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Ein Lied so stark, so schaurig süfs, dass grün
Die kalte Scholle wird und kommt zu blühn;
Er dankte selbst dem Sang, der ihm bereite
Ein Bett, wie er sich bat und prophezeite:
,,O legt mich nicht ins dunkle Grab,
Nicht unter die grüne Erd' hinab!
Soll ich begraben sein,

Lieg' ich ins tiefe Gras hinein.

In Gras und Blumen lieg' ich gern,
Wenn eine Flöte tönt von fern
Und wenn hoch oben hin

Die hellen Frühlingswolken ziehn."
Ja ihm gebührt, ihm alle Zeit entlang
Kein andrer Sang als Frühlingsliederklang
Frisch zu Schalmeienspiel und Flötentönen;
Ihm soll das Leben, ihm das Grab noch krönen
Ein heiter hin durch Blumenauen streifend,
Ein hoch durch alle Frühlingswolken schweifend,
Ein jauchzend Lenz- und Lob- und Liebeslied.
Denn er ja war's, dem Gottes Gunst beschied,
Dass er, dass er vor allem Sängerheere
Die Frühlingskönigin, die Lerche, wäre,
Die frei und froh den andern all voran
Durch Morgenlicht zieht schmetternd ihre Bahn
Und auf vom Ackerfeld die Liederlust
Zur Himmelsbläue trägt mit starker Brust;
Nach jubelt ihr von grüner Trift der Hirt,
Und überall in Feld' und Walde wird
Geweckt von ihrem Hall der Widerhall,
Und Amsel singt zusamt der Nachtigall.

Nicht aber einen Lenz des Liedes nur Hat wieder sie gebracht auf öde Flur, Und nicht Frau Musica nur flog und zog Der Lerche nach und mit ihr, wo sie flog: Wach rief sie auch manch träg entschlafnen Mut Für eines noch viel schönren Frühlings Gut, Für seine Lust, für seinen heifsen Schmerz. Vorwärts das Auge, vorwärts, himmelwärts, Getreu im Glauben, Hoffen, Lieben, Sorgen, Aufschwebte sie und rief dem grau'nden Morgen,

Dem Morgenrot, dem schönen Sonnenglanz,
Dem neuen Tag des armen Vaterlands,

Dem Tag, der wieder ihm der Freiheit Rechte,
Die unverjährten, der die Einheit brächte;
Aufschwebte sie ob engem, dunklem Pferche,
Des Vaterlands, des freien Landes Lerche
Und sank zurück und wiederum zutal:
Denn neue Nacht begrub der Kerzen Stral.

Und nun, mit allem seinem Hoffen haben
Den greisen Dichter selber sie begraben,
Und Reif und Schnee und scharfer Winterduft
Liegt auf des Hoffens, auf des Dichters Gruft.
Getrost! Je rauher mag der Winter schnauben,
Je fester soll der Mann den Frühling glauben,
Wo auch das scheuste Hälmchen sich erkühnt,
Wo auch aus Gräbern neu es spriefst und grünt.
Darum am Grab, drin Ludwig Uhland liegt,
Stets ein Gesang, der mit der Lerche fliegt!
Am Grabe dess, der frühlingshell gesungen,
Der frühlingsmutig um den Tag gerungen,
Kein Trauerlied, nur Frühlingsliederklang,
Den Lenz, den Winter, alle Zeit entlang!

Und ihr, die heut schon in harmon'schem Chor
Aufs nackte Grab gestreut den Blumenflor,
Wolan, dass Herz und Becher sich erhebe:
Der uns nicht tot ist, Ludwig Uhland lebe!

Wilhelm Wackernagel.

Uhlands Denkmal.

Was schreiben, teurer Schatte,
Wir auf dein Mal von Erz?
,,Seht an den Mann, er hatte
Für unser Volk ein Herz."

Dass sich sein Reich erneure,
Wollt' er es stark und frei,
Und wer das will, der steure
Zu seinem Male bei.

Dass er die Wege zeige
Im Frieden wie im Streit,
Mit ihm dem Grab entsteige

Die deutsche Herrlichkeit.

Simrock.

