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Aber auch mit Bedeutung im füpffüssigen Choliamb) Platen (Gaselen, 53):

Der Himmel wählt, in Grau gehüllt lange,
Sich eine goldgestickte Tracht endlich.
Wir waren lange schnöder Welt Beute,

Bis des Erlösers wir gedacht endlich. Wenn in den Darstellungen der Prosa, welche der Verstand zur Angemessenheit regelt, die phonetischen Figuren dieser Art minder hervortreten, so ist doch auch in ihnen durch den Laut, wie durch den Rhythmus die Symbolik von grösster Wirkung. Der Gedanke bestimmt, gliedert, dehnt, kürzt, zerreisst, verschlingt, durebfluthet, durchzittert den Satzbau. Das Gebeimniss des Stils, die Macht des individuellen Ausdrucks ist auch hier zu suchen.

VIII. Figuren des Gleichklangs und der Euphonie.

Bei den bierher gehörigen Figuren erscheint das Lautmaterial der Wörter nicht mehr als durch tiefere Analogie von Vorstellung und Wortsinn zu einer natürlichen Einheit verschmolzen, sondern als bloss faktisch mit diesem verbunden, lediglich als Mittel, ihn zu bezeichnen. Der Laut trennt sich nach dieser Auffassung als das musikalische Element der Sprache von dem begrifflichen, und es handelt sich nun für die Figuration darum, auf ihn durch Anschlagen von Consonanzen, d. h. durch Zuführung gleicher, ähnlicher, verwandter Laute, also durch seine mehr oder minder vollständige Wiederholung, eindringlich als auf den lautenden aufmerksam zu machen. Das natürliche Gefallen an der Wiederkehr der Klänge in der Sprache haben wir oben (Band I, p. 413 sq.) besprochen; ebenso auch, dass Gleichklänge, um ihrer selbst willen herbeigeführt, vom Verstande als störend empfunden werden, weil sie so vom Sinn, dem Zwecke der Rede, ablenken.

Sehen wir also zunächst davon ab, dass eben um dieser Zweckwidrigkeit willen die Komik mit Gleichklängen ihr Spiel zu treiben liebt, so wird die Benutzung derselben in der Rede nur entweder so sich rechtfertigen, dass das Vordringen des Lautes durch den mit ihm verbundenen Sinn motivirt erscheint, oder dadurch, dass ihm das Auffällige genommen wird. Moti

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virung ist es z. B, wenn durch den Gleichklang einzelne Begriffe besonders eng auf einander bezogen werden, wie wenn Trendelenburg (Gesch, der Kategor.) sagt: „Um den leichten Schein pbilosophischer Betrachtung zu verdienen, betrat man den Weg der Kategorien, bis man ihn austrat.“ Nep. (Cim. 1): habebat in matrimonio sororem germanam suam, nomine Elpinicen, non magis amore quam more ductus. Thuc. (II, 62): lévai τους εχθρούς ομόσε μή φρονήματι μόνον, αλλά και καταφροvý mate. So ist es auch, wenn eine Entgegensetzung heraustritt, wie wenn es z. B. bei Fichte (Best. des Menschen) heisst: „Ich denke diese meine Thatkraft, aber ich erdenke sie nicht“; bei Vell. Pat. (II, 108): Maroboduus, genere nobilis, corpore praevalens, animo ferox natione magis quam ratione barbaras; Cic. (Lael. 13): Studium semper adsit, cunctatio absit. Andererseits ist den Gleichklängen das Auffallende benommen, wenn ihre Wiederkehr regelmässig wird, wie dies bei der rhythmisch oder metrisch oder durch Sylbenzählung gebundenen Rede geschehen kann.

Alliteration, Assonanz, Reim dienen so den Werken der Poesie, indem sie die rhythmische Gliederung oder Abmessung der Rede bestimmt und gefällig hervortreten lassen, ja als Ersatz für den zurücktretenden Rhythmus z. B. im Italienischen zur Verwendung kommen. Endlich erscheinen vielerlei Gleichklänge der Sprache schon einverleibt, bei denen also die Gewöbnung den Reiz der Consonanz abgestumpft hat, formelhafte Ausdrücke, welche die naive Freude am Klang zuerst vereinigte und der usus zusammenhält. Auch bei ihrer Bildung war es übrigens der Sprache nicht um blosse Musik zu thun, sondern um enge Beziehung oder Gegenüberstellung von Begriffen, wie in: felix faustumque, dulce et decorum, maria montesque polliceri; sain et auf, dru et menu; Leib und Leben, lieb und leid; nach Wissen und Gewissen.

