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Des Einen Lyra hat uns hold umflüstert

Mit Klängen aus den alten Ritterzeiten,

Der Andre hat den Ton der deutschen Saiten
Mit dem der alten Griechen schön verschwistert.

Und ist vorüber auch der Träne Pressen,
Und haben selbst die Dichter sich erhoben,
Als Männer einzutreten in das Feuer:

Euch Jünglinge wird nie das Volk vergessen,
Dass ihr mit süfsen Klängen habt umwoben
Den sanften Wehmutstraum, der ihm so teuer.

Th. Creizenach.

An eine Lieblingsbuche meines Gartens,

in deren Stamm ich Höltys Namen schnitt.

Holdeste Dryas, halte mir still! es schmerzet nur wenig: Mit wollüstigem Reiz schliefst sich die Wunde geschwind. Eines Dichters Namen zu tragen bist du gewürdigt,

Keinen lieberen hat Wiese noch Wald mir genannt. Sei du künftig von allen deinen Geschwistern die erste, Welche der kommende Lenz wecket und reichlich belaubt, Und ein liebendes Mädchen, von deinem Dunkel umduftet, Sehe den Namen, der, halb nur verborgen, ihr winkt. Leise drückt sie, gedankenvoll, die Lippen auf diese

Lettern, es dringet ihr Kuss dir an das innerste Mark. Wehe der Hand, die dich zu schädigen waget! Ihr glücke Nimmer, in Feld und Haus, nimmer ein friedliches Werk!

Eduard Mörike.

Am Grabe Höltys.

Hölty! dein Freund, der Frühling ist gekommen!
Klagend irrt er im Haine, dich zu finden;
Doch umsonst! sein klagender Ruf verhallt in

Einsamen Schatten!

Nimmer entgegen tönen ihm die Lieder

Deiner zärtlichen schönen Seele, nimmer

Freust des ersten Veilchens du dich, des ersten
Taubengegirres!

Ach an den Hügel sinkt er deines Grabes
Und umarmt ihn sehnsuchtsvoll:,,Mein Sänger
Tot!" So klagt sein flüsternder Hauch dahin durch
Säuselnde Blumen.

N. Lenau.

Auf Höltys Todestag.
1. Sept. 1776.

,,Ihr Freunde hänget, wann ich gestorben bin,
Die kleine Harfe hinter dem Altar auf,

Wo an der Wand die Totenkränze

Manches verstorbenen Mädchens schimmern.

,,Der Küster zeigt dann freundlich dem Reisenden
Die kleine Harfe, rauscht mit dem roten Band,
Das, an der Harfe festgeschlungen,
Unter den goldenen Saiten flattert."
Hölty, der Auftrag (1776).

Noch hängt sie, Hölty, dort am geweihten Ort,
Die kleine Harfe mit dem verblassten Band,
Noch tönen oft im Abendhauche

Leis wie im Traume die goldnen Saiten.

Nicht viel Akkorde zälte dein Saitenspiel,
Nicht stolzen Klanges reifst es die Herzen fort,
Doch sanft und süfs mit holder Wehmut

Rührt es mir immer aufs neu die Seele.

-

Du sangst den Frühling, der dir so kurz geblüht;
Sangst Liebe, der du nie eine Braut geküsst;
Sangst:,,Wunderschön ist Gottes Erde!"
Schon mit dem Tod im Jünglingsherzen.

Kein Weltschmerzdichter, welcher sein kleines Weh
Zum Riss aufdonnert, der durch das Weltall klafft,
Nein, in der Schöpfung Harmonieen

Liefsest du lächelnd dein Leid verklingen.

Kein Himmelsstürmer, welcher mit kecker Stirn
Gottleugnerisch dem Schöpfer ins Antlitz trotzt,
Nein, streng geführt auf rauhem Pfade,
Priesest du kindlich den Vater droben.

Am Frühlingsanfang, da sich im deutschen Hain
Die ersten Sänger übten im Wettgesang,
Da tönte süfs dein Lied vor allen,

Sänger des Lenzes und ,,Traumbilddichter!"

Wol schöner prangt der pupurnen Rose Kelch,
Wol voller tönt der Nachtigall Wonnelied,
Doch freut mich auch die Apfelblüte
Und der bescheidne Gesang der Drossel.

