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tung des Sinnes zurücktritt. Der Sinn ist nämlich entweder, wenn er nicht geradezu feblt, für sie doch von ganz geringem Werthe, oder er erscheint als ein bloss zufälliges, weil aus der Laune der Lautcombination hervorgehendes Ergebniss, oder es wendet sich das Spiel der Klänge und Rhythmen gegen ihn mit einem gewissermassen ironischen Verhalten zur Sprache und stört oder vernichtet ihn absichtlich. Der logische Verstand kann Dergleichen, worin er eine Verkehrung sieht von Mittel und Zweck, nur missbilligen, und es ergiebt sich hieraus die Sphäre, in welcher diese Laut- und Wortspiele sich halten. Wir begegnen ihnen in der Kinderzeit der Menschen und der Völker, welche den Ernst des Verstandes noch zu wenig kennt oder ehrt, und wir finden sie, weil ihnen an sich schon der Contrast innewohnt, in Zeiten fortgeschrittener Kultur benutzt zum heiteren Spiel, zum Scherz und zur Komik.

Wir erinnern in Bezug auf den Geschmack, welchen wir als Kinder an solchen Spielen nicht bloss naiver Weise finden, sondern als kultivirte Kinder auch schon mit einigem Bewusstsein bethätigen, an einige Mittheilungen Göthe's (Aus meinem Leben): „Die Grammatik missfiel mir: und wäre nicht der gereimte angehende Lateiner gewesen, so hätte es schlimm mit mir ausgesebn; doch diesen trommelte und sang ich mir gern vor. So hatten wir auch eine Geographie in solchen Gedächtnissversen, wo uns die abgeschmacktesten Reime das Zubehaltende am besten einprägten, z. B. Ober-Yssel, viel Morast Macht das gute Land verhasst.“ Göthe erzählt, welche Erbauung Klopstock's Messias (, bei dem man sich im Anfang gewundert, wie ein so vortrefflicher Mann so wunderlich heissen könne“) für ihn und seine Schwester gegeben, wie sie Satan und Adramelech sich zu eigen gemacht, und wie „die wechselseitigen, zwar grässlichen aber doch wohlklingenden Verwünschungen ihnen nur so vom Munde geflossen und wie sie jede Gelegenheit ergriffen, sich mit diesen höllischen Redensarten zu begrüssen.“ An einer anderen Stelle heisst es: „Es lässt sich bemerken, dass Knaben, denen ja doch Alles zum Scherze dienen muss, sich am Schalle der Worte, am Falle der Sylben ergötzen und durch eine Art von parodistischem Muthwillen den tiefen Gehalt des edelsten Werkes zerstören.“ – Die naiven Lautspiele der Völker, schwer

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mit Bestimmtheit für die ersten Zeiten nachzuweisen, sind aus Ammenmunde, von Dreschern, Ruderern u. A. doch immer zu hören. Wie sehr hierbei der Sinn dem Klange untergeordnet vorzustellen ist, bezeugt z. B. Welcker (Allgem. Schulzeit. 1830. Abth. II, 2. p. 24) in Bezug auf das uralte, schwermüthige Linoslied der Griechen. Seine Ansicht giebt Koester (de cantilen. popular. vet. Graec. Berl. 1831. p. 23): „Welckerus linum cantilenam, quam a saltatoribus, a convivis et vindemiatoribus cantata sit, perpauca verba tantum exclamationibus intermixtis, neque ullam, neque mythi narrationem, nec lyricam rei amplificationem continuisse statuit, et alio loco ipsum Lini nomen nihil aliud significasse affirmat, quam lugendi quandam ejulationem, et comparat Aegyptiorum lulululu, Graecorum alala, ololy et eleleu, Romanorum ululo, lugere et lessus, Germanorum Leid et Bascorum lelo, quod aeque atque Linus exclamatio est et nomen proprium (W. v. Humboldt Mithridat. t. IV, p. 353) quo efficiatur, ut Linus juvenis, si mythica posteriorum temporum inventa missa feceris, universe de juvene misero (Der Jüngling des Ach’s) accipiendus sit.“ Gervinus (Gesch. der dtsch. Dicht. Bd. I, p. 17) sagt: „Jene Art von Poesie, welche der ungekünstelte rauhe oder weiche Ausdruck heftiger oder sanfter Gefühle und Leidenschaften, oder des Lobes und Spottes auf öffentliche Handlungen ist, verschmäht nicht leicht irgend einen Raum der Erde; sie findet sich bei den Negern der Tropenklimate, wie bei den Kamtschadalen.“ Diese Art von Dichtung reicht endlich auch bis in die entferntesten Zeiten hinauf, denn es ist schwerlich ein Zweifel, dass nicht die ersten Menschen bald den Gesang mit rhythmischem Falle der Worte oder mit ebenmässiger Bewegung der Füsse begleiteten.“ Als Beleg für eine Ueberwucherung solcher Lautspiele in Zeiten der Cultur folge noch eine Stelle aus J. v. Hammer (Geschichte der schönen Redekünste Persiens; p. 33): „In den Wortund Buchstabenkünsteleien, welchen auch in Lehrbüchern der persischen Poetik ihre Stelle angewiesen ist, übertreffen die Orientalen alle Akrostichen- und Anagrammenschmiede des Occidents bei weitem. Verse, die aus lauter Buchstaben mit oder ohne Punkten bestehn, die alle mit demselben Buchstaben anfangen oder enden, die symmetrisch mit gleicher Buchstabenzahl ins II 2.

