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Gnome und Priamel. p. 200 — 209. Der Sinnwitz. p. 209–214.

Das Sinnräthsel. p. 214--219. III. Die selbstständigen Werke der Sprachkunst, welche ein Bild der Vorstel

lung entfalten, d. h. die ästhetischen Sprachbilder. p. 220 — 225. – Die Fabel. p. 225 — 248. Die Parabel. p. 248— 257. Die Allegorie p. 257-275. Das allegorische Räthsel. p. 260 — 271. Der bild

liche Witz. p. 271 — 275.
IV. Das Gränzgebiet zwischen Sprachkunst und Dichtkunst. p. 276 — 286.

Nachträge und Berichtigungen. p. 287 288.
Index. p. 289-301.

B. Besonderer Theil.

(Fortsetzung.)

Abschnitt II.

Die Sprachkunst im Dienste der Rede.

X. Von den noëtischen oder Sinnfiguren, ihrem Begriff,

ihrer Eintheilung.

Eine Sinnfigur entsteht durch derartige besondere Gestaltung des Ausdrucks, dass durch sie der Satz sinn als solcher zu eigenthümlicher Darstellung gelangt.

Nicht der Sinn des Satzes an sich bringt die Figur hervor. Um diese zu schaffen muss sich vereinigen ein starkes und individuelles Erfassen desselben mit dem Drange, dieser individuellen Empfindung durch eine neue Form der Darstellung (cf. Bd. II, 1, p. 9 fg.) einen entsprechenden Ausdruck zu geben. Es sind also Darstellungen nicht schon desshalb als Sinnfiguren aufzustellen, weil ihr Inhalt, z. B. ein Zürnen, Bitten, Anlass zu einer Figurirung werden kann; ebensowenig solche, denen ein bestimmter Zweck, z. B. zu begründen, zu beschreiben, eine diesem Zwecke entsprechende Form vorschreibt. Es fehlt den ersteren zur Figur eben noch die bestimmte Formirung, und wenn bei den letzteren diese allerdings einigermassen vorgeschrieben ist, sofern Angemessenheit der Darstellung erstrebt werden muss, so fehlt hier doch die zur Kunst nothwendige Freiheit der Gestaltung (cf. Bd. II, 1, p. 14-21.) Die von den Alten für Darstellungen von solchem Inhalt gleichwobl aufgeführten Figurenbenennungen, wie

II 2.

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indignatio, obsecratio, rationis apta conclusio, descriptio, stellen wir am Schlusse dieses Abschnittes zusammen.

Die Eintheilung der Sinnfiguren ist keine andere, als die der übrigen Figuren. Wir unterscheiden solche, welche in Verwendung der Sprachmittel, verglichen mit dem gewöhnlichen Ausdruck, 1) ein Mehr zeigen, 2) ein Minder, 3) eine Aenderung. Jede dieser Abtheilungen zeigt ferner eine Figuration von mehr äusserlicher oder von innerlicher Art, d. h. entweder eine Häufung oder Steigerung; ein Beschränken und Abbrechen des Ausdrucks, oder dessen Abschwächung; eine besondere Veränderung des Satz-Baues oder eine Vertauschung des SatzSinnes. Auf einen solchen Unterschied einer mehr durch äussere oder durch innere Mittel hervorgebrachten Wirkung weist z. B. Longin (r. Vy. Sp. Vol. I, p. 260) bin, wenn er Häufung (atenσις) trennt von innerer Erhebung (ύψος); κείται το μέν ύψος εν διάριατι, ή δ' αύξησις και εν πλήθει. διόπερ εκείνο μεν καν νοήμιατι ενί πολλάκις, η δε πάντως μετα ποσότητος και πεφιουσίας τινος υφίσταται. ,

Sinnfiguren unserer letzten Art, welche in ihrer Figuration durch Vertauschung des Sinnes die Bedeutung der Worte selbst ergreifen, können leicht mit blossen Tropen verwechselt werden, wie denn z. B. Hyperbel und Ironie diesen meist zugerechnet worden sind. Schon Aristoteles (Rhet. III, 11) sagte, zwar nicht unrichtig, aber unvollständig, dass gute Hyperbeln Metaphern seien: εισί δε και ευδοκιμούσαι υπερβολαι μεταφοραί. , So, wenn z. B. Jemand einen Schlag ins Gesicht bekommen babe, und man nun sage, er sehe aus, wie ein Korb Maulbeeren. Aber wer so sagt, beabsichtigt mit dieser Vergleichung nicht die Darstellung des Bildes, sondern er sucht durch das Bild zu einer Wirkung zu kommen, die diesem an sich fremd ist. Die Ironie unterscheidet Quintilian (IX, 2, 44 sq.) als Tropus, wenn sie in einzelnen Wörtern sich darstelle, von der Redefigur der Ironie in der zusammenhängenden Rede, aber in dem von ihm als tropus angeführten „virum optimum“ (Cic. Cat. 1. 8) hat zwar optimus nicht bloss eine andere, sondern sogar eine entgegengesetzte Bedeutung, aber bildlich ist sie doch nicht.

