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Zeilen in Roth, ohne Spur von Rasur oder anderen Veränderungen: „Anno domini millesimo quadringentesimo tricesimo primo ipso die lucie virginis et martyris finitus et completus est liber iste per manus fratris iohannis cornelii Anno professionis eiusdem secundo.“ Jöcher sagt in seinem Gelehrtenlexikon I., 2105 „Cornelii (Jo.), ein Canonicus regularis Augustiner-Ordens, von Diest in Brabant, starb 1472 in dem Kloster Bethlehem bey Löven, im 69 Jahre, u. hinterliess orationes, meditationes etc. Dieser Codex Roolf hat vor dem von Thomas a Kempis geschriebenenen mindestens ein höheres Alter von 10 Jahren voraus u. ist vermuthlich die verschollene Löwener Handschrift. Im Grossen u. Ganzen scheint Uebereinstimmung zwischen beiden stattzufinden, doch fehlt es nicht an Varianten. Möge die werthvolle Handschrift, welche verkauft werden soll, unserem Deutschen Vaterlande erhalten bleiben!“

[423.] Aus Greifswald ist am 17. Febr. der ord. Professor der Geschichte u. Oberbibliothekar an der Universität Dr. Th. Hirsch im 75. Lebensjahre gestorben.

[424.] Aus Heidelberg hat die Universitäts-Bibliothek drei der ehemaligen Palatina zugehörige u. zuletzt im Besitze der Hallischen Universitäts-Bibliothek befindliche Codices – über welche Dr. O. v. Gebhardt im Anz. J. 1879. Nr. 324 nähere Mittheilung gemacht – durch Entschliessung des Preuss. Cultusministers v. Puttkamer, nach nicht weniger als 261 Jahren, wieder zurückgeliefert erhalten. Zur Zeit der Wegführung der Palatina nach Rom waren diese Codices an den Wittenberger Professor Erasmus Schmidt verliehen gewesen u. dadurch der gewaltsamen Uebersiedelung nach Rom entgangen, später aus dem Schmidt'schen Nachlasse in die Wittenberger Universitäts - Bibliothek u. dann aus dieser in die dortige Seminar-Bibliothek, sowie aus letzterer 1862 durch Kauf in die Hallische Universitäts-Bibliothek gekommen.

(Dresdner Journal Nr. 59. S. 317.) [425.] Aus Leipzig wird dem Wolf'schen medicinischen Vademecum (s. oben Nr. 352) in allernächster Zeit folgen: „Wolf's naturwissenschaftlich- mathematisches Vademecum. Alphabetische und systematische Zusammenstellung der neueren und besseren Literatur-Erscheinungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaften und Mathematik. Mit Vorwort von Dr. Luerssen, Privat-Docent in Leipzig. Nebst Verzeichniss von Antiquaria, z. Thl. die Bibliothek des Dr. A. B. Reichenbach in Leipzig, enthaltend:“ von demselben sind bereits acht Bogen gedruckt. Auch befinden sich noch andere dergl. Vademecums, wie ein theologisch-philosophischpädagogisches, ein juristisches u. ein philologisch - linguistisches, in Vorbereitung:

[426.] Aus New Haven (Conn.) beabsichtigt H. P. Hubbard, Verf. des 1880 erschienenen Amerikanischen Zeitungs-Adressbuches (s. Anz. J. 1880. Nr. 698) in der nächsten Zeit ein ZeitungsAdressbucb der Welt herauszugeben, welches über 30,000 Zeitungen verzeichnet enthalten soll, u. nach des Verf.'s Versicherung „alles bis jetzt erzeugtes Derartiges übertreffen“ wird.

