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ren Bedeutungen desselben Wortes die einen durch das Wort selbst, die anderen durch Fürwörter ausgedrückt werden z. B. im Verse des Muawijah b. Mâlik: „Wenn der Regen auf das Gebiet eines (fremden Stammes herabfällt, weiden wir ihn (d. i. das durch den Regen entstandene Futter) ab, mögen sie (die Stammangehörigen) immerhin zürnen“. Die letzte Figur ist „die gleichmässige Fortbewegung“, wenn nämlich neben dem Namen einer Person auch deren nächste Vorfahren in natürlicher Reihenfolge aufgezählt werden. (Bei Mehren werden (p. 129) auch mehrere von Anderen aufgestellte Figuren angegeben.) Unter den formellen Verschönerungsmitteln befinden sich z. B.: die Paronomasie; Wiederholung der Schlussworte des vorhergehenden Verses im Anfange des nächsten; Verschiedene Dinge werden aufgezählt und mit derselben ebenso oft wiederholten Benennung bezeichnet, wie z. B. in den Versen: „Und sie kredenzt mir und trinkt selbst einen Wein, der werth ist, den ehrenden Beinamen Khalûq zu bekommen. Der Becher in ihrer Hand und an ihrem Munde scheint ein Rubin in einem Rubin an einem Rubin zu sein“, das Aufzählen der Eigenschaften, wie in dem Verse des Mutanabbi: „Mich kennen die Rosse, die Nacht, die Wüste, das Schwert, die Lanze, das Papier und die Feder.“ ; „die einzigen Perlen, eigentbümliche“, durch andere nicht zu ersetzende Ausdrücke; „die Reimprosa“; „Formgleichheit ohne Reim“ ; „ „das Sichergiessen“ d. h. zufällige Verse in der Prosa; ,die Umdrehung“, wann ein Wort oder Satz ohne Sinnunterschied vorund rückwärts gelesen werden kann; „der freiwillig übernommene Zwang“, wenn z. B. ein bestimmter Buchstabe in der Rede nicht vorkommen soll u. a. m.

Im Uebrigen bemerkt ein Commentator zu Qazwini, wenn man diese Verschönerungsmittel anwende, ohne den Forderungen der Angemessenheit und Deutlichkeit des Ausdrucks zu genügen, so ,,schlinge man Perlen um einen Schweinehals“.

B. Besonderer Theil.

Abschnitt III.

Die selbstständigen Werke der Sprachkunst,

(Das Sprachbild.)

Begriff und Eintheilung. Die Werke der Sprachkunst stehen ihrem Begriffe nach zwischen denen der Tonkunst und denen der Dichtkunst; sie stellen die Bewegungen, die Daseinsmomente der Seele dar, wie jene, und sie bedienen sich hierzu der Sprache, wie diese. Da sie sich in artikulirten Lauten darstellen, so geben sie ihrem Inhalt eine Bestimmtheit des Ausdrucks, welche die Tonkunst nicht zu erreichen vermag; da die glückliche Verkörperung der Seelenmomente durch Sprache ihr einziges Ziel ist, so beanspruchen sie eine Vollendung und Auszeichnung ihrer sprachlichen Form, um welche sich die Dichtkunst als solche nicht kümmert. Dagegen fehlt ihnen die Naturgewalt der Musik, und es fehlt ihnen die Gedankenentfaltung, die geistige Durcbarbeitung der Poesie. Wir bezeichneten als die ersten Kunstwerke der Sprache die Wurzeln (cf. Bd. I, p. 115, p. 175 sq.), denn in ihrer Hervorbringung bethätigt sich zuerst jenes symbolisirende Kunstvermögen des Menschen, von welchem die unartikulirten Naturlaute, welche auch ihm nicht fehlen, noch nichts aufweisen. Es entstanden diese Schöpfungen auf Anlass von Seelenreizen, und die künstlerische Freiheit und Eigenart, welche in ihrer Gestaltung sich geltend machte, schuf sie sicherlich mit Freude aber

obne Bewusstsein über ihr Schaffen. Was so an sich als Werk naiver Kunst zu betrachten ist, trat mit Vortheil, weil mit mehr Bestimmtheit, an die Stelle der Naturlaute und damit in den Dienst der Bedürfnisse und der Mittheilung. Lange Zeit musste verfliessen, bis die materielle und geistige Entwickelung unseres Geschlechts der Menschenseele die nothwendige Unabhängigkeit und Ruhe verschaffte, um die Hervorbringung eines sich selbst genügenden Schönen auch wollen zu können; und die Werke dieser bewussten Kunst zeigten dann die inzwischen zu grösserem Reichthum, zu festerer Umgränzung gelangten Vorstellungen in der bestimmteren Ausprägung von Satzformen, welche nichts sind, als Entfaltungen der Wurzeln.