Aebnlich, wie hier angedeutet ist, urtheilten die Rhetoren der Alten über die nothwendige Beschränkung des Gebrauchs von Gleichklängen in der literarischen Sprache. Des Hermogenes Ansicht darüber gaben wir schon oben (Bd. I, p. 422 sq.); Demetrius (ategi ég. Vol III, p. 267 Sp.) hält ihre Benutzung für recht bedenklich (xoñois -- Årươ qahns.), sie störe den Ernst und bebe das Gewicht der Rede auf, wie z. B. an der Anklage gegen

die Freunde des Philipp bei Theopompus zu bemerken: avδροφόνοι δέ τήν φύσιν όντες, ανδροπόρνοι τον τρόπον ήσαν και εκαλούντο διέν εταίροι, ήσαν δε εταίραι. Ausführlich darüber Cornificius (IV, 22 sq.): haec tria proxuma genera exornationum, quorum unum in similiter cadentibus, alterum in similiter desinentibus verbis, tertium in adnominationibus positum est, perraro sumenda sunt, quom in veritate dicimus, propterea quod non haec videntur reperiri posse sine elaboratione et sumptione operae, ejus modi autem studia ad delectationem quam ad veritatem videntur adcommodatiora; qua re fides et gravitas et severitas oratoria minuitur his exornationibus frequenter conlocatis et non modo tollitur auctoritas dicendi, set offenditur quoque in ejus modi oratione, propterea quod est in his lepos et festivitas, non dignitas neque pulcritudo. qua re quae sunt ampla et pulera, diu placere possunt, quae lepida sunt et concinna, cito satietate adficiunt aurium sensum fastidiosissimum. quo modo igitur, si crebro his generibus utemur, puerili videbimur elocutione delectari, item, si raro interseremus bas exornationes et in causa tota varie dispergemus, commode luminibus distinctis inlustrabimus orationem. Aehnlich Cic. Or. c. 25; Quint. IX, 3, 74; u. A.

Der Gebrauch der Gleichklänge wird als Fehler empfunden, wenn diese dem Dienste der Rede nicht untergeordnet, vielmehr um ihrer selbst willen herbeigeführt scheinen. Würde man dergleichen Lautfiguren also aus ihrem Zusammenhange lösen, sie als selbstständige Spiele mit dem Wortklange binstellen, so wäre der Anstoss gehoben, und man hätte dann eben Wortspiele, genauer: Wortklangspiele, Sprachkunstwerke des Moments. Erinnert man sich nun, wie wir oben (Bd. I, p. 118 sq., cf. auch p. 423) die rhetorisch-poetische Literatur der orientalischen Völker, namentlich der Hebräer und Araber, als in dem Begriff der Sprachkunst nahezu aufgehend bezeichneten, so begreift man, wie, was uns in Bezug auf die Verwendung der Lautfiguren als Fehler erscheint, dort zum Vorzug wird, so dass z. B. die Makamen bei ungebundener Rede den Reiz der Darstellung in möglichster Häufung der Reime suchen Wir ertragen Dergleichen als Scherz, wie z. B. in Schiller's Capuzinerpredigt, aber es wird z. B. A. v. Arnim's (Dolores, II, p. 58) „Sprache eines tief gekränkten Herzens“: „Und von den spielenden Lüften bleibt kühlender

Schauer der Trauer des harrenden starrenden greisenden Reisenden“ schwerlich als solche empfunden werden. Rückert in seinem Vorwort zu den Makamen des Hariri mag wohl nur von seinem abendländischen Geschmack her die Ansicht haben, dass Hariri’s Ausdruck, „überkünstlich, voller Wortspiele und Anspielungen, übertrieben“ cet. wie er sei, aus dessen „Humor“ entspringe, durch den er , frei über dem stehe, was er darstellt“ (p. XII.). Richtig scheint uns, wie er dies sonst (p. VI) ausdrückt: „Vielleicht sollte ich noch ein Wort sagen zur Entschuldigung der unendlichen Wort- und Klangspiele, der gereimten Prosa – Die Aufgabe war, zu zeigen, dass auch in dieser ausschweifenden Form ein Geist wohne, und zwar ein solcher, der eben nur in dieser Form sichtbar werden konnte."