Drum oft noch unter'm blühenden Apfelbaum,
Am Frühlingsabend, dort auf der Gartenbank,
Sind's deine Lieder, holder Hölty,

Drauf mir die Blüten herniedersäuseln.

K. Gerok (1876).

Nun lustwandelten jene, von längeren Schatten begleitet,
Über des Borns durch Kiesel zum See abfliefsendes Bächlein
Hin zu dem duftenden Hügel, wo schlankere Birken gen Himmel
Säuselten, Tannensat sich erhob mit gelblichem Jahrwuchs,
Und Wachholdergesträuch um die Hünengräber der Vorwelt
Wuchernd kroch, und glänzte der Hulst mit stachlichten Blättern.
Einzeln rauschten umher auch Mastbäum' unter den Wolken,
Ostwärts alle gebeugt von des siebenundvierzigsten Jahres
Winterorkan. Sie umschauten die weithin lachende Landschaft,
Fruchtfeld, Au'n voll Herden, Gehölz und türmende Dörfer,
Gegen Eutin, wo weislich die Pfründ' ausspähte der Domherr;
Plauderten viel und sangen empfundene Lieder von Stolberg,
Bürger und Hagedorn, von Claudius, Gleim und Jacobi;
Sangen: „,0 wunderschön ist Gottes Erde!" mit Hölty,
Welcher den Tod anlacht', und beklagten dich, redlicher Jüngling.

J. H. Voss (Luise).

Im Bilkerbusche bei Düsseldorf,

den 13. Junius 1778.

Hier, wo mit stiller Pracht Der Eichen Äste schwanken,

Durch eines Weinstocks Ranken

Das Bauerhäuschen lacht;

Im Hof die alte Sitte

Den Brunnenschwengel dreht,
Vor jener Bienenhütte

Der krumme Kirschbaum weht,

Und in des Gartens Mitte
Die Sonnenblume steht;

Wo sich um rohe Stäbe
Die wälsche Bohne schlingt,
Und flüsternd das Gewebe
Dem Sitze Schatten bringt,
Der unter Pflaumenbäumen
Zur Hälfte sich versteckt,
Auf dem aus Mittagsträumen
Den Fleifs die Arbeit weckt;
Hier, wo sich rings mit Ähren
Der Zaun von Dornen kränzt,
Die Sonne freier glänzt;
Wo friedliches Begehren

Sich weich auf Blumen legt,

Der Puls gelinder schlägt;

Der weite Wald sich schwärzlich

An blonde Saten schliefst,

Und Lieb' in Lüften fliefst:

Hier wünsch' ich traut und herzlich,

Von andern Wünschen leer,

Die besten Menschen her;

Gedenke mir vor allen,
Du guter Asmus, dich;
Es würde sicherlich

Mein Plätzchen dir gefallen,
Dich lauter Lust umwallen,

Und Liebe, so wie mich.

O könnt' ich, bei der Finken
Helltönendem Gesang,

Dich aus der Ferne winken
Auf meine Rasenbank!
Dir an den grünen Zweigen,
Die, stark und dennoch mild,
Natürlich und nicht wild,
Im Morgenglanze steigen,
Im Abendtau sich neigen,
Ein ungeheuchelt Bild
Von deiner Seele zeigen!
Gelagert neben dir,

Freund Asmus, wollt' ich hier
Aus deinem Munde lernen:
Wie man im Mondenschein
Und ohne Mond, im Hain,
Umfunkelt von den Sternen,
Empor die Augen hebt,
Im Tempel Gottes lebt;
Dann aus dem Tempel wieder
Zur kleinen Erde nieder
Mit Nachtigallen schwebt,
In dichtumbüschte Gründe,
Worin das Veilchen bebt.
Ich lernte neben dir
Auf meinem Rasen hier:
Wie der sich im Gewinde
Von Weisheit nicht verirrt,

Der sonder Arg zum Kinde
Voll Lieb' und Glaubens wird;
Der seinen Vater oben
Im hohen Himmelszelt

Auf frisch besätem Feld

Zu bitten und zu loben

Für eitel Segen hält;

Im Glückesschimmer biegsam

Und, reich und arm, genügsam,

Kein Gutes sich vergällt;

Der ohne Stolz ein Weiser,
Zu Japan vor dem Kaiser
Mit treuer Wahrheit steht;
Dem Kaisertum zu frommen

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