Den Meister, der den Mann hier nachgestaltet
So klar, so rein, mit jenem sichern Schritte,
Wie er vor Kön'gen und in Volkes Mitte
Gestanden und gesprochen und gewaltet,

Der ihm die Stirn so mild und mächtig faltet
Und das Gewand so schlicht, wie Kleid und Sitte
Gewesen, ihn so feststellt im Granite,

Wie er in sich gestanden und gewaltet,

Den Meister will ich sehn. Und ists gelungen
Und steht das Bild im lichten Sonnenscheine
Und naht das Volk mit seinen Huldigungen,

Dann sch' es wol zu, dass es nicht vom Steine
Sich löse und, den Mantel umgeschlungen,
Sich still verliere in der Volksgemeine.

Gieb uns deine Lieder, gieb
Alle, wie sie dir gegeben!
Licht und Schatten ist uns lieb,
Schauer oder Wonnebeben;
Leicht vernimmt sich deine Spur,

Gieb die Lieder, gieb sie nur!
Und ein jedes ist ein Leben.

Wie voraus ein Wehen geht,
Eh des Sturmes Laute rollen,
Wie den Tau die Flur empfäht,
Der vom Himmel ist gequollen,
So dein Kommen, dein Empfang,
Maienwittern und Gesang,

Wenn die Rosen blühen wollen.

Adolf Bacmeister.

Ist ein Strom dein Singen doch,
Über alles Land ergossen!

Und wer zält es heute noch,
Welch ein Segen ihm entsprossen?
Ungemessen deine Frist,

Und wenn sie verflossen ist,
Gleich als sei sie nicht verflossen.

Tausend Lichter nah und fern
Treten an des Himmels Hallen,
Hunderte sind wie ein Stern
Oder wie ein Blitz gefallen;
Immer neue drängen zu,
Aber sicher wandelst du,

Um zu leuchten über allen.

J. G. Fischer (1873).

Ein Palmenzweig auf Uhlands Denkmal.

Und ob er uns kein Kirchenlied gemacht,
Und ob den frommen Sängern ers verdacht,
Die mit dem Kranz romantisch nur gespielt,
Weil er zum Spiel zu hoch das Heil'ge hielt,
Und weil, wer's recht mit Gott von Herzen hält,
Muss keck erfassen diese arge Welt:

Dem Menschen, der, in Wort und Werken echt,
Vor Gott und Welt gewandelt schlecht und recht;
Dem Volksmann, der des Volkes besten Hort,
Den Glauben, ihm verletzt mit keinem Wort;
Dem Sänger, der, wie er's im Geist geschaut,
Uns die verlorne Kirche" neuerbaut,

So feierlich bei Morgenglockenklang

Des,,Schäfers Lied" am Tag des Herrn uns sang,
So sanft verklärt vom lichten Abendrot

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Den,,müden Waller" ruhen liefs im Tod,
Den alten Pfarrherrn sah so freundlich mild
Noch geistweis gehn durchs goldne Korngefild,
Den schönen Trost an unsrer Kinder Grab:
,,Aus Gottes Hand in Gottes Hand" uns gab;

Zum Eichenkranze, den das Vaterland
Dem treuen Kämpfer um die Schläfe wand,
Zur Lorbeerkrone, welche vollbelaubt
Die Muse senkt aufs edle Dichterhaupt,
Darf auch die Kirche freudig ihren Segen,
Den grünen Palmzweig ihm aufs Denkmal legen.
Karl Gerok (1873).

Sein bestes Selbst und Leben
Verlangt vom Mann die Zeit,
Er soll dem Volk sich geben
Und steh'n mit ihm und streben
In jedem Kampf und Streit,
Nicht zaudern und nicht wanken,
Und heischt es einst die Not,
Den heiligen Gedanken
Besiegeln mit dem Tod.

So hast es du gehalten,

So hast es du vollbracht.
Nie sah'n wir dich erkalten,
Nie deinen Ruf veralten
Auf treuer Geisteswacht.
Und ob du gleich begraben

Nun ruhst am stillen Ort,

Jetzt erst soll recht dich haben

Das Volk als seinen Hort.

Bald wieder regt die Schwingen

Der Frühling in dem Land,

Die Lerchen werden singen

Und Knospen sich entringen

Dem starren Todesband.
Der Apfelbaum in Blüte,

Der Tag, der feierlich
Am Waldessaum verglühte,

Wie all das mahnt an dich!

Befreit von Trauerflören,
Wird hell im Feierklang

In tausend Jubelchören
Der Frühling wieder hören,

Was ihm sein Uhland sang.

Deutsche Dichtung im Liede.

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