Man kann eine zwiefache Art unterscheiden, wie die Satzform sich ausbildet und vollendet; denn der Satz ist sowohl Urtheil, wie auch Entwickelung eines Lautbildes. In ersterer Eigenschaft hat er durch die Mittel der Grammatik den Forderungen des Verstandes zu genügen, und er baut sich aus theils durch Bestimmungen, welche er seinen Gliedern anschliesst, theils dadurch, dass er Begriffe, welche sich schon zu Sätzen entwickelt haben, wiederum als Glieder grösserer Ganzen verwendet, indem er sie mit einander verbindet oder in einander verflicht. So wird durch Genauigkeit der Bezeichnung, klare Ausbreitung der Vorstellungen, Uebersichtlichkeit der Gedankenverknüpfung den Zwecken des Verständnisses gedient. Freier gestaltet sich die dennoch in sich abgeschlossene Darstellung des Seelenmoments, wenn es sich um die Ausführung der einzelnen Züge eines Lautbildes handelt. An Stelle der logischen Einheit, welche den grammatischen Satz beherrscht, tritt dann die künstlerische Einheit, darauf beruhend, dass nur der Eine Seelenmoment zum Ausdruck kommt, der Eine Einfall, der Eine Begriff, das Eine Bild. Diese Einheit nun bleibt auch gewahrt, wenn die Darlegung des Inhalts in wechselnder Form sich wiederholt, oder wenn sie überhaupt mehrerer grammatischen Sätze bedarf. (cf. Bd. I, p. 60 sq., 64 sq., 109 sq.) Dem Begriffe eines sprachlichen Gebildes dieser Art kann der ihm auf dem grammatischen Gebiete allerdings entsprechende Namen des Satzes ohne Verwirrung nicht gegeben werden, und wir schlagen desshalb für ihn den Terminus „Sprachbild“ vor, der beides bezeichnen kann,

den Begriff des selbstständigen Sprachkunstwerkes und dessen sprachliche Form. — *)

*) Die Entstehung von selbstständigen Werken der Sprachkunst wird geschildert in den Worten W. v. Humboldt's (Ueber die Verschiedenh. des menschl. Sprachb. p. 198): „Um den Charakter der Sprachen genauer zu betrachten, müssen wir auf den Zustand nach Vollendung ihres Baues sehen. Das freudige Staunen über die Sprache selbst, als ein immer neues Erzeugniss des Augenblicks, mindert sich allmählich. Die Thätigkeit der Nation geht von der Sprache mehr auf ihren Gebrauch über, und diese beginnt mit dem eigenthūmlichen Volksgeiste eine Laufbahn, in der keiner beider Theile sich von dem andern unabhängig nennen kann, jeder aber sich der begeisternden Hülfe des andern erfreut. Die Bewunderung und das Gefallen wenden sich nun zu Einzelnem, glücklich ausgedrückten. Lieder, Gebetsformeln, Sprüche, Erzählungen erregen die Begierde, sie der Flüchtigkeit des vorübereilenden Gesprächs zu entreissen, werden aufbewahrt, umgeändert und nachgebildet." Naheres lehrt die Literatur namentlich des Orients, welche in überströmender Fülle solch? „glücklich ausgedrücktes Einzelne“ bietet. Es ist die Entwickelung der Poesie bei den Semiten durch den Reiz und durch den Glanz der Sprachkunst wenn nicht durchaus unterdrückt, doch wesentlich beeinträchtigt worden. Bei Ahlwardt (, Ueber Poesie und Poetik der Araber“ Gotha, 1856) heisst es (p. 7.): „Die Poesie der Araber beginnt mit einzelnen Versen, die Einer bei vorkommender Gelegenheit, nach jedesmaligem Bedürfnisse sprach;“ und weiter: „Mit kurzen Versen ganz subjektiven Inhalts, mit denen die Arabische Poesie begonnen hat, und in denen sie eine augenblickliche Empfindung oder Wahrnehmung ausspricht, oder eine Seite des Lebens in und mit der Natur hervorhebt, fährt sie im Grunde auch dann noch fort, als sie bei grösserer Uebung und angeeigneter Kunstfertigkeit zum Hervorbringen grösserer Gedichte vorgeschritten war. Ich meine nämlich dies, dass sie selbst in dieser Zeit sich nicht zu einem grossen, einheitlichen Ganzen verstieg, sondern dass sie sich aus einer Anzahl einzelner Gedichtchen oder Bilder, wie sie die ältere Zeit gekannt hatte, zusammensetzte. Freilich war dies nicht ein ganz willkürliches Aneinanderfügen von Bild zu Bild; einem Ziele allerdings strebte der Dichter mit seinem grösseren Gedichte zu: allein die Theile, aus denen er dasselbe zusammensetzte, waren denn doch sehr verschiedenartig von einander.“ - „So entstanden die Quassiden.“ – Es stimmen hiermit durchaus die Mittheilungen über die „Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sicilien von A. F. v. Schack“ (Berl. 65). Es heisst da (p. 4 sq.): „Die frühesten poetischen Ergüsse der Araber waren einzelne, auf Anregung des Augenblicks improvisirte Verse. Alle Traditionen und Sammlungen von Gedichten aus vor-islamischer Zeit sind voll von solchen kleinen rhythmischen Aeusserungen ganz persönlichen Inhalts, wie sie durch diesen oder jenen bestimmten Anlass hervorgerufen wurden.“ „Es ist wichtig, diese Urform der arabischen Dichtung zu kennen, denn sie liegt nicht allein allen deren späteren kunstmässigen Gestaltungen zu Grunde, sondern hat sich auch neben denselben

