Obrazy na stronie
PDF
ePub

Die Stätt' ist heilig! Löset mir die Schuhe;
Ich falle nieder, wo ein Gott geweilt!
Als sein Vermächtnis säuselt sel❜ge Ruhe
Durch diesen Tempel, allen mitgeteilt.

Nun lasst mich mit dem Dichterschwure scheiden,
Den ich ihm gab als dieser Stunde Pfand;

Ist er gelöst durch Taten und durch Leiden,
Dann wieder küss' ich meines Meisters Hand!

F. Dingelstedt.

Der Leser an Goethe.

Du grofser Geist, wie kann ich dich erfassen!
Wie reifsest du gewaltsam mit dir fort!
Ich lese dich und kann nicht von dir lassen,
Und neu erquickt mich jedes alte Wort.
Wenn andrer Lieder Sterne fern erblassen,
Die deinen leuchten zu dem schönsten Port.
Wie auch die Flut des Lebens Schiff bedränge,
Bewältigt ruht's im Hafen deiner Klänge.

Es spricht dein weiser Mund in tausend Zungen
Und hat für jedes Herz den rechten Laut.
Du hast der Menschheit niedres Loos bezwungen,
Als wär's dein Werk, ihr ganzes Herz durchschaut.
Und wie du in des Lebens Nacht gedrungen,

Hat dir ein Gott das Göttliche vertraut.

Das himmlische Vertrauen zu erwidern,

Giebst du dich uns in deinen ew'gen Liedern.

Michael Beer.

Goethes Biographie.

Anfangs ist es ein Punkt, der leise zum Kreise sich öffnet, Aber, wachsend, umfasst dieser am Ende die Welt.

F. Hebbel.

Mit Goethes Werken.

Wo du stehst im Kreis der Wesen,
Stellt er sich als Führer ein,
Doch will er nicht blofs gelesen,

Er will auch gelebet sein.

F. Grillparzer.

Zur hundertfünfundzwanzigsten Geburtstagsfeier Goethes.

Nicht suchen wir am Erdenball die Stelle,

An der uns einst ein Heil, ein Glück entsprang;
Wir grüfsen sie im Himmel, seiner Quelle.
Denn erst, wenn dieser Ball zurück sich schwang
In jenen Himmelsraum, von dessen Schwelle
Zu uns herab ein holder Segen drang,
Dann jubeln wir, dort feiern wir aufs beste.
Das ist der Sinn all' unsrer Jahresfeste.

Und hier, im Himmelsraum, den wir durchrollen,
Hier war's und hundert fünfundzwanzig Mal
Durchflog die Erde nun den segenvollen
Hier war es, wo ein lichter Himmelsstral
In dunkler Zeit zu uns herabgequollen,
Ein Feuer, wie es einst Prometheus stahl.
Es flammte, stieg empor wie Morgenröte,
Und alle Nachtigallen jauchzten: Goethe!

Wir jauchzen mit. Denn ob er längst entschwunden
Zum hellern Licht, dahin sein Blick gestrebt:
Was er empfing in seinen reichsten Stunden,
Was Unvergängliches ihn je durchbebt,

Was Seel' und Geist, aus tiefsten Lebenswunden,
Aus höchster Lust aufatmend, durchgelebt,
Verklärt, gereift, von edler Form umschlossen,
So gab er's uns, wir haben es genossen.

Wie er in heifser Jugendglut entbrannte,
Als stürmend er ins Leben sich gewühlt,

Im Grofsen, Schönen sich bewusst ermannte,
Als ernster Forschung Born die Stirn gekühlt;
Wie dann des Mannes Blick die Welt umspannte,
Die er mit allen Fibern durchgefühlt,

Und noch zuletzt, ein Greis im Silberhaare,

Er selber stets, der Edle, Weise, Klare:

So hat in unvergesslichen Gestalten
Sein bestes Selbst er seinem Volk verliehn,
Um eine Welt von Bildung zu entfalten,
Die vor ihm fremd, die unerreichbar schien.
In drei Geschlechtern die am höchsten galten,
Die Würdigsten, die Besten sahn auf ihn;
Und was von jenen blieb und fortbestehet,
Es ist von seines Geistes Duft umwehet.

Wie klang das alte Deutsch mit neuen Tönen
In seinem Lied, bestrickend, zauberhaft!
Wie hörte man des Ritters Stimme dröhnen,
Urfrisch geschöpft am Born der alten Kraft!
Wie hüllte sich ein liebegrübelnd Stöhnen
In Wunderlaut, wie keiner mehr ihn schafft!
Da brach der Winter, der uns eingeschneiet,
Warm schlug das Herz, der Geist fand sich befreiet.

