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z. B. giebt unter dem Titel tepi toorwv auch die Anastrophe, das Hyperbaton, den Pleonasmus, die Ellipse u. d. m., ähnlich verfährt Gregorius Corinthius u. A. Quintilian (IX, 1, 2) bespricht die nahe Berührung von Tropus und Figur und sagt: plerique has (figuras) tropos esse existimaverunt, aber auch das Umgekehrte wurde beliebt: nec desunt, qui tropis figurarum nomen imponant, quorum est C. Artorius Proculus. Quin adeo similitudo manifesta est, ut eam discernere non sit in promptı. Er selbst, nachdem er den Unterschied zwischen Tropus und Figur auch nicht zu eigener völliger Befriedigung auseinandergesetzt, lässt den Abschluss der „scrupulosa disputatio“ auf sich beruhen: nihil enim refert, quo modo appelletur utrumlibet eorum, si quid orationi prosit apparet: nec mutatur vocabulis vis rerum cet.

Wir nennen diese Figuren aber ästhetische“ (in dem Sinne, wie seit Baumgarten’s „Aesthetica“ das Wort gebraucht wird), weil sie rhetorische Wirkung, Erregung der Affekte nicht verfolgen, vielmehr aus dem Gestaltungstrieb der Phantasie hervorgehen, Laut und Sinn, Stoff und Geist zugleich berühren und durch diese Einigung vor allen ein Schönes hervorbringen.

Keine Eintheilung der Sprachkunst -- der Werke im Dienste der Rede -- ist übrigens im Stande, die ganze Menge der Figuren, welche von den Alten aufgestellt wurden, in ihren Rubriken unterzubringen.*) Schon Quintilian sagt (IX, 1, 23): dicendum est, nequaquam figuras esse tam multas, quam sint a quibusdam constitutae. Neque enim me movent nomina illa, quae fingere utique -Graecis promptissimum est. Wir werden später die nöthige Ausscheidung vornehmen und bemerken hier nur, dass bei weitem die meisten der fälschlich unter die Figuren aufgenommenen Darstellungen ihre Aufnahme der Meinung verdanken, es sei, weil die Figuren die Seele lebhaft anregten, umgekehrt auch jede Darstellung lebhafter Anregung z. B. minae, ayováxinais eine Figur, in Bezug worauf Quintilian (1. c.) erklärt: „ante omnia illi, qui totidem figuras putant quot affectus, repudiandi, non quia adfectas non sit quaedam qualitas mentis, sed quia figura, quam non communiter, sed proprie nominamus, non sit simplex rei cujuscumque Die Lant- und Sinnfiguren sind Bildungen, durch welche die Technik der Sprache eine eigenthümliche Verwendung findet; bei den Lautfiguren geschieht dies so, dass die sinnliche Seite der Sprache benutzt wird, ihr Lautkörper, das Wort als einzelner Bestandtheil der Rede; bei den Sinnfiguren so, dass der Ausdruck der Beziehungen, auf welchen die geistige Seite der Sprache, der Sinn, beruht, der Zusammenhang also, die Construktion der Worte, in besonderer Weise gestaltet wird. Dagegen zeigen die ästhetischen Figuren ein Umschaffen des Sprachmaterials selbst; neue Bilder werden der Rede zugeführt, indem den Lantbildern neben ihrer „eigentlichen“ Bedeutung eine „übertragene“ geliehen wird. Diese Bilder können ferner, insofern das Bewusstsein sie als solche auch dem gewöbnlichen Ausdruck gegenüber weiss und festhalten will, in Satzformen ausgeführt werden. Die Reflexion hält das Bild getrennt, wenn Göthe (Faust) sagt: „Dem Wurme gleich' ich, der den Staub durchwühlt“, und so haben wir nicht Metapher, aber eine auf der Metapher beruhende Figur. Wenn Klopstock (An Gleim) sagt:

*) Die Schematographen der Alten bespricht u. A : Hermanni Sauppii epistola critica ad Godofredum Hermannum.

„Der verkennet den Scherz, hat von den Grazien
Keine Miene belauscht, der es nicht fassen kann,
Dass der Liebling der Freude

Nur mit Sokrates Freunden lacht.“ so ist dies nicht eigentlich Synekdoche, aber eine an den Beispielen (tagadęcymia) sich zur Figur bildende Synekdoche.

