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Und er verstoht's und fasst e frohe Muet;
Es goht em halt afs wie mit selbem Wi,
Vo dem du seisch, er gang wie Baumöl i,
So dass me-n-au im G'ringste nit verliert,
Wenn's nit glich schumt und nit moussiert,
Wie's bi'm Champagner und bi'm Schiller arriviert.
Das sag' i nit, afs wott der Schiller i vernite,
Im Gegeteil! nur das wott i bestrite,

Dass nit für beidi sig im Herze Platz,

Für's Schiller's und für's Hebels Dichterschatz.
Und so isch's, denk' i, mit der Musik au,
D' Frau Musica isch e curiosi Frau,

Wenn sie mit stolzer Herrscher-Zukunfts-Miene
Ufzieht in ihrer stife Crinoline,

Do ruscht's und bruscht's vo luter Cavatine,
Chromatische Läufe-n-und Cadenze

Und tausig and're Schnecketänze,

Vo Fuge-n-Ass-und Dissonanze.

Und wer nit will no ihrer Pfife tanze,
Dä isch e-n-Idiot, e Tropf, e Zopf!

Do schüttlet menge schlichte Burger denn der Kopf
Und seit: die Musik ka mer nit bihage,
E-n-andre denkt's und schämt si's z'sage;
Du hesch es g'seit scho in vergangene Tage,
Und dofür henke sie dir jetz dä Schletter lig a,
De heig'sch au gar kei Sinn für Musik gha.
Wer aber g'sunge het so frei und frisch:
„Ne G'sang in Ehre,

Wer will's verwehre?

Singt 's Tierli nit in Hust und Rast,
Der Engel nit im Sunneglast ?“

Dä zeigt, dass er nit so vernaglet isch
Für das, was Musik heifst und Musik isch.
Fast sott'i meine, hättsch de g'hört die Stuck,
Die schöne Stuck vo Händel, Mozart, Gluck,
Womit am letzte Musikfest

Uns hend vergnügt die liebe Gäst,

Es hätt die Musik, wie uns alle,

Dir g'wiss im Grund der Seele g'falle.
Und hättsch de g'hört der Singer gige
Wie d' Vögli singe-n-uf de Zwige,
So hätt der's Herz im Lib au g'lacht,

Wenn er's au wollecht lang het g'macht.
I selber will's jetz z'lang nit mache!

's goht mit de Feste wie mit andre Sache,

Sie schwinde wie-n-e Traum, und bi'm Verwache
Do fragt si's ebe, wemme d' Auge ribt,

Was vo der ganze Herrligkeit eim blibt?

Die frische Kränz', die sie zum Fest hend g'wunde,
Zwor nit im Hebel z Ehre; doch 's isch glich,
Die sind verwelcht, verdorrt in wenig Stunde,
Und so isch au in einer Nacht verschwunde
D' Illumination mit ihrem Zauberreich;
Doch wämmer is darüber nit entsetze,
Mer wend is alli zämme glückli schätze,
Wenn nur das Eini und das Rechti bleibt,
Dä Baum, wo Bluest um Bluest im Herze tribt,
Das Liecht, wo au im Dunkle flammt und brennt,
Und Lieb' und Eintracht, die kein Scheide kennt,
Wenn das uns blibt, so hemmer 's Schönsti g'wunne,
Und festlig schint is au am Werchtig d' Sunne,
Und ebe vo dem Bluest mit süfsem Duft
Lit ebbis bsunders just in 's Hebels Luft,
Und vo dem Liecht zieht sich e milde Glast
Dur jedes Lied vo-n-unserem Hebel fast.
Vo-n-unserm Hebel sag' i: unser isch er jo,
Wenn glich er nit het's Burgerrecht biko
In aller Form; i mein' si Burgerbrief
Sig lang scho g'schriebe-n-und versieglet tief
In unser Aller Herze. Also, kurz und guet,
Dass 's Hebels Geist und 's Hebels Bluet
Und's Hebels frumme, frische Muet
Au no in fernere hundert Johre
Der Vatterstadt blieb unverlore,
In der der Dichter isch gibore,

Das isch, wie's au no witer werde mag,
Mi Herzenswunsch an's Hebels Ehretag!

K. R. Hagenbach.

26

Deutsche Dichtung im Liede.

Die Lieder der Vorzeit.