Das Schema für die Eintheilung der Sprachbilder ist uns schon gegeben. Den etymologischen Figuren der naiven Sprache, den phonetischen der literarischen entsprechen diejenigen selbstständigen Werke der Sprachkunst, welche wir Laut- und Wortspiele nennen, den syntaktischen und den noëtischen Figuren diejenigen, welche wir überhaupt als Sinnsprüche bezeichnen, den Tropen einerseits, andrerseits den ästhetischen Figuren diejenigen, für welche wir den Namen der symbolischen Sprachbilder vorschlagen.

I. Die Laut- und Wortspiele. Die Werke der ersten Abtheilung entstehen durch eine Entfaltung des Lautkörpers der Sprache, gegen welche die Bedeu

fortwährend unverändert erhalten. In der That macht das Subjektive und Persönliche, das Entstehen auf bestimmte Veranlassungen den Charakter aller arabischen Poesie aus.“ Auch in den berühmten Muallakats ist so an die Einheit einer leitenden Idee nicht zu denken (p. 8), vielmehr reihen sich Empfindungen und Schilderungen nur ziemlich lose an einander.“ Statt der höheren Besonnenheit, statt des eigentlichen Dichtens bemerkt man (p. 21): „ein stetes blitzartiges Zucken der Affekte, ein Wirbeln und Schäumen der Leidenschaften.“ Es stimmt hiermit die von uns als der Sprachkunst zukommend hervorgehobene Allgemeinheit und Popularität solcher Schöpfungen, wie sie Schack schildert. Er sagt (p. 9): „Verse, die sich durch glücklichen Gedanken oder Ausdruck besonders auszeichneten, verbreiteten sich schnell und gingen von Mund zu Munde. Unter diesen Umständen waren die Macht und der Einfluss, die das poetische Talent ausübte, unberechenbar.“ Von der arabischen Poesie in Andalusien heisst es (p. 69): „Mindestens sechs Jahrhunderte lang ist dieselbe mit einem Eifer und von einer so grossen Menge von Individuen cultivirt worden, dass ein Verzeichniss aller spanisch-arabischen Dichter allein ganze Folianten füllen würde.“ Es wurden also die Hervorbringungen dieser Poesie in ähnlicher Weise zum allgemeinen Sprachgut, wie bei uns etwa die Redefiguren. Schack sagt (p. 70 sq.): „Die Höchsten wie die Niedrigsten kultivirten die Poesie“, „es wird beispielsweise angeführt, in der Umgegend von Silves habe fast jeder Bauer die Gabe der Improvisation besessen und selbst der Ackersmann hinter dem Pfuge über jedes beliebige Thema Verse gemacht. Auch in's alltägliche Leben, in den Briefwechsel, in wissenschaftliche Werke, in Staatsschriften, ja in Reisepässe drang die poetische Form. Hieraus erklären sich dann (p. 90) „die ewigen Wiederholungen des schon Gesagten“, und jene allgemeine Gewohnheit der Plagiate, von welcher Mehren (Rhetor. d. Arab. p. 147 — 154) handelt. (cf. Bd. I, p. 118 sq.)

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