Die von uns angegebene Eintheilung der Sinnfiguren findet sich im Wesentlichen bei Phoeba mmon. Er sagt richtig (Sp.

Vol. III, p. 45): δέον ειδέναι ότι πάντα τα σχήματα κατά δ' γίνονται τρόπους ήτοι αιτίας, κατά ένδειαν, κατά πλεονασμόν, κατά μετάθεσιν, κατά εναλλαγήν, s0 dass er unsere dritte Abtheilung nach den beiden Seiten äusserlicher und innerer Aenderung trennt; und er ordnet also z. B. unter die Sinnfiguren der ένδεια (p. 50 sq.) die αποσιώπησις, unter die des πλεονασμιός den πλεονασμός selbst, unter die der μετάθεσις die ερώτησις, der εναλλαγή die ειρωνεία. Seine Aufstellungen sind sonst freilich im Einzelnen wenig zutreffend.

XI. Sinnfiguren, welche durch Häufung oder Steigerung

des Ausdrucks wirken.

1. Häufung der Ausdrucksmittel. Um einen den Satzsinn bedingenden Begriff besonders hervorzuheben, kann man ihn mehrfach bezeichnen.

Wir nennen solche Häufung der Bezeichnungen den rheto rischen Pleonasmus, zum Unterschiede von dem grammatischen (cf. Bd. I, p. 468 fg.), wenn sie die Absicht erkennen lässt, den Begriff mehrseitig, in Fülle, also anschaulicher und eindringlicher darzustellen. Geht diese Absicht nicht aus der inneren Bedeutung des darzustellenden Begriffes hervor, wie wenn z. B. bei Molière (Mis. II, 3) es nur des Reimes wegen heisst: Et vous ne pouvez pas, un seul moment de tous, Vous résoudre à souffrir de n'être pas chez vous? so wäre dies otocßń (vid. Aristoph. Ran. 1178; Bekk. Anecd. 515, 8; 520, 26) oder Parapleroma (vd. Bd. I, p. 477);*) ist eine Absicht überhaupt nicht vorhanden, so hätte man Perissologie (1. c. p. 478), wie sie z. B. Isidorus (or. I, 33, 7) fasst: Perissologia adjectio plurimo

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rum verborum supervacua, ut vivat Ruben et non moriatur. (Deuter. 33, 6).*)

Quintilian (IX, 3, 46 sq.) giebt an, dass Caecilius rhetorische Häufungen, wie z. B. (fragm. Cic. ex or. in Pis.): perturbatio istum mentis et quaedam scelerum offusa caligo et ardentes furiarum faces excitaverunt, Pleonasmus genannt habe, welche er selbst, wenn sie müssige Zusätze wären, als vitium, wenn sie den Sinn hervorbüben, als virtus bezeichne (VIII, 3, 55). Er findet also den Namen zu allgemein und (nach I, 5, 40) zur Grammatik gehörig. Indessen wurde er vielfach auch zur Bezeichnung der rhetorischen Figur gebraucht, wenn man ihn auch wegen mangelnder Schärfe in Abgränzung der phonetischen Figuren von noëtischen und von den Tropen bald den Wortfiguren, bald den Tropen zugesellte und diese beiden, wie die hinzugefügten Beispiele zeigen, nicht von den grammatischen Figuren zu sondern wusste. Als σχήμια λέξεως hat den πλεονασμιός Alexander (Sp. Vol. III, p. 32), Tiberius nach Apsines (1. c. p. 75), Zonaeus (1. c. p. 166); tporos heisst er bei Tryphon (1. c. p. 198), dem Anon. T. TOINT. 19. (1. c. p. 212), Gregor. Cor. (1. c. p. 220), Kokondrius (1. C. p. 242), Georg. Choerob. (1. c. p. 252); bei Ps. Plut.. (vit. Hom. 28) ist der Pleon. Figur schlechthin, bei Phoebammon Wortfigur und auch oxñua dlavoias (1. c. p. 46; 50). Als figura elocutionis hat ihn ferner Aquila Romanus (H. p. 36), hält aber, wie seine Beispiele zeigen, es schon für rhetorischen Pleonasmus, wenn die Aeusserungen irgend welcher Erregtheit zur Angabe des Sinnes hinzutreten, wie „M. Cato ille“ oder „quae, malum, est ista voluntaria servitus“ (Cic. Phil. I, 15); ähnlich Carm. de fig. (H. p. 70), welches Pleon. mit Exsuperátio übersetzt, und Mart. Capella (H. p. 483). Zumeist also dachte man bei diesem Terminus an Hinzufügung von Worten oder auch von Sylben,

*) Freilich kann solche Perissologie auch mit Absicht, um komische Wirkung hervorzubringen, verwandt werden, wie z. B. Tieck (Leben und Tod des kl. Rothkäppchens) den „Wolf“ sagen lässt: „Hungert“ mich recht nach ihr in meinem Rachen“; und die „Hanne“: „Es wird dunkle und finstere Nacht“; Shakesp. (M. Ado V, 1) den Dogberry nachäffend: First, I ask thee what they have done; thirdly, I ask thee what's their offence; sixth and lastly, why they are committed; and, to conclude, what you lay to their charge.

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