Quintilian (VIII, 6, 2) sagt, indem er dies bemerkt, von den Tropen: „verti formas non verborum modo, sed et sensuum et compositionis“ und „ mihi videntur errasse, qui non alios crediderunt tropos, quam in quibus verbum pro verbo poneretur“. Auch Adelung (Dtsch. Styl Bd. I, p. 381) erklärt: „Der Trope bestehet entweder aus einem einzelnen Worte, oder aus mehreren Wörtern. Im letzteren Falle macht er ein zusammengesetztes, aus mehreren Theilen bestehendes Bild aus.“ Zu bestimmter Anwendung kommt es jedoch bei ihm nicht.

Um mit den auf bewusster Kunst beruhenden Tropen (BildFiguren) auch Gestaltungen, wie Paradigma, Gleichniss, Parabel unter gemeinsamen Namen stellen zu können, haben wir den Terminus: Aesthetische Figuren eingeführt. Die Alten schwankten, was sie Tropas, was sie Figur nennen sollten. Tryphon z. B. giebt unter dem Titel tegi Toorwv auch die Anastrophe, das Hyperbaton, den Pleonasmus, die Ellipse u. d. m., ähnlich verfährt Gregorius Corinthius u. A. Quintilian (IX, 1, 2) bespricht die nahe Berührung von Tropus und Figur und sagt: plerique has (figuras) tropos esse existimaverunt, aber auch das Umgekehrte wurde beliebt: nec desunt, qui tropis figurarum nomen imponant, quorum est C. Artorius Proculus. Quin adeo similitudo manifesta est, ut eam discernere non sit in promptu. Er selbst, nachdem er den Unterschied zwischen Tropus und Figur auch nicht zu eigener völliger Befriedigung auseinandergesetzt, lässt den Abschluss der „scrupulosa disputatio“ auf sich beruhen: nihil enim refert, quo modo appelletur utrumlibet eorum, si quid orationi prosit apparet: nec mutatur vocabulis vis rerum cet.

Wir nennen diese Figuren aber ästhetische“ in dem Sinne, wie seit Baumgarten’s „Aesthetica“ das Wort gebraucht wird), weil sie rhetorische Wirkung, Erregung der Affekte nicht verfolgen, vielmehr aus dem Gestaltungstrieb der Phantasie hervorgehen, Laut und Sinn, Stoff und Geist zugleich berühren und durch diese Einigung vor allen ein Schönes hervorbringen.

Keine Eintheilung der Sprachkunst -- der Werke im Dienste der Rede - ist übrigens im Stande, die ganze Menge der Figuren, welche von den Alten aufgestellt wurden, in ihren Rubriken unterzubringen.*) Schon Quintilian sagt (IX, 1, 23): dicendum est, nequaquam figuras esse tam multas, quam sint a quibusdam constitutae. Neque enim me movent nomina illa, quae fingere utique Graecis promptissimum est. Wir werden später die nöthige Ausscheidung vornehmen und bemerken hier nur, dass bei weitem die meisten der fälschlich unter die Figuren aufgenommenen Darstellungen ihre Aufnahme der Meinung verdanken, es sei, weil die Figuren die Seele lebhaft anregten, umgekehrt auch jede Darstellung lebhafter Anregung z. B. minae, ayováxt nois eine Figur, in Bezug worauf Quintilian (1. c.) erklärt: „ante omnia illi, qui totidem figuras putant quot affectus, repudiandi, non quia adfectas non sit quaedam qualitas mentis, sed quia figura, quam non communiter, sed proprie nominamus, non sit simplex rei cujuscumque

*) Die Schematographen der Alten bespricht u. A : Hermanni Sauppii epistola critica ad Godofredum Hermannum.

enuntiatio. Quapropter in dicendo irasci, dolere, misereri, timere, confidere, contemnere non sunt figurae, non magis quam suadere, minari, rogare, excusare. Sed fallit parum diligenter intuentes, quod inveniunt in omnibus iis locis figuras et earum exempla ex orationibus excerpunt; neque enim pars ulla dicendi est, quae non recipere eas possit, sed aliud est admittere figuram, aliud figuram esse“ cet. Aber nicht bloss die Darstellungen der Affekte als solche wurden fälschlich zu den Figuren gerechnet, sondern überhaupt alle, die irgend einen bestimmten Inbalt in besonders angemessener und wirksamer, obzwar keineswegs individuell gestalteter, vom usus abweichender Weise zum Ausdruck bringen. Der Begriff der Figur wird dadurch verwischt; da ist nicht Kunst, sondern Geschicklichkeit; nichts, als eine sachlich und stilistisch gelungene Darstellung von einzelnen Abschnitten eines Redeganzen. Dergleichen Aufstellungen ohne scharfe Sonderung und ohne Bestimmtheit giebt z. B. Cicero (de or. III, 53) als „lumina orationis", wie ,commoratio una in re; illustris explanatio rerumque quasi gerantur sub aspectum paene subjectio; rogatio atque huic finitima quasi percontatio expositioque sententiae suae; digestio; promissio; purgatio; conciliatio; laesio cet. (cf. auch Cic. or. 39, 134 und Quint. IX, 1, 25.)

