotte du pain dur,
Picoti, Picota,

Lève ta queue et puis t'en va! (Vieles der Art bei Simrock: „Das deutsche Kinderbuch.“ (Deutsche Volksb. Bd. IX.)) Aehnlich bei den Griechen etwa das Lied mahlender Weiber (Plut. Conviv. Sept. sap. XIV):

"Αλει διύλα αλει.
και γαρ Πιττακός άλει,

μεγάλας Μιτυλάνας βασιλεύων. und gewiss nach Art der gebräuchlichen Hochzeitlieder bei Aristoph. (Pax, 1332):

Υλιών Υμέναι και
Υιήν Υμέναι ω.
Τί δράσομεν αυτήν:
Τί δράσολιεν αυτήν;
Τρυγήσολιεν αυτήν,
Τρυγήσομεν αυτήν.
'Αλλ' αράλιενοι φέρωριεν
Τον νυμφίον ωνδρες.
Υμην Υμέναιω,

Υλιών Υλιέναι' ω.
Auch viele Skolien waren dieser Art, wie etwa (Anth. lyr. ed.
Bergk p. 530):

Σύν μοι πίνε, συνήβα, συνέρα, συστεφανηφόρει

Σύν μοι μαινομιένη μαίνεο, συν σωφρονι σωφρόνει. Beim Erzählen werden Worte, welche für die Vorgänge entscheidend sind, nicht selten durch Rhythmus oder Gleichklang her

vorgehoben, und auf diesen Wortlaut gründen sich dann Hauptund Wendepunkte z. B. in vielen Märchen. So spricht (bei Grimm, Kinder- und Hausmärchen) in dem Märchen „Von dem Fischer un syner Fru“ ,der Mann“ eine Art Zauberformel, um ,,de Butt“ zum Schenken zu bringen:

Manntje, Manntje, Timpe te,
Buttje, Buttje in der See,
myne Fru de Ilsebill

will nich so as ik wol will. Im „Aschenputtel“ singen die Tauben:

rucke di guck, rucke di gack,
Blut ist im Schuck,
der Schuck ist zu klein,

die rechte Braut sitzt noch daheim. oder (1. c. Bd. III, p. 36) der Hund bellt:

wu, wu, wu!
Schuh voll Blut! und:
hau, hau, hau, hau,

mein Herr hat nicht die rechte Frau. In „Frau Holle“ ruft der Hahn:

„Kikeriki, Unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.“ und dann spottend: Kikeriki,

Unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.“ Scherzend im Eisenofen“:

„Da kam eine Maus,

Das Märchen war aus.“ a. d. m. Manches Märchen mag auf Anlass eines schon vorhandenen Sprachreims didaktischer Art erfunden sein; so wohl: „Spindel, Weberschiffchen und Nadel“ mit den Versen:

Spindel, Spindel, gehe ans,

bring den Freier zu Haus.
Schiffchen, Schiffchen, webe fein,

führ den Freier mir herein.
Nadel, Nadel, spitz und fein,

Mach das Haus dem Freier rein. Zuweilen wurde auch wohl zu einer älteren Melodie ein Lied gefertigt, dessen Worte sich nur dadurch erklären, dass sie jene

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zulassen. Einen Spottvers aus dem Paderbörnischen führt Grimm (1. c. Th. III, p. 221) an:

O hilge sünte Anne,
help mie doch bald tom Manne!
0 hilge sünte Viet,

et is jetz die hogeste Tied!
Ebenso (1. c. p. 199) zu „Die sieben Schwaben“:

Veitla, gang du voran,
denn du hast Stiefel an,

dass er dich nit beissen kann.“ Bekannt ist das spöttische Marschlied:

„Immer langsam voran, immer langsam voran,

Dass die östreich'sche Landwehr nachkommen kann“ mit seinen zu improvisirenden Fortsetzungen; ähnlich werden die sogenannten Leberreime nach Gelegenheit verwendet (über sie vd. Gervinus Gesch. d. dtsch. D. III, p. 313); viele Spottverse wurden auf gewisse Beschäftigungen gemacht, so auf die Leineweber:

Die Leineweber haben eine saubere Zunft
Harum ditscharum fupp fupp fupp.
Mitfasten halten sie Zusammenkunft
Harum ditscharum fupp fupp fupp.
Aschgraue, dunkelblaue, mir ein Viertel, dir ein Viertel,
Fein oder grob, Geld giebts doch, harum ditscharum fupp

fupp fupp U. 8. f.; auf die Schneider u. a. m. (cf. Simrock dtsch. Volksb. Bd. VIII, No. 280, 281, 286, 287, 290, 291 u. a. m. Auch Göthe hat im Volkston eine „Schneider-Courage“.) Von Leberreimen einige Beispiele aus , G. Lederer, Aus alten Tröstern“ (Westermann's Illustr. Monatsh. No. 207):

Die Leber ist vom Hecht und nicht von einer Dohlen,
Man will die Redekunst aus tausend Büchern holen.
Die edle Schweigekunst, die aller Ehren werth,
Wird kaum mit einem Blatt in aller Welt beehrt.
Die Leber ist vom Hecht und nicht von einem Finken,

Mein Nachbar wischt das Maul, ich will anjetzo trinken.
Die Leber ist vom Kalb und nicht vom Kater,

Ultra posse nemo obligatur.

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Scherzend ist auch das Lautspiel bei Musaeus (Volksm. 5, 130): „Wie heissest Du? Springinsfeld grüsst mich die Welt, Ehrenwerth heisst mein Schwert, Zeitvertreib nennt sich mein Weib, Spätestagt ruft sie die Magd, Schlechtundrecht nennt sich der Knecht, Sausewind tauft ich mein Kind, Knochenfaul schalt ich den Gaul, Sporenklang heisst sein Gang, Höllenschlund lock ich den Hund, Wettermann kräht mein Hahn, Hupfinsstroh heisst mein Floh. Nun kennst du mich mit Weib und Kind und allem meinen Hausgesind.“ Vielerlei der Art bringt Simrock (l. c. p. 308 sq.), wie z. B.:

Ick will die vertellen
Vun de Pimpernellen,
Vun de junge smucke Brut;

Nu is min Vertellen ut.
Naiver Art sind wohl ursprünglich auch jene Lautspiele, welche
durch Häufung harter oder leicht zu verwechselnder Laute das
Aussprechen scherzend erschweren, wie bei Simrock (l. c. p. 310):

Es war einmal ein schwarzer kurzer runder bunter Mann,
Der hatte schwarze kurze runde bunte Hosen an.
Er war umgürt mit einem schwarzen kurzen runden bunten

Schwert
Und sass auf einem schwarzen kurzen runden bunten Pferd.
Er ritt durch die schwarzen kurzen runden bunten Strassen,

Wo die schwarzen kurzen runden bunten Kinder sassen. 1. s. f. – Daraus entstanden dann Aufgaben zum Geschwindsprechen, wie: Fritz frisst frische Fische. - Der Sperber sprach, was machst du Wachtel? Was fragst du, Sperber, sprach die Wachtel.

Du pain sec et de fromage
C'est bien peu pour déjeuner.
On me donnera, je gage,
Autre chose à mon dîner:
Car Didon dîna, dit-on,

Du dos d'un dodu dindon. - Poisson sans boisson
est poison.
Thirty three thousand thistles thrice thrust through thy throat. —
Chichester church lies in Chichester church-yard.

Health without wealth is better than wealth without health. So zweifellos es

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