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Viereck, in die Runde, oder in andere Figuren geschrieben werden können, die sich vorwärts und zurück, hinauf und herab, und in Kreuz und Quere lesen lassen, gehören unter die Kunststücke der persischen Poesie.“ ,,Minder tadelnswerth sind die Chronographen, die Räthsel und Logogryphen, die sich auch im Occidente noch am Leben erhalten haben, aber hier nie zu solchem Ansehn gelangt sind, als im Oriente.“ Mehrere berühmte persische Dichter haben mit ganzen Bänden solcher Buchstabenkünsteleien Zeit und Mühe verloren. Die Räthsel- und Logogryphenkunde macht einen eigenen Zweig des dreihundertarmigen Baumes der orientalischen Encyclopädie bei Hadschi Chalfa aus, und sowohl Watwat, der persische, als Sururi, der türkische Boileau, führen dieselben in ihrer Poetik auf.“ –

Die Scheidung, welche mehr oder weniger deutlich bei allen Arten der selbstständigen Sprachbilder hervortritt, in naive Hervorbringungen, wie z. B. Kinderlieder, Sprüchwörter, und in literarische, wie z. B. Akrosticha, Gnomen, ist dieselbe, welche zur doppelten Behandlung der unselbstständigen Sprachkunstwerke nöthigt, einmal als der grammatischen Figuren und (naiven) Tropen, dann als der rhetorischen und ästhetischen Figuren. Man vergleiche hierzu das oben (Bd. I, p. 221 sq.) Gesagte, wonach im Allgemeinen festzuhalten ist, dass die Blüthe der Sprachkunst alternire mit jener der Dichtkunst, dass sie sich also vornehmlich zeige in den Zeiten der beginnenden Kultur und in jenen, welche von Gipfelpunkten der Poesie hinüberleiten in solche Zeiten, die vom Erworbenen zehren und als „prosaische“ gelten.

a) Die nalven Lautspiele. Abgesehen von den Spielen der Geberdensprache, welche mit rhythmischer Bewegung bei Völkern geringer Kultur ohne Beifügung von Lauten oder Worten allerhand Seelenmomente darstellen (cf. Arist. Poet. 1: autų tu guama MLPLOŰVTAL χωρίς αρμιονίας οι των ορχηστών, και γαρ ούτοι δια των σχηματιζομένων ρυθμών μιλιούνται και ήθη και πάθη και πράξεις), sind zuerst diejenigen Lautspiele zu erwähnen, welche entweder nur Laute verwenden oder sich doch der Worte nur als Laute bedienen. So singen z. B. die Kinder in Berlin bei dem sogenannten „Abzählen“:

Ene mene men
Ti tukken tukken ten
Karabutte, Karabutte
Witsch Watsch

Ab, dran !
in Bromberg: Enkla, menkla, zickla, zeh

Rutschma, putschma, ab!
Aus „ Dichtungen aus der Kinderwelt“ (Hamburg 1815):

Ine mine
Bucker, dine
Gerstenbrod
In der Noth!