Als Knabe stieg ich in die Hallen
Verlassner Burgen oft hinan;

Durch alle Städte tät ich wallen
Und sah die hohen Münster an,
Da war es, dass mit stillem Mahnen
Der Geist der Vorwelt bei mir stand,
Der liefs es frühe schon mich ahnen,
Was später ich in Büchern fand.

Dass Jungfraun dort von ew'gem Preise.
Die heil'gen Lieder, einst gewohnt,
Und in der Edelfrauen Kreise
Beim Feste des Gesangs gethront,
Da kam der Krieger wild Geschlechte
Und warf den Brand ins frohe Haus,

Die Schwestern flohn im Graun der Nächte
Nach allen Seiten zagend aus.

Wie manche schmachtet, hart gefangen,
In eines Kerkers dunklem Grund!
Zu keinem milden Ohr gelangen
Die Kläng' aus ihrem zarten Mund.
Ach! Jene, die auf öden Wegen
Umhergeirret, krank und müd,
Sie ist dem schweren Gram erlegen,
Und sang noch einmal, eh' sie schied.

In eines armen Mädchens Kammer
Ist einer andern Aufenthalt,

Sie mischt sich in der Freundin Jammer,
Wenn still der Mond am Himmel wallt.

Auch manche wagt der Märterinnen
Sich in des Marktes frech Gewühl,
Sie will des Menschen Herz gewinnen
Und singet sanft zum Saitenspiel.

Getrost! schon sinken eure Bande
Und Boten ziehn nach Ost und West,
In eine Stadt am Neckarstrande
Zu laden euch zum neuen Fest.

Ihr Heitern, kommt zu Tanzes Feier,
Lasst wehn das rosige Gewand!
Ihr Ernsten, wallt im Nonnenschleier,
Die weifse Lilie in der Hand!

Ludwig Uhland (1807).

Des Knaben Wunderhorn.

Es sprengt ein Knab' in die weite Welt
Über Berg und Tal, durch Wald und Feld;
Freudig springt sein Rösselein,

Lustig klingt sein Hörnelein.

Des Hornes Schall weckt überall
An Bergen, in Tälern den Widerhall;
Nacheilen die klingenden Brünnelein,
Ströme rauschen hinterdrein,

Bunte Blumen entspringen am Bach,
Schauen dem schnellen Knaben nach;
Die Bäume schütteln den Reif vom Haupt,
Prangen in Blüten, frisch belaubt.

Neue Lieder schmettern im Hain
Nachtigallen und Zeiselein;

An grünen Wiesen, am Rebenhang,
All überall ein Sang und Klang.

Zum Zauberberge sprengt er vor,
Erschliefst mit Schall das verborgne Tor;
Es erwachen die Ritter und Jungfraun hold,
Neu glänzt an der Sonne das alte Gold.

Wilhelm Wackernagel.

H. v. Kleist.

Er war ein Dichter und ein Mann, wie Einer,
Er brauchte selbst dem Höchsten nicht zu weichen,
An Kraft sind Wenige ihm zu vergleichen,

An unerhörtem Unglück, glaub' ich, keiner.

Er stieg empor, die Welt ward klein und kleiner,
Und auf der Höhe, die wir nicht durch Schleichen,
Die wir nur fliegend oder nie erreichen,

Ward über ihm der Äther immer reiner.

Doch, als er nun die Welt nicht mehr erblickte,
Da hatte sie ihn längst nicht mehr gesehen,
Und frech ihm selbst das Dasein abgesprochen!

Nun musst er darben, wie er einst erstickte,
Ihm blieb nichts übrig, als zurück zu gehen,
Doch lieber hat er seine Form zerbrochen.

Hebbel.

Das letzte Lied.

Fernab am Horizont, auf Felsenrissen,
Liegt der gewitterschwarze Krieg getürmt;
Die Blitze zucken schon, die ungewissen,

Der Wandrer sucht das Laubdach, das ihn schirmt;
Und wie ein Strom, geschwellt von Regengüssen,

Aus seines Ufers Bette heulend stürmt,

Kommt das Verderben mit entbundnen Wogen
Auf alles, was besteht, herangezogen.

Der alten Staten graues Prachtgerüste
Sinkt donnernd ein, von ihm hinweggespült,
Wie auf der Heide Grund ein Wurmgeniste,
Von einem Knaben scharrend weggewühlt;
Und wo das Leben um der Menschen Brüste
In tausend Lichtern glänzend hat gespielt,
Ist es so lautlos jetzt wie in den Reichen,
Durch die die Wellen des Cocytus schleichen.

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