Und seiner Brust entsank das Trübe, Wilde,
Vom Glanz der Schönheit ward sein Blick erhellt.

Wer kennt euch nicht, ihr herrlichen Gebilde,

Die nun entzückten die erstaunte Welt,

In denen Adel, heitre Kraft und Milde

Sich der Natur, der Wahrheit sich gesellt.
Dem Ringen selbst mit Himmel, Höll' und Leben,
Dem Tiefsten, wusst' er Wort und Reiz zu geben.

Denn was er auch mit strenger Form umschränkte, Naturlaut war's durchfühlt, durchgeistigt nur. Und wie er so Natur der Dichtung schenkte, So schenkte sich dem Dichter die Natur. Wohin er seinen Blick, sein Forschen lenkte, Liefs sie ihn ahnen ihres Waltens Spur. Deutsche Dichtung im Liede.

[blocks in formation]

Er ging ihr nach, er lüpft' an ihrem Schleier:
Sie lächelte und wies sich willig freier.

Nun sah man ihn des Bergs Gestein befragen,
Der Wolken Schichtung prüft' er sinnend nach,
Die Pflanze musst' ihm ihr Geheimnis sagen,
Still lauscht' er, was des Tiers Gestaltung sprach;
Er lehrt' uns, wie des Auges süfs Behagen,
Der Farbe Reiz, aus Licht und Dunkel brach;
Und forschend, deutend, war's sein Hochvertrauen,
Natur in Gott, Gott in Natur zu schauen.

Und welche Kunst und welches reine Streben
Ward nicht von ihm erregt, erhöht, belebt?
Wer hat sich seinem Geist dahin gegeben
Und nicht gefühlt, wie der ihn läuternd hebt?
Wer sich vertieft in dieses reiche Leben
Und nicht mit ihm dem Würd'gen nachgestrebt?
So wird er einst noch ungeahnte Zeiten

Zu schönsten Zielen hoch und höher leiten.

Doch um uns her wir werden's trauernd inne

Im Waffenlärm, im Hader der Partei'n,

Im Statsgezänk, im Jagen nach Gewinne,

Im Durst nach Tagserfolg und eitlem Schein,
Wer steigt mit ihm noch auf des Daseins Zinne?
Wer spült den Geist in seiner Flut noch rein?
Ach, schon nicht viele mehr sind ihm geblieben
In ernstem Streben und in treuem Lieben.

Wo er geirrt, wir wissen's zu ermessen;
Von blindem Dienste macht' er selbst uns frei.
Doch würd' er je im deutschen Volk vergessen:

Ein Aufgang wär's erneuter Barbarei.

Fort, wüstes Bild! Wir Treuen freu'n uns dessen,
Dass wir noch sein, dass er noch unser sei,
Und wollen heut und bis ans Ende preisen

Den hohen Mann, den Dichter, Forscher, Weisen.

Victor v. Straufs.

Der Riese von Marbach.

Seht ihr, wie freundlich sich die Stadt Im Neckarfluss beschauet?

Wie sie sich ihre Berge hat

Mit Reben wol bebauet?

Dort, wie die alte Chronik spricht,

Hat vor viel Jahren dumpf und dicht Ein Tannenwald gegrauet.

Gelegen hat ein Riese drin,
Ein furchtbar alter Heide,

Er bracht in seinem wilden Sinn
Das Schwert nicht in die Scheide;
Er zog auf Mord und Raub hinaus
Und baute hier sein finstres Haus
Dem ganzen Gau zu Leide.

Die Steine zu dem Riesenhaus,

Ganz schwarz und unbehauen,

Grub er sich mit den Händen aus,
Fing eilig an zu bauen,

Er warf sie auf die Erde nur,
Dass einer auf den andern fuhr,
Bis fertig war das Grauen.

Es sei der Riese, sagt das Buch,
Aus Asia gekommen,

Ein Heidengötz', ein alter Fluch,
Zum Schrecken aller Frommen:
Mars oder Bacchus sei das Wort,
Davon Marbach, der Schreckensort,
Den Namen angenommen.

Die Steine längst verschwunden sind, Der Wald ist ausgereutet!

Ein Märchen ward's für Kindeskind,

Das wenig mehr bedeutet;

Doch horchet wol auf meinen Sang, Der nicht umsonst mit seinem Klang Es jetzt zurück euch läutet.

« PoprzedniaDalej »