Puff, paff, ab! Bei den Brüdern Grimm (Kinder- und Hausmärchen Bd. II, p. 289) wird erzählt: „Die Kinder liefen da herum, kriegten sich, und spielten Abzählens:

Enecke, Benecke, lat mi liewen,
will die ock min Vügelken giewen.
Vügelken sall mie Strau söken,
Strau will ich den Köseken giewen,
Köseken soll mi Melk giewen,
Melk will ick den Bäcker giewen,
Bäcker sall mie 'n Kocken backen,
Kocken will ick den Kätken giewen,
Kätken sall mie Müse fangen,
Müse will ick in'n Rauck hangen

un will se anschnien.“ Dabei standen sie in einem Kreis, und auf welchen nun das Wort „anschnien" fiel, der musste fortlaufen, und die andern liefen ihm nach und fingen ihn.“ Die Amme streichelt und kitzelt die innere Hand des Kindes, wobei sie sagt (Simrock, die deutschen Volksbücher Bd. IX, p. 78):

Thaler,
Maler,
Kühchen,
Kälbchen,
Schwänzchen,

Dideldideldänzchen.
Wenn das Kind allzuwissbegierig ist, beisst es (1. c. p. 94):

Warum?
Darum.
Warum denn darum ?
Um die Krümm herum.
Warum denn um die Krümm herum?

Weil der Weg nicht schnack ist. Das taktmässige Gesumme der Wiegenlieder bei den Griechen, von dem Sex t. Emp. spricht (adν. Μus. p. 363): νήπια γουν ειιελούς μινυφίσματος κατακούοντα κοιμίζεται (meist καταβαυκαλήσεις (Athen. ΧΙV, p. 618) genannt), brachte sicherlich mehr Klänge als Worte, wiewohl (Quint. I, 10, 32): „Chrysippus etiam nutricum illi quae adhibetur infantibus adlectationi suum quoddam carmen adsignat“. Das Wiegenlied bei Theocrit (Id. XXIV, 7) ist nicht mehr naives Sprachbild:

εύδετ' εμια βρέφεα γλυκερόν και εγέρσιμον ύπνον,
εύδετ' ελιά ψυχα δυο αδελφεω εύσοα τέκνα,

όλβιοι ευνάξοισθε και άλβιοι αω ίδοιτε. Ursprünglicher scheinen die alliterirenden Worte des lacedämonischen Tanzliedes, welches Lucian (de salt. c. 37) anführt: rogow παϊδες ποδα μετάβατε και κωμιάξατε βέλτιον, ebenso das ανθεμα bei Athenaeus (XIV, p. 629), von Blumensammlerinnen gesungen:

που μου τα σόδα, που μοι τα ία, που γιοι τα καλά σέλινα;

ταδί τα βόδα, ταδί τα ία, ταξί τα καλά σέλινα, auch die Probe eines sogenannten osios oder "Ioulos bei Athen. (XIV, p. 618):

πλείστον ούλων ούλον ζει, πλείστον ίoυλoν ίει. - Auch bei den uralten Klageliedern (onvoc), z. B. bei der Adonisklage, bildeten Klagelaute wohl den Kern, wie ai, ai, ai, ai, oi, oi, όλούν, όλούν, αϊλινον, ήε, ίω, αινόν, ιού, ιού cet., von deren Verwendung wir u. A. bei Aeschylus (Sept. adv. Theb. 963 sq.) ein Beispiel haben; ebenso der Ruf: ιη παιάν bei den ευκτικά Mérn. Aehnliches hat man sich wohl vorzustellen in Bezug auf die Lieder z. B. der Ammen, Winzer, Schneiderinnen bei den Römern, wie sie Ausonius (ep. 16, 90) erwähnt als „nutricis .lemmata lallique (oder lillique) somniferos modos“, oder Varro (bei Non. p. 56): homines rusticos in vindemia incondita cantare, sarcinatrices in machinis.

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