Von den Reimen bei den Hebräern handelt u. A. Jordan (Der epische Vers der Germanen und sein Stabreim, p. 6 sq.), der die Reime des Alten Testaments für die ältesten hält und den Hebräern überhaupt „die erste Entdeckung des Reimes zuschreibt“. Gesenius (Lehrgeb. der hebr. Spr. p. 856 sq.) nennt die Gleichklänge „eine Lieblingszierde der hebräischen Rede, sowie der morgenländischen überhaupt“ (von Kimchi [zu Micha I, 10] be

: d. h. cum alia (sono) elegantiae causa), oft,' wie z. B. Jes. 24 allzu künstlich gebäuft. Der Art ist z. B. Ps. 40, 4 (Viele schauen und

): ; . 9: :I (: Gläubet ihr nicht, so bleibet ihr nicht); Beispiele von eigentlichen Wort spielen vide 1. c.*)

d . h . vox coincidens לשון כופל על לשון דרך צחות :zeichnet als

:Luther) תַאֲמִינוּ כִּי לֹא תֵאָמֵנוּ: :9

.7

Handelt es sich nun um nähere Bestimmung der Gleichklänge, 80 mass zwischen den sogenannten quantitirenden Sprachen und den accentuirenden unterschieden werden. Man würde die Ter

.Jes וְיִרְאוּ רַבִּים וְיִירָאוּ: :(trauen

*) Beda (de schem. Halm, p 609), der alle seine Beispiele aus der Bibel nimmt, führt an Ps. XXII, 6: In te confisi sunt et non sunt confusi; Phil. 3, 3: videte concisionem; nos autem sumus circumcisio (Bénete TNV xotatouýv. Huεis rág {quav Tepito un ; Luther: Zerschneidung - Beschneidung); „banc Esaias propbeta (5, 7) figuram elegantissime in sua lingua confecit, ubi ait: Exspectavi ut faceret judicium, et ecce iniquitas, et justitiam, et ecce clamor. Hebraice enim judicium mespbath, iniquitas mesphaa, justitia sadaca, clamor appellatur saaca.“ (Augusti übers.: Er wartete auf Recht, siehe, da war's Unrecht; auf Gerechtigkeit, siehe, da war's Schlechtigkeit)

minologie der alten Rhetoren nur mit Schiefheit in der Auffassung auf die modernen Sprachen übertragen können. Der Wortaccent vereinigt ein gewisses Lautmaterial zu einem Wortindividuum, wie eine Seele die Glieder ihres Leibes. Es entspricht seinem Wesen, wenn er, wie fast durchgehends im Deutschen, von der Stammsylbe aus - der bedeutenden waltet und dieser so das Uebergewicht giebt gegen die anderen Sylben Freilich wird seine Herrschaft auch Unterdrückung; nur an dem Vollaut der Stammsylbe ist ihm gelegen, die Endsylben lässt er dahinschwinden und stört die ursprünglichen Quantitätsverhältnisse der Lautbilder u. A. dadurch, dass er betonte Kürzen dehnt (wie im N. H. Dtsch. gegen M. H. Dtsch.). Hierdurch erklärt sich z. B. die Unveränderlichkeit der Formenbildung der (seit Livius Andronicus durch Einfluss griechischer Metrik quantitirenden) literarischen lateinischen Sprache, so lange sie lebte, andererseits die Menge der Formenwandlungen, welche die Geschichte der accentuirenden deutschen Sprache aufweist. Die quantitirenden Sprachen, namentlich die griechische, erkennen eine Macht des Wortaccents für die Gestaltung ihrer Rede nicht an; ihnen gilt es, die mehr sinnliche, immer doch geistgeborene Musik der Sprache zu entfalten, deren Rhythmus mit gleichem Interesse das Lautmaass aller Sylben des Wortes bewahrt. Es ergiebt sich hieraus die Entbehrlichkeit besonderer Figuren der Euphonie für diese Sprachen *), bei denen eine feste Metrik die in ihrem Vollaut unangetasteten Lautkörper umschliesst, bei denen ohnehin die Sprache ihre Musik festhält, und ebenso ist klar, dass unsere accentuirenden Sprachen, zu einer eigentlichen Metrik nicht mehr fäbig, der Unterstützung musikalischer Figuren bedürfen, um für die gebundene Rede eine sinnlich schöne Formirung, für ihre Versabschlüsse Bestimmtheit zu erreichen. Es sind allerdings hierbei Gradunterschiede zwischen den einzelnen Sprachen anzuerkennen. Von der französischen gilt unbedingt, was Voltaire sagt: Nos syllabes ne peuvent produire une harmonie sensible par leurs mesures

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*) Von den Indogermanen des Orients hielten die Inder an ihrer alten quantitirenden Weise fest, die Perser nabmen sie von den Arabern und Griechen auf, beide zeigen dann im Mittelalter und in der Neuzeit eine zugleich quantitirende und reimende Poesie. cf. R. Westphal, Griech. Metrik. (2. Auflage.) Band II, p. 26 sq.

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