[427.] Aus New York findet sich in „Publishers' Weekly“ Vol. XIX. No. 5. S. 88—90 eine Zusammenstellung der Productionen des Namerikanischen Buchhandels im J. 1880. Die Gesammtzahl dieser Productionen beträgt 2076, die sich auf die verschiedenen Fächer in folg. Weise vertheilen: 292 Fiction; 270 Juvenile Books; 239 Theology and Religion; 151 Biography, Memoirs, etc.; 131 Education, Language; 115 Description, Travel, etc.; 114 Medical Science; 111 Poetry and the Drama; 106 Literary History and Miscellany; 99 Political and Social; 72 History; 63 Useful Arts; 62 Law; 56 Natural Sciences; 44 Fine Arts, Illustrated Works; 43 Domestic and Rural; 32 Amusements, Sports, etc.; 30 Humor and Satire; 24 Music (chiefly Church and School); 22 Mental and Moral Philosophy.

428.] Aus New York ist von J. W. Bouton das Erscheinen einer „Bibliomania in the present day in France and England giving an account of several notable book sales in London and Paris, with the prices of the important works“ – angekündigt. Es sollen davon nur 250 Exemplare, mit dem Portrait des berühmten Buchbinders Fr. Bauzonnet, gedruckt werden.

1429.) Aus Paris sind, gleich dem „Bulletin du Bouquiniste“ (s. oben Nr. 327)*), mit Schluss des letztvergangnen Jahres auch die Rouveyre'schen „Miscellanées bibliographiques“ nach nur dreijährigem Bestande aus diesem Leben geschieden, u. zwar ebenfalls mit Hinterlassung von Schulden: wenigstens fehlen mir von dem III. vollbezahlten Jahrgange noch die Nrr. 33-36 u. sind, trotz wiederholter Reclamation von Seiten der Sortimentshandlung, durch welche ich die Bll. bezogen habe, bis jetzt doch nicht zu erlangen gewesen.

J. P. [430.] Aus Paris ist in der „Bibliographie de la France“ Chron. Nr. 10. S. 40 mitgetheilt: „Une institution peu connue du public et qui va prendre cette année un grand développement, par suite de la subvention qu'elle vient de recevoir de l'administration, nous dit la Liberté, ce sont les bibliothèques médicales des hôpitaux de Paris. Ces bibliothèques, dues à l'initiative des internes

*) Aus Prag hat man die Güte gehabt mir mitzutheilen, dass die von mir veröffentlichte Todesanzeige des Bulletins verfrüht sei: dasselbe lebe noch, allerdings in der seitherigen für den Anz, sterilen Weise, wie die in Wien eingetroffenen Jan.- u. Febr.-Nrr. zeigen. Ich für meine Person habe in Dresden bisher allerdings nichts erhalten. J. P.

des établissements hospitaliers de la capitale, sont actuellement au nombre de dix-sept. Jusqu' à l'année dernière elles n'avaient eu d'autres ressources que celles produites par des cotisations mensuelles de 1 franc, payées par les internes. C'est au moyen de ces faibles ressources que plusieurs hôpitaux de Paris sont cependant parvenus à posséder des bibliothèques pourvues d'un nombre de volumes relativement considérable, si l'on songe que tous les volumes dont elles se composent sont des ouvrages de choix, traitant tout spécialement des matières, qui font l'objet du traitement de chaque établissement. Ainsi à la date du 31 décembre 1880, la bibliothèque de l'hôpital Beaujon possédait 1150 volumes, dont 900 reliés; celle de Bicêtre 1868; celle de l'Hôtel-Dieu 2530; la bibliothèque de l'hôpital Lariboisière 1325; celle de la Salpêtrière 1530. Les deux bibliothèques médicales les moins complètes, à la même date, étaient celle de Lourcine, qui n'avait que 52 volumes, et celle de l'hôpital Sainte-Eugénie, qui n'en avait que 96. La subvention que la ville de Paris vient d'accorder à ces bibliothèques pour la présente année s'élève à la somme totale de 7400 francs, répartis par parts variant entre 200 francs et 500 francs entre les dissept bibliothèques existantes. En outre, il est question d'élever à 2 francs par mois le chiffre des cotisations fournies par les internes.“

[431.] Aus Paris ist der als Litterarhistoriker rühmlich bekannte Alexis Paulin Paris (geb. 25. März 1800) — 1828–53 im Departement der Handschriften der Nationalbibliothek u. 1853 -72 als Inhaber des eigens für ihn am Collége de France errichteten Lehrstuhles der mittelalterlichen Franz. Litteratur angestellt - kürzlich gestorben.