Es ist dieselbe unrichtige Vorstellung, welche namentlich die Neneren vielfach veranlasste, die Figuren nach den Seelenerregungen einzutheilen, welche sie hervorzurufen scheinen. Adelung z. B. (Ueber den Deutschen Styl, Bd. I, p. 280) sagt: „Figuren sind Hülfsmittel, auf die unteren Kräfte der Seele zu wirken. Sie zerfallen also ganz natürlich in so viele Klassen, als es untere Kräfte gibt, auf welche sie zunächst wirken sollen: ich sage zunächst, weil eine Figur auf mehr als eine Kraft wirken kann, und desto schöner ist, wenn sie zugleich auf mehr als eine wirket; z. B. wenn eine Metapher nicht allein die Einbildungskraft, sondern auch die Empfindung rege macht. Allein alsdann ist sie doch immer auf eine Kraft zunächst und unmittelbar gerichtet, und ihre Wirkung auf die andere ist nur mittelbar und untergeordnet. Die unteren Kräfte der Seele, welcbe hier in Betrachtung kommen können, sind die Aufmerksamkeit, die Einbildungskraft, die Gemüthsbewegungen, der Witz und der Scharfsinn, und diese geben eben so viele Klassen von

Figuren, nur mit dem Unterschiede, dass sich die Figuren des Witzes und Scharfsinnes füglich in eine und eben dieselbe Klasse zusammenfassen lassen.“ Blair (Lectures on Rhet. 4th ed. Lect. XIV, p. 348) theilt ein nach der Wirkung 1) auf die Phantasie, 2) auf die Leidenschaften. Eschenburg (Entwurf einer Theorie und Literatur der schönen Redekünste, 5. Ausg. von Pinder, p. 300) klassifizirt in Figuren 1) des Witzes, 2) der Einbildungskraft, 3) der leidenschaftlichen Gemüthsbewegungen. Richter (Lehrb. d. Rhetorik p. 102) sondert „demonstrative und pathetische“ Figuren, je nachdem ihr Zweck ist: „durch die grösste Anschaulichkeit im Lehren und die Stärke seiner Ueberzeugung im Beweisen die Ueberzeugung des Hörers zu gewinnen“, oder „das Gemüth durch das eigene Pathos und dessen sinnlichen Ausdruck aufzuregen.“ Er selbst fügt indessen hinzu, dass demonstrative Figuren ohne Pathos und pathetische ohne bestimmte und nachdrückliche Gedanken nicht möglich seien.

Das Prinzip für die Eintheilung kann nur aus Betrachtung der Aenderungen gewonnen werden, welche die Sprachform erfahren kann, um Figur zu werden. Sehen wir ab von den ästhetischen Figuren, welche die Sprache selbst weiterschaffen, so gehören die Redefiguren lediglich der Technik an und sind nach technischen Rücksichten einzutheilen. Die Aenderungen der Form, die Figurationen werden natürlich als solche, als Neuheiten, bemerkt und empfunden; in welcher Richtung sie aber wirken und die Seele erregen, das hängt nicht ab von diesen Aenderungen als solchen, d. h. von dem, was die Figur zur Figur macht, sondern von dem Inhalt des Seelenmoments, den sie verkörpern. Derselbe Inhalt aber kann ebenso ganz ohne Figur ausgedrückt werden, wie auch in sehr verschiedenen Arten der Figurirung; welche Art von Figur zur Anwendung kommt, das bestimmt der Zusammenhang und der Charakter des Redeganzen. Desswegen also sind die Figuren nicht zu rubriziren nach den Arten der Seelenerregungen, sondern nach der verschiedenen Weise, wie eine Aenderung der Ausdrucksformen zu Stande kommt. Es wird dadurch ersichtlich, wodurch die Figuren wirken, wie fern sie eben als Figuren zu fassen sind.

Will man sagen, dass nach dem Begriff der von uns aufgestellten drei Arten von Figuren das allen Gemeinsame, die be

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