[432.] Aus Stuttgart hat der Bibliothekar Prof. Dr. Th. Schott in der „Schwäbischen Kronik“ Nr. 43 vom 20. Februar S. 321–22 einen Artikel „Württembergische Literatur im Jahre 1880" veröffentlicht, worin sich ein Ueberblick Dessen findet, was an selbständigen neuen Schriften im letztvergangenen Jahre von Württembergern verfasst worden, soweit es zu des Verf.'s Kenntniss gekommen; ‘neue Auflagen u. Artikel in Zeitschriften sind dabei nicht berücksichtigt. Auch in dieser Beschränkung zeige, wie der Verf. schreibt, die litterarische Zusammenstellung die ehrenvolle Stellung, welche die Württembergische Schriftstellerwelt in allen Gebieten des Wissens u. Forschens einnehme.

[433.] Aus Washington ist für die Congressbibliothek, aus dem Besitze von Porter & Coates, das Exemplar der Bibel angekauft worden, welches Dr. Thomas Wilson an George Washington geschenkt hat. Die in vortrefflichem Zustande erhaltene Bibel, die Washington's eigenhändige Inschrift trägt, besteht aus 3 Bden.

(Publish. Weekly. Vol. XIX. No. 5. S. 93.)

Druck von Joh. Pässler in Dresden.

(BODL:LIBR) Bibliographie und BibliothekwissenschaftDICLE

Herausgegeben von Dr. J. Petzboldt.

Mai.

1881.

Inhalt: Eingabe an den Reichskanzler Fürsten von Bismarck, die Begründung einer Deutschen Reichsbibliothek betr. – Die Lateinischen Augsburger Inkunabeln der Kreis- und Stadtbibliothek in Augsburg. Von J. Kränzler. (Schluss.) – Büchergeschenk an das Predigermönchskloster in Turin.

– Litteratur und Miscellen. – Allgemeine Bibliographie.

[434. Eingabe an den Reichskanzler Fürsten von Bismarck, die Begründung einer Deutschen Reichsbibliothek betr.*)

Ew. Durchlaucht beehren sich die ergebenst Unterzeichneten nachstehendes Gesuch zur geneigten Berücksichtigung ehrerbietigst zu unterbreiten: Die grosse Bedeutung des Bibliothekenwesens für die geistige Cultur des Deutschen Volkes ist eine anerkannte Thatsache. Jede im Druck erschienene Schrift, vom umfangreichsten wissenschaftlichen Werk bis zum kleinsten ephemeren Flugblatte repräsentirt eine Aeusserung des geistigen Lebens der Nation und ist als ein culturhistorisches Zeugniss der Zeitbewegung zu betrachten. Dieser Auffassung hat auch Seine Majestät der Kaiser seiner Zeit Ausdruck gegeben, als er nach seiner Rückkehr aus dem letzten glorreichen Feldzuge eine Sammlung von Schriften, Drucksachen, Zeichnungen u. 8. W., welche sich auf den FranzösischDeutschen Krieg beziehen, anlegen u. der Königl. Bibliothek in Berlin überweisen liess. Das geeinigte Reich ist jetzt im Begriff, eine Ruhmeshalle für die Trophäen Deutscher Siege zu errichten, ein nicht minder wichtiges u. zeitgemässes Unternehmen würde die Errichtung einer Ruhmeshalle für die Siegeszeichen des Deutschen Geistes u. zugleich eines dauernden Denkmales geistiger Einheit, nämlich einer Deutschen Reichsbibliothek als eines Centralpunktes für die Erzeugnisse der Deutschen Nationalitteratur sein.

Das Bedürfniss einer öffentlichen Deutschen Nationalbibliothek, welche die vollständige litterarische Production eines jeden Jahres pflichtmässig aufzunehmen und zu bewahren hätte, ist seit lange in gelehrten wie in litterarischen Kreisen empfunden worden. Für eine derartige Reichsbibliothek nahm zuerst der Hallische Bibliothekar Dr. Karl Kehrbach in der Presse das Wort, u. auf dem Schriftstellertage des Allgemeinen Deutschen Schriftstellerverbandes

*) Auch abgedr. im S. 1662–63.

Börsenbl. f. d. Deutsch. Buchhand. Nr. 89.

in Weimar (26. September 1880) wurde der einstimmige Beschluss gefasst: an Ew. Durchlaucht das ehrerbietige Gesuch zu richten, eine Deutsche Reichsbibliothek begründen zu wollen. Als Mandatare des Deutschen Schriftstellertages bringen die Unterzeichneten dieses Gesuch vor Ew. Durchlaucht mit der ergebenen Bitte, bei dem hohen Bundesrath bezw. dem Reichstage das Erforderliche gütigst veranlassen zu wollen.

Ew. Durchlaucht möge gestatten, die Motive unseres Gesuches in Kürze darzulegen: In einigen Deutschen Staaten hat das Bibliothekswesen erfreuliche Resultate aufzuweisen, im allgemeinen aber muss die bei Gelegenheit der Pressgesetzberathungen (1874) von dem Reichstagsabgeordneten Prof. Dr. von Schulte aufgestellte Behauptung, dass unser Bibliothekswesen gegenüber dem anderer Staaten zurückstehe, mit vollem Recht bestehen bleiben. Keine Deutsche Bibliothek enthält auch nur annähernd die vollständige Litteraturproduction gewisser wichtiger Zeiträume, geschweige denn die gesammte Production der Gegenwart u. jüngsten Vergangenheit. Der Grund dieses Missstandes liegt darin, dass unsere grossen Bibliotheken meist aus einseitigen gelehrten Gesichtspunkten geleitet werden, von welchen aus wohl die Interessen wissenschaftlicher Specialitäten, nicht aber die der Nationallitteratur, insbesondere der schönen Litteratur gepflegt werden. Ursprünglich sind die Bibliotheken aus dem Bedürfniss entstanden, diejenigen Schriften, welche man lesen wollte, auch zu haben. Jeder kaufte also das an, was er sich für nothwendig hielt, und für eine öffentliche Bibliothek wurde ebenfalls das angekauft, was für wichtig u. werthvoll zu studiren galt. Jeder Bibliothekar wählte demnach aus der erscheinenden Litteratur nur das aus, was er für das Beste hielt. Jetzt aber sehen wir in einer Bibliothek noch ein ganz anderes Object. Die Bibliotheken sollen nicht blos das enthalten, was wir um seines eignen Werthes willen lesen wollen, sondern auch, was wir kennen wollen, weil es producirt worden ist, kurz sie sollen ein Repertorium des Volksgeistes u. seiner Erzeugnisse sein. Eine Bibliothek war bisher ein Werkstätte, in welcher man gewisse Werkzeuge aufbewahrte, um gewisse Dinge zu produciren. Aber Kenntniss des Volksgeistes u. seine Geschichte zu produciren, diesen Zweck hatte man nicht, folglich brauchte man das Mittel nicht. Jetzt aber ist die litterarische Production einer Zeit ihr geistiges Gewissen geworden. Andere Nationen haben die unserige in der musterhaften Organisation und im rechten Verständniss des Bibliothekswesens längst übertroffen. Die Nationalbibliotheken in Paris und Washington u. selbst in Petersburg, vor Allem aber die Englischen Bibliotheken, sind von uns unerreichte Muster. Was auch der Engländer innerhalb der verschiedensten Litteraturzweige seines Vaterlandes für Studien machen will, er darf hoffen, das grösste und das kleinste litterarische Dokument, das in

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